Ryan Turner

Ein Geburtsort bei Ryan fest zu machen, ist wie die Heimat von Nomaden zu bestimmen. Man bekommt zwar eine grobe Gegend heraus, jedoch keine direkte Stadt oder Ort. Ryan wurde als Kind von fahrenden Schauspielern geboren und verbrachte den Großteil seiner Kindheit damit von Ort zu Ort zu fahren und die Aufführungen seiner Eltern zu bewundern. Er und seiner Eltern sind mit einer 10 köpfigen Gauklertruppe durch die Gegend gefahren und lebten von Aufführung zu Aufführung. Dementsprechend lernte Ryan viele verschiedene Länder, Bräuche und Sitten kennen. Das Leben war für ihn ein einziges Vergnügen. Er lernte selbst bei dem einen oder anderen Stück mitzuspielen, doch bald merkte er, dass er nicht nur von Stadt zu Stadt reisen wollte, um irgendwelche Menschen zu bespaßen, sondern dass er noch mehr von der Welt sehen wollte. Er wollte die fernsten Länder bereisen, die höchsten Berge erklimmen und die weitesten Meere überqueren und am liebsten alles ganz allein. Vieles von dem hätte man als jugendlichen Leichtsinn abstempeln können, jedoch war er wild entschlossen und nicht zu bremsen.

So machte er sich mit 14 Jahren auf die Welt alleine zu erkunden. Das dies nicht lange gut gehen konnte, war mehr als Klar und so fand er sich zwei Wochen später in einer größeren Stadt als Bettler wieder. Ein paar Tage frustete er sein Dasein in einer Stadt, von der er nicht einmal wusste, wie genau sie hieß. Eines Tages jedoch kam ein alter Mann in die Stadt und las ein paar der Kinder und Jugendlichen auf, welcher in der Stadt bettelten. Unter ihnen war auch Ryan. Er versprach den Kindern, dass er sie in ein Waisenhaus bringen würde, in denen Essen, warmer Tee und ein eigenes Bett auf sie warten würde. Am Rande der Verzweiflung angelangt war Ryan einverstanden und folgte den alten Mann zusammen mit 4 anderen Kindern. Endlich wieder etwas Hoffnung fassend, dass er sein Dasein nicht ewig auf den Straßen einer ihm unbekannten Stadt fristen musste, freute sich Ryan sogar ein wenig über die neu gewonnene Chance. Doch nachdem sie das angebliche Waisenhaus des alten Mannes erreicht hatten, zeigte sich, dass der alte Mann nicht ganz so gütig war. Als sie das alte Haus betraten und die erste Mahlzeit zu sich nahmen, verspürte Ryan, dass ihm ein Gefühl der Erschöpfung überfiel, wie er es selbst auf den Straßen der Stadt nie verspürt hatte. Noch am Essenstisch schlief Ryan zusammen mit den anderen Kindern ein. Als Ryan wieder zu sich kam, fand er sich an einen Stuhl gebunden wieder und um ihn herum sah er komisches Besteck und allerhand weitere Utensilien. Ein Gegenstand wirkte jedoch komplett fehl am Platz. Es war eine komplett weiße Maske, welche auf einem kleinen Tisch vor seinem Stuhl stand. Hätte Ryan es nicht besser gewusst, würde er meinen, dass sie ihn anstarrte. Doch das konnte nicht sein, schließlich war es eine seelenlose Maske. Nach ein paar Minuten kam der alte Mann in den Raum hinein und schaute Ryan etwas überrascht an. Erst jetzt bemerkte Ryan, dass er einen Knebel im Mund hatte, da er dem Mann anschreien wollte, was er mit ihm vorhatte. Doch es drang nur ein leises Stöhnen aus ihm heraus. Der Mann schien sich von den Anstalten, welche Ryan machte nicht sonderlich zu beirren. Wie in Trance fing der Mann an Messer in verschiedensten Größen auf einem Tablett zu Recht zu legen. Kurz danach nahm er eine Flache mit einer klaren Flüssigkeit von einem anderen Tablett und träufelte etwas davon auf ein Tuch, welches er Ryan unter die Nase hielt. Dabei fing der alte Mann zu sprechen. Doch klang es mehr als würde er zu sich selbst reden, anstatt zu Ryan. Wieder überkam Ryan diese unnatürliche Müdigkeit. Er versuchte sich krampfhaft dagegen zu wehren, doch er schaffte es nicht. Dabei hörte er die ganze Zeit die monotone Stimme des Mannes, wie er etwas über 20% des Gehirns redete und wahres Talent, welches in jedem schlummerte.

Ryan weiß nicht, wie lange er weggetreten war. Er hatte das Zeitgefühl komplett verloren. Erspürte eine Wärme, welche fast allgegenwärtig war. Im ersten Moment empfand Ryan die Wärme als angenehm, doch nach kurzer Zeit wurde die Wärme unerträglich. Er spürte, wie er langsam aber sicher die Kontrolle über seinen Körper zurückgewann. Seine Augen öffneten sich und in dem Moment indem er seine Umgebung zum ersten Mal wieder komplett wahrnahm, ging durch Ryan ein Schock, wie er es noch nie erlebte. Er saß im Mitten eines brennenden Hauses, welches entfernt an das Waisenhaus erinnerte, indem er gestern angekommen war. Er kniete auf dem Boden und vor ihm lag ein Mädchen. War es eines der Mädchen, welches mit ihm hier her gekommen war? Aber sie wirkte viel älter als die Mädchen, die gestern mit ihm hier her gekommen waren. Im ersten Moment, dachte Ryan sie würde ihn anstarren, doch im zweiten Moment wusste Ryan, dass sie tot war. Das Knistern und Krachen des Holzes, welches um ihn herum brannte, riss Ryan aus seiner Shock Starre. Er musste hier raus ansonsten würde er von den herunterstürzenden Trümmern zerquetscht oder eingesperrt werden. Beim Aufstehen bemerkte Ryan, dass das Mädchen ein Buch mit beiden Händen umklammerte, welches auf ihrem Bauch lag. Es war nicht sonderlich groß, aber schien sehr alt. Der Einband war zum Teil mit tiefen Kratzern versehen und die Seiten hatten schon einen starken Gelbstich. Ryan wusste nicht warum, aber er nahm das Buch an sich und suchte dann einen Weg aus der Flammenhölle. Das Feuer des Hauses breitete sich immer weiter aus und Ryan merkte schnell, dass er hier nicht so einfach raus kam. Der Haupteingang der Hauses war schon komplett mit brennenden Trümmern verschüttet worden und auch der Weg in die anderen Räume war versperrt. Ryan war sichtlich überfordert mit der Situation und als er realisierte, dass es keinen Ausweg aus dem brennenden Haus gab, brach er einfach in der Eingangshalle zusammen. Er wusste nicht womit er das alles verdient hatte, aber er war sich ziemlich sicher, dass das sein Ende werden würde. Er schaute nach oben und bemerkte erst jetzt, dass das Dach des Hauses anscheinend schon komplett eingebrochen war. Der Sternenhimmel erstrahlte über ihm und hatte etwas merkwürdig Beruhigendes in dem ganzen Feuerinferno. Wie sehr würde er jetzt wieder bei seiner Familie und den fahrenden Gauklern sein. Eine Träne rann dabei über sein Gesicht. Als er die Träne weg wischen wollte, merkte er, dass er eine Maske auf hatte. Warum dachte Ryan sofort an die weiße Maske, welche auf dem Tisch lag kurz bevor er sein Bewusstsein verloren hatte. Aber das alles hatte wahrscheinlich so oder so keine Bedeutung mehr. Er würde hier sterben. Ein letztes Mal würde er sich den Sternenhimmel anschauen, bevor der von der Hitze und den Flammen verschlungen werden würde. Hitze? Nein, die spürte er schon gar nicht mehr. Wahrscheinlich, weil die meisten seiner Nerven schon abgestorben waren ? Aber warum war ihn dann auf einmal so kalt? Auch das Licht des Feuers leuchtete nicht mehr so stark, wie noch vor wenigen Momenten. Was passierte hier? Ryan wendete seinen Blick vom Sternenhimmel ab, um in die Richtung zu schauen, indem gerade noch der brennende Eingangsbereich war. Doch auch dort war nur die Dunkelheit der Nacht zu sehen. Was passierte hier? Er hörte das Geräusch von Schwingen. Wurde er gerade von Irgendjemand gerettet? Er schaute wieder nach oben, doch über ihm war nicht außer der Sternenhimmel. Er schaute nach unten und sah, wie das Waisenhaus unter ihm kleiner wurde. Er flog gerade. Das war sicher. Doch wer hatte ihn gerettet? Als er hinter sich schaute, fand er die Antwort darauf, doch es stellten sich ihm noch viel mehr Fragen. Er selbst hatte sich gerettet. Aus seinem Rücken, sind zwei tiefschwarze Schwingen gewachsen, welche ihn aus dem brennenden Inferno getragen hatten. Was war mit ihm nur passiert? Sicher trugen ihn die Schwingen in einen nahe gelegten Wald und setzten ihn dort behutsam ab. Bevor er sich fragen konnte, woher genau die Schwingen kamen, wurden sie kleiner und verschwanden in seinem Rücken. Nun war er alleine in der Dunkelheit. Der Wald spielte seine ganz eigene Nachtmusik und Ryan war froh und erleichtert, dass er irgendwie aus diesem Inferno entkommen konnte. Doch zugleich überkam ihn Neugier. Was war in diesem Waisenhaus passiert? Warum hatte er diese Maske? Und wie lange war er dort gewesen? Denn er merkte auch, dass er seit seinem Ankommen im Waisenhaus ein gutes Stück gewachsen war. Dabei erinnerte er sich wieder an das Buch, welches er mitgenommen hatte. Er umklammerte es noch immer mit beiden Händen. Er schaute sich das Buch an. In dem Buch waren Fünf Namen geschrieben worden und mit jeweiligen Charaktereigenschaften versehen worden. Auch Ryan stand dort drin und obwohl er nicht wusste warum, kamen ihm die anderen Namen sehr bekannt vor. Waren das die anderen Kinder gewesen?

Er wusste zwar nicht wie es weiter gehen würde für ihn. Doch eins war für Ryan klar, er konnte und wollte nicht mehr zurück zu seinem alten Leben. Viel mehr wollte er wissen was mit ihm passiert ist und warum das alles passiert ist. Gab es vielleicht noch andere Anstalten, wie dieses Waisenhaus? Und was genau wurde mit ihm dort gemacht? Er wollte Antworten auf diese Fragen haben und er wusste, dass die Suche nach diesen Antworten wahrscheinlich sehr lange dauern würde. Doch das war ihm egal. Er spürte, dass sein Körper sich verändert hatte und er wollte wissen warum. Außerdem wollte auch irgendetwas in ihm wissen, zu was er nun fähig war.

Ryan Turner