RiftName: Rift
Rasse: Mensch
Klasse: Beguiler/Druid

Rift verwöhnt, dreist, arrogant oder verlogen zu nennen hätte ihm nur ein müdes Schulterzucken entlockt. Und das auch nur, wenn er die andere Person solcher Aufmerksamkeit für würdig erachtet hätte. Sein Vater war keine solche Person und seine Mutter war von Einfluss über ihn so weit entfernt, wie ein Drow von Integrität. Sie mussten schon sehr dumm sein, da sie ihn aus all den Miseren, in die Rift im Laufe der Jahre (in denen er bereits ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft hätte sein sollen) geraten war befreiten. In seiner Blütezeit des Trinkens und Herumhurens war er mit den Gefängniswärtern per „du“. Lange Zeit ging es nicht über Tavernenschlachten, Betrug beim Kartenspiel, Nutzen von Illusionszaubern um die Alten der Stadt zu Tode zu erschrecken und weiteren Streichen hinaus. Doch wachsende Macht und ein gewisses Talent ließen Rift wie ganz von selbst in eine Richtung gleiten, die niemand dem er lieb war gutheißen mochte. Denn wer sein Lebensschiff nicht lenkt landet dort, wo all jene landen, die es nicht tun. Stromabwärts. Wohlstand und das wahren gewisser Etikette vermag krumme Geschäfte und miese Gesellschaft lange hinter den Kulissen halten, doch irgendwann wägt man sich in Sicherheit, wird leichtsinnig, macht Fehler und zahlt letztlich den Preis. Zumindest Rift erging es so, weshalb er nicht weiß, ob es jemals jemandem anders ging. In den Geschichten, die er gerne hörte wurden die Gauner jedenfalls nicht wirklich geschnappt, sondern kamen mit dem Schatz und der Frau des Bestohlenen davon, um bis zum Ende ihrer Tage… und so weiter.

Das Leben holte ihn mit einem Tritt in seinen Menschenhintern ein, der ihn geradewegs über die Stadtmauer beförderte und das auch nur, weil seine Eltern ihn ein letztes, ein allerletztes Mal freigekauft hatten. Nicht aus dem Gefängnis. Sondern vorm Galgen. Der Mistberg hatte sich aufgetürmt, bis er dermaßen zu stinken begonnen hatte, dass Rifts hohe Herkunft ihn nicht mehr hatte verbergen können. Dabei war niemand gestorben. Doch viele Feinde hatte er sich gemacht, als er sich beim Versuch, sich einmal mehr aus aller Verantwortung herauszureden sprichwörtlich um Kopf und Kragen redete. Er beschuldigte sie alle. Freunde, Feinde, Verwandte, Gauner, Priester, selbst seine Eltern. Jeder war Schuld an seinem Weg in den Abgrund und für die Entscheidungen die gefallen waren, doch nicht er. Die durch den grinsend vom Richter verkündeten Satz „komm zurück und du bist noch nen Kopf kürzer.“ für ihn verschlossenen Stadttore ragten wie Mahnmale hinter ihm auf, als er sich mit nichts, als einem kleinen Obulus seiner noch immer warmherzigen Eltern – wie hatte er sie nur verdient – auf den Weg in ein neues Leben machte. Einen Raubüberfall später, gegen den die Tavernenschlägereien wie Liebesnächte wirkten, war er auch dieser Bürde entledigt und sah völlig am Ende und schlammverkrustet einer immer kleiner werdenden Überlebenswahrscheinlichkeit entgegen. Die Fingernägel bekamen Rillen, die Hautporen verstopften durch Dreck und entzündeten sich nicht selten, Beerensträucher zerrissen mit ihren Dornen kontinuierlich seine Kleidung und seine baren Füße (Räuber mögen gute Schuhe) können eher als wundeitrige, verhornte Klumpen beschrieben werden, denn als humanoide Körperteile. So fand ihn Garn. Oder Rift fand ihn. Oder das Schicksal fand Rift und brachte ihn zu Garn. Oder ein Gott fand Garn und zerrte ihn zu Rift. Oder, oder, oder. Viele Möglichkeiten spielten sie im Laufe der kommenden Jahre durch, fest stand nur, dass sie beide zueinander gefunden hatten, ohne dass der eine den anderen auch nur im Ansatz mochte. Garn tat Gutes, Rift brauchte jemanden der ihm Gutes tat sehr dringend. Die erste Zeit in der Garn Rift lehrte zumindest nicht völlig im Wald zu verhungern brachte ihn Garns Gerede über das Gleichgewicht der Natur, das innere Gleichgewicht und sonstige Gleichgewichte völlig in Rage. So funktionierte die Welt nicht. Zumindest Rifts Welt nicht. Es gab dort Arschlöcher, größere Arschlöcher und Leute die von Arschlöchern ausgenutzt wurden, bis sie beschlossen, selber Arschlöcher zu werden. Wer den anderen nicht zum eigenen Vorteil ausnutzte hatte verloren. Das hatte Rift schnell verstanden. Dachte er damals zumindest. Garns Sicht der Welt hingegen klang beunruhigend beruhigend. Alles hatte seinen Platz, alles hatte seinen Sinn, alles war in einem kosmischem Kreislauf und alles kam zu einem zurück. Nun, zumindest die letzte Lektion hatte Rift bereits gelernt. Von innerem Gleichgewicht war damals noch keine Spur zu ahnen, doch Garns Worte bildeten Keime. Mehr in Rifts Herzen, denn in seinem Verstand und der alte Druide konnte es sehen. Das war wohl auch der Grund, dass er diesen unaustehlichen Stadtbengel solange bei sich duldete und schließlich sogar als seinen Schüler betrachtete. Er lehrte ihn die Kraft der Ruhe, die in der Natur, dem Rauschen der Blätter und dem Betrachten der Sterne liegt. Rift besann sich immer mehr und er spürte, wie die Taten seiner Vergangenheit einer Bleikugel gleich seinen Weg verlangsamten. Wenn er in der Gestalt eines Wolfes die Wälder durchstreifte fielen alle Sorgen von ihm ab, doch sein Menschenkörper brachte stehts den alten Schmerz zurück. Reue, die er nie gefühlt hatte. Auch dies sah Garn vielleicht klarer als Rift selbst. Auch wenn er es lieben gelernt hatte, so konnte er nicht auf dem Weg des Druiden weiter wandeln. Er musste sich seiner Vergangenheit stellen. Verantwortung übernehmen. Dinge wieder gerade rücken.

In der Nacht des Abschiedes machte Garn Rift ein Geschenk. Er sog, die Kraft der Natur nutzend, die nun auch Rift durchstömte all die bösen Gedanken, Absichten, Taten, Schummeleien, Betrügereien, den Verrat und die Lügen ans Licht und sie schauten es sich im Licht des Feuers an, als sei es das Leben eines anderen. Für den Moment war aller Schmerz gewichen, Rift fühlte sich frei wie nie zuvor und seine Seele jubelte vor Freude. Doch, so sagte Garn, sei es noch nicht die Zeit des vollendeten Glücks. Viele Lektionen seien noch zu lernen und er, Rift wisse nun, um welche es sich handele. Dies sei ein Geschenk, denn es würde ihn Weisheit lehren. Damit sanken sie alle zurück in seinen Körper und brannten sich in all ihrer hässlichen Dunkelheit in seine Haut. Er betrachtete sie lange, denn jede Linie hatte eine Bedeutung.

Der Abschied von Garn war leicht, denn es war Richtig zu gehen. Seine letzten Worte schallen noch heute in seinen Träumen wieder: „Rift mein Junge. Viele Wesen tragen die Dunkelheit in ihrem Inneren. Du trägst sie offen, so kann sie nicht mehr nach deinem Herzen greifen. Lebe Wohl.“

Rift wusste was zu tun war. Ein Blick auf seinen Arm verriet es ihm. Das war vielleicht noch keine Weisheit, aber sicherlich ein Weg. Er selber konnte nicht mehr zurück in die Stadt und auch seine Trugbilder hätten ihn dort nicht in Sicherheit gewogen. So nahm er die Gestalt eines Hundes an und ging zu den ersten Wesen, von denen er wusste, dass er ihnen mehr zurückzuzahlen hatte, als er in diesem Leben geben konnte. Lange Jahre war er der Hund seiner Eltern und ihnen eine wahre Freude. Er blieb, bis sie verstarben und trauerte Wochen an ihrem Grab. Noch lange Jahre erzählte man die herzerweichende Geschichte dieses treuen Hundes in der Stadt, der blieb, bis seine Seele beim ersten Vollmond seinen Herren folgte. Das stimmte nicht ganz. Es war noch nicht die Zeit zum sterben. Er hatte die Jahre nicht nur untätig vorm Kamin verbracht. Niemand beachtet einen Straßenköter. So hatte er viel in Erfahrung gebracht, bis die Wachen sich irgendwann nicht mehr wunderten, wenn einmal mehr ein anonymer Hinweis einen Raub, eine Schmugglertour oder ein geheimes Vesteck verriet. Stück für Stück schwanden die Tatowierungen über die Jahre. Sie sind nicht fort, doch gibt es in dieser Stadt keine Schuld mehr zu begleichen. Und mit der selben Leichtigkeit, mit der er von Garn Abschied nahm verlies er dieses Mal seine Heimat. Es war noch viel zu lernen.

Schon bald fing er an, seine alten Talente der Täuschung mit den neu gewonnenen Weisheiten zu verbinden und das soziale Spiel einem höheren Zweck zu unterstellen. Wo er war erwachten alte Legenden zu neuen Leben und Omen wiesen den Menschen den Weg. Alles Trugbilder, doch das würde in keinem Geschichtsbuch jemals stehen, denn der Trug war schöner als die Wahrheit, die er schließlich veränderte. Rift fing an von Stadt zu Stadt zu reisen und gewann Vertrauen, stets die Rolle zu finden und zu verkörpern, die die Natur dort für ihn vorgesehen hatte.

 

Besonderes:

–        Auspendeln von Entscheidungen, um Zugang zur größeren Weisheit zu finden, die er noch nicht versteht.

–        Hat verschiedene Kleidungsstücke, die clever miteinander kombiniert oder auf links gedreht einige, stereotype Verkleidungen bieten

Rift