Es tut mir Leid Thia. Ich bin so fertig, dass ich nicht mal mehr weiß, was ich dir schreiben soll. Hat das Ganze überhaupt noch einen Sinn? Ich meine… wofür?
Ich dachte, dass ich mich besser fühlen würde, wenn ich mal wieder dazu komme zu zeigen, was ich als Soldat tauge. Aber dem war nicht so. Das einzige, was nach dem Kampf geblieben ist, ist noch mehr Unsicherheit. Nach einem langen und mehr als harten Kampf, konnten wir die Trolle zwar überwältigen, aber nicht ohne selber viel zu viel einzustecken. Zwischendurch hatte ich sogar das Gefühl, dass sie uns überrennen könnten. Ich sah Romero zu Boden gehen und konnte im Augenwinkel nur erkennen, dass auch Musharib, Inete und Nokah viel zu viel einstecken mussten. Jeder von uns kämpfte um sein Überleben. Ich habe Nokah Zaubersprüche praktisch schreien gehört und selbst gesehen, wie Romero Schlag nach Schlag auf diese Biester niedergehen lies. Ich könnte sogar schwören, nackte Faustschläge und den ein oder anderen fliegenden Speer gehört zu haben. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wo diese hätten herkommen sollen. Und wie wir uns auch wehrten, sie wichen nicht zurück. Nein, manche der Verletzungen, die wir ihnen zufügten, schienen sie nicht einmal zu interessieren und ihre Wunden schlossen sich einfach. Aber irgendwie scheinen wir, sei es unter Einsatz unserer letzten Kräfte, mit Schwert, Bogen und Magie, den Kampf für uns entschieden zu haben.
Als ich nach dem Kampf nach allen schauen wollte, musste ich feststellen, dass jeder schwer verletzt war. Jeder außer mir. Ich schaute, was ich tun konnte. Wem ich mit meiner heilenden Berührung beistehen konnte. Und auch wenn ich Nokah und selbst Hans helfen konnte, blieb bei mir nur der bittere Nachgeschmack hängen, dass Bee meine Hilfe ablehnte.
Durch das ganze Chaos und die Sorge um meine Freunde, vielen mir jetzt erst die drei Neuankömmlinge auf, die uns im Kampf unterstützt hatten. Einer schien mir wie eine Kreatur aus einem Märchen. Ein sprechender Hase, der selbst Bee überragte. Der andere war ein Mensch. Wenn ich es richtig verstanden habe, was ich meinem Geist gerade nicht unbedingt zutraue, scheint er ein Händler zu sein. An seiner Seite eine ziemlich große Echse, die mich leicht an einen Drachen erinnert. Ihre Namen habe ich mir noch nicht merken können, aber wenn ich heute bei der Wache bin, habe ich sicher etwas Zeit sie mir einzuprägen.
Nach einem kleinen Wortgefecht mit Romero, hatten unsere Neuankömmlinge die anderen anscheinend überredet, mit uns zu reisen. Auch wenn ich etwas misstrauischer ihnen gegenüber gewesen bin, habe ich nichts gesagt. Es wäre sicher auch heuchlerisch gewesen über Vertrauen zu sprechen, nachdem, was passiert ist. Also gingen wir mit unseren neuen Begleitern weiter, bis wir einen passenden Ort zum Ruhen gefunden hatten. Ein riesiger Baum mit einer Ausbuchtung, die Platz für jeden von uns bot. Wir schlugen unser Lager auf und kaum waren wir fertig, war es auch schon Abend.
Den Rest des Tages nutzten die anderen um sich bekannt zu machen. Unsere Neuankömmlinge erzählten etwas über sich und waren genauso interessiert am Rest der Gruppe. Ich gebe zu, dass ich mich etwas zurückgehalten habe. Aber im Moment habe ich weder das Gefühl, dass ich viel erzählen sollte, noch dass ich mich überhaupt darauf konzentrieren könnte. Mir gehen einfach zu viele Dinge durch den Kopf.
Wofür habe ich getan was ich getan habe? Für dich Thia? Wofür mache ich jetzt weiter? Für dich? Nein! Dann würde ich jeden meiner Fehler mit dir rechtfertigen und das hast du nicht verdient. Ich muss mich zusammenreißen. Was würde meine Mutter zu dem Ganzen sagen? Wie viele Tränen würde sie weinen? Was mein Vater? Der, der mir einst beigebracht hatte, dass man als Soldat eine Verantwortung hat und zum Schutz derer da ist, die sich nicht verteidigen können. Was würdest du dazu sagen?
Vater, die Karte von dir hat mich bisher wirklich gut geleitet. Ohne sie hätte ich wahrscheinlich die Orientierung hier untern mehr als nur einmal verloren. Auch wenn ich die Sterne immer bei mir habe und sie mir auch meistens einen guten Weg zeigen, fühle ich mich hier unten mit der Karte von deinem Vater sicherer, als ohne.
Ich habe Wegbegleiter gefunden. Hier mitten im Nirgendwo und ich bin froh, dass ich nicht alleine weiterreisen muss. Du weißt, ich bin nicht gerne alleine unterwegs.
Wie dem auch sei, ich schweife ab. Wir hatten schon einiges hinter uns und standen mitten in einer Art uralten Tempelanlage. Alles war grün und bewachsen. Pflanzen, Bäume und Sträucher wuchsen dort, dich ich zuvor noch nicht gesehen hatte.
Ich wollte mir das genauer ansehen, doch Ricarda (Riehkarda, Riekarda oder Rikarda), die neue, menschliche Begleiterin, wurde von etwas aus einem der Tempel gerufen. Und gerade kann ch genau sehen, wie du deine Stirn in Falten legst, aber eigentlich sollte das nichts Neues für dich sein. Noch während wir in den Tempel gingen, bat ich Elistraee auf uns zu achten und ich bin mir sicher, dass sie dies getan hat.
Der Raum, in dem wir uns dann befanden war gut gefüllt mit Wasser. Die schwerbepanzerten Mitglieder (ein Mensch Namens Bran und eine Frau mit Hörnern; Aza…) konnten nicht weiter. Sie wären kläglich ertrunken. Zusammen mit einem anderen Elfen (Oskar) gingen wir nun zu dritt voran und näherten uns einem goldenen Ei.
Es dauerte nicht lange und Ricarda (ich bleibe jetzt bei dieser Schreibweise) konnte das Ei aus dem übergroßen Steinkonstrukt bergen. Klar war es eine dumme Idee, aber was soll ich sagen, manchmal sind dumme Ideen einfach nur dumm oder sie bewähren sich, im Nachhinein als gar nicht so dumm.
Hier bin ich mir tatsächlich noch unsicher ob es nur dumm oder dümmer war.
Jedenfalls griff uns dieses Steingedöns an und wir wollten uns auf dem schnellsten Wege aus der Höhle machen. Doch hatten wir nicht mit den Schwierigkeiten gerechnet. Die Umgebung war unberechenbar. Die Steinplatten, die uns den Weg ebneten, waren rutschig und wackelig.
Wir hatten gut zu tun und brauchten länger zum Ausgang als gehofft. Das Konstrukt setzte uns zu doch kaum hatten wir den Tempel verlassen, hörte es auf.
Die Menschenfrau schaute sich nun ihr neu erworbenes Ei genauer an und ich glaube sie zauberte oder versuchte es. Richtig hingesehen habe ich nicht. Mich hat die neue Landschaft mehr fasziniert. Ja, auch jetzt höre ich deine Worte „beschäftige dich auch mit den Anderen, nicht immer nur mit deinem Grünzeug.“
Als ich mich dann wieder den Anderen widmete sagte Aza (die Frau mit den Hörner), dass Ricarda wohl einen „uralten Wächter und Diener von längst vergessenen Gottheiten beschworen“ hatte. Lange haben wir uns damit nicht beschäftigt, denn wir alle fühlten uns beobachtet und so gingen wir weiter.
Wir näherten uns einem spitzen Gebäude und hatten von Anfang an, ein komisches Gefühl. Glücklicherweise bot uns der Bau Schutz und einen, wenn auch nicht perfekten, Rückzugsort um uns zu erholen.
Doch bevor wir uns der Ruhe hingeben wollten, machte ich mich auf, um das vor uns liegende zu erkunden. Und wieder einmal zeigte sich, dass es gut war dich zu bitten mir den ein oder anderen Trick zu zeigen. Ich kam ziemlich gut leise und versteckt voran und hätte wahrscheinlich auch noch weiter gehen können doch entschied ich mich anders und ging zu den Anderen zurück.
Nun sitzen wir hier, Essen und Trinken. Wir Stärken uns und Ruhen bevor es weitergeht.
Usstan lle’warin dos, erl’elee lu’tsoss dos ilharn
Die Stimmung war nach den letzten Ereignissen gedrückt. Auch wenn Arannis sein Bestes gab, damit die Gruppe ihn verstand, waren nicht alle gut auf ihn zu sprechen. Seine Ansprache, warum, weshalb, wieso das alles passierte und er so in Eile war half, aber machte es noch lange nicht gut, was er getan hatte. Generell ist die Laune nicht gerade die Beste. Hatten doch Nim und Cathari sich von der Gruppe verabschiedet.
Der Regen und der Sturm machten das ganze natürlich auch nicht besser. Bee gab Alles in ihrer Rolle als unsere Wegführerin und glücklicherweise waren wir uns einig im normalen Tempo zu reisen. Schneller wäre auch viel zu gefährlich gewesen. Der Matsch machte den Weg rutschig und wir mussten wirklich aufpassen wohin wir liefen.
Unser Lager war spärlicher und noch ungemütlicher als anfänglich. Wir versuchten uns mit einer Plane und einem Zelt einigermaßen trocken zu halten, doch eigentlich war alles nur noch nass und kalt.
Da kam uns eine Art Höhle in einem Mammutbaum, den Bee für uns am zweiten Abend fand, sehr recht. Wie diese in diesem gigantischen Baum geraten ist, kann ich nur vermuten, aber es war relativ trocken und wir waren vor dem Sturm geschützt.
Trotzdem wirkte Arannis am nächsten Tag noch mehr entkräftet, als zuvor. Er, der sonst die Gruppe immer antrieb, blieb hinten mit Romero.
Während wir weiterliefen dröhnte es plötzlich am Himmel und eine Art Portal tat sich auf. Wir erkannten, dass etwas in der Größe eines Humanioden hinausfiel. Dem ihn folgenden Feuerbällen konnte er ausweichen und nun steht er(?) vorne, direkt vor Bee.
Zum Kennenlernen kam es erst gar nicht, denn die Lautstärke hatte ein paar Trolle angezogen.
Mutter, ich kann nicht mehr. Dieses Land, es macht mich müde, traurig und die Hoffnung, dass wir irgendwas erreichen würden, dass ich meinen Bruder wiederfinden würde, schwindet immer mehr.
Die Nächte, auch wenn wir sie einigermaßen geschützt in Theo’s Hütte verbringen, sind nicht wirklich erholsam. Immer das Gefühl, dass uns wer beobachtet oder angreift hilft nicht dabei, wenn ich mich der Trance hingeben möchte.
Die Kämpfe zermürben mich immer mehr. Meine Magie, ich habe hier noch mehr Angst sie zu benutzen, als sonst schon. Gerade der letzte Kampf war einmal mehr als knapp.
Wir hatten die Wellen an Gegner irgendwie besiegt. Hara, die in meiner Nähe stand sah nicht besser aus als ich. Sie sah genauso fertig und abgekämpft aus wie ich mich gefühlt habe. Doch bevor ich etwas sagen konnte eilte sie zu Schlitzzahn. Und ich habe die Anderen gesucht.
Und da lag er. Tebaun. Am Boden. Ich nahm meine letzten Kräfte zusammen und rannte schon fast zu ihm und kniete mich direkt neben ihn. Die heilenden Hände meiner Schwester wären hier sehr hilfreich gewesen. Überhaupt hätte ich ihr öfter zuhören und mit ihr üben sollen. Glücklicherweise lebte er noch. Während ich seine Hand einfach hielt, wurden wir weiter von kleinen, nervigen Wurzelwesen angegriffen, denen wir uns erledigten.
Als ich mich nach dem Rest umsah, erkannte ich Wellende Schnuppe, der Schnellfuß trug. Er hatte es leider nicht geschafft. Ich drückte ihm mein Beileid aus und schickte ihn dann direkt zu Hara, die mich über ihre Magie um Hilfe bat.
Theo war weiterhin außer Sichtweite, doch Erfreulicherweise konnte Yggdra ihn sehen, wie er sich wieder unserer Position annäherte.
Dann kam Tebaun zu sich. Er wirkte irritiert und abwesend. Dachte es seien Tage vergangen. Und dann schaffte er es, obwohl er selbst kaum bei Kräften war, dass sich bei mir ein paar Wunden schlossen. Ich half ihm auf die Beine und er war der Meinung, dass wir die Wurzeln des Baumes, welchen Hara und Theo mittlerweile gefällt hatten, zerstören mussten.
Wir mobilisierten nochmal alle unsere Reserven und nach ein wenig Zeit hatten wir es dann geschafft. Das Kreischen im Kopf und die Wut wurden weniger. Erst jetzt, als wir alle zusammenstanden, konnten wir sehen wie sehr uns alle der Kampf geschwächt und erschöpft hatte.
Der Tote in unseren Reihen sollte in einem Ritual von Tebaun beigesetzt werden. Ich hätte ihm wirklich gerne geholfen, doch ich war und bin einfach nur so kraftlos.
Ich wünschte meine Schwester wäre hier. Und ich könnte, wie so oft, wenn ich mich verletzt hatte oder ich ausgelaugt war, meine Hände in ihre warmen und gütigen Hände legen und mich besser fühlen konnte.
Das Land, es nimmt dir alles. Ich hoffe nur unsere Gruppe schafft es zusammenzuhalten. Ohne sie wüsste ich nicht weiter.
Es ist nun etwas länger her, dass ich dazu gekommen bin zu beten. Das letzte Mal, also das letzte richtige Mal, war damals noch in Yartar. Jetzt weiß ich nicht ob ich Tymora damals verärgert habe, oder wer auch immer es sein mag, der sich meiner angenommen hat, aber ich hoffe, dass mich dieses Mal nicht wieder in so ein Land lebender Albträume schickt, wie das letzte Mal.
Ich weiß immer noch nicht, wer du bist, der mich in den letzten paar Wochen unterstützt. Ich weiß noch nicht mal, ob du nicht vielleicht ein Teufel oder ähnliches bist. Aber da du mir geholfen hast, die anderen und vor allem Mia zu beschützen bin ich sehr dankbar. Ich weiß noch nicht mal ob du mitbekommst, was hier vor sich geht und durch was für einen Mist wir uns durchkämpfen mussten. Leider habe ich auch nicht alles mitbekommen, da ich anscheinend ein paar Stunden weggetreten war, aber die Anderen haben es mir erzählt. Die Flucht vor dem Dämon und dem Riesenwurm, der uns fast verschlungen hätte.
Aber genauso wie in den letzten Monaten, habe ich nicht das Gefühl zu viel verpasst zu haben. Kaum bin ich von unserer ersten „ruhigen“ Rast in einer gefühlten Ewigkeit erwacht, da ging es auch schon weiter. Der Pilz scheint mich als sein Sprachrohr verwenden zu wollen und die anderen sind aus gutem Grund sehr skeptisch. Auch wenn ich zugeben muss, dass es sich irgendwie gut anfühlt, zu sehen wie viele Sorgen sich Mia um mich macht. Mit dieser neuen Information, haben wir uns erst einmal die Zeit genommen und mal wieder was ordentliches gegessen. Und auch wenn ich mich nicht selber loben sollte, habe ich noch nie so guten Eintopf gegessen, wie das was ich da zusammengewürfelt habe. Vielleicht macht die Erschöpfung jeden Bissen aber auch leckerer als er eigentlich ist…
Unsere neue Begleiterin, die meint, dass sie Bellatrix‘ Tochter ist, nutzte die Pause und lies mich ein wenig von ihrer verschwundenen Mutter erzählen. Ich habe das Gefühl, dass meine Antworten sie nicht zufrieden gestellt haben, aber selber fragen tut sie auch nicht viel. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Nachdem wir mit Essen und Reden fertig waren, brachen wir dann aber auch auf. Schließlich wollen wir alle schnellstmöglich zurück nach Hause. Und der Pilz, der uns erzählt, dass wir mit etwas infiziert sind, ist eine zusätzliche Motivation. Wir gingen als erstes in das Gebäude vor dem wir gerastet hatten. Dort wurden wir von einem riesigen und dunklen Gang begrüßt, der kaum ein Ende finden wollte. Wir folgten dem Gang bis wir auf eine seltsame Gestalt trafen. Bei genauere Untersuchung stellten wir fest, dass diese Gestalt eine Kreatur war, die wie wir infiziert war. Mit was genau, konnte mir der Pilz noch nicht verraten, aber zu sehen, dass die Infektion diese Kreatur umgebracht hat, hat mir auch schon gereicht.
Wir gingen weiter und kaum waren wir an der ersten Gestalt vorbei, sprang unser anderer Neuzugang, Oskar, auf und machte uns darauf aufmerksam, dass wir von weiteren „Infizierten“ beobachtet wurden. Schreckliche Gestalten, wenn ich bedenke, wie Oskar sie beschrieben hatte. Mehr bekam ich aber auch nicht mit, da die Gestalten für mich nicht sichtbar waren und wir uns schnellstmöglich von ihnen entfernen und nicht herausfinden wollten, ob diese Wesen genauso schrecklich aussahen, wie Oskar sie beschrieben hat.
Als wir dann endlich ein Licht am Ende des Tunnels gesehen haben, rannten wir schon fast dort hin. Das Gebäude öffnete sich und hab uns einen Blick auf eine riesige aber verlassene Stadt frei. Als wir diese durchstreiften fanden wir immer mehr Darstellungen von sogenannten „Couatln“. Ricarda und Aza scheinen zu wissen, was es mit diesen Wesen auf sich hat. Die Anderen und ich nicht. Wir folgten den Götzenbildern, bis sich Ricarda wieder einmal aufmachte ohne uns Bescheid zu geben. Sie rannte in eines der Häuser, bis sie und ein paar Sekunden später wir, auf einen überfluteten Raum mitten in dem Gebäude gestoßen sind.
Als sie schon wieder losrennen wollte packte ich sie am Arm und wollte wissen, was denn nur in sie gefahren sei. Sie sagte mir, dass sie irgendetwas rufen würde und sie spüren würde, dass es das richtige wäre, dem Ruf zu folgen. So gerne ich mich dagegen ausgesprochen hätte, wäre ich ein ziemlicher Heuchler, wenn ich bedenke, was in letzter Zeit alles mit mir spricht. Also lies ich sie gehen und zusammen mit Oskar und Vaneara ist sie nun auf dem Weg um zu finden, was sie angeblich zu sich ruft. Viel kann ich von hier aus nicht erkennen, aber wenn ich eine Bitte an dich, wer auch immer du sein magst, richten darf, dann pass auf sie auf.
Die Abenteuer von Lucian, Amber, Lucc und Delia gehen gleich weiter, aber erst einmal fällt unser Blick auf ein paar untypischere „Helden“.
Fozzy
Knack
Ratpack
Aber lassen wir Ratpack (Flo) die Geschichte in einem Brief an Papa erzählen:
Hallo Papa, hier ist Raguul, dein Lieblingstöchterchen… Ich wollte dir ja erzählen, was gestern passiert ist.
Ich erinnere dich an Mama… also Kenna… Die Goblindame mit den Muskeln die größer sind als Ratbat, meine mechanische Fledermaus, und meine Schwestern sind genauso muskulös, das weißt du ja… als die Kleinste hauen mir die älteren Schwestern immer den Schädel ein, weil sie blöd sind… Mama sagt mir zwar immer, dass ich mehr trainieren soll, aber ich hab keine Lust mit den Fleischhaufen meiner Schwestern in den Kampf zu treten, weil ich eh weiß, was die machen…
Ich vermisse dich. Ich weiß, ich sollte endlich mal meine Rüstung bauen, aber ich schaffe es nicht… Ich hoffe, dir geht es noch gut als Geschützkonstrukteur bei den Cannith. Ich finde das so cool… Dein letzter Brief ist schon einen Monat her, und ich habe das Gefühl, dass ich dir gar nicht mehr fehle… Mama weiß nebenbei nicht, dass ich dir schreibe, aber sie hat mir einen Auftrag gegeben.
Ich habe heute einen Dampfschaden herrichten wollen… aber Vitroja hat mir gesagt, dass sie weiß, dass ich eine Rüstung suche und sie hat mir gesagt, dass bei den Braghs eine ist… Vitroja ist wirklich meine Lieblingsschwester. Ich habe gehofft, dass du bald ein Heilmittel findest…
Jedenfalls habe ich von ihr gehört, dass es bei den Braghs in der Nähe eine moderne Rüstung aus Metall gibt, und du hast mir ja Pläne gegeben, um sie für den Kampf zu verwenden! Endlich wäre ich stark genug gewesen, um meinen Schwestern eines rein zu hauen… außer Vitroja natürlich. Aber genau deswegen wollte ich die Rohre dort reparieren, weil ich diese Rüstung abholen wollte.
Klar, das war mitten im Bragh-Territorium, aber was wollen diese stinkenden, schweineküssenden Kakerlaken gegen die Rattenkönigin Ratpack machen?! Mir war das so egal… ich wollte einfach stark sein. Und als ich eigentlich weiter gehen wollte, kam dieses seltsame Goblinehepaar mir entgegen. Die mussten wohl Flitterwochen haben beim kaputten Rohr, dachte ich zuerst und wollte sie ignorieren, damit ich sie bei ihrem romantischen Intermezzo nicht stören würde… Aber… ja, dann kam der Rattenmist so richtig zum Dampfen, als einer der beiden dem Rohr einen flammenden neuen Lack verpasste und das Loch noch größer machte, was ich flicken musste. In aller Höflichkeit habe ich diese hirnlose Schleimbirne darum gebeten, mir die Arbeit zu überlassen. Und nachdem die Arbeit erledigt war, war ich irgendwie entspannter… Muss wohl die Arbeit der Ehefrau gewesen sein, dachte ich damals.
Schlussendlich stellten sich die beiden vor. Der kleine Grünling in so Stoffklamotten war ein Typ namens Knack. Er hat mir bei seiner „Reparatur“ meinen BH versengt… aber er schien Spaß zu machen, denn wir teilten das gemeinsame Hobby mit dem Feuerwerk… Ja, ich hab das von dir. Ich liebe es immer noch, wenn eine riesige Explosion kommt, aber war ich genervt von dem, als er mir die Arbeit nur noch schwerer gemacht hat, erst recht, da ich noch meine Reparaturen üben musste…
Die Andere sah so aus, als würde sie nicht nur Knack eine Freude bereiten. So dunkle Haut habe ich nur an einigen Goblins gesehen, als sie eine meiner Minen versucht haben, in die Luft zu jagen… Aber ihr stand sie gut. Sie sah aus, wie eine Künstlerin oder jemand, die Männern Freude bereite… oder Frauen. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass sie mir mit Magie den Körper fuhr, obwohl sie in der Ferne war… Jedenfalls, sie hieß Fozzy und war eine besondere Zauberin.
Eigentlich hätte ich ja gedacht, dass ich mich da alleine auf dem Weg zu den Braghs mache und die Rüstung abhole… aber das Ehepaar war echt ganz nett. Knack mochte Feuer und Explosionen und Fozzy mochte seltsame Berührungen mit ihrer Hand und seltsame Laserstrahlen gegen Priester. Als ich mich mit ihnen unterhielt, tauchten auf dem Weg zum Bragh-Haus so vier alles andere als kompetente Braghlins auf… also vier Goblins der Bragh-Linie, die meinten uns Ärger zu machen.
Der Vorderste schien ihr Anführer zu sein, aber er war schneller hin wie die Ratte, die von Knack gegessen wurde. Ich weiß zwar nicht genau, was dann passiert ist, aber nachdem ich versucht habe, den Zweiten mit meinem Degen zu stechen und mein kleiner Ratbat seinen Stoß verpasste, fielen auch die anderen drei Goblins um… Das war der Schlafzauber der gierigen Goblindame Fozzy…
Fozzy ist auch sehr… freizügig. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand die Klamotten bei den Goblins so schnell runter gezogen bekommt, besonders wo ich mir vorstelle, dass die vor Gestank an ihnen kleben mussten… urgs… aber wir hatten einige gute Waren, wobei ich gerne die Dolche nahm… Wir ließen sie dann einfach dort liegen, denn ich konnte es kaum erwarten, die Rüstung in meinen Sack zu packen und die dann zuhause zu basteln…
Wir betraten das Bragh-Haus… aber… keine Rüstung da… kein Schatz… nur Mama und dieser Chef der Bragh… als ob ich mir den Namen von diesem Obergoblin merken sollte. Und Mama war… zahm, was ich selten bei ihr erlebt habe. Du hättest das sehen sollen, sie hat nicht zugehauen, sondern war frieldich… Sie hat vor dem Typen gespurt… aber als ich hörte, dass wir ein gemeinsames Ziel hatten und sah, dass Vitroja auch hier war, war das nicht das Ende der Überraschungen. Denn abgesehen von den Worten: „Ich hab eine Rüstung für dich, Raguul“ kamen gerade die schönsten Worte, die ich mir je vorstellen konnte.
„Es gibt ein Heilmittel für Vitroja.“
Ich wollte dem Bragh-Chef nicht glauben… Er hat echt gesagt, es gibt ein Heilmittel, um sich um Vitroja zu kümmern und sie wieder gesund werden zu lassen… Etwas schade ist es schon, ich habe ihr den Rollstuhl gebaut, aber wenn Vitroja wieder besser gehen kann, dann sage ich da nicht nein… Und ja, den Braghs darf man nicht trauen… aber… wenn Mutter es sagt, dann musste da was dran sein.
Der Bragh-Chef hat von seinem Plan erzählt, einen Heilerkonvoi zu plündern. Er würde auf einer Aufzugplattform sein und die Lieferung dann dort eben abholen… und bei dieser Lieferung war eine magische Schriftrolle, die Vitroja heilen konnte. Wir sollten einen Skycoach nehmen, der von einem nackten Bragh gesteuert wird… Er hat’s kommen sehen. Dazu bekamen wir so seltsame Soarsleds, also so grüne Bretter, auf denen man fliegen kann. Du hast mir schon öfters von denen erzählt… Aber ich glaube, die Bretter waren nur für kleine Goblins gemacht, denn egal, wie sehr ich es probiert habe, ich konnte da drauf nicht stehen bleiben…
Manchmal ist es doof, ein Bücherwurm zu sein… Besonders, wenn man sich bei der Goblindame festhalten muss, um fliegen zu können… Ich glaube, Fozzy hat der Flug dafür umso mehr gefallen… Ich wollte auch alleine fliegen… Wieso kann ich nicht so geschickt sein wie du, Papa?
Jedenfalls… Vitroja endlich gesund zu sehen, hat mich motiviert, da mitzumachen. Und Knack, Fozzy und ich flogen auf den Soarsleds zu der Heilerplattform, die die Waren wohl gerade frisch bekommen haben. Ich weiß nicht, wer die waren, und vermutlich wären diese Lieferanten alle friedlich gewesen, aber nichts hält mich davon ab, meine Schwester zu heilen.
Es waren fünf Halblinge, kaum größer als Knack der Feuergoblin… der die supertolle Idee hatte, mitten in die Kisten zu fliegen. Innerlich dachte ich mir, ob Goblins schon so blöd auf die Welt gekommen sind… aber da spricht wohl der Hobgoblinstolz in mir… Ich sah mich irgendwie dazu gezwungen, Knack den grünen Poppes zu retten.
Fozzy setzte mich ab, ich rannte zu Knack und hielt mich eher defensiv auf. Klar, ich bin nicht stark, aber ich weiß mich zu wehren. Ich versuchte dem Goblin mal den Hintern zu retten, aber habe es fett bereut, nachdem die anderen Gegner mir die Hölle heiß gemacht haben… Ich habe mich nur verteidigen wollen, während Ratbat von oben geschossen hat.
Das waren keine Krieger… das war echt nur ein Heilerkonvoi. Der Schütze starb schnell, die Anderen versuchten mir den Garaus zu machen, nachdem sie dem kleinen Knack den Hintern heiß gemacht haben. Von dem Board schoss Fozzy immer ihre Geschosse runter, bis sie überraschend dämlich wurde, und nach unten stürzte… Ich habs nicht mitbekommen, warum… aber es war ein harter Kampf.
Nachdem wir diese Gruppe an Hobbits ausgelöscht haben, nahmen wir die Truhen. Dass eine fast abgefackelt ist, sagen wir nicht… Wir brachten die Truhen auf den Skycoach. Dass dann dieses Braghgesindel wegflog, bevor wir alle Truhen verladen haben und sie uns auf der Plattform stehen ließen, regt mich bis heute noch auf, aber ich war nach dem Kampf selbst ein wenig geschreddert… ich fühle mich immer noch, als wäre ich da gewesen… und das Schlimmste daran, wir wurden von einem nackten Bragh-Idioten ausgetrickst…
Wir kümmerten uns um die Leichen und haben zwei der Truhen mitgenommen. In einer war Verbandszeug, das ich für meine Heilkünste verwenden konnte… in der Anderen nur ein paar Schriftrollen, die ich nicht lesen konnte… die Restlichen nahm der Bragh-Typ… und als wir uns um die Leichen gekümmert haben, und ich sie in ein Säurebad legte, gingen wir nach hause…
Ehrlich gesagt fühlte ich mich noch nie so schlecht dabei, jemanden weh zu tun. Aber es war für Vitroja… Als wir zuhause waren, hat sich der Bragh-General bei uns entschuldigt und uns die Rolle gegeben zum Tausch der anderen beiden Kisten. Ich hoffe, Mama schafft es, sie wieder gesund zu machen und diese Krankheit loszuwerden… andererseits hoffe ich es auch nicht, denn wenn Vitroja wieder gesund ist, dann wird sie wahrscheinlich genauso wie die anderen Dummköpfe von Schwestern auf mich einprügeln… aber ich schätze, das war mein Abenteuer.
Ich bekam von Fozzy noch eine sehr seltsame Münze, die ich mit meiner Magie versetzen konnte. Das ist ganz cool: Ich kann jetzt so kleine Münzen herstellen, die, wenn du aus einiger Höhe auf dem Boden fliegst, dir nicht wehtust, wenn du sie reibst… Naja, ich versuche es, aber Knack ist ein überraschend gutes Versuchskaninchen. Wo Fozzy hin ist, weiß ich gerade nicht… aber ich schätze, ich sollte ihr auch noch ‚Danke‘ sagen…
Ich hoffe, du schreibst mir bald wieder. Vielleicht können wir dann auch gemeinsam Vitroja sehen, wie sie wieder allen Anderen den Kopf einschlägt… Ich hab dich lieb.
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