Malcador Pendragon

Malcador Pendragon
Malcador Pendragon

Kontrolle! Nur mit Kontrolle und Ausdauer können wir es schaffen unsere Stärke und Stellung in Baldur’s Tor sicher zu stellen.“ sagte Malcadors Vater ihm und seinem Bruder bei jeder Gelegenheit, egal ob beim Training oder bei ihren Studien. „Diese Macht die uns, euch und mir, dank unserer Vorväter zu Teil wurde ist ein Geschenk. Eine Gabe. Etwas das uns von normalen Sterblichen abhebt.“ Malcador wusste nie so recht wie er sich bei diesen Worten fühlen sollte. Auf einer Seite verstand er den Stolz den sein Vater seinem großen Bruder und ihm damit vermitteln wollte. Auf der anderen Seite kamen diese Kräfte auch mit viel Verantwortung, was gerade für den jungen Malcador ein schwieriges Thema war. Man stelle sich vor, ein Junge, der mit der Macht gesegnet wurde Feuer nach Belieben zu erschaffen und zu kontrollieren, es aber nicht oder zumindest nur in Notfällen und unter strengster Kontrolle verwenden soll. Natürlich ist das ein paar Mal nach hinten losgegangen. aber sein Vater hat nie aufgehört seinen Bruder oder ihn zu lieben oder gar mit deren Ausbildung aufzuhören.

An sich ging es ihm gut in ihrem Haus. Drei Stockwerke, Einundzwanzig Zimmer und genügend Platz seinen pyromanischen Tendenzen auch einmal freien Lauf zu lassen. Und trotzdem hatte Malcador schon lange den Drang nach etwas Neuem. Den Drang nach Abenteuer. Und deshalb ging er an diesem Abend zu seinem Vater. Er zitterte schon vor Aufregung, schließlich dauerte es nicht mehr lange bis er volljährig wäre und ihm die Welt damit offen stände. Diese Begeisterung konnte sein Vater allerdings nicht teilen. „Was willst du denn da draußen? Abenteuer? Ich habe euch doch beigebracht, dass es wichtigeres in der Welt gibt als eure Gabe für ein paar Münzen und den sicheren Tod zu verschwenden.“ so stark Malcador sich gegen seinen Vater beweisen wollte und wie viele, seiner Meinung nach, gute Argumente er anbrachte, es nützte nichts. Ganz im Gegenteil. Durch die anhaltende Diskussion in Kombination mit dem Ungehorsam, welches Malcador zum ersten Mal seit seiner Geburt an den Tag legte, schaffte er es seinen Vater, den er noch nie so gesehen hat, zur Weißglut zu bringen. Daraufhin artete die Diskussion nur noch mehr aus. Argumente wie „Wenn ich volljährig bin kann ich tun und lassen was ich will“ oder „Diese Familie hat dich großgezogen und behütet, jetzt kannst du uns zumindest Respekt erweisen“ halfen nur das Gespräch und den Frust beider Seiten noch weiter ausufern zu lassen. Am Ende ging Malcador enttäuscht auf sein Zimmer. Eine andere Wahl hatte er nicht, da sein Vater ihm, als Konsequenz aus dem Gespräch, verboten hatte sein Zimmer für den nächsten Monat zu verlassen.

Nach und nach hörten alle Mitglieder seiner Familie von der Auseinandersetzung. Als erstes besuchte ihn sein Bruder. „Malcador, was hast du nur angestellt. Vater ist so aufgebracht wie ich ihn noch nie gesehen habe.“ Malcador, selber noch perplex von seinem Auflehnen, konnte seinem Bruder kaum antworten: „Trajann, ich… ich weiß nicht was mit mir los war… Ich dachte ich könnte in Ruhe mit Vater darüber reden, aber… ich weiß auch nicht. Ab einem bestimmten Punkt habe ich nur noch rot gesehen.“ Trajanns Gesichtsausdruck entspannte sich etwas. „Hör mal, du wirst nun auch bald volljährig. Vater ist deswegen einfach aufgeregt. Sitz deine Strafe ab und vergiss diese nichtsnutzigen Ideen von „Abenteuern“. Hier geht es uns doch gut.“ sagte er mit einem Lächeln auf den Lippen. Aber Malcador konnte nicht lächeln. Selbst sein großer Bruder wollte ihn nicht unterstützen. „Natürlich geht es dir gut. Du bist ja auch der Erstgeborene. Alle von Vaters Besitztümern gehen einmal auf dich über.“ kam wie ein kalter Hauch zwischen Malcadors Lippen hervor. „Geht es dir schon wieder um das Erbe? Ich habe dir doch gesagt, dass du und Celia immer Platz in unserem Elternhaus haben werden.“ Malcador schüttelt leicht seinen Kopf „Nein das meine ich nicht.“ „Worum geht es dir dann?“ erwiderte Trajann. „Wenn du eines Tages alles übernimmst, dann kann ich doch mein Leben leben, oder?“ Trajann schaut mit einem besorgten wie auch ansatzweise verständnisvollem Blick zu Malcador. „Und was wenn mir mal etwas passiert? Oder wer weiß, vielleicht übertriffst du mich eines Tages mit deinen Fähigkeiten. Dann bin ich mir sicher würde Vater auch gerne dich als Nachfolger wählen. Dafür musst du aber hier sein und dich nicht in verdreckten Kneipen oder alten Gemäuern herumtreiben.“ Malcador warf seinem Bruder nur ein müdes Lächeln zu, was seinem Bruder aber anscheinend als Aufheiterung ausreichte und sich dieser nun in Richtung seines eigenen Zimmers begab und Malcador damit wieder seinen Gedanken überlies.

Am nächsten Morgen, wahrscheinlich direkt nach dem Frühstück bei dem sie von dem Vorfall am vorherigen Abend erfahren haben muss, kam nun auch Malcadors Schwester ihn auf seinem Zimmer besuchen. „Ich habe gerade davon gehört. Vater war auch noch echt sauer als das Thema am Tisch aufkam. Was ist denn passiert?“ fragte sie mit einem unschuldigen und besorgten Blick. „Darüber musst du dir nicht deinen hübschen, kleinen Kopf zerbrechen“ mahnte er seine Schwester mit bestimmtem aber fürsorglichem Ausdruck. „DOCH MUSS ICH!“ kam in einer Lautstärke aus diesem kleinen Mund von dem Malcador nicht gedacht hätte, dass er solch eine Lautstärke erzeugen könnte. „Du hast dich in letzter Zeit stark verändert“ mahnte sie nun ihren großen Bruder. „Wir verbringen nicht mehr so häufig Zeit zusammen und wenn dann erwische ich dich immer wieder wie du in’s Leere starrst und mich überhaupt nicht beachtest.“ Malcadors Blick war nun komplett auf seine kleine Schwester gerichtet. „Nein, ich… es tut mir Leid. Mir gehen in letzter Zeit nur so viele Dinge durch den Kopf“ antwortete Celias Bruder ihr. Sie ging auf ihn zu und umarmte ihren Bruder: „Euch muss endlich klar werden, dass ich kein Baby mehr bin. Du kannst mir erzählen, was dich bedrückt“ flüsterte seine Schwester in Malcadors Schulter. „Ich weiß, dass Trajann und du viel Zeit mit Vater verbringen und eure Magie erkunden. Ich kann da nicht mit euch mithalten, aber was ich kann ist meine großen Brüder aufheitern, wenn es wieder mal mit ihnen durchgeht“ sagte sie und betonte dabei groß auf eine leicht spöttische Art. Mit einem schwachen Lächeln und einem zugleich beleidigten Unterton meinte er dann „Dir ist schon bewusst, dass ich noch dein großer Bruder bin oder?“ und löste sich langsam aus der Umarmung. „Ja, aber du und Trajann verhaltet euch manchmal wie Kleinkinder. Und ihr sollt mal die Familie leiten“ man hörte die Ironie noch Straßenzüge weiter. „Danke, dass du mich nicht allein lässt Celia. Ich weiß manchmal nicht was ich ohne dich machen würde.“ kam gerade noch aus seinem Mund bevor er anfangen musste zu lachen. Seine Schwester, die ihre falsche, ernste Fassade aufrecht erhalten wollte, stimmte allerdings auch nur wenige Augenblicke später beim Gelächter ein.
Und so lachten sie weiter und Malcador zeigte ihr ein paar neue Tricks, die er von ihrem Vater gelernt hatte. Dabei verging der Morgen und dann der Vormittag. Aus Minuten wurden Stunden, die sich im Gelächter und Spiel wie Sekunden anfühlten.

Schließlich wurde ihr kleiner Ausflug in eine unbesorgte Welt wieder in die Realität zurück geholt, als ihre Mutter das Zimmer betrat. „Celia es gibt gleich Mittag. Wasch dir deine Hände und setz dich schon einmal in’s Esszimmer“ sagte ihre Mutter. Bei jedem anderen Menschen hätte dies wie ein Befehl geklungen, aber nicht bei ihrer Mutter. Ihre Stimme war, selbst in den frühesten Erinnerungen die er noch hatte, immer das erste womit er morgens geweckt und abends verabschiedet werden wollte. Egal ob sie ihm eine Geschichte vorlas, mit ihm auf dem Markt die Händler nach den exotischsten Neuheiten in Speisen und Kleidung durchforstete oder einem ihrer Diener Anweisungen gab. Immer dachte man, dass ein Engel seine Harfe zupfte und anfangen würde die großartigste Schöpfung zu spielen, die sich je ein Barde ausgedacht hatte. „Ich werde Eliza Bescheid geben, dass sie dir dein Essen auf dein Zimmer schaffen soll“ sagte seine Mutter ohne ihm auch nur in die Augen zu schauen. So vergingen einige Sekunden in kompletter Stille. Für den Jungen fühlten sich diese Sekunden wie Stunden an, als er sich fragte ob seine Mutter sich auch so unwohl fühle. Keiner von beiden wusste wie man diese Stille hätte brechen können bis er dann doch mit seiner Mutter über die Geschehnisse des Vorabends reden wollte. „Vater hat…“ mehr kam garnicht aus seinem Mund bevor seine Mutter ihn unterbrach. Dein Vater!“ brachte die sonst sehr ruhige Frau mit einer Wut hervor, die Malcador noch nie erlebt hatte. „sorgt sich um dich. Ich sorge mich um dich. Und deshalb musst du deinen Vater doch bitte verstehen“ Malcador, noch immer geschockt schaut auf zu seiner Mutter und versucht nun verzweifelt ihren Blick zu treffen. Es vergehen wieder ein paar Sekunden. Diesmal fühlen sie sich allerdings wie Tage an. Schließlich dreht sich seine Mutter zu ihm um und spricht in zum ersten mal in ihrem Gespräch direkt an. „Warum willst weg von hier? Wir haben doch alles hier was wir jemals brauchen könnten? Ist es wegen eines Mädchens?“ Malcadors Gesicht verzieht sich von einer ernsten und traurigen Visage zu einer unsicheren und blamierten Grimasse. Nein das hat doch nichts mit einem Mädchen zu tun… Mutter… Ich weiß doch auch nicht was es ist. Aber immer wenn ich zum Himmel schaue fühle ich mich als würde etwas fehlen. Als müsste ich einmal raus und… ich weiß auch nicht. Einfach mal etwas Neues sehen.“  erwiderte der verunsicherte Junge seiner Mutter. Diese schien sich etwas zu entspannen und nach einer kurzen Pause in der sie eine Idee gehabt haben muss, die ihrer Meinung nach eine Lösung für die gesamte Situation sein muss, wendete sie sich mit einem Lächeln an ihren Sohn. „Wir waren schon lange nicht mehr im Tierpark. Und ich habe gehört, dass die See an der Küsten im Norden auch liebreizend sein soll… zumindest zu dieser Jahreszeit“ erzählte sie und führte ihren linken Zeigefinger an ihre Wange. „Wie wäre es mal wieder mit einem Urlaub? Die gesamte Familie, draußen im Abenteuer“ schlug sie ihrem Sohn vor und wartete gespannt auf eine Antwort. Natürlich wollte er sofort zustimmen, erinnerte sich aber dann relativ schnell an die ganzen „Abenteuer“ die die Familie bisher erlebt hat. Er strengte sich wirklich an sein Lächeln aufrecht zu erhalten. „Liebend gerne Mutter.“ war das mindeste das seine Mutter für ihren Vorschlag und ihre damit verbundene Euphorie verdient hat. „Ich mache mich gleich daran alles vorbereiten zu lassen und sobald du wieder aus deinem Zimmer darfst, geht es sofort los“ sagte seine Mutter und lies ihn genauso wie auch seine Geschwister wieder allein in seinem Zimmer und seinen Gedanken.

Stundenlang dachte er über seine Situation, seine Familie und seine Gefühle nach. Er könnte doch nicht seine Schwester und seine Mutter verlassen. Sein Bruder und sein Vater waren ihm natürlich auch wichtig, aber er war sich sicher, dass beide auch ohne ihn klar kommen würden. Nach einem hin und her, nach einem für und wieder stand seine Entscheidung aber fest. Wenn es einen Moment gab, indem er sich seinem Vater widersetzen musste, dann war das dieser. Und so entstand ein Plan. Sein Zimmer war im ersten Stock, seine Bettdecke lang genug um ihn sicher in den Garten klettern zu lassen und die Bediensteten würden spätestens zwei Glockenschläge nach Sonnenuntergang alle in ihren Unterkünften sein. Er hatte einen Plan, ein letztes gutes Essen und die Sicherheit, dass er die richtige Entscheidung trifft. Dafür dass sein Plan sein erster „Ausbruchsversuch“ war, hat dieser auch erstaunlich gut funktioniert. Vielleicht zu gut, aber das war ein Gedanke, der ihm in diesem Moment mit all dem Adrenalin in seinem Körper nicht durch den Kopf ging. Er schlich sich vom Anwesen und… er war frei. Ein solches Gefühl hatte er noch nie verspürt, aber er wusste dass er jetzt nicht aufhören konnte und sich sein Abenteuer suchen musste. Aber auf Abenteuer muss man in Baldurs Tor nicht lange warten. Kaum war er auf der Straße überhörte er wie zwei Männer von einer Taverne in Tiefwasser sprachen und einen da das größte Abenteuer erwartet was sich ein Mensch nur vorstellen kann. Er konnte es kaum erwarten. Mit dem Adrenalin in seinem Blut und einem sicheren, erwartungsvollen Schritt macht er sich also auf um dieser „Taverne“ einen Besuch abzustatten und wer weiß was für Abenteuer zu erleben. Schätze, alte Tempel, verlorene Artefakte oder das Erbe von uralten Magiern. Seine Fantasie drehte sich nur noch um sein nächstes Abenteuer und er konnte es kaum erwarten.

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