Der Fluch von Omu
Das Echo des Verderbens
Der Wachraum lag in das tanzende, sterbende Licht der Fackeln gehüllt, während eine Grabesstille die Luft bleischwer machte. Doch aus dem Norden, wo die Kammern der verbotenen Riten lagen, drang ein leises, widerwärtiges Glucksen – das Geräusch von Blut auf kaltem Stein. Dort, im fahlen Schein des Okkulten, wanden sich drei Schlangenwesen um eine pulsierende Masse aus reiner Schwärze, die wie ein krankes Herz im Takt einer fremden Welt schlug. Zwei Wachen, ihre Augen kalt und voller Argwohn, fixierten die Eindringlinge. Im Osten, hinter massivem Eisen und schwerem Eichenholz, wartete das Verlies auf neue Opfer.
Die Maskerade war am Ende. Mit einem letzten Blick des Verstehens brach der Sturm los.
Der Wall gegen die Finsternis
Während die Klingen auf die Rüstungen der Wachen prallten, warf sich Herr Schmidt mit purer Entschlossenheit gegen das Portal der Ritualkammer. Er wurde zum lebenden Riegel, während von jenseits der Tür arkane Mächte gegen das Holz hämmerten. Splitter barsten wie Glas, und zähes, dunkles Ektoplasma sickerte wie fauliges Blut durch die Ritzen. Inmitten des Chaos focht Eru einen verzweifelten Strauß. Blutend und dem Tode nah, entging sie dem Jenseits nur durch ein Wunder der Heilung, das im letzten Augenblick ihre Wunden schloss. Gezeichnet, doch ungebrochen, huschte sie wie ein Schatten davon, um die Ketten im Verlies zu sprengen.
Im Wachraum tobte das Inferno weiter. Der Imp klammerte sich mit jeder Faser seines Seins an die bebende Tür, während die Magie der Schlangenpriesterinnen das Gefüge der Realität zerriss. Doch Rettung nahte: Aus dem westlichen Korridor schwoll der Schlachtenlärm an, und ein Zwerg, vom Staub der Jahrhunderte bedeckt, stürzte in den Kampf. Mit seiner Hilfe wurde der Widerstand der Wachen endgültig gebrochen.
Der Fremde wischte sich das Blut von der Axt und nannte seinen Namen: Brax Sturmhammer.
Fenthazas Zorn
Eru hatte derweil im Dunkel des Kerkers einen Bund aus dreizehn schweren Schlüsseln erstritten. Als sich die schweren Schlösser öffneten, blickte sie in Gesichter, in denen das Licht der Hoffnung seit Äonen erloschen war.
Doch die Erleichterung währte nur einen Herzschlag lang. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen zerbarst die Tür zur Ritualkammer.
Fenthaza, die gefürchtete Beraterin von Ras Nsi, trat aus dem Qualm hervor. Sie war allein, doch ihre Gestalt war angeschwollen von der geraubten Macht ihrer Schwestern, deren Lebensfunken im dunklen Ritus aufgezehrt worden waren. Eine Aura aus purem Unheil flutete den Raum.
Ein Hagel aus Feuer und Licht entbrannte. Eine lodernde Wand aus Flammen teilte das Schlachtfeld, während kaltes Mondlicht herabfuhr, um die Priesterin zu strafen. Zauber verwoben sich mit Stahl, bis es den Helden gelang, die Verbindung zwischen Fenthaza und ihrer finsteren Quelle zu kappen. Mit einem letzten Schrei sank die Verderberin in den Staub.
Der Schattenkönig von Omu
Aus den geflüsterten Worten der Befreiten formte sich das Bild einer Tragödie: König Ras Nsi. Ein Herrscher, der den Tod fand, dem das Grab jedoch verwehrt blieb. Gezeichnet vom Fluch von Omu, existiert er in einem schrecklichen Limbus zwischen Fleisch und Verfall, ein wandelndes Mahnmal der Vergänglichkeit, das sich nach nichts so sehr sehnt wie nach der endgültigen Erlösung.
Die Vermutung erhärtete sich, dass der König den letzten der neun heiligen Würfel hütete. Ein Bote der befreiten Sklaven wurde entsandt, um als Zeichen des Dankes für das Ende der verräterischen Beraterin um eine Audienz zu flehen. Während die Schatten länger wurden, suchte die Gruppe in den Gemächern der gefallenen Priesterin nach Antworten und schöpfte neue Kraft.
Ein Pakt im Angesicht des Todes
Die Tore des Thronsaals schwangen auf. Flankiert von seinem unfehlbaren Schwertmeister, einer unnahbaren Leibwache und seinen Konkubinen, empfing König Ras Nsi die Wanderer. Seine Stimme klang wie trockenes Pergament, doch sein Wille war ungebrochen. Er suchte keinen Kampf, sondern ein Bündnis: Die Zerstörung des Seelensammlers – jenes schändlichen Artefakts, das seinen fauligen Körper an diese Welt fesselte.
Als der Pakt besiegelt war, öffnete der König seine Hand und offenbarte den neunten Würfel. Das letzte Puzzlestück war gefunden. Die Suche war vorüber.
Intrigen unter dem bröckelnden Gold
Ruhe kehrte im Tempel ein, doch es war eine trügerische Stille. Während die Gefährten ihre Wunden leckten und die Waffenkammern des Palastes inspizierten, enthüllten die Schatten ihre Geheimnisse. Heimliche Blicke verrieten die verbotene Liebe zwischen dem Schwertmeister und der schönen Nema. Doch weit gefährlicher war die Entdeckung, dass der Leibwächter Ismarcal nur eine Hülle war – ein Trugbild, bewohnt vom Geist der roten Magierin Zakmira.
Doch über all dem schwebte eine Erkenntnis, die das Mark erschüttern ließ: Der König suchte nicht nur den Tod. Ras Nsi plant ein letztes, monumentales Verbrechen. Sobald der Fluch gebrochen ist, will er ein Ritual vollziehen, um den Weltverschlinger zu entfesseln – eine Katastrophe, die alles Leben in den Abgrund reißen würde.
Die Helden stehen nun vor einer schier unlösbaren Prüfung: Sie müssen den Fluch brechen, um die Welt zu retten, doch sie müssen den König richten, bevor seine letzte Tat die Schöpfung selbst verschlingt.
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