Das Wiedertreffen (Die Silberne Schar)

Vorwort

Es gibt Geschichten, die beginnen mit Mut.

Und es gibt Geschichten, die beginnen mit einem Bruch.

Dies ist eine von ihnen.

Die Welt zerreißt nicht laut. Sie reißt wie Stoff – plötzlich, unerbittlich, ohne Warnung. Ein Ruck. Ein Druck hinter den Augen. Ein letzter, kalter Atemzug aus einer Welt, in der Hoffnung längst erloschen ist. Und dann… der Fall.

Hart.

Staub.

Doch nicht der tote Staub der Schattenebene – sondern warmer, lebendiger Staub. Die Luft trägt den Duft von Holzrauch, Pferden und Herbst. Sie trägt Leben. Sie trägt Phandalin.

Und doch bleibt der Moment zerbrechlich. Niemand wagt es sofort, die Augen zu öffnen. Zu groß ist die Angst, dass selbst diese Rückkehr nur eine Täuschung ist – ein letzter grausamer Trick der Dunkelheit.

Bis Stimmen die Stille durchbrechen. Gedämpft. Ungläubig. Erschrocken. Und mit ihnen kehrt die Gewissheit zurück: Die Welt existiert noch.

Als die Augen sich öffnen, spannt sich ein Himmel darüber, der nicht länger grau ist. Blau. Echt. Lebendig. Doch die Rückkehr ist kein sanfter Übergang. Sie ist ein Zusammenstoß zweier Wahrheiten: der, die war – und der, die hätte sein können. Leere Hüllen zerfallen zu Staub. Doppelgänger verschwinden, als hätten sie nie existiert. Und mitten in diesem flüchtigen Augenblick stehen jene, die verloren waren – und doch zurückgekehrt sind.

Angelus.
Nocturne.

Gefährten. Freunde. Helden. Und zugleich Fremde. Denn für einen Herzschlag lang bleibt die Frage bestehen, ob sie wirklich zurückgekehrt sind – oder ob dies nur eine neue Maske der Finsternis ist.

Was die Schatten nicht brechen konnten, kehrt verändert zurück. Gezeichnet. Geprüft. Doch ungebrochen. Das Licht, das Angelus in der Dunkelheit entzündet hat, brennt noch immer. Und Nocturne, der sich den Schatten gestellt hat, trägt nun mehr von ihnen in sich, als je zuvor.

Die Schattenebene hat sie nicht verschlungen. Aber sie hat Spuren hinterlassen.

Nicht jede Wunde blutet. Manche flüstern. Ein Schatten, der sich einen Herzschlag zu spät bewegt. Ein leises Ziehen in der Seele. Das Gefühl, beobachtet zu werden – nicht von Augen, sondern von etwas Tieferem. Etwas Älterem.

Die Rückkehr ist kein Ende. Sie ist ein Anfang.

Denn wer einmal durch die Dunkelheit gegangen ist, trägt sie ein Stück weit mit sich zurück.

Zeichen bleiben zurück. Nicht zufällig. Nicht bedeutungslos. Ein Symbol. Ein Flügel aus Schatten. Eine Botschaft, scharf wie eine Klinge:

Der Sammler hat euch verloren.
Aber die Königin hat euch gesehen.

Und mit diesen Worten wird aus einer Flucht eine Erkenntnis: Sie waren nie nur Opfer. Sie waren Beobachtete.

Aus Chaos wird Entschlossenheit. Aus Zweifel wird Einheit. Die Silberne Schar, gezeichnet von Kämpfen gegen Doppelgänger, durchquert von der Kälte der Schattenebene und geprüft durch den Blick des Todes selbst, steht erneut zusammen. Nicht, weil sie unverwundbar sind, sondern weil sie sich entschieden haben, es zu sein.

Die Dunkelheit wird nicht weichen.

Also werden sie ihr entgegengehen.

Und während sie atmen, hoffen und sich sammeln, wird anderswo bereits entschieden. In einer Domäne aus Schatten und Federn ruht ein Blick auf ihnen – ein uraltes Bewusstsein, das nicht urteilt, sondern sammelt: Erinnerungen, Schicksale, Seelen.

Und nun auch sie.

Ein leises Flüstern genügt, um das Gleichgewicht zu verschieben:

„Interessant.“

Und mit dem Flügelschlag eines einzelnen Raben beginnt etwas, das weit über Phandalin hinausreichen wird.

Dies ist die Geschichte einer Rückkehr. Doch mehr noch ist es die Geschichte dessen, was folgt, wenn die Dunkelheit beginnt, zurückzublicken.

Die Rückkehr des Lichts

Als über Phandalin die Sonne wieder Mut fasste, zerbarsten die Schatten wie Eis.
Doppelgänger lösten sich in schwarzen Fahnen auf – und aus ihnen stolperten die wahren Menschen zurück ins Leben.

Toblen und Harbin Wester standen in der Tür des Stonehill Inn, als wären sie gerade aus einem Albtraum gefallen. Barthen hastete herbei, ungläubig, suchend.
Überall klirrten Spiegel, ihre Splitter bewahrten nur noch eine Wahrheit:
Gesichter, die wieder zur Welt gehörten.

Heimkehr der Helden

Angelus trug das Licht wie ein Banner.
Nocturne hingegen schleppte die Müdigkeit wie einen Mantel – und darunter ruhte eine Klinge, die nach Mondfinsternis roch.

In der Taverne wurden ihre Namen gerufen, Hände fanden einander. Noch bevor Fragen überhandnahmen, ließ Maeron ein Lied erklingen:
Für Heimkehrer.
Und für jene, die sie zurückgebracht hatten.

Bericht aus der Schattenwelt

Die Silberne Schar erzählte von der Schattenwelt – einem Ort, der wie kalter Nebel in die Knochen kroch.
Von Valdez, oder Vales, einer Stimme voller Hunger, die selbst Brot zu Asche werden ließ.

Und von Xargul, dem Schattensammler im Dienst der Rabenkönigin – der sein verlorenes Schwert suchte.
Vielleicht genau jenes, das nun an Nocturnes Seite hing.

Sie berichteten von einem Feuer ohne Wärme, von Gefangenen, deren Namen zerfielen, und von einem kurzen, gnadenlosen Kampf.
Xargul verschwand schließlich – nicht besiegt, sondern entrückt.

Eine Karte zeigte ihnen den Weg, doch die Oberwelt war darauf nur ein Echo.
Ihre Flucht führte durch einen Baum mit vier Schlössern – jedes rief neue Feinde.
Am Ende wartete ein Bodak, dessen Blick Hoffnung selbst verrotten ließ.

Doch sie hielten stand.
Angelus ließ Licht in Stahl erklingen, Nocturne kämpfte unbeirrt – und gemeinsam brachen sie das Portal.
Die Welt kehrte zurück.
Und Phandalin atmete auf.

Schatten, die bleiben

Nicht alle Schatten blieben zurück.

Im Dorf erschienen unheilvolle Zeichen: schwarze Krähenflügel, Federmuster auf Holz und Stein.
Magie konnte sie bannen – doch für einen Moment nahm der Rauch Gestalt an.

Zwei der Gefährten trugen mehr als Erinnerungen davon:
Ein Amulett, das wie ein zweites Herz schlug.
Und das Gefühl, beobachtet zu werden – von etwas Unsichtbarem.

Gerechtigkeit in Phandalin

Zwischen Erleichterung und Unruhe wurde die Taverne zum Gericht.

Harlon, der Krähenrufer, und Mera mussten sich verantworten – für falsche Tränke im Namen von Adabra Gwyn.

Die Menge verlangte Strafe.
Die Helden entschieden sich für Gerechtigkeit.

Kein Tod – sondern Konsequenzen:

  • Mera: fünf Jahre Lehrzeit bei Adabra

  • Krähenrufer: fünf Jahre harte Feldarbeit unter Qellines Aufsicht

  • Harlon: Kerker und später Urteil in Tiefwasser

Manche murrten.
Doch andere wussten:
Ein Pflug kann schwerer wiegen als ein Schwert.

Die Botschaft der Raben

Der Abend wurde friedlich – bis die Raben kamen.

Erst einer.
Dann viele.

Kein Laut. Nur Blicke.

Nebel zog durch das Inn – und daraus formte sich erneut Xargul.

„Die Königin hat euch gesehen“, flüsterte er.

Die Schatten der Dorfbewohner lösten sich von ihren Füßen.
Dann verschwand er – zu Federn zerfallend.

Zurück blieb eine Warnung:
Drei eingeritzte Federn.
Und ein Wort: Bald.

Das Wiedertreffen (Die Silberne Schar)

Neue Fäden im Verborgenen

Unruhe blieb.

Steckbriefe der Helden tauchten auf – und verschwanden wieder.
Die Halblingszeichnerin Freda war fort.
Linene Graywind schwieg misstrauisch.

Harlon saß im Keller – vielleicht ein Teil eines größeren Netzes, das bis zu Xargul reichte.

Der Ruf der Höhle

Antworten kamen durch Schwester Garaele.

Durch magische Botschaften berichtete sie:
Tote wurden gefunden – darunter Tharden Rockseeker.
Gundren lebte.

Der Eingang zur Wellenechohöhle sei bald zugänglich.
15 Meilen östlich, in den Schwertbergen.

Ihre Warnung war klar:
Die Schwarze Spinne wartet.

Vorbereitung und Aufbruch

Die Helden rasteten, reparierten, rüsteten sich.
Gold wurde gezählt, Tränke gebraut, Rüstungen gepflegt.

Ein Moment der Ruhe.
Ein Hauch von Normalität.

Dann brachen sie auf.

Der Schrecken im Pass

Der Weg schien sicher – bis eine zerstörte Achse und eine Kiste den Pfad blockierten.

Ein Fehler.

Die Kiste barst.
Ein gelatinöser Würfel ergoss sich.

Angelus wurde verschlungen, Säure zischte, Knochen trieben im Inneren.
Der Kampf war chaotisch, verzweifelt.

Ein falscher Schritt – und Moss wäre gefallen.
Doch im entscheidenden Moment traf eine perfekte Klinge.

Das Wesen zerfloss.

Zurück blieb Beute: Edelsteine, Tränke – und erleichtertes Lachen.

Ein ferner Traum – und der nächste Schritt

Am Rand des Geschehens blieb eine Idee zurück:
Ein Weingut.
Ein Ort für Zukunft.

Doch noch war es nicht so weit.

Die Wellenechohöhle rief.
Die Schwarze Spinne spann ihre Netze.
Und die Rabenkönigin beobachtete.

Die Silberne Schar sattelte.

Und die Welt… hielt den Atem an.

Das Echo der Federn

von unbekannt | Die Silberne Schar

Die Untotenmaschine (Die reinigenden Flammen)

Der Schatten des Karglichts

I. Von Geduld und gierigem Stahl

Manchmal ist der klügste Sieg kein donnernder Schlachtruf, sondern ein unterdrücktes Flüstern hinter morschem Holz. In der Finsternis der Gewölbe stießen die Helden auf ein Nest des Verderbens: Ein Rostmonster, gierig nach dem Metall ihrer Rüstungen, lauerte in einem knarrenden Schrank. Doch statt blindem Hurra und einem Heldentod im Korrosionsnebel wählten die Flammen die Kälte des Kalküls. Ein verkeilter Stein vor der Tür, ein präzise geöffneter Spalt – und dann das tödliche Uhrwerk aus Pfeilen und Magie. Ein kritischer Treffer brach den Willen der Bestie; das Scharren der giftigen Fühler verstummte in der Stille der Geduld.

II. Das Schweigen des Altars

Der Altarraum gab seine Geheimnisse nicht preis, er atmete sie aus – schwer vom Geruch kalten Weihrauchs. Unter einer verborgenen Kachel, tief im Stein, harrten Relikte auf ihre Entdeckung: Ein Stab der Heilung, erfüllt von bescheidener, doch treuer Macht; eine Schriftrolle, die das Chaos der Sinne ordnet; und ein Amulett mit einem goldenen Zahn, dessen Gottheit noch in den Schatten schweigt. Während alte Gewänder den Namen „Mordrit“ hauchten, überdauerte ein schamloses Relikt die Äonen und schrieb sein spöttisches Grinsen in den Staub der Jahrhunderte.

III. Das Erbe des Fischadlers

Draußen am Bootshaus glomm ein Feuer – frisch, wie eine ungesagte Einladung in der Nacht. Ein Boot, schwer beladen mit den Gaben des Meeres und Pasteten im Teigmantel, trug am Bug das Siegel des Fischadler-Vereins aus Otari. Es war dasselbe Zeichen, das die Helden bereits auf der Haut zwielichtiger Gestalten gesehen hatten. Unter dem Pier, eng wie ein verstohlener Atemzug, führte ein Tunnel hinab in das Fleisch der Erde. Doch Klugheit war der Seemannsknoten, der sie hielt: Erst die Oberfläche sichern, bevor man den Schlund betritt.

IV. Der Hüter der Glasscherben

In einem Haus aus Glas und Schatten trafen sie auf Wuschelkopp, ein feines Feenwesen mit einem Herzen so groß wie seine Angst. Wo Klingen versagt hätten, siegte die Flöte des Barden und eine handgemachte Puppe, die das Eis des Misstrauens schmolz. Wuschelkopp sprach in Rätseln von „bunten Bildern“ und einer „bösen Puppe“, die nach einem glitzernden Fernrohr giere. Die Gruppe nahm die Warnung nicht als Kinderei, sondern als Eid – Schutz für den Kleinen, Wachsamkeit für sie selbst.

V. Das Atelier der verlorenen Seelen

Das Atelier war kein Ort der Kunst, sondern ein Spiegelkabinett der Verdammnis. Plakate kündeten von Grauen: Absalom in Flammen, das Karglicht in blassblauem Totenfeuer und die Dame in Rot, die als Herrin des Lichts über das Gericht wacht. Inmitten dieser Galerie des Wahnsinns zitterte ein hölzerner Automat mit Rabenflügeln – ein nervöser Wächter über einem juwelenbesetzten Fernglas.

VI. Die Entbindung der Puppe

In der Glaserei trat ihnen die seelengebundene Puppe entgegen, deren Existenz an den Namen ihres Meisters gekettet war: Volluk. Hier war es nicht der Stahl, der den Weg ebnete, sondern die Kunst der Täuschung. Mit der Autorität einer Bühne und der Schwere einer Lüge erklang das Urteil: „Ich entbinde euch von euren Pflichten.“ Der Wächter wich, der Weg zum edelsteinbesetzten Fernrohr war frei – doch die Ahnung blieb, dass die wahre Geschichte gerade erst ihren Schliff erhielt.

VII. Wenn das Totenlicht erwacht

Dann geschah es: Das Karglicht hob sein bleiches, graues Auge und schnitt eine Schneise aus nekromantischem Feuer durch die Nacht – direkt auf den Friedhof von Otari. Die Erde spie ihre Bewohner aus; Knochen und verfaultes Fleisch erhoben sich im Takt des Leuchtfeuers. Ein Versuch, den Strahl mit einem Umhang zu brechen, endete in vollkommener Zersetzung. Dies war kein Spielzeug, sondern ein Fehler mit tödlichen Folgen.

VIII. Die Schlacht am Hafen

Die Gruppe ruderte durch eine See aus Tinte zurück zur Stadt. Dort formierte sich die Front. Schilde sangen im Aufprall, Trommeln gaben den Takt des Überlebens an. Skelette barsten wie trockenes Reisig, Zombies vergingen in heiligen Flammen. Und mitten im Grauen blieb Raum für den Galgenhumor der Helden: „Schon mal einen Zombie heulen gesehen?“ – An diesem Abend taten sie es.

IX. Das Labor des schwarzen Steins

Die Tiefe offenbarte ein Labor des Schreckens: Ein schwarzer Edelstein, der das Licht gierig in sich aufsaugte, und ein Metalltisch, an den niemand freiwillig gebunden wurde. Bücher flüsterten von Gräbern, während Jadefiguren und silberne Sukkubi von vergangener Dekadenz zeugten. Doch die wichtigste Beute war kein Gold, sondern die Frage an das eigene Gewissen: Lässt man das Böse ruhen oder tilgt man es vom Antlitz der Welt?

X. Der Hunger aus der Tiefe

An der Treppe wartete das Ende: Ein Wurm der Tiefenebene, groß wie der Hunger selbst, schoss aus der Finsternis. Ein Schild brach unter der Wucht eines kritischen Treffers – geopfert, um ein Leben zu retten. In der Enge entbrannte ein Tanz aus Verzweiflung und Mut. Segen und Bardenlieder verwoben sich zu einem Netz aus Hoffnung. Ein Banner wurde entfaltet, und plötzlich war das „Nächste Mal“ genau jetzt.

XI. Das Ende des Hungers

Ein perfektes Zusammenspiel, ein Schlag, der den Willen der Gruppe bündelte: Mit einem sachlichen Hieb wurde der Hunger des Wurms beendet. Die Kreatur explodierte in einer Druckwelle aus Aas und Splittern. Reflexe und die letzten Reserven an Lebenskraft hielten die Helden aufrecht. Als sich der Staub legte, blieb nur schwerer Atem. „Zurück nach Otari“ – diesmal war es kein Rückzug, sondern der Weg derer, die Verantwortung für eine ganze Stadt auf ihren Schultern tragen.

Reise in die Schattenlande (Die Silberne Schar)

Das Echo der Leere

Der Schritt durchs Baumportal verhieß nichts Gutes, als eine Grimasse, von einem Shadar-kai nebelig und beängstigend auftauchte und beide vom Weg abbrachte.  Angelus und Nocturne von einem unheiligen Mahlstrom aus dem Dasein gerissen. Getrennt von ihren Gefährten spuckte das Schicksal sie an einem Ort aus, an dem das Licht stirbt: die Schattenebene.

Ein düsteres Spiegelbild der Feenwildnis breitete sich vor ihnen aus – ein Land aus aschfahlen Ebenen und brüchigem Fels. Die Luft selbst schmeckte nach Verzweiflung, und in der Ferne wanden sich gestaltlose Schrecken durch den ewigen Zwielichtnebel. Für Nocturne, dessen Wesen mit den Schatten verwoben war, wurde die Ebene zu einer metaphysischen Qual; nur das kalte, vertraute Gewicht seines Dolches in der geschlossenen Faust verankerte seine Seele noch in dieser Welt. Doch Angelus, der Leuchtturm in der Finsternis, rief den Namen seines Gottes an. „Tyr, steh uns bei!“ erscholl sein Ruf, und das heilige Feuer seines Eides entzündete sich als gleißendes Leuchtfeuer gegen die alles verzehrende Leere.

Der Sammler der Seelen

Inmitten der Trostlosigkeit begegneten sie einem verfluchten Echo – einem Greis, der kaum mehr als ein Flüstern der Vergangenheit war. Von ihm erfuhren sie die grausame Wahrheit: Während sie hier im Limbus darben, wandeln Doppelgänger in ihrer Gestalt durch die Heimatwelt, bereit, ihre Freunde zu verraten. Der Alte warnte sie vor dem unerbittlichen Jäger dieser Lande: Xargul, dem Sammler. Ein Shadar-kai im Dienste der Rabenkönigin, der die Seelen ihrer Landsleute in den nahen Ruinen wie Trophäen hütete.

Mit der brennenden Notwendigkeit der Rückkehr im Herzen wagten die Helden den Sprung über eine gähnende Schlucht. In den Ruinen offenbarte sich ihnen ein Bild des Jammers. Toblen, Bürgermeister Harbin Wester und das Volk von Phandalin standen dort als leblose Hüllen, ihre Seelen durch geisterhafte Fäden an den Stab des Shadar-kai gekettet.

Die Reise in die Schattenlande (Die Silberne Schar)

Klingen gegen den Schatten

Die Stille der Ruine zerriss, als Nocturne eine lauernde Bestie im Dunkel ausmachte und sie mit der lautlosen Präzision eines Meistermeuchlers richtete. Doch dann trat Xargul selbst aus dem Nebel. Mit der Macht des Schattens webte er ein Netz aus mentaler Qual. Angelus’ Wille wankte unter dem Ansturm der Verzweiflung, bis eine ferne, klare Stimme seinen Geist erreichte – Meron! Wie ein Hornsignal in der Schlacht riss ihn dieser Ruf aus der Trance.

Nocturne jedoch wurde tiefer in die Dunkelheit gezerrt. Xarguls Stimme schmeichelte seinem Ohr, flüsterte von Zugehörigkeit und der Macht des Schattens. Inmitten des Angriffs erstarrte der Schurke, gefangen in einem verzweifelten Duell innerhalb seiner eigenen Seele.

Doch das Licht lässt sich nicht ewig dimmen. Angelus stürmte voran, sein Schild erstrahlte in magischem Glanz und drängte die Finsternis zurück. Mit dem Schattenschwert führte er einen Hieb, der Xarguls Konzentration wie Glas zerbrechen ließ. Die mentalen Ketten barsten! Nocturne, befreit vom Flüstern des Feindes, entfesselte einen tödlichen Wirbelwind aus Stahl. Überwältigt und in die Enge getrieben, löste sich der Shadar-kai in eine Wolke aus Rauch auf und floh – doch er hinterließ eine Karte, die den Weg zur Erlösung wies.

Das verderbte Portal

Die Karte führte die Überlebenden zu einem gigantischen, von Fäulnis gezeichneten Baum – ihr Anker, ihr Portal, ihr Heimweg. Doch vier rauchartige Ketten versiegelten das Heiligtum und hielten im Inneren unaussprechliche Monstrositäten gefangen.

Angelus, nun der unbestrittene Anführer dieser Schicksalsgemeinschaft, trat vor die verängstigten Bürger Phandalins. Seine Worte waren kein bloßer Schall, sondern ein Funke, der das erloschene Feuer in ihren Herzen neu entfachte. Er sprach von Hoffnung, von Pflicht und dem fernen Schein ihrer Heimat. Aus Opfern wurden Verbündete.

Nun, nach einer kurzen Rast, stehen sie bereit. Die Geretteten umklammern ihre neuen Speere, die Augen fest auf die Siegel gerichtet. Die Helden bereiten sich auf den finalen Sturm vor: Die Ketten müssen brechen, die Monster müssen fallen – koste es, was es wolle.

Die Reise in die Schattenlande  (Die Silberne Schar)

Das Brechen der Siegel

Die Luft um das verdorbenen Baumportal vibrierte nicht bloß; sie kreischte unter der Last unheiliger Energien. Aus der rissigen, schwarzen Borke quoll eine endlose Flut von Albtraumgestalten, ein Heer aus Schatten, das die Welt verschlingen wollte. Doch Angelus und Nocturne kannten keine Furcht. In einem Moment taktischer Brillanz verwandelten sie den Heiligen Schild des Paladins in eine mobile Bastion des Lichts: Nocturne schnallte sich das glühende Artefakt auf den Rücken, und im schützenden Kegel dieser göttlichen Aura tanzte er durch die Dunkelheit, um das erste der vier massiven Schlösser zu bezwingen.

Doch der Triumph rief einen Schrecken auf den Plan, der die Schatten selbst befehligte: Ein Wraith, ein Wesen der Finsternis, erhob sich. Wo gewöhnlicher Stahl wirkungslos an seiner ätherischen Gestalt abglitt, fanden Nocturnes Schattenschwert und die durch Angelus’ Eid geweihte Macht ihr Ziel. Mit harten, unerbittlichen Hieben zerfetzten sie die Kreatur, bis sie als rauchiges Nichts in den Äther zurückkehrte.

Ritt auf dem heiligen Schlachtross

Kaum war der Wraith bezwungen, brachen zwei geifernde Schatten-Mastiffs aus dem Unterholz der Schattenebene hervor. Hier offenbarte Angelus die wahre Gunst seines Gottes: Mit einem Machtwort beschwor er sein himmlisches Schlachtross, ein Wesen aus purem Licht und Sternenstaub. In perfekter Symbiose ritten Assassine und Paladin in den Sturm. Während die Hufe des Rosses einen der Hunde mit einem donnernden Ansturm zermalmten, wurden die Klingen Nocturnes zu silbernen Blitzen, die den zweiten Kläffer in Vergessenheit schickten.

Doch der Baum blieb das wahre Bollwerk. Schloss um Schloss gab unter Nocturnes geschickten Händen nach. Als ein kritischer Fehler drohte, sein Werkzeug zu zerschmettern und alle Hoffnung zu begraben, zwang er das Schicksal durch reine Willenskraft – eine Heroische Inspiration – in die Knie. Das Schloss klickte. Mit jedem gelösten Siegel pulsierte das Licht der Helden heller, eine Waffe, geschmiedet aus Trotz gegen die Nacht.

Der Schnapper

Nocturne erblickte in der Ferne Xargu, er war zurück und nicht allein. Sie hatten keine Zeit mehr, schnell schloss er das 2te Schloss auf und der Baum bebte und es trat ein Riese mit langen Armen und Klauen hervor, der einen großen Sack auf dem Rücken trug. Gebeine schauten aus der Sacköffnung und ließ nichts Gutes vermuten. Der Schnapper langte gut zu und betäubte das Ross, als auch den Paladin mit einem einzigen Schlag, achtete aber nicht auf die tödlichen Klingen von Nocturne und diesen landeten präzise bei dem Großen. Noch bevor er Angelus in den Sack quetschten, konnte, beendete Nocturne den Kampf. Das nächste Schloss klickte und es passierte nichts… wo blieb der Gegner, es passierte nichts. Gut so denn viel Zeit blieb ihnen nicht.

Das Antlitz des Bodaks

Mit dem letzten Schloss erwachte das wahre Grauen. Morak, der letzte Hüter, schälte sich aus dem Holz – eine groteske Gestalt mit einem einzigen, wachamen Auge und Klauen, die länger als Dolche waren. Hinter ihm flimmerte die Realität, und ein Portal aus reinem Licht riss auf. Die Rettung war nah, doch sie wirkte wie ein Leuchtfeuer für jede Bestie in der Umgebung.

Drei Runden. Nur drei Runden blieben ihnen, bevor der Xargul der Shadar-kai sie mit etlichen Schattenwesen sie erreichen würde. Ein markerschütternder psychischer Schrei erschütterte ihre Seelen, als das Monster seinen wahren Namen preisgab: ein Bodak. Seine bloße Aura war der Tod; sie sog das Leben aus allem, was zu atmen wagte. Nocturne wurde zu einem Todesballett, seine magischen Klingen gruben tiefe Furchen in das Fleisch des Hüters. Sogar der einfache Dorfbewohner Toblen, getrieben von purer Verzweiflung, landete einen perfekten Treffer mit einem einfachen Stein – ein Beweis dafür, dass selbst das Kleinste das Schicksal wenden kann.

Doch der Preis war hoch. Das treue Himmelsross löste sich unter der tödlichen Aura auf, und in der finalen Sekunde richtete der Bodak seinen vernichtenden Blick auf Angelus und auch dieser Angriff saß. In letzter Sekunde zog Angelus einen Trank aus seiner Tasche., während die Zeit unerbittlich verrann.

Bodak

Die Rückkehr der Verlorenen

In einem letzten Kraftakt stürzten die Überlebenden durch das Portal. Eine letzte mentale Prüfung riss an ihrem Verstand, dann schlug die Kälte der Schattenebene in die vertraute Luft von Phandalin um. Sie landeten hart – direkt auf ihren eigenen, leblosen Körpern, die nachgaben und sie lagen, wo zuvor sich ihre Doppelgänger aufgelöst hatten

Verwirrt blickten sie auf: Angelus fand sich im Wagen wieder, während Nocturne sich vor dem Rathaus wiederfand. Es war Tag. Die Stimme von Maeron war enfernt zu hören. Während Angelus und Nocturne in der Unterwelt gefangen waren, hatten ihre Freunde hier gegen die Doppelgänger gekämpft, die ihren Platz eingenommen hatten.

Sie waren zurück. Erschöpft, gezeichnet und dem Tode näher als dem Leben, doch sie waren siegreich. Und während der Staub sich legte, spürten sie, wie eine neue Welle der Macht durch ihre Adern flutete – eine Stärke, die nur jene besitzen, die den Blick eines Bodaks überlebt haben.

Das Echo der Leere

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