Prolog: Das Schicksal der Schuppenschlächter

Eine Chronik aus den Forgotten Realms

In den Vergessenen Reichen ist das Schicksal ein launischer Spielmann. Es spinnt seine Fäden zwischen den Sternen, flüstert in den Träumen der Sterblichen und legt seine Karten auf einen Tisch, den kein Mensch je zu Gesicht bekommen hat. Könige fallen, Reiche versinken im Staub der Jahrhunderte, und selbst die Götter wissen nicht immer, welches Ende ihre eigenen Geschichten nehmen werden.

Doch manchmal genügt eine einzige Karte, um das Gefüge der Wirklichkeit zu erschüttern.

Ein einziger Augenblick, eine einzige Entscheidung – und eine Vergangenheit, die unverrückbar schien, wird zu Asche. Erinnerungen verblassen, Bündnisse lösen sich auf, und Wege, die einst beschritten wurden, verschwinden, als hätte es sie niemals gegeben. Nur ein flüchtiger Schatten bleibt zurück, ein Echo aus einer Zeit, die nicht mehr existiert.

So geschah es auch den Schuppenschlächtern.

Was sie einst waren, was sie erlitten und welche Mächte sie herausforderten, lag plötzlich hinter einem Schleier aus Nebel und Widerspruch. Der Kampf gegen den Eisdrachen Cryovain, die dunklen Versuchungen und die Entscheidungen, die ihre Seelen geprägt hatten – all dies wurde neu geschrieben. Ihre Erinnerungen kämpften gegen eine Wirklichkeit, die keine Zweifel duldete.

Und inmitten dieses Wandels stand Cleo, deren Weg sich verändert hatte. Wo einst ein finsterer Pakt ihre Zukunft zu bestimmen drohte, führte nun die Kunst der arkanen Magie ihren Weg. Die Hallen der Blackstaff Academy in Tiefwasser hatten sie geformt, und doch blieb sie dieselbe Gefährtin, die Seite an Seite mit den Schuppenschlächtern den Gefahren Faerûns trotzte.

Aber das Schicksal vergisst nichts.

Es verbirgt seine Geheimnisse lediglich dort, wo niemand nach ihnen sucht.

Während über Niewinter ein magischer Vortex tobte, uralte Mauern das Grauen von Schloss Never verbargen und unter dem Friedhof eine dunkle Macht schlummerte, regte sich im Verborgenen eine weitere Bedrohung. Ein alter, zerknitterter Zettel offenbarte Worte, die kälter waren als jeder Winterwind:

„Vernichtet alle Schuppenschlächter.“

Wer hatte diesen Befehl erteilt? Welche Hand lenkte die Toten, und welche Augen beobachteten die Gefährten aus den Schatten? Waren sie nur Figuren auf einem Spielbrett, dessen Regeln sie nicht kannten, oder besaßen sie noch immer die Freiheit, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen?

Die Antworten lagen irgendwo zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Erinnerung und Vergessen.

Und während die Masken für einen Ball in Niewinter bereitgelegt wurden, begann sich das Netz aus Intrigen enger um die Helden zu ziehen.

Denn in den Vergessenen Reichen gibt es viele Mächte, die über Leben und Tod gebieten. Manche tragen Kronen, andere göttliche Symbole, wieder andere verbergen ihre Gesichter hinter Masken.

Doch die gefährlichste Macht von allen ist jene, die darüber entscheidet, welche Geschichten überhaupt jemals geschrieben werden.

Und so beginnt ein neues Kapitel im Schicksal der Schuppenschlächter …

Ein Riss im Schicksal (Die Schuppenschlächter)

I. Der Schleier der verlorenen Erinnerungen

Der Morgen des  10. Nightal 1492 DR begann mit einem Riss in der Wirklichkeit. Ein seltsamer Schleier hatte sich über die Schuppenschlächter gelegt – kein gewöhnlicher Nebel, der durch die Ritzen einer Taverne kroch, sondern ein unheimliches Flüstern, das sich tief in ihre Gedanken fraß und ihre Erinnerungen durcheinanderwirbelte.

Die Nacht war erfüllt gewesen von Träumen über ihren Kampf gegen den Eisdrachen Cryovain. Doch je länger die Gefährten darüber sprachen, desto deutlicher wurden die Widersprüche. Einige erinnerten sich daran, wie Cleo mit dunkler Macht ihren Eldritch Blast entfesselt hatte. Andere waren sich sicher, dass sie Feuerbälle geschleudert hatte, als wäre sie schon immer eine ausgebildete Magierin gewesen.

Auch aus Phandalin erreichten sie beunruhigende Nachrichten. Ihre Gefährtin Serena war in einen tiefen, magischen Schlaf gefallen und konnte erst durch die Hilfe des eilig herbeigerufenen Magiers Celion daraus befreit werden. Doch selbst die Umstände dieser Rettung waren von Merkwürdigkeiten durchzogen: Eine seltsam unbeteiligte Wache namens Elsa hielt Nähzeug in den Händen, während ein Wirt eine Tür aufschloss, die von innen verriegelt gewesen war.

Die Welt schien dieselbe geblieben zu sein – und doch stimmte etwas ganz und gar nicht.

Ein Riss im Schicksal (Die Schuppenschlächter)

II. Cleos Geheimnis und die Launen des Schicksals

Als die Schuppenschlächter schließlich wieder zusammenfanden, ließen sich die Widersprüche nicht länger ignorieren. Die Erinnerungen an ihre gemeinsamen Abenteuer widersprachen einander, und selbst Cleos Vergangenheit schien plötzlich mehrere Wahrheiten bereitzuhalten.

Schließlich trat Cleo vor, um Licht ins Dunkel zu bringen. Was folgte, war ein Augenblick angespannter Stille, unterbrochen von einem denkwürdigen Abgang zum „Abort“, dessen Bedeutung wohl nur die Götter und das Schicksal selbst vollständig verstanden.

Als Cleo zurückkehrte, offenbarte sie die Ursache des ganzen Durcheinanders: Eine Schicksalskarte hatte die Vergangenheit verändert und ein entscheidendes Ereignis aus der Geschichte der Schuppenschlächter getilgt.

In dieser neuen Wirklichkeit hatte Cleo den Pakt mit der finsteren Entität Spike niemals geschlossen. Statt sich in die Abhängigkeit einer dunklen Macht zu begeben, hatte sie ihren eigenen Weg gewählt und war an die berühmte Blackstaff Academy in Tiefwasser gegangen. Dort hatte sie unter den größten arkanen Lehrmeistern die Kunst der Magie studiert und sich zu jener Zauberin entwickelt, die sie nun war.

Für die Schuppenschlächter war Cleo jedoch nie eine andere gewesen. Sie war ihre Gefährtin, ihre Magierin und ein fester Bestandteil ihrer gemeinsamen Geschichte. Nur die Erinnerungen an ihren Weg dorthin hatten sich verändert. Was einst ein Pakt mit dunklen Mächten gewesen war, erschien nun als eine Vergangenheit voller arkaner Studien, magischer Erkenntnisse und der Ausbildung an einer der angesehensten Lehrstätten Faerûns.

Die Träume der vergangenen Nacht waren nichts anderes gewesen als die Nachwirkungen dieser gewaltigen Veränderung. Ihre Gedanken hatten versucht, sich an eine neue Wirklichkeit anzupassen, während die letzten Echos der ausgelöschten Zeitlinie langsam verblassten.

Die Schuppenschlächter mussten erkennen, dass selbst ihre Vergangenheit nicht unveränderlich war. Wenn das Schicksal einmal seine Karten ausspielte, konnten ganze Lebenswege neu geschrieben werden.

Und wer wusste schon, welche anderen Geheimnisse noch in den Tiefen ihrer Erinnerungen schlummerten?

III. Ein neues Zuhause für die Schuppenschlächter

Nachdem sich die Gemüter beruhigt und die Erinnerungen zumindest vorläufig geordnet hatten, wandten sich die Gefährten wieder den weltlichen Angelegenheiten zu. Schließlich musste man sich um die Zukunft kümmern, auch wenn die Vergangenheit gerade erst neu erfunden worden war.

Nach längerer Beratung fiel ihre Wahl auf das weitläufige Umber-Hügel-Gehöft in Phandalin. Das Anwesen sollte ihre neue Heimat werden, ein Ort, an dem sie zur Ruhe kommen, ihre Kräfte sammeln und vielleicht sogar ein wenig Ordnung in ihr zunehmend chaotisches Leben bringen konnten.

Zudem gab es noch eine offizielle Belohnung, die ihnen Lord Niewinter für ihre bisherigen Dienste versprochen hatte. Es war also an der Zeit, die Angelegenheit persönlich mit dem Herrscher der Stadt zu klären.

So machten sich die Schuppenschlächter auf den Weg zurück nach Niewinter. Ihre Route führte sie über den Turm der Stürme, während vor ihnen bereits die nächste Etappe ihrer Reise wartete.

IV. Niewinter – Stadt des Aufbruchs und der dunklen Geheimnisse

Schon aus der Ferne empfing sie das vertraute Dröhnen der Sägewerke. Die Stadt schien sich langsam von den vergangenen Katastrophen zu erholen, und überall gab es Zeichen neuen Lebens und geschäftigen Treibens.

Doch nicht alles war wieder im Lot.

Über dem Hafen tobte noch immer der unheilvolle magische Vortex, dessen gewaltige Kräfte den Seehandel zum Erliegen brachten. Wie ein düsteres Mahnmal hing die Anomalie über der Stadt und erinnerte jeden daran, dass Niewinter noch lange nicht gerettet war.

In der Halle der Justiz wurden die Schuppenschlächter schließlich von Lord Niewinter empfangen. Sie verkündeten ihre Entscheidung zugunsten des Umber-Hügel-Gehöfts und brachten anschließend eine weitere Forderung vor: Als nächste Belohnung hätten sie gerne den alten Leuchtturm an der Küste.

Bescheidenheit gehörte schließlich nicht unbedingt zu den Tugenden, die eine Abenteurergruppe am Leben hielten.

Lord Niewinter zeigte sich von ihrem Ehrgeiz durchaus beeindruckt. Zugleich machte er deutlich, dass Niewinter von weit größeren Problemen geplagt wurde als von der Frage, wem ein altes Anwesen oder ein verlassener Leuchtturm gehörte.

Drei große Wunden nagten an der Stadt:

  • Der Vortex über dem Hafen, der den Seehandel blockierte und eine unberechenbare magische Gefahr darstellte.

  • Schloss Never, ein verfluchter Ort, der jeden verschlang, der seine Schwelle überschritt.

  • Der Friedhof von Niewinter, unter dem eine dunkle Macht schlummerte, deren wahre Natur noch im Verborgenen lag.

Drei Bedrohungen, drei mögliche Wege ins Verderben – und vermutlich keine davon mit einem freundlichen Empfangskomitee.

Die Schuppenschlächter berieten sich. Der Vortex erschien ihnen als eine Herausforderung von gewaltigem Ausmaß, und auch die dunklen Geheimnisse des Friedhofs versprachen wenig Gelegenheit für einen entspannten Spaziergang.

Schließlich fiel die Wahl auf Schloss Never.

Das verfluchte Gemäuer lag greifbar nahe, und sein Geheimnis schien eine Herausforderung zu sein, der sie sich unmittelbar stellen konnten. Lord Niewinter nahm ihre Entscheidung wohlwollend auf und lud sie für den Abend zu einem Maskenball in die berühmte Mondsteinmaske ein.

Eine Einladung zu einem festlichen Abend inmitten der vornehmen Gesellschaft Niewinters – was konnte dabei schon schiefgehen?

Ein Riss im Schicksal (Die Schuppenschlächter)

V. Die Botschaft aus der Vergangenheit

Während die Schuppenschlächter ihre nächsten Schritte planten und sich auf den bevorstehenden Abend vorbereiteten, fiel ihr Blick auf einen alten, zerknitterten Zettel, den sie bereits seit über einem Jahr mit sich führten.

Lange Zeit hatte die Botschaft darauf ein Rätsel dargestellt. Ihre Bedeutung war unklar geblieben, die Worte verschlüsselt und ihr Ursprung geheimnisvoll. Doch nun schien sich das Schicksal erneut einzumischen.

Durch eine glückliche Fügung der Magie gelang es Cleo, den Code zu entschlüsseln – oder vielmehr, sich an die schreckliche Bedeutung der Worte zu erinnern.

Die Botschaft lautete:

„Vernichtet alle Schuppenschlächter.“

Für einen Moment schien die Welt stillzustehen.

Die Worte waren eindeutig. Der Angriff der Untoten auf Niewinter, der so lange zurücklag, war offenbar kein zufälliger Ausbruch dunkler Magie gewesen. Es handelte sich um einen gezielten Anschlag, einen Versuch, die Schuppenschlächter auszulöschen.

Jemand hatte ihren Tod befohlen.

Doch wer steckte dahinter? Wer hatte die Untoten gelenkt, die Fäden im Hintergrund gezogen und ihre Gruppe zum Ziel einer Verschwörung gemacht? Und wie lange schon wurden sie beobachtet, verfolgt oder manipuliert?

Die Erkenntnis ließ die Gefährten mit einem unguten Gefühl zurück. Während sie sich bisher auf die Gefahren konzentriert hatten, die ihnen offen entgegentraten, wurde nun deutlich, dass ein unsichtbarer Feind im Verborgenen gegen sie arbeitete.

Die Schuppenschlächter hatten einen weiteren Hinweis aufgedeckt, doch von einer Lösung waren sie noch weit entfernt. Das Netz der Intrigen schien weit größer zu sein, als sie bislang geahnt hatten.

VI. Masken, Eldath und ein Abend voller Intrigen

Als der Abend näher rückte, machten sich die Schuppenschlächter auf den Weg, um sich für den Maskenball in der Mondsteinmaske vorzubereiten. Die Aussicht auf einen Abend in den gehobenen Kreisen Niewinters versprach zumindest eine willkommene Abwechslung zu verfluchten Schlössern, untoten Angreifern und kosmischen Veränderungen der eigenen Vergangenheit.

Doch selbst der Weg zur festlichen Veranstaltung sollte nicht ohne Zwischenfall bleiben.

Auf einer Brücke trat ihnen eine Gruppe von fünf Gestalten entgegen. Die Fremden trugen einheitliche Roben und strahlten eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus. Es gehörten dem Orden von Eldath an. Auch Belain fiel es auf. War er doch bislang auf seinen Reisen nie auf Glaubenbrpder getroffen.

Mit ihren Masken im Gepäck, der Einladung zum Maskenball in der Tasche und dem Geheimnis von Schloss Never vor Augen standen die Schuppenschlächter am Beginn eines neuen Abenteuers.

Doch hinter den prächtigen Fassaden Niewinters lauerten Gefahren, die sich nicht mit einem gezogenen Schwert allein bezwingen ließen. Alte Feinde schienen ihre Rückkehr vorzubereiten, neue Gegner traten aus den Schatten hervor, und irgendwo im Verborgenen wartete jemand darauf, dass die Schuppenschlächter den nächsten Schritt machten.

Die Welt hatte sich verändert. Die Vergangenheit war neu geschrieben worden. Und während Cleo ihren Platz als Magierin unter ihren Gefährten behauptete, blieb eine Frage unbeantwortet:

War die Veränderung der Wirklichkeit wirklich nur das Werk einer einzigen Schicksalskarte – oder hatte jemand längst begonnen, das Schicksal der Schuppenschlächter nach seinen eigenen Vorstellungen zu formen?

Die Nacht versprach Antworten.

Doch in Niewinter waren Antworten selten ungefährlich.

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