Zwerge auf der Suche nach Kapitänen (Cult of the Damned)

Zwerge auf der Suche nach Kapitänen (Cult of the Damned)

20. Elaint – Spätnachmittag bis spät Nachts

Im Blauen Ochsen war der Kult gerade dabei sich zu stärken und beredete, wie sie nun weiter vorgehen wollten.
Mianissa schlug vor, das zur Stunde der Dämmerung die Hafenschenke Zum betrunkenen Drachen aufgesucht werden solle. Je später der Abend wurde, desto mehr Personen finden sich in Tavernen und dergleichen ein und da in der genannten Schenke mindestens einer der gesuchten Kapitäne zu finden sei, war dies zumindest in ihren Augen eine gute Möglichkeit. Thogrim und Ulla prosteten ihr bei, während sie einen kräftigen Schluck vom Bier tranken. Jurax und Amara behielten ihre Gedanken für sich, wobei sie allerdings auch nicht abgeneigt wirkten.

Nachdem jeder mit dem Essen fertig war, suchte sich Thogrim einen Tisch um Karten zu spielen, Ulla ging auf sein Zimmer um sich eine Mütze schlaf zu gönnen und Jurax, wie auch Amara vertrieben sich ebenfalls die Zeit. Mianissa teilte mit, sie werde nochmal den Hafen, aus der Luft, nach irgendwelchen Spuren, interessanten oder verdächtigen Dingen absuchen.
Ihren Tigon lies sie in der Obhut von Bran und ging ebenfalls auf ihr Zimmer. Sie verschloss die Tür, öffnete das Fenster und verwandelte sich in eine Möwe und flog von dannen. Der gesamte Hafen wurde, so gut es ging, aus der Luft abgesucht. Überall war etwas zu sehen, jedoch nichts, was irgendwie behilflich sein könnte. Außer dem abgesperrten Teil des Hafens, welcher schon am Vortag zu sehen war, gab es nichts was ihr ins Auge viel. Also flog sie zu dem abgesperrten Bereich und machte sich dort auf die Suche nach etwas brauchbaren.

Der Abgesperrte Bereich war an drei Seiten von mächtigen Mauern umgeben und die Vierte wurde vom Ozean selbst bewacht. Gegenüber der Seite vom Ozean befand sich ein großes schmiedeeisernes Tor, welches von zwei Türmen gehalten wurde. Alle vier Ecken der Mauern beherbergten ebenfalls einen Turm. Jeder Turm war mit einer Balliste geziert, die klein genug war, um einen Bodenangriff abzuwehren. Einer der Türme beherbergte wohl so etwas wie Hafenbüro. Viele Pergamentrollen, Bücher, Karten und Atlanten waren für die Druidin zu erkennen. Überall patrouillierten Wachen und es war ihr nicht möglich, Offiziere von einfachen Soldaten oder gar Milizen auszumachen. Egal ob die Wachen nun auf einem der Türm waren, in einem der vielen Barracken an der Innenseite der Mauer, auf den zwei Schiffen die hier lagen oder sonst wo.

Die zwei Schiffe die hier ungewollt lagen, waren mit schweren Ketten, die ins Wasser führten, mit dem Boden verankert. Die Takelage war zwar vorhanden, die Segel jedoch nicht mehr. Sie waren wohl vorsichtshalber abgenommen worden. Selbst das Ruder war blockiert, trotz der schweren Ketten. Mianissa hatte Glück und die Namen der Schiffe waren nicht in den komischen Zeichen geschrieben, wie sonst alles hier. Die Black Sheep und die Flying Silvermarken lagen zu ihren Füßen. Wobei die Flying Silvermarken sehr ungewöhnlich aussah. Die Black Sheep sah wieder wie ein normales Handelsschiff aus.

Der Bug der Flying Silvermarken war wie eine riesige, grimmige, aufgerissene Fratze, aus der lauter spitzer Zähne hervorguckten. Die Fratze aus Holz ging fast nahtlos in den Rumpf über, welcher viele kleine Auswülstungen zeigte. Direkt unter den kleinen Fenstern, aus welchen entweder kleinere Kanonen abgefeuert werden konnten oder die nur als Guckloch dienten, lagen diese Auswülstungen. Das Heck war, typisch für die Kapitänskajüte, weit hoch zulaufend und breit. Viele Fenster waren hier zu sehen. Hier sah das Holz ebenfalls sehr merkwürdig aus. Nicht das es nur eine dunkle Farbe, wie das gesamte Schiff, angenommen hatte, es sah aus, als ob jede Planke einen Knochen darstellen sollte. Auf dem Deck war die Reling so geformt worden, das sie einem Brustkorb ähnelte. Ebenso die drei Masten wirkten schon fast wie Knochen. Am Ende wirkte die Takelage wie ein irres und gespenstisches Spinnennetz. Erst mit dem zweiten Blick war zu erkennen, das es sich um eine ganz normale Takelage handelte und nicht um Spinnenweben, Haut, Adern oder sonstigem abscheulichen Material.

Nach dem die Druidin sich genug Zeit genommen hatte alles zu begutachten, hätte ein aufmerksamer Beobachter mitbekommen können, wie unter den unzähligen Möwen und Spatzen nur eine Möwe war, die auf dem obersten Segelhalter des Hauptmasts tanzte. Wobei das Tanzen eher eine bestimmte Abfolge an Gesten, vermischt mit einer Abfolge von piepsen war. Dieser Tanz ging ungefähr zehn Minuten lang und daraufhin entstand in den nächsten weiteren zehn Minuten ein natürlicher Nebel. Dieser Nebel legte sich auf alles, was in einem Umkreis von guten dreieinhalb bis vier Kilometern um die Druidin herum lag. So war die gesamte Hafenstadt, wie auch um die umliegenden Gehöfte und Ländereien vollkommen von dem Nebel überzogen. Mal war der Nebel so stark und dick, dass die Sichtweite nur wenige Meter reicht, mal war Nebel nur relativ leicht wahrnehmbar. Kurz darauf beschwor die Möwe noch mehrere Heuschreckenschwärme herbei, die für Unruhe sorgten. Durch das Auftauchen des Nebels und den Heuschrecken waren die Patrouillieren stark genug abgelenkt und Mianissa flog in den Turm, welcher das Hafenbüro beheimatete.

In dem Turm angelangt verwandelte Mianissa sich sofort zurück in ihre Hybridgestalt und machte sich daran, per spitzfindiger Ohren herauszufinden, ob sie alleine war oder nicht. Oberhalb von ihr konnte sie jemanden trampeln und fluchen hören, unter ihr war alles still. Ein Glück sorgten die Heuschrecken für genug Chaos, so dass die Wache in dem Stock über ihr nichts von dem Eindringling mitbekam. Mianissa machte sich nun sofort daran, alles zu durchsuchen. Karten, Seerouten, Namen, Logbücher, Handelsbücher, Warenladungen, alles was ihr verdächtig vorkam und wo sie auf dem ersten Blick irgendwelche Zeichen sofort wiedererkannte, war für die Katzendruidin interessant. Da sie allerdings immer noch nicht Shou sprechen, geschweige denn Lesen und Schreiben konnte, lief die Ausbeute sehr mager aus. Sie verstaute ein großes Buch, welches wie ein Logbuch aussah, einen Bauplan der Flying Silvermarken und drei Karten mit Seerouten in ihrem magischen Rucksack und verschwand wieder als Spatz in den Nebel. Auch wenn die Ausbeute im Turm nicht groß war und alle wild herausgezogenen und durchgeschauten Pergamente so zurückgelassen worden sind, wie sie auf dem Boden lagen, hatte Mianissa doch ein Vorteil, der Nebel würde, sofern kein starker Wind aufkam, für mehrere Tage bestehen bleiben. Somit war die Chance, das irgendjemand von der heimlichen Aktion etwas mitbekommen hatte, sehr gering.

In der Taverne Zum blauen Ochsen hingegen spielte Thogrim mittlerweile ein für ihn unbekanntes Kartenspiel. Auch wenn er sich die Regeln hat erklären lassen und bereits seit gut einer Stunde spielte, hatte der Zwerg entweder kein Glück oder das Spiel war ihm nicht gelegen. Er machte mehr Minus als Plus. Als er nach gut anderthalb bis zwei Stunden um die Zehn Goldstücke verloren hatte, stieg er aus dem Spiel aus. Immerhin wollte er nicht seinen letzten Notgroschen auch noch verlieren.
Amara genoss die Ruhe, die noch in der Taverne verweilte und sah sich schon gelangweilt im Schankraum um. Jedoch stieß ihr nichts auf oder war in sonst einer weise Interessant. Jurax begnügte sich damit, das er Bier trinken und Amara oder wer auch immer noch an seinem Tisch vorbei kam, erzählen konnte was er doch alles für Tricks auf Lager hätte.

Nachdem ein klein wenig mehr als zwei Stunden vergangen waren, gesellte sich auch Mianissa wieder zu Amara und Jurax, sowie mittlerweile auch Thogrim an den Tisch. Aufgrund des Nebels füllte sich die Taverne langsam aber sicher. Mianissa aß noch ein kurzes Häppchen bevor sich alle einig waren, das es nun Zeit war den Betrunkenen Drachen, eine weitere Hafenschenke, auszumachen.
Gerade in dem Moment wo sich alle aus dem Kult einig waren, nun zum Betrunkenen Drachen zu gehen und auf der Türschwelle standen, viel ihnen ein, das noch jemand fehlte. Ulla war noch in seinem Zimmer und schien zu schlafen. Die Druidin erklärte sich bereit Ulla zu wecken und ging in das erste Obergeschoss. Angekommen an seiner Tür, klopfte sie, mit der Hoffnung, dass der Zwerg dies wahrnehme. Auch nach dem zweiten klopfen und einem schon fast hämmern an der Tür, regte sich in dem Zimmer nichts. Nun versuchte Mianissa die Tür zu öffnen und es gelang ihr. Sie war nicht abgeschlossen. Ulla lag in seinem Bett und es sah aus, als ob er mit wem gerungen hätte, so zerwühlt war es.
Da eine Waschschüssel direkt neben dem Bett stand, nutze Mianissa diese Gelegenheit und entleerte den gesamten Inhalt über Ulla. Prustend und sich wundernd was gerade passiert war, richtete sich Ulla auf und staarte die Katzenfrau an, während sie nur mitteilte, das es nun an der Zeit ist sich zum Betrunkenen Drachen aufzumachen.

Alle Mitglieder aus dem Kult gingen die Straßen entlang und nachdem Mianissa kurz erklärte, dass sie etwas interessantes gefunden hätte, wo drüber man sich später einmal unterhalten sollte und das sie mit dem auftauchen des Nebels nichts zu tun hatte, brach eine kurze Diskussion aus. Ulla und Mianissa beteiligten sich nicht daran, vor allem da sie nicht verstanden um was es nun genau ging und was das Ziel dieser Diskussion war und marschierten Zielstrebig, aber ohne ein Wissen wo es nun lang ging, in den Nebel hinein. Der Rest folgte ihnen und nach wenigen Patzern, was die Findung des Weges anbetraf, gelangten sie auch alle zum Betrunkenen Drachen. Schon von der Straße war zu hören, das drinnen gute Stimme herrschte. Auch nach dem alle eingetreten und den schweren Ledervorhang beiseite geschoben hatten, wurde die Stimmung nicht getrübt.

Im rechten Teil spielten die Barden, im linken und eher ruhigeren Teil wurde viel Karten gespielt. Wobei der linke Teil der Schenke etwas ruhiger war, so war hier genau so wenig Platz wo überall auch. Die Schenke war fast überfüllt mit Gästen. Kaum ein durchkommen ohne anrempeln war gegeben. Nur die Barmädchen hatten Glück, das jeder ihnen soviel Platz machte, wie es nur ging. Ulla war der erste der die Gruppe verlies. Er wolle sich einen Platz suchen, von dem er aus spaß haben konnte und zugleich an Infos kam. Wobei wohl ersteres das Hauptaugenmerk des Zwerges war. Mianissa schlug vor, das jeder seines Weges hier in der Schenke gehen solle und das man sich notfalls vor der Tür treffen können. Jurax meinte nur, dass der Tresen die bessere Wahl wäre, um sich zu treffen und alle willigten ein.
Thogrim suchte einen Tisch, wo er unter zwergischer Gesellschaft war. Amara suchte sich auch ihren Platz und Jurax ging sofort zum Tresen, orderte sich ein Bier und ging zu den Barden um dort zu tanzen. Mianissa suchte lange nach welchen, die sie verstehen konnte und nach mehreren Minuten fand sie einen Tisch. Es schien, das es Personen aus Faerûn waren, genau wie sie. Sie spielte eine Zeit lang Karten mit an dem Tisch, wo sie sich unterhalten konnte und versuchte ein Gespräch aufzubauen, in dem sie sich immer wieder über die Stadtgarde ausließ. Jedoch führte dies zu keinem Erfolg, denn zum Ende hin wurde ihr gesagt, sie sei hier zum spielen und nicht zum reden.

Unterdessen fingen die Zwerge an, sich bei den Barden ein wenig zusammen zu tun. Sie fingen an zu schunkeln, zu singen und zu trinken. Es fanden sich immer mehr zusammen und zugleich wurde es immer lauter und ausgelassener bei den Barden. Irgendwann gaben die Barden es auf, gegen die Zwerge zu spielen und spielten ihre Instrumente eher im Takt zu den zwergischen Trinkliedern.

Während sich Mianissa, nach dem sie gute 140 Gold verspielt hatte, einen neuen Tisch suchte, kam eine weibliche Hobgoblin zu Thogrim an und meinte, dass der Stuhl, auf dem er sitze, ihr gehöre. Thogrim fragte, ob sie sich sicher sei und sie erwiderte nur, das ihr Name auf der Lehne stehen würde. Da sich der Zwerg nicht vollends verrenken wollte, stand er auf um nach dem Namen zu schauen und genau in diesem Moment schnappte sich die Hobgoblin den Stuhl. Sie setzte sich drauf, fing an zu lachen und nun bemerkte auch Thogrim, er wurde ausgetrickst. Auf jeder Lehne eines Stuhles war eine Markierung angebracht, die eine reine Verzierung war.

Der Abend wurde länger und länger, die Stimmung in der Schenke immer lauter und fröhlicher. Wobei der Großteil der nichtzwergischen Gäste das Lokal verlassen hatten, denn mittlerweile haben sich fast alle Zwerge zusammengetan und tanzten. Mianissa hatte bereits erfahren, das hier einer der Kapitäne, die die Gruppe suchte, zugegen sei. Es war Rekham. Ulla indes hatte es mit einem Menschen zu tun, der den Zwerg mitnehmen wollte, in dem sich Ulla gerade eingehakt hatte. Der Mensch hieß Finn und wollte Fletscher mitnehmen, da es am Morgen losginge, die Arbeit warte bereits. Es entbrannte ein Wortgefecht zwischen Finn und Ulla. Am Ende stellte sich jedoch heraus, das Finn vielleicht die Möglichkeit hatte, Ulla und dem Rest des Kultes Arbeit anzubieten.

Parallel dazu suchte Mianissa Amara und als sie sie schließlich fand, gingen bei zu Rekham hin. Rekham war eine Elfin, die wohl bereits im mittleren Alter stand. Sie trug einen großen breitkrempigen Hut, wirkte recht zierlich und trug ein ledernes Oberteil, welches einen tiefen Ausschnitt zeigte. Darüber trug zwei lederne Waffengürtel. An jedem Gürtel gingen vorne zwei Steinradpistolen, an der Hüfte hinten zwei Dolche und zwischen den Pistolen schien Munition zu sein.

Mianissa und Amara unterhielten sich mit Rekham. Die Kapitänin erklärte, dass sie der Piraterie bezichtigt wird und somit unter Hausarrest steht. Der Großteil ihrer Crew ebenfalls und ihre gesamte Ladung wurde konfisziert. Als Mianissa erneut fragte, ob Rekham ihnen Arbeit anbieten oder sonst irgendwie oder der Kult ihr helfen könne, so gab die Elfin nur „Vielleicht“ wieder.

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