Nasid Aziz wuchsNasid Aziz in einer Karawanserei auf der Route zwischen Calimport und Memnon auf.

Sklaven wurden ins Land gebracht, Kostbarkeiten heraus. Sein Vater war hier für die Familie stationiert, die sich traditionell für die Sicherung der Handelsrouten einsetzt und so zu ansehnlichem Reichtum gelangt war. Was nicht viel half, wenn trotzdem jemand vor Ort sein musste, um nach dem Rechten zu sehen. Kontrolle war immer besser als Vertrauen, denn die anderen Händler mussten wenigstens so durchtrieben sein, wie man selbst. Anderes anzunehmen wäre beleidigend gewesen.

Was dem kleinen Oasenfort an gehobener Gesellschaft fehlte, machte er durch kulturelles Durcheinander wett. Nasid liebte, an den Lagerfeuern der erschöpften Händler zu sitzen und Geschichten ferner Länder zu hören.

Seine Mutter war eine von vielen Frauen seines Vaters und bevorzugte es, in Calimport, dem Hauptsitz der Familie zu bleiben, während Nasid, ganz Vatersöhnchen stets gern mit ihm umher zog.

In seinen jungen Erwachsenenjahren war es dann, dass sein magisches Potenzial anfing, sich unkontrolliert zu entladen. Beinahe ein wenig spät wurde ihm immer gesagt, denn andere seines Blutes waren in dem Alter schon seit Jahren auf der Akademie gewesen. Dumm nur dass Nasids Vater magisch wie ein Stück Brot ist. Zahlen und Handel sind seine Welt, doch magisch unterweisen konnte er ihn nicht. Er hätte seinen Sohn entlang der Handelsroute zurückschicken können, doch war nicht blöd genug einem dieser ausländisch- egoistischen Kamelsöhne von Händlerschund seinen Sohn anzuvertrauen. Eine andere Lösung musste her und wurde gefunden. Sameh, ein Kauz von Mann lebte in der nahen Wüste und kam dann und wann in der Oase vorbei, um zu tauschen und Verpflegung einzukaufen. Er war diese Art Person über die jeder redet, aber nur, wenn sie gerade nicht anwesend ist. Man sagte, er suche in der Wüste nach Überresten und Artefakten die nach dem Kampf der Djinni, welche die Wüste erschufen hinterlassen wurden. Und tatsächlich brachte er oft genug erstaunlich Wertvolles zum Tausch mit. Nasid wurde einst Zeuge, als ein Händler es wagte, dreist zu werden und Sameh ihn mit einigen magischen Schlägen rasch Respekt lehrte. Das imponierte Nasid, weshalb er von sich aus vorschlug, doch bei ihm lernen zu können. Da Nasids Vater noch einige Zeit an die Oase gebunden war, wurde dies die Lösung der Wahl und zur nächsten Gelegenheit zog er im Tausch für beachtliche Bezahlung mit dem Eremiten in die Wüste.

Dort blieb er schließlich weiterhin einige Jahre, als sein Vater bereits den Posten verlassen hatte, denn was er sah und lernte, während er durch die vermeindlich unzugängliche Wüste streifte war ihm alle Strapazen wert. Sie erforschten gemeinsam Ruinen, kämpften, jagten, doch meist schwiegen sie, wenn er nicht unterwiesen wurde. Nasid konnte sich dem Eindruck nicht erwehren, dass Sameh etwas bestimmtes suchte und wurde einfach nicht schlau aus ihm, bis sie es schließlich fanden. Es kostete sie Tage all ihrer magischen Macht, doch schließich fanden sie, was Sameh das Tor zur Stadt der Toten nannte. In den düsteren Gängen waren sie nicht allein und Nasid wurde ernst genug verletzt, um sich zurückziehen zu müssen, während Sameh keinen Halt machen wollte. Als er schließlich zurück zu Nasid an die Oberfläche kehrte war er wie verändert, vielleicht verzückt. Offensichtlich hatte er gefunden, was er suchte, doch sagen was dort gewesen war, das wollte er nicht. Lediglich die erbeuteten Gegenstände warf er auf einen Haufen. Ein guter Fang. Nasids Neugierde wurde unerträglich, denn viel anderes, als Studieren und dieses Rätsel gab es in der Wüste über Tage und Wochen nicht, die ihr Weg zur nächsten Oase brauchte. Sich nicht anders zu helfen wissend, fing Nasid an, Savras den Herren der Weissagung zu bitten, ihm doch zu verraten, was dort war. Denn der Weg zurück war durch seine Unkenntnis der Navigation in der Wüste verschlossen. Auch hatte Sameh, Zauber benutzend, die Nasid noch nie bei ihm gesehen hatte den Eingang zur Stadt der Toten wieder mit Sand begraben, um zu verhindern, dass wer-weiß-auch-immer dort weiter plündern konnte, bevor sie es konnten. Doch Nasid glaubte nicht daran, dass Sameh ihn nochmal mit dorthin nehmen würde, es war ihm zu kostbar, er wollte es schützen. Aus heiterem Himmel erhörte Savras seine Gebete. Er fing an, mit Leichtigkeit andere Orte zu sehen, Dinge zu ahnen und jenseits seiner gewohnten Sinne Wachsam zu sein. Puzzlestück für Puzzlestück fügte er das Rätsel um seinen Lehrmeister zusammen. Was er fand erschrack ihn und sollte sein bisheriges Leben verändern. Doch es brauchte viel Zeit. Als seine Macht wuchs, trennten sich immer häufiger ihre Wege, um effektiver nach Wertvollem zu suchen. Doch Nasid begleitete Sameh durch die Kraft seiner Erkenntnismagie, von deren Existenz Sameh nichts wusste, denn er hatte sie ihn nicht gelehrt und wägte sich so in Sicherheit. So begleitete Nasid seinen Lehrer unerkannt und wiederholt in die Stadt der Toten und erfuhr von ihren Geheimnissen. Nun verstand er. Die in die Wand gravierten Runen, die Sameh studierte bargen die Macht der Wüste und das Wissen um Unsterblichkeit. Früher war Sameh stets gehetzt gewesen, doch seit seiner Entdeckung schien er alle Zeit der Welt zu haben. Und ein höheres Ziel. Ein wenig Wahnsinn. Denn die in Stein gehauenen Legenden waben Visionen eines Reiches seinesgleichen, regiert von Sandformern wie sie sich nannten, äußerst mächtigen Magiern. Die Untoten der Krypta griffen Sameh nicht weiter an, doch er konnte sie befehligen und einmal sah Nasid, wie er ein altes Skelett selbst wieder zurück brachte. Sameh baute eine Armee. Wieso auch immer, es musste verhindert werden.

Ohne ihn erneut zu sprechen, auch nur eine Chance zur Rechtfertigung zu geben, brach Nasid auf, um die Karawansereien der Umgebung zu warnen. Doch seine Geschichte passte nur zu gut zu dem Einsiedler und gingen als eine weitere mysteriöse Geschichte über ihn unter. Doch er glaubte daran, was er durch Savras Gabe gesehen hatte und dass es seine Pflicht war, es aufzuhalten. So sehr er sich auch bemühte, Savras sprach nicht zu ihm, er konnte betteln, drohen, weinen. Er hatte sein Geschenk bekommen, den Rest des Weges musste er selbst gehen. Auf der Suche nach Hilfe wandte er sich an die Städte und seine Familie. Doch die bat ihn bloß, mit dem Irrsinn nicht weiter zu machen, das würde ihrem Ruf schaden. Völlig entmutigt suchte er nach anderen Strategien und fand sie. Die Bibliotheken Calimports hatten nicht viel über Sandformer zu berichten, doch selbst aus den mageren Quellen, die er sich zusammensuchte, konnte er sich ein Bild bauen.

So begann seine Karriere als erster „urban-underground-street-artist“ Feruns (Yey 🙂 ). Denn mit Sand kannte er sich nun aus und in den Tiefen der Wüste war er häufiger auf etwas gestoßen, was Sameh als Djinnisand bezeichnete. Der Wille der Djinni konnte Magie und Materie formen und als sie starben, ging ein Teil ihrer Kräfte auf diesen Sand über und machte ihn mit ein wenig Willensanstrengung formbar. Dass diese Geschichte vermutlich Humbug war, merkte Nasid, als er an einigen der langen, langen Nächte mit dem Sand spielte, der ein stetes Training seiner Willenskraft war, und ihn weiter untersuchte. Er entschlüsselte die Magie, welche ihm diese Eigenschaften verlieh und lernte bald, ihn selber herzustellen. Nicht dass Sameh das groß interessiert hätte. Er war bereits zu oft tagträumend in Unsterblichkeitsphantasien, um auf solche Details acht zu geben.

Der Sand sollte sein Markenzeichen werden und immer versah er ihn mit einem Arkanen Mark des Zeichens Savras, in dessen Namen er glaubte zu handeln. Seine Übung im Umgang mit dem Sand ließ ihn binnen kurzer Zeit Skulpturen erschaffen, welche die Geschichte der Sandformer und ihrer harten Herrschaft wiederspiegelten. Um nicht zu verschwenderisch zu sein, nutzte er seine Magie, um die oberste Schicht des Sandes zu Glas zu schmelzen und den Rest des Sandes wieder einzusammeln. Das alles brachte Ärger mit der Obrigkeit, bei der er zuvor nach Hilfe ersucht hatte. Sie sahen sich mit Recht provoziert. Als Nasid trotz Drohungen nicht abzubringen war, musste Strafe folgen. Sie warfen ihn Wochen in den Kerker, doch er machte weiter. Selbst sein Vater sagte gegen ihn aus und bettelte, man möge ihn, seinen künftigen Nachfolger doch bitte wieder zur Vernunft bringen, worauf hin Nasid in das grausigste, dreckigste und schäbigste Loch Calimshans gesteckt wurde. Die Schrecken die er dort erlebte zeichneten seine Seele und die vielen Monster der tiefen hinterließen alle ihre Narben, doch seinen Willen konnten sie nicht brechen. In seinem jugendlichen Leichtsinn und da er fern ab der Städte großgeworden war, hatte er mit einigem gerechnet, damit, dass es jetzt nicht mehr viel schlimmer kommen könn. Er bildete sich ein, unbrechbar zu sein. Doch er sollte sich irren. Ein gruseliger alter Magier durfte ihm etwas klauen, von dem er bis dahin nicht gewusst hatte, wie wichtig es ihm war. Seine Jugend. Der Mann zog die Jahre aus ihm, wie Kamele das Wasser aus einer versiegenden Quelle und Nasid, noch keine dreißig, blieb als alter Mann zurück. Um es sich mit der Familie nicht ganz zu verderben, wurde die Strafe so ausgesetzt, dass er, wenn er ein Jahr und ein Tag seine Machenschaften einstellte, welche gehöriges Aufsehen in der Stadt erregt hatten, so würde man ihm seine Jahre zurückgeben. Er war gebrochen. Sie hatten gewonnen.

In der folgenden Nacht erschien ihm Savras zum ersten Mal leibhaftig. Es war nur ein kurzes Aufflackern, bei dem er sich all seiner Heuchelei und wahrlichen Schwäche seines Glaubens bewusst wurde. Doch es reichte. Niemand würde ihn zum schweigen bringen. Doch in dieser Stadt war es nun zu gefährlich. Wenn sie Sandformer früher besiegt werden konnten, dann musste es irgendwo auf der Welt Aufzeichnungen darüber geben, wie dies bewerkstelligt worden war. Vielleicht würde er zu spät kommen, um sein Volk zu schützen, doch er würde die Antworten haben, die dann gebraucht werden würden. Er schloss sich einer Karawane in den Norden an, wo Kerzenburg selbst bis hierher als Hort des Wissens bekannt war. Dort, so hoffte er, weitere Antworten zu finden. Seinen Weg säumte er mit kristallinen Skulpturen, vorgreifende Mahnmale einer vielleicht kommenden Zukunft und für all jene mit Augen zu sehen gravierte er magische Botschaften der Warnung in da Glas.

Unterwegs entdeckte er, dass es sich ausgezahlt hatte, die vielen Artefakte aus dem Sand zu bergen, zu untersuchen, zu reparieren und einzutauschen, denn dies wurde sein Brot auf der Reise.

In Zazesspur wurde seine Reise interessanter, denn er lernte Beatrice von Muran kennen, welche sich selber als Zauberin entpuppte, jedoch starr darauf beharrte, Incantatrix genannt zu werden, als sei dies ein himmelweiter Unterschied. Und das war es, wie er zugeben musste, als er an langen Abenden von ihr lernen konnte. Sie schien vom Kontrast seines alten Aussehens und der inneren Jugend angezogen zu werden und wäre sie nicht auf einer Mission gewesen, so hätte er die Sandformer und seine Heimat mit ihr völlig vergessen können, um ein angenehmes Leben weiter im Norden zu haben. Doch so wollte es das Schicksal nicht und ihre Wege trennten sich an der Kreuzung zu Kerzenburg, wo er sich nach einiger Zeit des Liebeskummers wieder seiner Aufgabe erinnerte und anfing, die vielen Bücher zu studieren. Er erlangte dabei Wissen jenseits seiner bisherigen Vorstellung, beschäftigte sich mit magischen und göttlichen Wegen nach Unsterblichkeit zu streben und selbige wieder zu beenden, doch zu den Sandformern selbst fand er nichts. Hierbei fand ein schleichender Prozess statt, dessen er selbst sich völlig unbewusst war. So viele Lebensjahre wurden ihm geraubt und viel Leid und trotz steckte noch in seinen Knochen. Zu lesen, wie andere Unsterblichkeit erlangten, ewige Jugend, kurz ein langes Leben, wie es ihm zustehen sollte änderte schleichend seinen Blick auf die ganze Sache. Es ging ihm weiter darum, Sameh aufzuhalten, doch hatte er selbst für seine Mühen nicht vielleicht eine Belohnung verdient, eine Wiedergutmachung. Er war schließlich der Gute hier. Wie viel mehr Gutes würde er tun können, wenn er länger lebte, als sein maroder Körper gerade für die Zukunft in Aussicht stellte. So war er sich seiner Quest weiterhin sicher, nicht jedoch, ob er, würde er die Gelegenheit finden, nicht selbst nach der Unsterblichkeit greifen würde.

Alrick Grimschied, der egoistische Bibliothekar, der nicht mochte, wenn Nasid in seiner chaotischen Art die offenen Bücher über die Tische verteilte rückte irgendwann damit heraus, dass er etwas zu den Sandformern gefunden habe. Doch dieser Drecksack wollte es nicht ohne Gegenleistung herausrücken und auch die in Empörung auf ihn einhämmernden, magischen Attacken konterte er gelassen. Er würde es Nasid, den er ebenfalls für einen fürchterlichen Egoisten hielt, geben, wenn dieser ihm ein Exemplar des Buches der roten Lilie besorge, von dem gesagt wurde, dass es nur noch wenige Exemplare auf der Welt gab, viele verschollen in alten Zeiten, besonderes nach dem Fall Netherils. Einige heftige Worte und eine Woche der vergeblichen Ausspähungsversuche des Bibliothekars später, fragte Nasid knapp, ob Alrick wenigstens wisse, wo so ein verdammtes Buch zu finden sei. Mit nur vagen Hinweisen musste er sich dann zufrieden geben und auf den Weg machen. Als Abschied hinterließ er einen Tag von Kerzenburg entfernt ein kristallisiertes Bildnis des verhassten Bibliothekars mit heruntergelassenen Hosen. Ein wenig Genugtuung. Wieder auf der Straße, diesmal ohne weibliche Begleitung. Wie langweilig. Ein Buch finden? Ernsthaft? Im besten Fall, so hofft Nasid noch, wird er diesem Arschloch niemals sein Buch bringen müssen, sondern die Informationen anderweitig finden. Und dann das Buch suchen, um es vor den Augen dieses Misantropen zu verbrennen. So in etwa.

Back on the road….

 

Schicksal… oder diese verfluchten Götter?

„Ya Ghabi“ – einen Dummkopf – musste Nassid sich selber schimpfen, als klar wurde, dass er diesem Steinschlag nicht mehr entkommen konnte. Wieso nur hatte er den hayya-khatwa – seine Teleportationsmagie – so fahrlässig genutzt, sich den letzten Aufstieg zu erleichtern. Mehr Denken war nicht mehr, als die ersten Vorläufer von Steinen seine Schläfe erwischten und alles dunkel wurde.

Brennender Schmerz weckte ihn, der die Worte einer fremden Sprache, von denen nur „… Moradin …“ ihm bekannt vorkam überdeckte. Einem Verdurstenden in der Wüste gleich, der die Fatamorgana einer Oase sah, sprang Nasid auf, um wem, was auch immer ihm Schmerzen zufüge mit sich ins Jenseits zu reißen. Die Worte des Iila alkharab – der puren Zerstörung – lagen bereits auf seiner Zunge, um sie dem Widersacher ins Gesicht zu speien. Gut für den Zwerg, dass er nicht auf Augenhöhe mit Nasid wuchs, denn dieser Moment der Desorientierung war es vielleicht, der den Zwerg rettete. Als dann der Schmerz Sekunden später abkling und alle weiteren Schmerzen, Prellungen, Schwellungen und Brüche mit sich nahm, musste sich Nasid gestehen, dass er vielleicht ein klein wenig überreagiert hatte oder hätte. Die Wachen namen ihre Hellebarden wieder von seinem Hals, doch es wurmte Nasid, dass er die Sprache der qazzam – der kleinen Menschen – nicht verstand. Gut, dass sie auch die Handelssprache kannten. Die düstere Erscheinung von Zwerg, die ihm die Schmerzen zugefügt hatte, stellte sich als Xhorgul vor, während der Wachhauptmann sich Haran nannte und die zweite Wache Belan geheißen werden wollte. Die Namen des Nordens waren so sonderbar, wie ihre Völker. Wäre er nicht gerade von Xhorgul geheilt worden und somit aller guten Sitten nach zu Dank verpflichtet, so hätte er vermutlich einen sicheren Abstand gehalten. Seine Stimme schien gewohnt zu befehlen und er forderte Respekt auf eine Weise, die ahnen ließ, dass er ihm gewöhnlich gezollt wurde. Männer seines Schlages wurden in Calimshan oft hervorragende Aufseher für Arbeitssklaven. Dieser hier schien einen anderen Weg eingeschlagen zu haben. Die gewechselten Worte waren nicht sehr freundlich, denn auch wenn er gerade, wie ihm gesagt wurde, unter einem Steinschlag her gerettet wurde und sich nun in Mithrilhall befand, so widerstrebte es ihm zu Dankbarkeit verpflichtet zu sein. Sein Vater hätte ihn hierfür ausgelacht. Unangenehm. Doch daran ließ sich nunmehr nichts machen. Gestern hatte er Versucht, in Mithrilhall Einlass zu finden, um die Bibliothek zu studieren, doch diese Tahan (Hundesöhne) von Wächter an der Pforte zum Berg, hatten ihn damit gleich abgewiesen. Jeder auf seiner verdammten Reise im letzten Jahrzehnt hatte immer irgendwelche Anforderungen zu stellen, bevor er die dummen Bücher auf eine handvoll wertloser Hinweise hin studieren durfte, die ihn eine Elle näher zu seinem Ziel führen könnten. Als wäre er ein verflixter Held irgendeiner Legende, der immer erst irgendwelche Hämmer, Zauberzepter, Schwerter oder Esel finden musste, bevor er seinen eigentlichen Weg weitergehen durfte. Waren die Götter schlechte Geschichtsschreiber? Machte Savras sich einen Spaß mit ihm? Oder waren einfach alle Wesen dieser Erde so egoistisch, wie sein Vater es ihm stets erklärt hatte? Bücher. Ernsthaft. Nicht Drachen erschlagen, nicht Jungfrauen retten. Einfache, alte Bücher. Mit uraltem verlorenen Wissen über Unsterblichkeit. Ok. Aber das wussten sie ja vorher nicht. Er rechnete es den Zwergen hoch an, einfach nein gesagt zu haben. Eigentlich hatten sie sogar „verpiss dich Manarn-spinner“ gesagt. Vielleicht war er zu hartnäckig gewesen. Zu ärgerlich, dass er völlig talentfrei in Bezauberungsmagie war.

Dieser Xhorgul wollte ihn in zwei Stunden aufsuchen. Na dann. Er brauchte Ruhe und musste schauen, wie schwer seine Apparate beschädigt waren. Belan sollte ihn auf Schritt und Tritt begleiten. Nur fair. Ein kleines Quartier, von dem er sich versicherte, dass es von beiden Seiten zu öffnen war mit einer Pritsche. Besser als der sahar-hayya-fatra – der außerdimensionale Raum – in dem er gewöhnlich rastete. Endlich wurde ihm auch Brot und Wasser angeboten. Immerhin. Gastfreundschaft in Norden und Süden waren unterschiedlich, soviel hatte er schon gelernt. Aber er wusste ja auch noch nicht, ob er ein Gast war.

Seine Geräte waren nur leicht beschädigt, doch war er nicht auf die Reparaturen vorbereitet, weshalb er improvisieren musste. Belan schien ihm seine schlechte Laune zu verzeihen und war verdächtig freundlich. Als er hörte, dass Nazid dann und wann Geschichten zum besten gab eröffnete er ihm, dass, wenn er dies hier täte, Geschichten aus fernen Ländern – und so – er dafür vielleicht in die Bibliothek dürfe. Tadam. Da war es wieder. Immerhin sollte er keine Jungfrau erschlagen oder beschworene Sukkubi abmalen, während sie in Ewards schwarzen Tentakelfeld feststeckten. Der Magier der das verlangt hatte war die vermutlich skurrilste Begegnung Nasids auf Reisen gewesen, doch seine Bibliothek war das Schauspiel wert gewesen. Geschichten vortragen für Kost und Logis war er gewohnt, auch wenn er nie gut darin war. Doch wenn kein Barde vor Ort war, war auch die zweite oder dritte Wahl besser als gar nichts, weshalb er irgendwann damit angefangen hatte. Dafür noch in die Bibliothek dürfen war ein wundervoller Handel. Sich selbiges anmerken zu lassen wäre gleichermaßen blöd gewesen.

Xhorgul stapfte irgendwann begleitet von der skurrilsten Durchmischung an Wesen, die er überhaupt in einem Zwergenstollen erwartet hätte heran. Fast wie in diesen Geschichten, wo alle möglichen Helden die Vorurteile ihrer jeweiligen Rassen überwunden hatten, um gemeinsam etwas unsagbar Böses zu bekämpfen. Oder so Ähnlich. Angeblich hatte ja auch der Herrscher Mithrilhalls mit einem Drow gekämpft. Das hatte Nasid sogar in Calimshan noch gehört. Doch Geschichten die weit wandern, wandern oft genau so weit entfernt von der Wahrheit.

Der Zwerg bestand aus Gründen, die er nicht offenbaren wollte darauf, dass Nasid ihn und diesen zusammengewürfelten Haufen an die Stelle begleitete, an der der Steinschlag ihn getroffen hatte. Feundlich bleiben, freundlich bleiben, musste er sich immer wieder sagen, doch es gelang nur mäßig. Vernunft und Zwerge waren auch Worte, die er noch nicht oft in einem Satz gehört hatte. Manchmal muss man sich den Gegebenheiten auch anpassen, statt sie mit roher Magie in die gewollte Form zu pressen. Dies war solch ein Fall. Also folgte er der Gruppe, die beruhigenderweise sehr wenig Gemeinsamkeiten mit seiner Vorstellung von einem Exekutionskommando hatte. Meilen unter dem Berg nach einer Wanderung die seine Füße quälte stießen sie auf einen Riß im Fels, der, so wurde vermutet, zeitgleich mit dem Erdrutsch entstanden sein musste. Xhorgul beeindruckte Nasid damit, dass er den zehn Meter weiten Schlund mit wenigen zwergischen Worten der Macht mit einer steinernen Brücke überschlagen konnte. Als die Pforte zur Außenwelt geöffnet wurde, schlug der Gruppe eisiger Wind und Schnee entgegen. Betont langsam griff Nasid nach Komponenten, sich gegen die Kälte zu schützen, doch sein Körper versagte. Erst dann begriff er, dass er sich entweder in einem Antimagischen Feld bedand, oder einer der Anwesenden ein selbiges um sich herum gewirkt haben musste. Heftige Magie, die sie aufwandten, bloß um ihn frieren zu lassen, dachte er bei sich. Doch Vorsicht ist besser als Nachsicht, das würden auch die Zwerge über die Jahrtausende gelernt haben. Wo sie doch sozusagen auf einem Zugang zur Unterwelt wohnten, soweit Nasid wusste.

Auf dem Weg hierher hatte Nasid sich mit der Gruppe vertraut gemacht. Manche schienen gesprächiger als andere und er klopfte mehr oder minder… eher minder vorsichtig die Möglichkeiten ab, die diese Truppe bot. Der Elf Rylan pries seine Diebeskunst an, wollte jedoch auf Nachfrage Nasids auch nicht jeden und alles beklauen. Zu schade eigentlich. So könnte er die Bücher bekommen, die er wollte, auch von diesen eingebildeten, glatzköpfigen Bibliothekaren in Niewinter. Der Magier der Truppe war besonders spannend, da er sich offensichtlich ebenfalls auf die Schule der Hervorrufung spezialisiert hatte. Er fragte für Nasids Geschmack zu schnell danach, Zauber auszutauschen, was für ihn nur in Frage kam, wenn er jemandem wirklich vertraute. Irgendwie kamen sie auf die Bibliothek Luskans und die arkane Bruderschaft und Arrat eröffnete, dass er einst derselben angehört hatte. Und wusste, wo sich die Bibliothek befunden habe. Was für eine Möglichkeit! Nasid wurde gleich viel freundlicher. Schwer einzuschätzen war besonders der Halborc. Erst vermutete Nasid, dass er ein Sklave war, was sie alle jedoch verneinten. Doch selbst auf seine schlecht gespielte, scherzhafte Nachfrage, ob er nicht zumindest unter der gedanklichen Kontrolle Arrats stand, bekam er eine Verneinung. Gewagtes Spiel.Wo er her kam, würde man für solch einen starken Ork ein Vermögen zahlen. Freilich musste er irgendwie im Zaum gehalten werden. Oder es wurde bei den Spielen auf ihn gesetzt. Auf den hier würde es sich lohnen, zu setzen. Er war gleichzeitig einer der wortkargeren Gefährten, doch Nasid glaubte Momente zu sehen, wo er ohne Worte mit Arrat, oder dessen Drachen kommunizierte. Eine wahrlich pointierte Geschichte, so dachte er kurz wäre es, wenn all diese Gestalten in Wahrheit unter der Kontrolle des Drachen stünden, doch glaubten frei zu sein. Vielleicht würde er die Geschichte in einigen Jahren so erzählen, das kam besser an.

Er schaute nicht schlecht, als er einen riesigen Abdruck in der Flanke des Berges sah, gerade oberhalb der Stelle, an der die Lawine abgegangen war. Als hätte ein Hammerschlag den Berg erwischt. Doch dieser Hammer. Nun. Der hätte wirklich, wirklich, wirklich groß sein müssen. Götter also, hm? Kurz überdachte Nasid, ob Savras, von dem er seit dem Tag nach seiner Bestrafung nichts mehr gespührt hatte dahinter stehen konnte, doch die Handschrift passte auf keine Art und Weise. Der Zwerg musste natürlich Moradin dafür verantwortlich machen. Klar. War das jetzt gut oder schlecht, dass ein Gott einen Berg verprügelt, nur damit Nasid beinah von Steinen erschlagen wird? Sie schauten sich die Stelle noch genauer an. Lyari, mit dem Nasid noch nicht viele Worte gewechselt hatte, bot ihm an, auf seinem Pegasus den Einschlag mit Rylan zusammen genauer zu betrachten, währen Arrat von Magie getragen heraufschwebte. Der Elf Lyari schien äußerst interessiert an Nasids Apparatur aus Linsen und geschliffenen, magischen Steinen zu sein, mit denen er Bilder für die Geschichten einfing. Xhorgul war fortan sehr nachdenklich, in Gedanken gekehrt, doch dafür zeigte der Halbork so etwas wie Lebensfreude einen eigenen Willen, draußen zu bleiben und irgendwo anders hin zu gehen, während Nasid schon lange weder Finger, noch Zehen mehr spüren konnte.

Keine der Thesen, dass Moradin das jetzt gemacht hatte, um Nasid zu der Truppe zu führen, machte für ihn Sinn. Sehr, sehr weit hergeholt. Ya fartas würde man in seiner Heimat Menschen nennen, deren Gedanken nicht mehr durch ihr Haupthaar am wegfliegen gehindert wurden.

Arrat war begierig, nach seiner Familie zu suchen und wollte dafür nach Luskan zurück, um Spuren zu finden. Er erwähnte, dafür zuvor mit dem König geredet zu haben, doch die genaueren Inhalte des Gespräches blieben Nasid verborgen. Wenn jedoch diese Truppe mit dem König sprechen konnte, dann könnten sie ihm mit Sicherheit den Bibliothekszugang eröffnen. Auch trugen die meisten von ihnen Amulette, die sie als Freunde der Zwerge, wie sie sagten auswiesen. Fenner, der Halbork wollte es Nasid einfach geben, was sein Ansehen bei ihm erheblich erhöhte, doch Xhorgul oder war es Lyari, wiesen ihn harsch zurrecht. Er schien sich offensichtlich nicht immer mit den Sitten der qazzam auszukennen. Beruhigend, dass Nasid nicht der einzige war, der so in Fettnäpfchen treten konnte. Sie wollten morgen aufbrechen und Nasid, so wurde gehandelt solle sie begleiten, wegen des Zeichens der Götter und so. Im Tausch würden sie ihm Zugang zur Bibliothek von Adbar gewähren. Fair genug.

Auf dem Rückweg hörte er noch davon, dass die Runde bevor sie zu ihm gekommen waren selber in der Bibliothek gewesen waren. Sie sollte tief unterm Berg liegen und die Fahrt herunter in den Mienenwagen oder Gondeln sollte für sie als ungeübte Fahrer sehr abenteuerlich gewesen sein. Nasid wunderte sich, dass sie alle den halben Tag lang keinen Hunger zu haben schienen, weshalb ihm vom morgendlichen Gelage berichtet wurde. Doch nicht nur Wasser und Brot also. Wobei die Kuriositäten, die ihm genannt wurden, über Ratte zu Ankeg zu anderen Höhlenbewohnern in seinen Ohren wenig mit Essen zu tun hatten und noch weiter von „lecker“ entfernt zu sein schienen. Jeder Versuch der Truppe, ihn von Gegenteiligem zu überzeugen scheiterte an seinen Vorurteilen.

Seine Abendvorstellung wurde erschreckend begehrt erwartet. Kein Wunder, wer nie aus dem Berg raus kommt, für den ist ein Bild von Sonnenlicht bestimmt schon besonders. Geschweige denn von den fernen Wüsten Calimshans, über die Einöden südlich von Easting, zu den Magiertürmen Baldurs Gates oder den sagenumwobenen Sklavenmärkten von Westgate. Das Zwergenfolk war so begierig, es war muksmäuschenstill und lauschte seinen Worten, die zwar gewohnt waren, harsch zu klingen, doch denen der säuselnd, wasserfallartige Tanz der Silben, der alle guten Geschichtenzähler eint fehlt. Er war ernsthaft entrüstet, als ein „Haaaaalllt“ durch den Raum gebrüllt wurde, als wäre gerade die eigene Tochter selbst dem Wüstenwurm zur Vorspeise gereicht. Arrat war aufgesprungen und kam völlig neben sich stehend nach vorne glaufen. Für Nasid war dies äußerst irritierend. Er war gewohnt, dass Zuhörer einschliefen, oder hinterher ihr Geld zurück wollten, weil er sich keine Mühe gegeben hatte, aber dass jemand forderte, die Bilder, welche er mit seiner Linsenapparatur magisch zu seiner Geschichte an ein Laken an der Warf, rückwärts zu spielen, um etwas nochmal zu sehen, das war neu für ihn. Zumindest an dieser Stelle. Die Bilder, welche er heimlich im Harem des Sultans von Memnon gemacht hatte krönten gewöhnlich seine Erzählungen, auch wenn es die Chronologie seiner Reise völlig durcheinander brachte. Es war immer das Gleiche. Die paar Jungspunde und Partnerlosen, die Heißsporne und Lüstlinge konnten sich an diesen Bildern gar nicht sattsehen und begannen spontan Reiselust zu entwickeln, wo sie zuvor nur gegähnt hatten. Erst Fenners sachlich gesagten, doch aus sehr tiefem Brustkorb gesprochenen Worte veranlassten Nasid, sich bei den anderen entschuldigend, die Bilder zurück zu holen. Der Sklavenmark von Westgate. Wirklich keine Besonderheit, doch Arrat griff beinahe durch die Leinwand hindurch, so sehr schien er an den zwei Sklavinnen zu hängen, die dort gerade zum Verkauf standen. Der König selbst schritt hervor, was Nasid nun ersthaft nervös machte, was nur durch schmerzhaftes durchdrücken des Rückrades irgendwie verborgen werden konnte.

Arrat erklärte unter Tränen, dass eben dies seine Mutter und seine Schwester seinen und er wollte alles wissen, sich am liebsten augenblicklich dorthin teleportieren. Die Vorstellung wurde offiziell beendet und Pläne geschmiedet, wie weiter vorzugehen sei. Das war nun wahrlich ein wenig zuviel des Zufalls und als Arrat sich bei Moradin bedankte, konnte auch Nasid den Gedanken nicht mehr ganz zur Seite schieben, dass so eine Lawine ihn gewöhnlich hätte töten müssen. Ihm wurde noch am selben Abend ein Gespräch mit dem Bibliothekar ermöglicht, der ihm zum nächsten Morgen alles an Material gab, was er finden konnte. Hinweise auf einen Zweig von Zwergen, die sich mit feinstem Sand, wie er unter der Wasseroberfläche zu finden war beschäftigten und welche einen Teil der Fähigkeiten erworben hatten, nach denen Nasid ausschau zu halten gelernt hatte. Doch es gab wenig konkretes Wissen, durchaus jedoch Verweise auf andere Bücher, welche in Adbar gelagert wurden. Adbar also. Der nächste Zufall. Arrat hatte gebeten, bei Nasids gespräch mit dem alten, jedoch wort- und sprachgewandten Bibliothekar dabei sein zu dürfen und war nun der erste der Gruppe, mit der er wohl nun einige Zeit reisen würde, der seine eigenen Motive kannte. Auch machte er Angebote, ihm später selber zu helfen, doch das würde die Zukunft zeigen. Solange das Geheimnis der Unsterblichkeit Samehs nicht geklärt war, würde kämpfen sinnlos sein. Zum Zeitpunkt des Kampfes jedoch, das wusste Nasid, würde er alle Hilfe brauchen können, derer er habhaft werden konnte. Die Reisepläne wurden geschmiedet und Abschied von Mithrilhall genommen. Arrat brachte die Gruppe am nächsten Morgen zur Kreuzung vor Baldurs Gate und Nasid hatte genug hayya-khatwa vorbereitet, um sie alle bis zur Wegkreuzung unter Pros zu bringen. Er war ein Jahr nicht mehr in Westgate gewesen. Dort ändert sich viel schnell und er wollte nicht blind an einen Ort teleportieren, von dem er nicht sicher war, dass er sicher war. Reisen hatte ihn vorsichtig werden lassen. Sonst hätte er nicht so lange überlebt.

Nasid schaut neugierig in die Zukunft. Seltsame Reisegefährten, doch alle sceinen auf ihre Art sympathisch zu sein, oder sich sogar mit guten Göttern zu identifizieren.Wie schwer konnte das schon werden. Zwei Sklaven ausfindig machen. Würden sie sie nicht kaufen können, so könnte Rylan sie stehlen. Ein Spaziergang. Hoffentlich.

Unorganisierte Gefährten

„hayya-khatwa“ ..und da waren sie. Nasid liebt den Rausch der Magie, wenn sie ihn über Meilen bloß entlang seiner Absicht durch den Astralraum schleudert. Dabei war Westgate sicherlich nicht seine Lieblingsrichtung. Tatsächlich eher das Gegenteil. Sklaven waren ok, aber diese Piraten, Diebe, Halsabschneider und sogar Vampire durch alle Gesellschaftsschichten hatten ihm damals ernsthaft zu schaffen gemacht. Tahan – Hundesöhne alle samt. Besser die verrammelte Tür des Schlafgemaches nur mit einigen ernsthaft guten aktiven Schutzzaubern zu verlassen. Er hatte die Stadt damals aus eben diesen Gründen verlassen, sobald er hatte, was er wollte und sich nicht weiter darum gekümmert, wie sich die Menschen dieserorts zugrunde richteten. Für die hilflosen, guten Seelen unter ihnen tat es ihm Leid, auch für die Kinder, die unschuldig in diesen Sauhaufen geboren wurden. Doch Savras Ruf hatte vorrang, irgendein Paladin würde sich der Sache bestimmt irgendwann annehmen und die Stadt dem Erdboden gleich machen.

Er hatte gut gezielt und alle zur beabsichtigten Stelle gebracht. Eine Hügelkuppe südlich des Weges, die guten Überblick versprach und nicht weit von einigen Häusern entfernt, noch vor Tesir. Was er seinen Gefährten nicht erzählt hatte war, weshalb er sich gerade an diesen Ort so gut erinnern konnte. Ihr Name war Sheyna gewesen, eine Sklavin aus Sembia. Vermutlich stammte sie oder ihre ursprüngliche Familie aus einem der Küstenorte und wurde bei einem nächtlichen Piratenüberfall geklaut und versklavt. Er verstand ihren starken Dialekt nicht und sie kaum den seinen. Nicht, dass Worte zwischen ihnen so wichtig gewesen wären. Sie gehörte Olun Fjördson, einem Händler, dessen Karavane nach Westgate sich Nasid angeschlossen hatte. Der Mann war Geschäftsmann durch und durch, was Nasid bewunderte, wie er es bei seinem Vater stets bewundert hatte. Er wollte viel zu viel für Shenya, als dass ein Kauf in Frage gekommen wäre, doch für eine immernoch stattliche Stange Gold, durfte Nasid sie während ihrer Reise bei sich haben. Er hatte nie etwas für die Brutalität übrig, die manche Menschen den Sklaven antun, doch Sklaverei selbst hatte er nie hinterfragt, wo sie doch das normalste der Welt war, wo er aufgewachsen war. Shenya befreien oder so etwas klassisch heldenhaftes kam ihm daher nicht in den Sinn. Geschäft war Geschäft, da war er ein Ehrenmann. Dennoch versicherte er dem Händler, würde er ab und an magisch nach ihr sehen und wenn dieser sie nicht gut behandelte, würde er es bitter bereuen. Doch zurück zur Gegenwart.

Nasid ist der einzige, der einige Schutzzauber auf sich legt und dann die Strukturen ihrer Magie durch die Zeit verflechtet, um sie anhaltender zu machen. Soweit er es beurteilen kann, ist er auch der einzige hier mit altem Körper, auch wenn der Zwerg und die beiden Elfen ihm bestimmt Jahrzehnte voraus haben, so ist ihr Fleisch noch so fit, wie seines vor der Bestrafung war. Die anderen kümmern sich kaum darum, nur Fenner, der Halborc schielt immer wieder auf Nasids Füße, die fortan den Boden nurnoch scheinbar berühren, während sie von jawwi- khatwa rimal, der Magie des Wüstensandes bewegt werden. Schweigend marschieren ist ihm nicht zuwider, doch mit so neuen Weggefährten gilt es einiges zu besprechen, wenn man in die gefährlicheste Stadt innerhalb der nächsten hundert Meilen möchte. Die Beschreibung der Kampfstrategie der Truppe lässt Nasid sprachlos. Es klingt ein wenig wie „jeder rennt möglichst schnell auf den Gegner zu, der Kleriker zuerst.“ Wie konnt der Trupp mit so viel Unorganisiertheit bloß so viel Ansehen bei den Zwergen erreicht haben, die doch bekannt für ihre brillianten Taktiken sind. Ausgerechnet Fenner ist es, der beschreibt, dass er oft erst wartet, die Situation mustert und dann eingreift. Wie auf Befehl des Schicksals sehen sie, wie eine ihnen entgegenkommende Kutsche unten bei den paar Bauernhäusern von dunklen Gestalten überfallen wird. Lyari reißt Xhorgul mit auf seine Rieseneule und sie sausen im Sturzflug dem Kampfplatz entgegen. Die anderen verfallen in Laufschritt, während Fenner irgendwie ungeschickt seinen Bogen spannt. Xhorgul teilt böse aus, das sieht Nasid sogar auf die Entfernung und als Arat einen Feuerball wirft, ist der Ausgang der Schlacht besiegelt. Völlig unerwartet jedoch wird der offensichtliche Hauptmann von einem wirbelnden Luftflirren – im nachhinein wurde klar, dass es sich um ein Luftelementar handelt – in die Höhe gerissen und verschwindet zwischen den Wolken. Zwei der Diebe können gefangen genommen werden und die Wachmänner werden zur Rede gestellt. Rylan und Xhorgul durchsuchen die Häuser und befreien die Gefangenen Bewohner… nein. Rylan befreit die Bewohner und Xhorgul kommt stolz mit einem gefundenen Beutel Salz aus der anderen Hütte, den er den Bewohnern abkauft. Das Salz dieser Region muss etwas besonderes sein. Wachsamkeit gegenüber dem Himmel ist anfangs das wichtigste, doch das Elementar scheint nicht zurück zu kommen. Sergant Fetherbe, einer der führenden Wächter Tesirs wurde also entführt. Aus einem ins Bein geschossenen Dieb, bekommt Arat heraus, dass er Ladislav heißt und zu den Astorian gehört, einer Diebesorganisation die in Tesir agieren und mit den Night Masks aus Westgate zusammenarbeiten. Ihr Plan war gewesen, durch den Überfall Lord Dolo aus Tesir zu schaden. Mist. Nun ist die Frage, wie die Diebe untereinander vernetzt sind. Hatten sie sich gerade auf die falsche Seite geschlagen? Wenn jemand in Westgate schnell Sklaven auftreiben kann, dann die Night Masks, während Tesir in diesem Fall wohl eher ein schwacher verbündeter ist. Nasid achtet krampfhaft darauf, dass die Diebe sein Gesicht nicht zu sehen kriegen, um irgendwelche Trümpfe im Ärmel zu behalten. Nach ethlichem hin und her werden die Diebe auf die Kutsche gebunden und sie alle fahren zusammen Richtung Tesir. Arats Drache ermöglicht unterwegs eine lautlos-telepathische, doch dadurch umständliche Kommunikation. Fenner hat den Dieben bereits einen Köder ausgelegt und von Zwietracht in der Gruppe erzählt und dass er selber die Sklavinnen haben vorher finden möchte. Der Plan wird weiter gesponnen, soweit, die Kutsche in einen künstlichen Hinterhalt zu führen, wo Fenner die Diebe retten kann, um dann die Informationen in Westgate zu sammeln und Arats Verwandte vielleicht gleich zu kaufen. Der Plan ist gut, doch als einer nach oben zu den Wachen schaut, sehen sie, dass beide Diebe trotz ihrer Fesseln spurlos verschwunden sind. Völlig unmöglich, ohne Magie. Jetzt muss schnell gehandelt werden, damit nicht alle Pläne dahin sind. Wenn die Diebe zu viel ausplaudern, oder wer auch immer sie befreit hat, zu viel gesehen hat, würde der Trupp wie Vogelfrei durch Westgate spazieren. Blut eines geflohenen Diebes an einer Waffe. Das muss reichen. Nasid ruft in aller Eile Savras um seine Gabe an, den iitzalatan-hayyaruya, das weite Sehen. Und durch den Kristallspiegel aus seiner Heimat erblickt Nasid den angeschossenen Dieb, die Beine bereits verbunden. Die Rettung muss also schon ein wenig zurück liegen. Nasid prägt sich den Ort mit so vielen Details wie möglich ein, um auch magisch seinen Weg dorther zu finden. Als eine andere Gestalt hereinkommt. Sie sieht einheimisch aus, doch trägt sie weder das Zeichen der Diebe, noch sieht sie aus wie ein klassischer Halsabschneider. Mehr wie ein Magier. Durch den Zeltspalt blickt Nasid auf Ruinen, vermutlich einige der Ruinen, welche Tesir umgeben. Es bleibt nicht viel Zeit zum nachdenken. Eine Hand voll warnender Worte an seine Gefährten, dann wirkt er ein letztes mögliches mal an diesem Tag den hayya-khatwa, eine Flucht ist somit ausgeschlossen und nimmt die drei seiner Reisegefährten mit sich, die er am schnellsten berühren kann. Die Magie saugt sie auf und wirft sie Richtung Zelt.

Versaut

Verdammt, der Mistkerl war schneller aus dem Zelt heraus, als Nasid geahnt hatte. Ratlosigkeit machte sich in der Truppe breit und die schleppende telepatische Kommunikation zog die Sekunden zu einer Ewigkeit. Fenner „kümmerte“ sich um den verletzten Dieb im Zelt, ganz zum Missfallen Xhorguls, der daraufhin Arat fragte, ob für ihn das Ziel alle Mittel heilige und wie weit er bereit sei zu gehen. Das zeigte irgendwie Wirkung, allerdings eine, mit der kein anderer gerechnet hatte und Nasid verbrachte die nächsten paar Sekunden, mit offenem Mund so viel tyrische Dummheit betrachten zu können. Überraschungsmoment passee. Während Fenner in Hundegestelt die Gegend ausgekundschaftet hatte und auch Arats Drache die anderen Zelte ausgemacht hatte. Ein Versorgungszelt, eines mit Kranken oder Verwundeten und eines mit vielen Menschen darin, sofern ihre Ohren sie nicht täuschten. Arats Stimme erhob sich und forderte den Magier heraus. Dieser schritt aus dem Zelt und Arat, mittlerweile von mächtigen Schutzzaubern umgeben versuchte gleich, ihn an diese Ebene zu binden, indem er flirrend violette Magie auf ihn schoss. Wenig Worte wurden gewechselt, doch sie klangen höhnend, wonach Blitze durch die Luft zuckten und Arat versengten, der sich beinahe gleichzeitig aus Nasids Blickfeld teleportiert hatte. Xhorgul und Nasid waren die einzigen noch im Zelt verbliebenen, doch nun schritten sie beide heraus und während der Zwerg hinter Nasid Worte zu Moradin brummelte, versuchte Nasid sich darin, die Schutzzauber des Magiers zu zerreißen, woran er jedoch scheiterte. Arrat hatte sich direkt zum Magier teleportiert, um seine Stärke im Nahkampf zu nutzen. Dies misfiel dem Vermummten offensichtlich, denn ohne Worte oder Gesten verschwand er spurlos. Selbst das verdammte Zelt war magisch und die Tür verschlossen, so, dass sie keinen Blick hinein werfen konnten. Xhorgul musste erst die magische Stille aufheben, die er über das Zelt gelegt hatte, bis sie ihr weiteres Vorgehen überlegen konnten. Alles irgendwie vertrackt, verkackt. Xhorgul verschwand im Zelt mit den Verletzten, während Arat die Tür einschlug. Die Szene, die sich ihnen darbot war für einige aus dem Trupp schockierend, während Nasid sich nicht groß darüber wunderte. Zwei nackte Frauen, in bequem zu vögelnden Positionen festgekettet, offensichtlich misshandelt, vielleicht auch gefolgtert und die Reste einer Orgie überall drumherum. Die Sexsklavinnen wurden zurückgelassen, natürlich. Einige Instrumente lagen herum, ein Thron gegenüber der Eingangstür, wärme und Licht spendende Steine in der Mitte des Raumes, Felle und Kissen überall verstreut, doch keine Spuren mehr von den Feiernden. Die Frauen wurden abgebunden und rudimentär versorgt. Von Männern schienen sie erstmal genug zu haben, was selbst Nasid verstehen konnte. Definitiv keine guten Herren, das Schicksal hatte es nicht gut gemeint mit den beiden armen Geschöpfen. Ein noch viel ärmeres Geschöpf quiekte in einem Käfig hinter dem Thron. Irgendwie obszön, klein, knochig, irgendwie wurzelig, waldig aber mit Flügeln wie ein Schmetterling. Da hatte wohl ein Magier beim experimentieren zu viel Opium geraucht. Fenner schien das Geschöpf nicht ganz egal zu sein, denn er zerriss den Käfig, wonach sich das Wesen an seinem Bein festklammert, offensichtlich freute, aber irgenwie auch offensichtlich verloren wirkte. Fenner schaute genau so verloren, etwa wie ein Mann, dem gerade gesagt wurde, dass er Vater ist und dem das Kind in die arme gelegt wird, woraufhin sich die Frau in Luft auflöst. Zu viel Fantasie, ja. Nasid hatte solche Geschichten häufiger mitbekommen. Üblicherweise tauchten Sklavinnen so bei reicheren, ehemaligen Liebhabern auf, in der Hoffnung, dass diese sich ihrer Vaterliebe bewusst würden, um sie mitsamt ihres Kindes aus ihrem Elend freizukaufen. Das klappte in Märchen häufiger als im echten Leben. Die traurige Wahrheit ist, dass dies oft das Todesurteil für beide, Mutter und Kind ist, wenn sie zu sehr auf ihrer Behauptung beharren. Kinder nörgeln nur lauter, wenn sie ignoriert werden. Das war die nächste Lektion für Fenner, die er mit stoischer Ignoranz über sich ergehen ließ. Ein beeindruckender Wettkampf der Geduld. Nachdem nun jeglicher Plan, jeglicher Vorteil den sie mal gehabt hatten in nichts verpufft war und diese Rettungsmission, von der er angenommen hatte, sie würde ein Spaziergang werden eher zu einem Desaster mutierte, machte Nasid sich daran, zumindest einige Vorteile einzusammeln. Ernsthaft ekelige Vorteile zwar, aber wer fickt hinterlässt Spuren. Ein Haar, ein Tropfen Blut reicht Savras Gabe, um das Auge in die Ferne zu dessen Besitzer gleiten zu lassen. Hoffentlich reichten auch andere Tropfen aus, das würden sie bald herausfinden. Als Nasid dann einige Haare vom Thron entnehmen wollte, löste er dabei eine Falle aus, der Fenner nur knapp entging, allerdings auf Kosten einer der Sklavinnen, welche von dem vergifteten Bolzen getroffen wurde und sogleich zu Boden sank, wo nur Xhorguls direkter Einsatz sie vor dem sicheren Tod rettete. Alle schienen diese zwei Sklavinnen sehr wichtig zu nehmen, während die eigentliche Fährte davon war. Nasid ärgerte sich wirklich. Hätte er nicht so lange gezögert, wäre bestimmt niemand aus dem Zelt entkommen. Nächstes Mal würde dass anders laufen, schwor er sich. Zwischen den Instrumenten, von denen er einige einsammelte fand er einen Hinweis auf einen Auftritt einer bekannten Bardensklavin im Zitternden Daumen – der Arena Westtors, wie sich nachher herausstellte. Wenigstens ein Hinweis. Arats Drache wurde ausgeschickt, nach Rylan und den Wächtern zu schauen und es stellte sich heraus, dass sie gar nicht weit entfernt waren und so erreichten sie bald das Lager. Als sie alle das Zelt wieder verließen, ging ein binnen Sekunden beschworener Hagelsturm auf sie hernieder, der so schnell endete, wie er angefangen hatte und nur geringen Schaden anrichtete. Der Magier hatte sich offensichtlich die Mühe gemacht, zurück zu kommen. Kurz danach krachte ein Blitz in die Kutsche und tötete die Pferde, der Kutscher war ebenso schwer verbrannt. Nun hatten sie eine Richtung, der Feind versteckte sich irgendwo in den Baumwipfeln des nahen Waldes. Nasid ging ein wenig in Deckung, denn vor Magiern hatte er Respekt. Ein sauberer Treffer und er wäre tot. Rylan verschwand spurlos und Arat nahm offensichtlich die Verfolgung auf, denn er erschien schwebend über dem Waldstück, aus dem der Angriff kam. Das einige was Nasid aus seiner Deckung machen konnte, war die Macht seiner Robe anzuzapfen, um durch die Verbindung zu den äußeren Ebenen, die sie ermöglichte ein mächtiges Luftelementar herbei zu rufen, das er dem Magier auf den Hals hetzte. Damit war er wenigstens ein wenig beschäftigt. Jede Blitz weniger, der die Gruppe traf, war wertvoll. Fenner zeigte sich von seiner überraschend fürsorglichen Seite, denn er rettete die Sklavinnen und irgendwie auch das Feen-dings an seinem Bein aus dem Schneesturm hinter einen Felsen in Deckung, wo er, sie mit seinem Körper schützend, verweilte.

Arat setzte den Wald in Flammen, daher wand sich Nasid dem Rücken der Truppe zu, um mit seinen mageren Fähigkeiten als Wachmann vielleicht zumindest die Armee der Killerelefanten zu entdecken, die sich hinterm nächsten Kieselstein versteckten. Xhorgul heilte derweil den Kutscher und bekam wohl nur aus dem Augenwinkel mit, wie Nasid zwar nicht von einem Killerelefanten angefallen wurde, aber der Elefant wäre vielleicht sogar das kleinere Übel gewesen. Ein Blitzstrahl versengte Nasids Haut und pustete ihn vor Schmerzen schreiend, auf seinem fliegenden Teppich aus Sand einige Meter durch die Luft. Xhorguls Reaktion war schnell und Schmerzlos, denn er hatte als erster den Feind erblickt. Ein Magier, der genau so aussah, wie jener, gegen den gerade im Wald gekämpft wurde. Er ging Augeblicke später in einer Flammensäule auf, gleich nachdem das „Moradin“ aus dem Mund des Zwerges verhallt war. Noch nicht tot. Nasid fluchte, denn noch so einen Blitzschlag würde er nicht überleben, das wusste er. So griff er zur mächtigsten Magie, die ihm bekannt war und warf dem Feind einen Strahl entgegen, dessen Essenz das Gegenteil von Existenz bedeutete Nicht-sein. Und bevor der Mann noch Zeit hatte, Schmerzen zu spüren, sanken die Überreste seines Körpers bloß noch als Asche zu Boden. Arat und Rylan kamen kurz darauf aus dem Wald wieder und berichteten, dass der Magier geflohen sei. Verdammt, diese Schmerzen. Nasid machte einigen Sand seinem Willen gefügig und formte ihn zu einem Stock, auf den er sich stützen konnte. Seine Muskeln schmerzten bereits vor Anspannung, die er aufbrachte, die Schmerzen seiner verbrannten Haut irgendwie unter Kontrolle zu halten. Der Zwerg bot ihm einen Heiltrank an, den er dankend annahm. Doch dieser verschaffte nur wenig Linderung. Rylan war derweil aus dem Wald gekommen, auch er hatte einige Verbrennungen davongetragen und als er Xhorgul fragte, ob Moradin Heilung für ihn habe, schlossen sich unter Xhorguls Worten beinahe alle seine Wunden. Verdammt. Wollte der Zwerg ihn erniedrigen? Zuzutrauen war es dem Volk ja. Sollte er, Nasid vor Moradin knien? Bitte sagen? Pah. So schlimm waren die Schmerzen nun doch nicht. Ja, völlig dumm, kloppfte es in seinem Hinterkopf, denn gerade könnte ein Halbwüchsiger mit einem Holzschwert ihm den Rest geben, doch der Stolz, über Jahre eingebrannt gewann diesen Kampf. Damit niemand seine gequälten Gesichtszüge sehen konnte ging er, von dem getöteten Magier einsammeln, was übrig war. Betrachtlich wie er feststellte, der Mann hatte einiges magisches bei sich gehabt. Ein Nimmervoller Beutel ging gleich an Rylan, der als einziger noch keinen besaß. Den Rest verstaute Nasid ersteinmal, bis sie Zeit hätten, es zu identifizieren. Nur einen Siegelring mit einem Drachensymbol, das Arat schon im Zelt entdeckt hatte ließ selbigem keine Ruhe und er nahm sich gleich die Zeit, diesen zu untersuchen. Die Wächter waren losgeschickt worden, eine neue Kutsche zu holen, damit die verwundeten Diebe mit zur Stadt genommen werden könnten. Derweil war Fenner mit den Sklavinnen im Zelt, die er nicht aus den Augen lassen wollte. Sie sollten sich dort anziehen. Genau zu dem Zeitpunkt, als Nasid sich auf den Weg machte, das Zelt auf seine magischen Qualitäten zu untersuchen, fing es kurz an zu flirren und verschwand Augenblicke darauf mitsamt Fenner und den Sklavinnen im Nichts. Nun blieb nur zu hoffen, dass sie Fenner nicht in der Arena wiedersehen würden, denn weder Nasid, noch Arat hatte noch Möglichkeiten, ihn jetzt gerade irgendwie zu retten. Die Wächter kamen auch bald und der Trupp machte sich mit den Dieben – diesmal in greifbarer Nähe – quasi auf dem Schoß und aneinandergeketter – auf den Weg nach Tesir. Erfolg? Misserfolg? Irgendwie hatten sie nichts erreicht, irgendwie aber auch doch, aber nicht zufriedenstellen. Nasid freute sich, einen Tempel Savras in der Stadt aufzusuchen. Dort würde er kein Problem haben, zu bitten. Dann würden die verdammten Schmerzen auch endlich aufhören, die das Geruckel der Pferde nicht besser machten. Nicht dass Reiten mit seinen geschundenen, alten Knochen überhautpt je ein Vergnügen gewesen wäre. Sie würden sich vorbereiten müssen. Gut vorbereiten.

Eine Hand wäscht die andere

Einige Jahre reiste Nasid mit einem paranoiden Kleriker zusammen. Das waren tatsächlich die angenehmsten Reisejahre seines Lebens. Rurlak Swenson hatte er gehießen und meist all seine von Helm gewährte Macht dazu genutzt, nach Bösem Ausschau zu halten. So richtig zu Schlafen schien er auch nicht. All die Zeit kam Nasid nicht dahinter, was den jungen Mann so geprägt hatte, dass er vermutlich selbst gegenüber Einhörnern sein Gespühr für Böses geschärft hätte. Irgendwann trennten sich ihre Wege. Vermutlich lebte er noch. Irgendwo. Entweder in einer Einöde, einem Kloster oder auf der celestischen Ebene. Oder er starb an Schlafentzug. Sowas kam vor, hatte Nasid gehört. Oft auch bei Sklaven, die unter der Peitsche überarbeitet wurden. Es gibt halt auch dumme Sklaventreiber, die ihre, oder die Investition ihres Herren nicht richtig schätzen. Nasid denkt an solche Menschen oft wie an Kinder, die Schmetterlingen die Flügel ausreißen. Auf bestimmte Art Dumm und vielleicht bloß vom Schicksal auserkoren, kein Gewissen ausgebildet zu haben. Seis drum, die Schmerzen der Verbrennungen durch den Blitz des Magiers rissen ihn aus seinen Tagträumen, während sie in der Kutsche der Wächter zur Stadt rollten. Dieser verdammte Zwerg verlangte wohl einen Kniefall vor seinem Moradin, um ihn endlich zu heilen. Nasid würde sich gut überlegen müssen, wie sehr er sich in Gefahr bringt, wenn Heilung so ein rares Gut ist. Xhorgul hatte Nasids leicht feindlichen, vielleicht aber auch nur aus Schmerzen zuckenden Blick aufgefangen und fragte ihn zwergisch direkt, wann er endlich Moradin bitten würde, ihn zu heilen. Da war dieser Kloß im Hals, bestimmt kam das auch von den Verbrennungen. Immerhin sollte er nicht den qazzam selbst bitten, bloß seinen Gott. Ja, es tat weh. Hinterher nicht mehr körperlich, doch der bittere Nachgeschmack auf Nasids Zunge verfolgte ihn für den Rest des Tages. Arrat und Xhorgul waren einen großen Teil der Strecke mit Grundsatzdiskussionen beschäftigt, die Nasid für ein bloßes Missverständnis hielt. Der Diener Moradins richtete den Magier offensichtlich nach seinen Maßstäben und sah die Dunkelheit und die Gefahr des moralischen Verfalls in den sehr zielstrebigen Taten Arrats, während dieser sich mit Tyrs Lehre, wie er sie versteht in Einklang erlebt und sein Handeln anders auslegte, als Xhorgul dies tat. Vielleicht jagten sie beide Phantome? Rylan verbrachte die Fahrt oben auf der Kutsche, um mit seinen Adleraugen die Gegend abzusuchen. Keine schlechte Idee, schließlich hatten die Magier es bereits zuvor geschafft, ihnen ihre Gefangenen unter der Nase weg zu schnappen. Der Feldwebel, mit dem sie die Kutsche teilten, wie auch der Torwächter schienen verkappte Studiosi der Philosphie und des Denkens zu sein, die bloß des Geldes halber der Wache beigetreten waren, so jedenfalls wirkten ihre Fragen, die Xhorguls Grundsatzhinterfragerei noch weit in den Schatten stellte. Eine wundersame Stadt. Dass es schnell und einfach gehen würde, hatte Nasid sich bereits abgeschminkt. Savras hatte sich bestimmt etwas dabei gedacht, ihn mit dieser Truppe zusammen zu bringen, oder auch sie „zuuufällig“ diesen Überfall mitbekommen zu lassen. Zumindest, so hoffte Nasid, hatten Savras und Moradin sich abgesprochen. Schachfigur im Spiel eines anderen Gottes zu sein behagte ihm gar nicht. Auch dass Arrat seine Verbindung mit Tyr so ernst nahm irritiere Nasid ein wenig. Sicher, er fühlt sich Savras verpflichtet, doch meist auch allein gelassen. Ein wenig wie ein Kind, dass seinem treulosen Vater nachweint und sich stets danach sehnt, in seine schützenden Arme genommen zu werden. Oder war er hier der treulose? Bisher hatte er gedacht, dass es allen nicht-Klerikern so gehen müsse. Erhielt der Magiewirker vielleicht wirklich auch Antworten von Tyr? Beizeiten würde er dies mit ihm bereden müssen. Als Nasid Fenner vor der Wache warten sah konnte er nicht anders, als tief irritiert in die Runde, den Himmel und in seinen Verstand zu schauen, wo oder was gerade falsch war. Rylan, Arrat und Xhorgul schienen überhaupt nicht überrascht. Fenner taucht immer irgendwo, irgendwann wieder auf, war die mit Schulterzucken vermittelte Antwort. Also doch nicht der Zitternde Daumen und eine natürlich völlig unkoordinierte Rettungsaktion für den Halbork. Das hatte auch etwas Gutes. Lord Dolo höchst selbst gab sich die Ehre, die wieder vollständige Truppe zu empfangen. Fenner schuckelte bereits ungeduldig von Bein zu Bein und rief mehrfach lautstark nach dem Lord, bis dieser sich bequemte. Die meiste Zeit überließ Nasid den anderen das Geplänkel. Interessant wurde es, als Arrat den Lord dafür anfuhr, so von oben herab zu reden, was dieser jedoch aalglatt, wie alles andere auch an sich abperlen ließ. Das Gute daran, die meiste Zeit sein Maul zu halten ist, dass wenn man es öffnet, auch auf einen gehört wird. Fenner ist der wahre Meister dieser Strategie, doch nun konnte Nasid sie sich auch zunutze machen und führte den Lord Wort für Wort vor, ihnen Essenzielles zu verschweigen, denn bisher wirkte das alles sehr, sehr falsch. Dabei mochte Nasid den Mann eigentlich. Erfahrungsgemäß wusste er aus diesen Kreisen, denen er ja selber entstammte jedoch auch, dass Falschheit oft hinter einem freundlichen Gesicht steckt und selbst die selbstlos wirkendsten Handlungen ihre zweite Seite haben können. Er dachte dabei besonders an seinen Vater, der nun wirklich zu allen seinen Kunden freundlich war. Was nichts darüber aussagte, ob er sie mochte oder nicht.

Um die Sache in Ruhe zu besprechen verabredeten sie sich für den nächsten Tag in einem Gasthaus, in dem Zimmer für sie reserviert waren. Statt der Zimmer verlegte sich die ganze Gruppe in eine Schmiede im Nebenhaus, wo Xhorgul die letzten Stunden des Tages hämmerte und Nasid sein Projekt eines schwebenden oder fliegenden Hammers vorstellte. Verrückte Idee, wo Pfeile doch viel besser flogen, aber er wollte es dem qazzam nicht schlecht reden, nachdem er ihn von seinen Schmerzen befreit hatte. Auch machte Nassid Rylan für den Fall der Fälle mit einigen Pfeilvarianten, die er ihm im ernstfall geben könnte vertraut, um nicht vor Ort ewige Erklärungen zu provozieren. Fenner und Arrat waren wie vom Erdboden verschluckt, nachdem sie sich verabschiedet hatten und kamen auch erst zum nächsten Morgen zurück. Was sie getrieben hatten, behielten sie für sich. Freudenhäuser hätte Nasid im normalfall getippt. Aber da schienen seine Gefährten nicht so klassisch für zu haben zu sein. Wer weiß, Fenner konnte sich ja verwandeln. Vielleicht eine Straßenhündin? Brr.. er konzentrierte sich wieder aufs Zauber vorbereiten und verlängern. In dieser Stadt würde er nicht ungeschützt vor die Tür gehen. Wie auch sonst nie, seit ihm gezeigt wurde, wie er die magischen Strukturen der Zauber umweben konnte. Sie hatten noch viel zu diskutieren, denn der Lord wollte sie offensichtlich auf einen Ball schleusen, wo der Sergant Fetherbe ganz vielleicht, eventuell vorhanden sein könnte und auch eine Person, die möglicherweise etwas von seinem Verbleib weiß. Das roch nach Fisch. Nein. Eigentlich stank es zum Himmel. Angenommen sie waren wirklich mehr oder weniger unbekannt und neu hier, was Nasid annehmen musste. Seine Gefährten hatten ohne Zweifel einen Ruf bei den Zwergen, doch unter Menschen und Gesocks hatte er es bisher nicht erwartet. Dennoch redete der Lord mit ihnen, als wären sie Verbündete oder enge Vertraute, während er rein logisch nicht ausschließen konnte, dass sie nicht mit den Astorian, Night Masks oder wem auch immer unter einer Decke steckten und das ganze eine Finte war, seine Macht zu untergraben, oder ihn sogar aus dem Weg zu schaffen. Glück für ihn, dass dem nicht so war, sonst hätte er das Frühstück in aller Öffentlichkeit nicht überlebt. Immerhin rückte er nun mit der Sprache heraus. Fetherbe ist ein Spion gewesen und kennt sich daher in Westtor aus, wie kein anderer auf Seite der Wache. Xhorguls lauter Meinung folgte der Konsens, dass dies eine gute Möglichkeit sei, irgendwie doch das richtige zu tun und dabei weiterhin Arrats Ziel zu folgen. Immerhin mussten sie sich so nicht mit dem Gesindel verbünden, sondern eher kämpferisch auseinandersetzen. Zugegeben, vermutlich war es sicherer und weiser, die Wache zum Feind und diesen Haufen krimineller Organisationen zum Freund zu haben, doch Nasid war froh, dass dies kein Weg ist, den sie beschreiten würden. Ein Messer zwischen den Rippen aus dem Schatten hatte noch den klügsten Magier getötet und bei so vielen Messern und so viel Schatten auf einem Haufen, wie es in Westtor sein sollte, konnte er gut darauf verzichten. Als er Xhorgul diese seine Bedenken bezüglich des „wir zeigen uns offen und lassen die Gegner kommen“ mitgeteilt hatte, stieß er auf wenig Verständnis. Der Zwerg wollte einfach den ersten Schlag einstecken und dann anfangen auszuteilen. Gut, zweifelsohne lässt sich das in solch einer Rüstung leicht sagen, das musste Nasid ihm lassen. Außerdem wirkt es ziemlich mutig und je mutiger ein Krieger wirkt, desto weniger mutig wirken seine Gegner. Auch ein Vorteil. Doch nicht Nassids Lieblingsstrategie. Seit er Savras Gabe erhalten hatte, wusste er immer gern vorher, was, wo und wem er begegnen würde, um das Schlachtfeld selber zu wählen. Eine anders geartete Weißheit, wenn man so wollte. Die erbeutete Robe passte Nasid nicht richtig, das hatten sie ausprobiert. Vielleicht würde sie Arrat passen, um einen weiteren Trumpf im Ärmel zu haben.

Die Zeit hatte morgens noch gereicht, jeweils für Arrat und Nasid einen Ausspähungszauber zu wirken. Arrat suchte nach seiner Schwester, konnte sie aber nicht finden, während Nasid mittels der gesammelten Körperflüssigkeiten in einer echt ekeligen Aktion den Vorsteher des Hauses Bleth beim Essen mit seiner Frau beobachten konnte. Von Lord Dolo erfuren sie dann später, dass Haus Bleth mit dem Haus Cormaryl verbunden ist, welche ihrerseits mit den Fireknives verbandelt sind. Doch damit nicht genug der schlechten Neuigkeiten, denn der wahre Gegner, der hinter all diesen Verbrecherorganisationen steckt scheinen die Zentarim zu sein, mit denen sich nun wirklich niemand anlegen möchte. Großartige Gelegenheit also, sich Feinde zu machen. Die Suche nach persönlichen Gegenständen Fetherbes, um ihn aufzuspüren blieb erfolglos, sie würden also zu anderen Mitteln greifen müssen und gerade Fenner schien erpicht darauf, die Gelegenheit irgendwie anders, als auf einem Ball zu lösen. Doch sollte das dem Trupp nicht gelingen, würde der Ball, verkleidet, als Wächter Lord Dolos wohl eine gute letzte Möglichkeit darstellen.

Der Eunuch

Nasid dachte einige Zeit darüber nach, welcher Stock der längere war, jener in der Hand des Mannes, oder der in seinem Arsch. In seiner Heimat wäre er ein klassischer Eunuch gewesen, schon möglich, dass es hier auch einige gab. Als wären sie alle Brüder. Die Forscherstimme seines Intellektes stellte Vermutungen über in männlichen Eiern aufbewahrte Wesenszüge an, die abklingen, wenn eben jene der Schere zum Opfer fallen. Vermutlich wäre eine Nachfrage jedoch unpassend gewesen, daher ließ er diese Gedanken in den Nebel seines Nachgedächtnisses – wie er seine Sammlung, ehemals gedachter Gedanken nannte – sinken, gleich zu den ethlichen anderen menschlichen und nicht-menschlichen Mysterien. Häuten sich Yuan-ti? Verdursten Vampire ohne Eckzähne? Was unterscheidet kleinwüchsige, dicke Menschen von Zwergen? Wie denken Götter? Steckt eine Absicht hinter dem verdammten Regen, der immer einsetzt, wenn er beschließt, seine Reise fortzusetzen? Mysterien halt.

Fenner war verschwunden. Vielleicht war seine Nase zu sensibel für die Anwesenheit nahe des Eunuchen. Ah, da waren sie wieder. Nasid dachte doch noch über diesen Menschen nach, der da vor ihnen herstolzierte. Es war einer dieser sehr wichtigen Menschen. So wichtig, dass er wusste, dass sein eigener Name schon in drei Sekunden vergessen worden wäre, weshalb er sich nicht die Mühe zu machen brauchte, ihn zu nennen. Höflich allemal. Wenn nicht einer der Gefährten dauernd ein Notizbuch zückte, um sich Namen all dieser Wichtigtuer oder Bösewichte zu merken, würden sie noch schneller im Nachgedächtnis verschwinden und schwerer auffindbar sein, als die Eier eines Eunuchen. Das war eines der Dinge, die Nasid an seinen Gefährten schätzte. Sie alle schienen dann und wann Tagebuch zu schreiben und so konnten sie sich stets gegenseitig an die Namen von Wirten, Schankmaiden, Lords und den ethlichen Herrscherhäusern erinnern. Mancher Magier hätte ob solcher Kompensationsstrategien schwere Gedächtniskrankheiten vermutet, doch Nasid war damit ganz entspannt. Es funktionierte und sie hatten noch niemanden umgebracht, weil sie den Namen verwechselten. Dem stolzierenden Mann hinterher schwebend machte er sich Notizen für später. Gedanken über Stöcke, Eunuchen und Yuan-Ti aufschreiben für eine Nachwelt. Oder wieso eigentlich? Damit einst eine Heldengruppe sein Tagebuch in einer fallengespickten, bemonsterten Höhle finden würde, und sich entscheiden könnte, seine epische Queste zuende zu führen? Hoffentlich nicht. Nein, eigentlich wusste er, wieso er es tat. Eine Situation beim passieren sarkastisch, ironisch oder lustig zu finden macht Spaß, doch das eigentliche Erhabenheitsgefühl passierte nun doch, beim wiederkäuen. Sei es in Gedanken, oder halt in Schriftform. Es nagte ein wenig an ihm, dass er das ganze nur tat, um sein Ego zu streicheln und sich in seiner offensichtlichen Überlegenheit zu bestärken. Äh. Was er natürlich nicht nötig hatte, weil das ja Fakten waren, beruhigte er sich gleich wieder. Puh, was ein langer Weg, doch vielleicht lag auch nur das Frühstück noch so schwer im Magen. Und nun waren sie auf dem Weg zum Mittagessen, um von diesem Kauz dort – hoffentlich nicht – oder Lord Dolo die hiesigen Sitten in gehobener Gesellschaft beigebracht zu bekommen. Xhorgul war tatsächlich sehr unterhaltsam mit seinem zwergischen Pragmatismus. Nasid würde wetten, er könnte auch Straußenei bloß mit seinem Hammer essen. ..und vermutlich auch zubereiten.

Der Rest der Truppe ließ, so hatte Nasid den Eindruck, es mehr oder minder über sich ergehen, da das Vorwissen sehr unterschiedlich war, oder aber, wie in seinem Fall aus anderen kulturellen Kreisen stammte. In seinem Elternhaus hatten die Sklaven einfach immer entsprechendes Besteck zum Essen mitgebracht und wurden ausgepeitscht, wenn sie einen Fehler machten. Verschob die Fehlerschuld. Irgendwie angenehm, dachte Nasid, als er vor dem Sammelsurium an messer- und gabelähnlichen Werkzeugen saß. Immerhin gab der Lord höchstselbst sich die Ehre. Der Mann wollte sich den Trupp offensichtlich warm halten. Wusste er wohl, dass sie alle mit Hochdruck daran arbeiteten, die Geschichte vorm Ball erledigt zu haben?

Es vergingen bloß drei Tage, in denen die Gruppe sich rudimentär absprach, was sie machen wollte. Rylan fand in den Tavernen Neuigkeiten über ein weiteres Haus und erzählte von Nachrichtentürmen, die Botschaften zwischen Westtor und Tesir übermittelten und suchte dort nach hinweisen. Fenner war meistens weg und Nasid vertraute darauf, dass der Halbork bestimmt irgendetwas sinnvolles tat. Oder? …Hundedamen… verdammt, da waren die Nachgedanken wieder. Aus! …würde da ein Halb-Hork rauskommen? Oder wird das dann Ound genannt? Hork klingt irgendwie flüssiger. Jetzt aber aus! Irgendwann wollte Fenner bedröppelt, blaß – sogar eher grün – um die Nase und irgendwie Schuldig dreinblickend mit Arat reden. Nasid ließ ihnen die Zeit und erfuhr auch später nicht, worum es ging. Gibt es nicht Worgs? Vielleicht hatten Orks und Wölfe.. und dann war es allen zu peinlich darüber zu reden und sie nannten es Warg? Aaah. Nasid sah von seinen Aufzeichnungen auf, die er machte, während er aus Arats Zauberbuch den Dimensionsanker lernte. Kurze Pause. Xhorgul nutzte seine Schmiedepausen meist für Zwergenbier, doch Nasid war sich nicht sicher, wie gut die Idee wäre. Nein. Eigentlich war er sich sicher, dass es keine gute Idee war, wenn er später noch Ausspähen wollte. Wer weiß, wo er sonst rauskäme.

Ja, was machte der qazzam eigentlicht? Immer wieder schmiedete er, dann war er unterwegs. Er hatte bereits beträchtliches Wissen herangebracht, sowohl aus Büchern, als auch aus Tempeln und wollte irgendwelche Besorgungen machen.

Mit Arat zusammen zu sitzen und gegenseitig Zauber auszutauschen für das kommende Projekt war befriedigend. Auf Reisen hatte Nasid immer wieder einzelne Magier gefunden, mit denen er sich austauschen konnte und Arat hatte einiges anzubieten, was Nasid interessierte. Eine Bibliothek wäre freilich schöner gewesen, als neben einer Schmiede, in der ein Zwerg heilig besengt auf Stahlsorten herumdreschte, die Nasids Meinung nach eifach nicht dafür gemacht waren, bearbeitet zu werden. Aber sag das mal einem Zwerg.

Ja, viel mehr passierte eigentlich nicht. Ah, doch. Nach Arats Versuch, den Siegelring zu identifizieren, der irgendwie fehlgeschlagen war, wagte er den Selbstversuch. Was sehr unspektakulär blieb. Keine Flammensäule, kein blaß werden und die letzten Worte aushauchen, keine mystische Stimme, die böse lachend im Äther verschwindet und sagt, Arats Geist sei jetzt sein. Nichts. Einfach Nichts. Als dann jedoch die Ausspähungszauber schief liefen, vermuteten die beiden Magier messerscharf einen Zusammenhang zum Ring und nachdem Xhorgul den Fluch auf dem Ring unterdrücken und Rylan den Nadelmechanismus ausschalten konnte, war Arat wieder befreit von dem Ring, von dem bisher im wesentlichen bekannt war, dass er Türen öffnen konnte.

Ein geglücktes Ausspähen Arats war noch interessant, denn es führte ihn und Nasid promt teleportierende Weise gegen eine magische Barriere des hisigen Wachgebäudes, wo sie herausfanden, dass die Sklavinnen gleichzeitig die Musikerinnen waren. Die Instrumente sind also eine Sackgasse. Seltsamerweise, oder einfach, um etwas sinnvolles zu tun zu haben, entschied Nasid, die beiden Mädchen zu ihrer Familie zurück zu bringen. Ein bischen Ausspähen, ein Kapitän mit Verwandschaft auf halbem Weg und es könnten Wege gefunden werden, ihnen zumindest die Schiffsreise mit ungewissem Ausgang zu ersparen. Wenn Nasid vorher noch Wege fände, in die Erinnerungen der beiden zu schauen, wäre dies jedoch vermutlich noch eine wertvolle Informationsquelle. Sie mussten die Magier ohne Vermummung, oder zumindest Hinweise auf ihre Rasse gesehen haben. Ein wenig ärgerlich, dass Nasid so vorschnell den einen Magier pulverisiert hatte, nun wussten sie nicht, ob es vielleicht Vampire oder Drow waren, die unter den Kutten steckten. Die wirklich indiskreten Fragen diesbezüglich lagen Nasid kurz auf der Zunge, doch wurden lange vorm aussprechen zum Kloß. Nein, so wichtig konnte die Information nicht sein. Noch sieben Tage. Chancen ohne Ende.