Rohan von der Morgenweide

Wer in Westgate als Kind wohlhabender Eltern geboren wird, dem stehen alle Türen offen. Und so war auch Rohans vom Tage seiner Geburt privilegiert.

Sein Vater hatte sich wenige Jahre vor Rohans Geburt in Westgate niedergelassen. Nach außen wurde der erfolgreiche Händler von vielen bewundert und beneidet. Hatte er doch auf seinen Reisen nicht nur große Reichtümer angehäuft sondern auch eine wunderschöne Elfenfrau mitgebracht. Es gingen Gerüchte um das sie eine Prinzessin der Mondelfen wäre. Das Anwesen der beiden wurde nach ihren Wünschen umgebaut, und bald schmückten Gärten und Teiche den von der Außenwelt abgegrenzten Bereich. Auf regelmäßigen Festen vergnügte sich die Elite von Westgate und Gesandte der umliegenden Königreiche.

Drei Jahre nachdem die Familie sich in Westgate niedergelassen hatte wurden Rohan und seine ältere Zwillingsschwester Alina geboren. Beide hatten die Schönheit ihre Mutter und das charismatische Auftreten ihres Vaters geerbt. Um ihre Gaben zu fördern wurden die beiden von den besten Privatlehrern unterrichtet. Sie erhielten Unterricht sowohl in den schönen Künsten als auch in Fechtkunst, Diplomatie und Sprachkunst.

Mit anderen Kindern kamen die beiden erst spät in Berührung. Zu groß war die Befürchtung der Eltern die beiden könnten entführt werden. Mit 16 Jahren machten sich die beiden das erste Mal eigenständig auf den Weg in die Stadt. Während eines Mitsommernachtfestes entkamen die beiden ihren Aufpassern. Während dieses Festes zu Ehren Sunes wurde Rohan das erste Mal von schwärmerischen Gefühlen übermannt. Stärker als die brüderliche Liebe zu seiner Zwillingsschwester verzehrte sie ihn und sollte ihn fortan nicht mehr los lassen. Umso betrüblicher das seine Liebe von Anbeginn zum Scheitern verdammt war. Hatte er sich doch in den Sohn eines Gildenführers verguckt. Aus der anfänglichen Schwärmerei wurde eine regelrechte Besessenheit die er in der Form der Minne auszudrücken versuchte. Seine Schwester unterstützte ihn indem sie diese Beziehung vor den Eltern geheim hielt.

Nach einigen Monaten erfuhren allerdings die Eltern von den romantischen, noch keinesfalls sexuell geprägten, Gefühlen ihres Sohnes. Um Probleme mit der Familie des Gildenführers zu vermeiden beschlossen sie schweren Herzens die Zwillinge zu trennen. Rohan wurde in die Obhut eines Schwertmeisters gegeben der mit ihm als Knappe durch die Lande ziehen würde. Alina blieb bei den Eltern und wurde auf eine Nachfolge im elterlichen Handelshaus vorbereitet.

Schweren Herzens verabschiedete sich Rohan von seiner Schwester und Familie. Gleichzeitig hoffte er sich in der Fremde beweisen zu können. Unter der Führung des Schwertmeisters Gawin zogen die beiden zuerst nach Westen und dann Richtung Cormyr. Rohan erfuhr auch das sein Vater mehr als nur Handelsbeziehungen nach Cormyr pflegte, wurden die beiden doch von vielen Adelshäusern als Verwandte aufgenommen. Rohan lernte ritterliche Tugenden und den Umgang mit dem Schwert. Im Frühjahr des folgenden Jahres erfuhr er durch einen Boten, das sein Angebeteter verheiratet worden war. Er war somit für ihn unerreichbar geworden, denn eine Einmischung in eine Ehe kam für ihn nicht in Frage. In seiner Trauer suchte er sein Heil bei Sune. Hatte sie ihn doch einst auf diesen Pfad gebracht. Nach einer Nacht der Wache vor einem Schrein wurde er sowohl mit einem kurzen Lächeln der Lady Feuerhaar als auch der Erkenntnis belohnt, das romantische reine Liebe einmalig sein kann und sich doch nicht Liebe zu anderen Wesen ausschließt.

Von diesem Zeitpunkt war Rohans Weg vorbestimmt. Auf dem Weg nach Daerlun unterrichtete Gawin ihn in allem was ein Paladin wissen musste. Zumindest soweit er es konnte. Er ermunterte den jungen Halbelfen auch sich auf Flirts und kurze Romanzen einzulassen. Und aufgrund seines Schönheit und seiner Ausstrahlung hatte Rohan schnell einen Schlag bei den Frauen. Doch achtete er stehts darauf ihnen mit ritterlichen Anstand zu begegnen. In Daerlun wurde Rohans Ausbildung dann vollendet und er wurde schließlich zum Paladin geweiht und in den Orden der rubinroten Rose aufgenommen. Gawin kehrte nach Westgate zurück da er seine Aufgabe als erfüllt ansah.

Einige Jahre später…

Seid einigen Wochen war der Frühling in dem kleinen Dorf am Fuße der Nebelberge angebrochen. Die Bauern hatten die ersten Felder bestellt und die Schäden des Winters waren fast vollständig beseitigt. Schon bald würden die ersten Händler aus Amn wieder durch den Ort reisen. Die Dorfbewohner freuten sich immer über die Durchreisenden. Erzählten sie doch Geschichten aus fernen Landen von Helden die über das Böse triumphierten und von allerlei magischen Wunderdingen. Auch brachten die Händler schöne Dinge und Gewürze mit.

Auch stand ein großes Fest vor der Tür. Nach dem Ende der Aussaat sollte der Sohn des Dorfältesten heiraten. Er hatte eine junge Maid aus dem 3 Tagesreisen entfernten Nashkel gefreit und jeder freute sich mit ihm. Auch stand die Hochzeit anscheinend unter einem guten Stern, denn eine Woche vor der eigentlichen Feier traf ein Paladin der Lady Feuerhaar im Dorf ein und erklärte bis zur Hochzeit bleiben zu wollen.

Für das Dorf bedeutete das einiges an Aufregung. Gerade die Dorfjugend war hin und her gerissen von der schönen Erscheinung des Paladins. Der hoch gewachsene Halbelf mit der milchweißen makellosen Haut, den in langen Locken wie rotes Gold über seinen Rücken fallenden Haaren und den großen smaragdgrünen Augen hatte es den Mädchen und jungen Frauen angetan. Mehr als einmal beobachteten sie ihn beim morgendlichen Bad im nahen Gebirgsbach. Die jungen Männer sahen dies nicht so gerne, konnten dem Paladin aber auch nicht böse sein. Trainierte er doch des Abends mit ihnen im Ringkampf und scherzte mit freundschaftlich mit ihnen. Des Abends spielte er auf seiner Fidel auf dem Dorfplatz. Bei lustigen und traurigen Weisen fand sich die Dorfjugend bald paarweise wieder, vergaß die harte Arbeit des Tages und genoss ihre Frühlingsgefühle.

Zwei Tage vor der Hochzeit machte sich der Paladin mit den zwei kräftigsten der Dorfjugend auf den Weg Richtung Nashkel. Er hatte ihnen gesagt sie wollten die künftige Braut gebührend empfangen und sicher ins Dorf geleiten. Eine Tagesreise vom Dorf entfernt trafen sie gerade in dem Moment auf den Brautzug als dieser von Banditen überfallen wurde. Die Banditen hatten es auf die Aussteuer der Braut abgesehen und hofften ein reiches Lösegeld für die Braut und die Brautjungfern zu erhalten. Doch aus dem erhofften leichten Kampf wurde nichts. Denn kaum hatten die 5 Banditen zum Angriff angesetzt mussten sie zu ihrem Entsetzen feststellen das ihnen der Paladin in roter Robe und feuerroter Rüstung entgegen trat. An seiner Seite die beiden Burschen mit Kurzschwertern und in Lederrüstung. Mit fester Stimme forderte der Paladin die Banditen auf ihrer Wege zu ziehen, „Ich bin Rohan von der Morgenweide, Paladin im Orden der Rubinroten Rose, Diener der Lady Feuerhaar. Ich lasse nicht zu das ihr die Hochzeit stört und die Schönheit und Ehre der Braut befleckt. Zieht von dannen und ihr sollt frei sein. Bleibt und erleidet die Konsequenzen.“ Mit den letzten Worten zog er sein mit Rosenintarsien verziertes Schwert und seinen weißen Schild mit der Rubinrose. Ermutigt und mit Feuer im Herzen stellten sich die beiden Burschen an seiner Seite auf. Doch die Banditen wähnten sich ob ihrer Überzahl im Vorteil. War es doch nur ein Paladin und zwei Bauernburschen die ihrem Reichtum im Weg standen. Und so griffen sie wütend an. Der Anführer und zwei weitere Banditen umringten den Paladin, je ein Bandit griff einen der Burschen an. Die ersten Schläge prasselten auf Rohan nieder, richteten jedoch keinen Schaden an. Sein Schwert hingegen fand schnell sein Ziel und der Anführer der Banditen war bald allein im Kampf mit Rohan. Die beiden Burschen hatten weniger Glück, waren sie doch im Kampf nicht geübt. Der eine musste einen starken Treffer einstecken während es ihm nicht gelang sein gegenüber zu verwunden. Als Rohan dies sah warf er ihm einen Luftkuss zu und neue Lebenskraft durchströmte den Burschen. Mit einem Schrei warf er sich auf seinen Gegner und stieß ihm das Kurzschwert in die Brust. Als der letzte Bandit sah, wie sich das Blatt zu wenden begann verließ ihn seine Kampfeslust und er rannte von dannen. Lediglich der Anführer der Banditen wollte nicht aufgeben und verbissen versuchte er eine Schwachstelle in Rohans Rüstung zu finden. Unter Missachtung seiner eigenen Deckung griff er an und stieß seinen Dolch in Rohans Seite. Ein Grinsen der Genugtuung stahl sich auf sein Gesicht. Es sollte sein letztes sein, denn im gleichen Moment traf ihn Rohans Schwert an der Schulter und verwundete ihn tödlich. Er fiel zu Boden, im Gesicht immer noch Grinsen während seine Augen brachen. Rohan zog den Dolch aus seiner Seite und biss seine Zähne zusammen. Zum Glück hatte der Dolch nichts lebenswichtiges verletzt und mit einem Handauflegen war das meiste schon fast verheilt. Als nächstes kümmerten sich die drei um den vollkommen geschockten Brautzug. Schnell konnten sie die Braut und ihre Begleitung beruhigen. Nachdem sie die toten und schwer verletzten Banditen auf die Packtiere gebunden hatten eskortierten sie die Braut ins Dorf. Gerade rechtzeitig zur Zeremonie trafen sie ein. Das ganze Dorf feierte und freute sich über den glücklichen Ausgang der Hochzeit. Rohan war einer der Ehrengäste auf der Hochzeit.

Am nächsten Morgen reiste er nach Norden. Im Traum hatte er glaubte er dort sein nächstes Ziel gesehen zu haben. Genauso wie ihn sein Traum in das Dorf geführt hatte war er sich sicher das er auch dort eine Aufgabe für Lady Feuerhaar erfüllen zu können.

 

Charakterbogen_Rohan

Rohan von der Morgenweide