Vanyaskaya Del’Thiron

Vanyaskaya ist aufgewachsen in einem kleinem heruntergekommenen Vorort von Niewinter.
Ihre Mutter, Ronja Del’Thiron, musste anschaffen gehen um die Familie durchzubringen, da Vanya’s Vater, dem Weine hoffnungslos verfallen, mittlerweile unfähig war seinem früheren Beruf als Fischer nachzugehen.
Vanya’s Eltern kamen ums Leben als eine randalierende Bande von drei halbstarken Jugendlichen nachts in ihr Elternhaus einbrach.
Vanya kauerte unter dem Bett ihrer Eltern als es passierte, sie wollte helfen, aber sie verstand, dass sie dann womöglich auch zum Opfer würde. Daher hielt sie still und beobachtete..

Sie merkte sich was die Jugendlichen, die über ihre Eltern herfielen, zur Kleidung trugen, wie ihre Stimmen klangen, ihre Gangart, ihre Bewegungen, ihre Dialekte…und vor allem… ihre Gesichter… Nie würde sie diese vergessen.

-Einer der Jungen trug einen auffallend pompösen aber billigen Ring aus Kupfer. 
-Der zweite kratzte sich ständig vor Nervosität am linken Ohr.
-Der Dritte hatte anstelle seines linken Fußes einen klobigen Holzstumpen mit Metallnieten  

Der Tag der Abrechnung wird kommen. Nicht heute, wahrscheinlich nicht morgen, aber er wird kommen. Die Zeit verging, Vanya wuchs seitdem auf als Waisenkind und schlug sich durch, das hatte sie ja immerhin von ihrer Mutter gelernt..  

Sie wusste was was Menschen hören wollten, vor allem Männer waren leicht zu beeinflussen. Nahezu spielend leicht..

So dauerte es nicht lange, bis Vanya bei einem durch die Stadt reisenden Heiler, einem Mann Ende 50 Names Frer Mildgrove eine Lehrstelle fand und ihm als Assistentin diente. 

Er behandelte sie gut, gab ihr Nahrung und Kleidung, und lehrte sie in Medizin.
Anatomie, Physiologie, Grundlagen der Verhaltenslehre und Psychologie standen auf Meister Mildgrove’s Stundenplan. Vor allem in der Zubereitung von Tees und Tinkturen, alkoholischen Extrakten und ätherischen Ölen stellte sich Vanya sehr geschickt an, sehr zur Freude von Meister Mildgrove. 

Sie war ihm sehr dankbar, er gab ihr eine Aufgabe, endlich einen Sinn im Leben, doch vor allem weckte er Vanya’s Drang, nein, vielmehr ihren unstillbarem Durst, nach Wissen.

Da war es für Vanya auch nicht weiter verwunderlich, dass Mister Wildgrove des öfteren Nachts, wenn das Labor geschlossen war und die letzten Patienten versorgt waren, die Tür zu Vanya’s Schlafgemach, eine einfache Stube in Meister Wildgrove’s Dachboden, öffnete und von Vanya einige ‚Gefälligkeiten‘ wie er es auszudrücken pflegte, einforderte.

Vanya dachte dies sei normal, daher lies sie es über sich ergehen. War es nicht was ihre Mutter getan hatte, um Geld zu verdienen, dann konnte es ja nicht falsch sein? 

So vergingen die Jahre, und mittlerweile war aus Vanya eine junge Frau geworden. Meister Mildgrove konnte ihr nichts Neues mehr beibringen, im Gegenteil, durch ihre eigenen Studien war sich Vanya mittlerweile im Klaren darüber, dass Vieles was er ihr beigebracht hatte, weniger auf Fakten, als auf Vermutungen basiert hatte. Er war kein wirklicher Wissenschaftler, so erkannte sie schließlich, eigentlich war er nur ein Dummschwätzer, ein Versager.
Seine ‚Lektionen‘ begannen Vanya zu langweilen, nein, nahezu zu erzürnen, und sein fauler Atem und der Geruch seiner modrigen Kleidung begann Vanya anzuwidern. 

Das Problem der lästigen Besuche bei Nacht hatte sich immerhin mittlerweile– fast von selbst – gelöst, hatte der Meister doch versehentlich statt eines Elixiers zur Steigerung der Manneskraft, versehentlich einen gehörigen Schluck salpetriger Säure in seinen gierigen Rachen geschüttet. Oder hatte tatsächlich jemand etwa versehentlich die Etiketten vertauscht? 

Es war ein außerordentlich glücklicher Zufall, dass der gute Meister Mildgrove kurz vor seinem unerwartetem Ableben, „für den Fall der Fälle!“, wie er freudestrahlend unter dem schweren Einfluss einer gehörigen Dosis Schlafmohns, der irgendwie in sein Weinglas gelangt war, Vanya als alleinige Erbin seiner Behausung und seines Labors eingesetzt hatte!

Nun war endlich Ruhe Nachts, keiner kam mehr um sie zu stören, zumal Vanya ohnehin nicht viel Schlaf bekam diese Tage, da sie über ihren Büchern kauerte, statt kostbare Zeit durch Schlaf zu vergeuden.

Die Jahre vergingen, die Praxis lief gut, zumindest gut genug um ihre Unkosten zu decken und so führte Vanya ein bürgerliches Leben.
Tagsüber als Heilerin in ihrer eigenen Praxis.
Das Licht im Labor brannte jedoch auch Nachts, jede Nacht.
Schatten waren innen zu sehen, war sie doch nicht allein?
War dieses markerschütternde Geräusch von einem wilden Tier? Kam das wirklich aus dem Haus? 

Vielleicht wäre Vanya noch länger hier geblieben, wäre nicht der schreckliche Brand gewesen.
Ein verheerendes Feuer hatte das Haus, ihr Labor und alles darin zerstört. Das Feuer muss so stark gewesen sein, sogar die Steine waren teils geschmolzen, das sieht man nicht alle Tage. Man kann nicht sagen dass die Nachbarn wirklich um die seltsame Einzelgängerin die wohl bei dem nächtlichen Brand ihres Laboratoriums selbst umgekommen war, lange getrauert hätten.
Schnell wurde der Schutt abgetragen und darauf ein neues Haus errichtet, die drei stark verkohlten Leichen im Untergeschoss wurden dabei nie bemerkt, als der Keller zugeschüttet wurde.

– Eine war vollständig zu Kohlestaub pulverisiert, lediglich einen pompöser  Ring aus Kupfer verblieb. 
– Die Zweite war noch gut erhalten, in grotesker Pose, die verkohlte Hand am linken Ohr.
– Von der Dritten waren nur noch schwarze Knochen übrig, daneben lagen einige Metallnieten.  

Vanyaskaya Del’Thiron