CyrusCyrus wuchs als Sohn eines Menschen und einer Elfe auf in einem Adelshaus auf. Die beiden Eltern bemühten sich ihrem Sohn die beste Ausbildung zu ermöglichen um ihn auf das Leben unter Aristokraten vorzubereiten, wodurch er nicht nur eine umfangreiche Bildung in Philosophie, Politik und Geschichte genoss, sondern auch von einem elfischen Privatlehrer in der Fechtkunst und den Benimmregeln des Adels unterrichtet wurde.

 

Als junger Mann verpflichtete sich Cyrus, um auch die Welt außerhalb der gehobenen Gesellschaft kennenzulernen, zu einem mehrjährigen Armeedienst. Er lernte schnell alle möglichen Arten des bewaffneten Kampfes und verbesserte seine bereits vorhandenen Fähigkeiten. Doch die direkte Auseinandersetzung, ein Gefecht von Mann zu Mann, schien ihm zu plump und roh, wenngleich ihn der Krieg faszinierte. Er erkannte, dass er für das Leben eines Soldaten nicht bestimmt war und begann sich der Strategie und Theorie hinter dem Krieg zu widmen.

 

Nach einigen Jahren des Studiums und zahlreichen gewonnenen Schlachten war Cyrus zu einem der höchsten Generäle des Landes aufgestiegen. Nie hatte er verloren, der König war begeistert und Volk verehrte ihn als Helden. Krieg war für Cyrus zu einer Herausforderung, zu einem Spiel geworden. Es ging nicht nur mehr darum zu gewinnen, das erwartete er sich ohnehin, es ging darum die Schlacht so perfekt wie möglich zu schlagen. Der Gegner sollte überrascht werden, an seinem wunden Punkt getroffen und nicht nur physisch, sondern auch moralisch komplett besiegt werden. Dem Feind wurde durch kleine Erfolge Hoffnung gemacht um ihn nachher umso vernichtender zu schlagen. Ein jeder Sieg musste etwas Besonderes sein und atemberaubend werden. Die Leute sollten sich noch nach Jahren an denselben zurückerinnern. Oft wurde Nächtelang geplant und alle möglichen Strategien des Gegners analysiert um auf jede eine passende Antwort zu besitzen. Auf dem Schlachtfeld musste dann blitzschnell reagiert und die beste Lösung angewendet werden. Darin bestand die Leidenschaft von Cyrus.

 

Eines Tages rückte eine übermächtige Armee an- eine Herausforderung der sich Cyrus nicht entziehen konnte. Nach Wochen von kleinen Erfolgen auf beiden Seiten, die jedoch nur örtlich begrenzte und temporäre Siege brachten, starben immer mehr von Cyrus‘ Soldaten an den Gefechten. Mit ihrer Zahl sank auch ihre Moral. Die Verstärkung des Gegners ließ auf seinem Eroberungsfeldzug nicht nach, gleichzeitig war er Cyrus strategisch gewachsen. Diese Tatsache entfachte jedoch Cyrus‘ Ehrgeiz nur noch mehr. Er konnte dieses Spiel nicht verlieren, auch wenn ein taktischer Rückzug intelligenter gewesen wäre und vom König favorisiert wurde. Cyrus war sich seines Status bewusst. Er trat vor den König und verlangte die sofortige Verlegung nahezu aller Streitkräfte des Landes auf den Kriegsschauplatz. Andernfalls wolle er seinen Posten aufgeben und das Land verlassen, ihm wären große Teile der Armee gefolgt, die Cyrus nahezu vergötterten und vielmehr ihn als den alten König als Autorität ansahen. Dem König blieb keine andere Wahl als einzuwilligen. Die Entscheidung entpuppte sich als Fehler; schon bald waren Cyrus und seine Armee vernichtend geschlagen und dem Feind standen die Tore in das nun größtenteils ungeschützte Land offen. Cyrus wurde als Geisel genommen, doch als der König eine hohe Summe im Tausch gegen seinen besten General zahlen sollte, entschied er sich Cyrus für seine Erpressung und seine Verbissenheit, den Krieg als geistiges Kräftemessen, als Strategiespiel anzusehen, jedoch die Sicherheit des Landes und der Menschen vollkommen zu vernachlässigen, büßen zu lassen. Man hatte für den General keine Verwendung mehr; er wurde kurzerhand als Sklave in ein fernes Land verkauft.

 

Cyrus fand sich in einer Miene wieder, in der viele andere Sklaven, verschiedenster Abstammung, bis zu ihrem Lebensende arbeiten mussten. Die meisten hatten seit ihrer Ankunft an diesen Ort kein Sonnenlicht mehr gesehen. Der Arbeitsablauf war streng bewacht, zum schlafen wurden die Gefangenen in angekettet. Betäubt von seinem großen Fehler, den er sich nie eingestehen konnte, nahm Cyrus anfangs sein Schicksal hin. Nach langem Ringen mit sich selbst, konnte sich der gefallene General jedoch aufraffen. Als Spieler musste er auch verlieren können. Daraufhin machte sich Cyrus daran wochenlang die Wachablöse zu beobachten und Kontakt zu prominenten Gefangenen aufzubauen. Mit viel Diplomatie und Sorgfalt erreichte er es, die Massen zu motivieren und eine Strategie für einen Aufstand zu erarbeiten. Als ehemaliger General war ihm dies ein Leichtes. Eine weitere Herausforderung, ein weiteres Spiel. Diesmal sollte es keine Niederlage werden. Die Miene wurde schließlich von ihren Gefangenen befreit, doch die Verluste waren gewaltig. Verluste, die Cyrus durchaus einkalkuliert hatte.

 

Die Flucht ist gelungen. Cyrus schaffte sich eine Rüstung an, außerdem bewaffnete er sich ausreichend. Seit langem besitzt er wieder ein Schwert, nachdem er jahrelang nur das Geschehen am Schlachtfeld analysiert hat sowie Befehle von sich gab. Er zieht die Klinge und pariert ein paar Hiebe eines unsichtbaren Gegners. Sie liegt gut in der Hand. Gleichzeitig fragt er sich welche genialen Strategen und welche Formen der Kriegsführung dieses ihm völlig fremde Land für ihn bereithält. Plötzlich schießt ihm die Frage durch den Kopf ob Kriege nicht so geführt werden sollten, dass das Leben der Kämpfer höher gewertet wird als der Sieg. Eine Frage die Cyrus seit seiner großen Niederlage schon öfters beschäftigt hat. Er unterdrückt diesen Gedanken jedoch so schnell wie er gekommen war und schreitet voran.

Cyrus