FlexFlex

Bericht des Dorfbüttel Arsgar aus Nettenbruch:

„Komisches pasierte heude inner Tawerne. Übaeinstimmenden Berischten zuvolge hat sich zwey Kerzen nach sonnenuntagang ungehoierliches abgespilt. Eben wart noch gesoffen und mit Carten gespielet, als ein – Zitat: swarzet Loch erschien. herausfielen merere menner und fraun darunter elfn, ein zwerk und der rest menschn. alle bis auf zwerk habn noch geröschelt und wahren dan tod. Alles voller bludd. Habn reiter an den bannwart getrieben. der sol sich ditt anshaun. Habn die leischn inne Schoine legn lassen. der zwerk ist in gewarsam und ist gesund, nur irre ist er unt schreiet. Hab ihm eins üban kopp mit knüppel gezogn. der schlaft nu.“

Fredgar, Bannwart des Nettenbruchs an seine Lordschaft Bob[ab hier wirds unleserlich)

„Ich erlaube mir Euch, meine Lordschaft, hiermit kund zu tun, dass es vorige Woche zu einer ungewöhnlichen Situation in einer eurer Besitzungen im Dorf Nettenbruch kam. Übereinstimmenden Berichten zufolge hat sich – wie ein hinzugezogener Magiekundiger bestätigen kann – in der Taverne Bocksprung plötzlich ein Portal geöffnet, aus dem eine Gruppe Menschen, Elfen und ein Zwerg fielen. Offensichtlich hatten sie einen schweren Kampf hinter sich, da ihre Wunden bei fast jedem tödlich war. Der Zwerg überlebte, der Rest der Truppe schien noch zu leben, verstarb aber kurze Zeit später. Der Zwerg wurde festgesetzt und medizinisch versorgt. Unsere Versuche, mit ihm zu kommunizieren, schlugen fehlt, da er völlig apathisch war. Ein ansäßiger Zwerg war nicht in der Lage, die Sprache, die der Fremde sprach, auch nur im Kern zu verstehen, erkannte aber anhand von Rüstungsteilen und einem Anhänger, dass es sich wohl um einen Priester einer Zwergengottheit handeln muss. Der vorab erwähnte Magier untersuchte die Waffen, Rüstungen und Gegenstände der Leichen und des Zwergs und kam zur Erkenntnis, dass es sich wohl um eine unglückliche Söldnertruppe handeln muss, die nur mit Not – und erfolglos – versuchte zu flüchten. Die Gruppe führte Schriften mit sich – leider in keiner Sprache, die einem von uns hier bekannt oder geläufig wäre. Die Schriften und ein Teil der Waffen und Rüstungen, die von Wert erschienen – und nicht von dem Lumpenpack hier entwendet werden konnte, wurde dem Boten mitgegeben. Ich habe den Zwerg unter Bewachung stellen lassen und bitte Euch, mir mitzuteilen, wie ich mit ihm zu verfahren habe.

Fredgar

Droin, Moradin-Priester

„Heute Nettenbruch erreicht. Kleines Kaff, schlechtes Bier und Essen und die Menschen hier sind noch ungepflegter als ein Trupp rasender Orks. Zudem: Füße tun weh. Werde zu alt für Pilgerreisen. Konnte ein kleines Zimmer beim Schmied für die Nacht mieten.“

„Wollte mich gerade zur Ruhe betten, als es an der Tür klopft. Ein Mann namens Fredgar bittet mich um meine Dienste. Man habe einen Zwergen in Gewahrsam, mit dem man nicht wisse, was mit ihm sei. Ich versrpach zu helfen. Als ich zum Hilfebedürftigen geführt wurde, dachte ich zunächst, einen ehrwürdigen Zwergen von hohem Alter vor mir zu haben. Doch ein genauerer Blick verriet mir, dass der Mann offensichtlich noch blutjung ist – doch irgendwas ließ ihn ergrauen und altern. Ein Mann von jungen 75 bis 100 vielleicht und wirkt doch, als hätte er längst das dritte Jahrhundert erlebt. Das Faszinierende an ihm ist zudem, dass ihn nicht sagen kann, von welchem unser Zwergenlinie er abstammt. Er ähnelt zwar einem Schildzwerg, aber er ist anders.. eher gedrungen wie ein Goldzwerg. Ein Mischling scheint er auch keiner zu sein. Zumindest besteht keine Ähnlichkeit zu einem Grauzwerg. Ein weiteres Mysterium ist die Kette mit dem Emblem auf dem Anhänger. Er ist offensichlich Priester – es geht spürbar eine gewisse magische Aura von ihm aus. Das Symbol hingegen ist mir unbekannt. Es ähnelt dem von Dumathoin (ein geschliffener Saphir auf dem Umriß eines Berges), sieht aber völlig anders aus (ein roter, runder Smaragd uf dem Umriß eines Berges). Ich versprach, zu bleiben, bis ich mehr erfahren kann. Ich werde mich um diesen Mann kümmern.  “

„Zwei Wochen sind nun vergangen und dieser Zwerg ist noch immer ein Rätsel. Zumindest konnte ich heraufsfinden, wie er heißt. Flex. Keinen Familiennamen, keinen Bingennamen, nur Flex. Und er scheint wirklich Priester zu sein. Hatte mich vor drei Tagen verletzt, als ich das Essen zubereitete und er legte sanft die Hand auf meine kleine Wunde, murmelte etwas und die Wunde schloß sich. Damit ist schon mal klar: Er ist kein Priester einer verruchten Gottheit. Ansonsten aber starrt er nur vor sich hin. Erstaunlich auch, dass er Angst vor der Dunkelheit zu haben scheint. Er wimmert leise, wenn die Schatten in die Räume kriechen.“

„Tag 28. Er hat Alpträume. Heftige Alpträume. Ein Ort oder eine Person namens Ravenloft scheint ihn Unbehagen zu verschaffen.“

„Tag 42. Fredgar ist wieder da. Er hat Auftrag erhalten, den Fall abzuschließen. Da Flex offensichtlich keine Gefahr für andere darstellt, wohl aber noch für sich, hat man mir die Obhut über ihn übertragen, darüberhinaus die Abschrift einiger Dokumente, die die unglücklichen Verstorbenen mit sich führten und man nahm mir das heilige Versprechen ab, bei neuen Informationen oder Erkenntnissen Fredgar einen Boten zu senden.“

„Ein halbes Jahr ist nun seit dem ersten Treffen mit Flex vergangen. Er scheint noch immer nicht er selbst zu sein. Er spricht nicht oder nur kaum und ist völlig in sich zurückgezogen. Er betet oft und regelmäßig und ich glaube herausgehört zu haben, dass der Name seiner Gottheit Ulla, Uula oder Ulaa sei. Wir habne allerdings keine Informationen zu einem göttlichen Wesen diesen Namens. Bruder Gralileo kam mit einer These, dass es wohl mehr als nur eine bewohnte Welt gäbe und jede Welt wohl auch seine eigene Götter. Blödsinn, BLASPHEMIE geradezu. Ihm wurden neue Exerzitien übertragen, damit er über seine Dummheit nachdenken kann.“

“ Heute kam ein Magier namens Restain vorbei, der von Flex gehört hat und bat, ihn sich mal anzuschauen bzw. mit ihm zu sprechen, da er Studien zu „Transdimensionalem Reisen unter Berücksichtung irgendeiner Unschärferelation eines unbekannten Gnoms“ nachgeht. Er darf, aber nur, wenn er uns mitteilt, was er herausfindet13 Tage lang sprach er mit Flex, lauschte seinem Gebrabbel und Gebeten und schrieb alle fleißig mit. Dann, am 14. Tag, rannte er mit aufgerissenen Augen aus Flex‘ Kammer und brüllte: RAVENLOFT  Dann rannte er aus dem Tempel und ward nicht mehr gesehen. Flex hat eine Vorliebe für Suppe entwickelt.

„Ein Monat ist seit dem Vorfall mit Restain vorbei und plötzlich stand er wieder vor mir im Tempel und hatte allerlei Instrumente, Gefäße und Bücher dabei. Er versammelte einige Brüder und den Abt und erzählte uns, dass es sowas wie andere Welten gäbe, die alle auf unterschiedlichen Existenzebenen lägen – vergleichbar mit unserer Welt und dem Pantheon unserer Götter. Hier und da gäbe es Verbindungspunkte zwischen den Welten und unser Freund Flex wäre offensichtlich ein Gast aus einer anderen Welt. Unser Abt war schon drauf und dran, diesen frechen Magier aufgrund dieser Blasphemie einen neuen Scheitel zu ziehen, doch Restain bekräftigte, dass die Existenz anderer Welten nicht im Widerspruch zu unserer Lehre stünde. Um das zu verdeutlichen, zog er einen Käse aus der Tasche und sagte, dass dieser Käse in vielen Ländern und Völkern bekannt und beliebt wäre. Er habe nur andere Namen. Moradin wird wohl auch auf anderen Welten über die Zwerge wachen – nur unter einem anderen Namen. Dann berichtete er, was er über Ravenloft in Erfahrung bringen konnte. Die Geschichten waren abenteuerlich, verwirrend und sehr Angst einflößend, mit Blick auf das, was in Nettenbruch geschah, aber teilweise überzeugend. Restain kam dann auf Flex zu sprechen. Restain geht der These nach, dass sich beim Übertritt von einer Ebene in die andere, ggf durch Schock und dem Tod seiner Kameraden, sein Geist vom Körper teilweise abgetrennt hat. Es kenne einen Zauber, der Geist und Körper vereinen könne – allerdings müsse er dafür ein Portal in dieses Ravenloft öffnen. Wir werden das besprechen müssen.“

„Drei Tage sind vergangen und wir werden Restain helfen, sein Vorhaben umzusetzen – es geht schließlich um das Leben eines Zwerges. Restain begann, seine Beschwörungen aufzusagen und nach wenigen Minuten öffnete sich tatsächlich ein Portal. Doch Verrat! Restain zog einen Dolch und rammte diesen dem armen Gralileo in die Kehle. Das Blut spritzte nur so heraus und bedeckte den Boden. Wir waren geschockt und konnten doch nichts tun – wir hatten doch nicht damit gerechnet, in unserem eigenen Tempel angegriffen zu werden und waren dementsprechend nicht gewappnet oder bewaffnet.  Restain begann, Magische Geschosse auf uns zu feuern, also suchten wir Deckung. Von dort aus konnten wir beobachten, wie Restain mit dem Blut von Gralileo in die Luft schrieb, was das Portal größer werden ließ. Wir fürchteten schon, dass nun ein Schrecken durch das Portal steigt und den Tempel vollends entweiht, doch nichts derartiges geschah. Stattdessen betraten Restain und sein Gehilfe das Portal, das sich hinter ihnen schloß. Sie waren verschwunden, der Tempel geschändet, Gralileo gemeuchelt und wir zutiefst frustiert.“

„Heute betrat ich die Kammer von Flex, um nach ihm zu sehen und zu prüfen, ob der verräterische Restain Spuren hinterließ. Meine Überraschung war groß, als Flex sich bei meinem Eintreten zu mir wandte und fragte, wo er sei, wie er an diesen Ort käme und was mit seinen Kameraden geschah. Ich erzählte ihm, wie er in Nettenbruch landete, das seine Kameraden tot seien und welch verlogenes Spiel Restain spielte. Flex nickte grimmig und erzählte mir im Gegenzug, dass er ein Priester von Ulaa, einer Zwergengöttin, die unserem Dumathoin zum Verwechseln ähnlich ist, sei und mit seinem Kameraden auf dem Weg in eine Stadt namens  Greyhawk war. Eines abends legten sie sich in einer Taverne schlafen und kamen an einem fremden Ort wieder zu sich. Das Böse habe in dieser anderen Welt die Macht an sich gerissen und findet gefallen daran, Abenteurer, Helden und Glücksjäger zu sich zu holen, um die unsterblichen Herrscher dieser Welt zu amüsieren oder harauszufordern. Sie fanden heraus, dass man nicht einfach dieses Ravenloft betreten oder verlassen kann – nur wenn Ravenloft es wünscht oder zulässt, kann es gelingen. Oder durch einen Anker, der einen Eingang schafft. Flex und seine Freunde versuchten es dennoch und nach einer weiteren Schlacht gegen endlose Horden schafften sie es, ein Portal mit unbekanntem Ziel zu öffnen. Dabei starb jedoch der Magier der Gruppe. Das letzte, woran sich Flex erinnert, war ein höhnisches Gelächter, als er das Portal betrat. Flex hatte auch gleich einen Verdacht, was die Beweggründe für den Verrat waren. Er, Flex, war der Anker, der Restain den Zugang zu Ravenloft erlaubte. Wieso Restain allerdings nach Ravenloft wollte, kann niemand auch nur im Ansatz erahnen.“

„Flex ist sowohl geistig als auch körperlich wieder auf der Höhe. Fast ein Jahr ist seit unserem ersten Treffen vergangen. Heute heißt es jedoch, Abschied zu nehmen. Flex will, nein, muß los um einen Weg nach Hause zu finden. Heute ist er abgereist. Er wollte erstmal Richtung Norden. Ich mache mir Sorgen um den Burschen. Aber er hat allen anderen gegenüber einen Vorteil: Er ist ein Zwerg.“

Flex