Camilla

Briefe an den Stiefvater

„Ihr habt sie gesehen und es geht ihr gut? Das freut meine Ohren. Und ob ich sie kenne. Ich habe sie aufgezogen.“

Der Zwerg in der Taverne nahm einen großen Schluck aus seinem Krug, wo der Bierschaum übergelaufen ist. Mit am Tisch saßen noch ein paar weitere Reisende, welche oft in Beregost sind und auch in diese Taverne einkehren. Sie forderten ihn natürlich auf, die Geschichte zu erzählen.

„In Ordnung. Ich werde von ihr erzählen, doch ich muss weiter ausholen. Alles fing vor vielen Sommern in Tiefwasser an. Ich habe mich von meiner Familie verabschiedet um in der Welt Erfahrung Diener Lathanders zu sammeln. Ich begleitete eine Karawane, welche die Schwertküste bereiste. In Niewinter lernte ich die Elfe Cecilia Mondsilber kennen. Viele Menschen würden sie als das schönste Geschöpf der Welt bezeichnen. Im Umgang mit den Arkanen Künsten war sie sehr begabt. Sie war auch die erste, welche mich als das akzeptiert, was ich nun mal bin. Ein Zwerg, der nicht Moradin dient, sondern eine anderen Gottheit. Die Reise bis nach Tiefwasser verlief ohne Probleme. In der Stadt selber erfuhren wir von herum streunender Räuberbanden und ein menschlicher Paladin schloss sich uns an. Rorgan Deloran war ein Paladin des Tyrs und ist in Baldurs Tor aufgewachsen. Hinzu kam noch ein kleiner Halbling aus Luskan, welcher immer das Talent hatte, Ärger anzuziehen wie Licht die Motten. Aber wie auch immer. Wir vier wurden sehr gute Freunde und wir beschlossen gemeinsam die Welt zu erkunden. Rorgan und Cecilia verliebten sich in einander und  die Elfe brachte eines Tages ihre Tochter in Baldurs Tor zur Welt. Doch die Geburt stand unter keinen guten Stern. Rorgan wurde nach Tiefwasser beordert, um in den Reihen der Verteidiger Tiefwasser vor gegnerischen Trollen zu schützen und verlor im Kampf sein Leben.  Auch ich hatte einen schweren Kampf. Kelemvor wollte sich auch Cecilia zu sich holen. Es war ein harter aber fairer Kampf und ich musste ihr am Sterbebett schließlich das Versprechen abnehmen, mich um ihre Tochter zu kümmern. Die Geburt ihrer Tochter, war auch der Tod von Cecilia.“

Der Zwerg machte eine Pause und schwelgte kurz in Erinnerungen.

„So nahm ich sie auf und wusste, dass ich nicht mehr durch die Welt ziehen konnte, damit sie ein sicheres Heim hat. Doch auch in Baldurs Tor konnte ich nicht bleiben und so nahm ich dankend das Angebot von einer kleinen Gruppe Zwerge an um ihr Kleriker hier in Beregost zu werden. Sie wollten hier ein Handelsposten aufmachen und auch ihre selbst hergestellten Erzeugnisse verkaufen. Ich zog mit ihnen und lehrte mit der Zeit der jungen Halb-Elfe die zwergische Sprache und führte sie in die Lehren Lathanders ein. Es vergingen viele Jahre und sie stand kurz vor der Weihung zu einer Priesterin als ein Gnom auftauchte. Bei sich hatte er die Leiche von Skye Silberschild, die Tochter von Fürst Silberschild aus Baldurs Tor. Diese Chance nutzte sie, um sich zu beweisen und bestand ihre Prüfung. Ich akzeptierte ihren Wunsch, in die Welt zu ziehen und so gab ich ihr das einzige, was Cecilia, ihre Mutter, mir an ihrem Sterbebett noch gegeben hat. Einen einfachen Goldring, der als Verbundenheit zwischen Eltern und Tochter steht. Und so zog sie los, in Begleitung vom Magier Dalwick, um ihren Platz in der Welt zu finden.“

Inzwischen war der zweite Krug Bier gekommen und danken nahm der Zwerg.

„mehr gibt es über meine Adoptivtochter nicht zu erzählen. So war ich hier sitze. Ich, Branak Silbereisen, ein Schildzwerg aus der Feste Adbar.“

Ein alter Brief

Camilla

Ein alter Brief. Geschrieben von meinem Vater. Einmal durfte ich ihnen noch sehen. Lathander und Helm haben sich zusammengetan, damit der Drachenkult bei seiner Suche nach der Drachenmaske unterbrochen werden kann. Doch dazu haben wir ein Medium gebraucht. Ein Wesen, welche bereit ist, sich selbst zu opfern, um andere zu schützen. Und wir fanden diese Seele in Thredi Rres. Ein weiblicher orkischer Paladin vom Orden der schützenden Hand. Einer Kriegerin, welche den Lehren von Helm folgt. Und wir fingen an, voneinander zu lernen. Ich brachte ihr die alte Magie und Wege der alten Zeit bei und ich lernte von ihr die neuen Wege. In jeder Nacht, wo sie ruhte. 

Der Rest ist bekannt. Ihre Kraft und meine Magie sorgten dafür, dass wir den Drachenkult etwas aufhalten konnten. Unsere Aufgabe war erfüllt, doch es blieb nur noch eine Sache. Ich wollte den Körper wieder verlassen. Ich bin nicht mehr Teil der lebenden Welt. Meine Zeit ist mit der Zauberpest beendet worden. Ich gehöre nicht mehr in diese Welt. Doch wer von den Göttern hat die Orks mit einem gottverdammten Sturkopf ausgerüstet? Einen der einem Zwerg ähnlich ist? Ich wollte mich gerade verabschieden, als Thredi tatsächlich behauptet, dass ihre Zeit gekommen sei. Krieger gäbe es schließlich wie Sand am Meer. Aber eine Priesterin mit dem Wissen aus der damaligen Zeit ist unbezahlbar. So eine verfluchte starrköpfige Orkin. Wer hat ihr so einen Quatsch erzählt? Jeder ist genauso viel wert. Egal, wie seine Taten aussehen, um andere zu schützen. Tja und so ist es gekommen, dass wir um den Körper gekämpft haben. Es war ein harter Kampf. Jeder setzte seine Fähigkeiten ein, um seinen Willen durch zu setzen. Doch vermutlich habe ich nicht den Dickschädel von meinem Vater geerbt. Denn ich unterlag. Und als Thredi sich auflösen wollte, versuchte ich noch, sie zu halten. Doch ich schaffte es nicht. Ich konnte ihre Seele nicht in dieser Welt halten. Und deswegen stehe ich hier. In meinem neuen alten Körper. Er ist anders, als wie ich ihn kannte und doch so vertraut. Schreibe diese Zeilen und neben mir einen Brief an den Ehemann von Thredi. Tränen rennen über mein Gesicht. Mein Vater ist verstorben. Lathander hat ihn zu sich geholt. Seine Zeit war einfach gekommen. Doch er war froh, dass er mich noch einmal sehen konnte. Auch meine Tochter konnte ich nochmal sehen, aber nicht meine Enkeltochter. Die Zeit ist gekommen. Mich hält hier nichts mehr in Beregost. Es ist nicht mehr meine Heimat. Heimat. Ein Ort, den ich mir erneut suchen muss. Und erneut schreibe ich meine Reisen nieder, um auch den nachfolgenden Generationen mein Wissen zu bringen. Wissen ist eine sehr mächtige Waffe, die man niemals unterschätzen darf.

Gez.

Camilla Mondsilber
Priesterin von Lathander

Camilla
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