Es ist nicht alles Gold was glänzt (The Legion of the Trusted)Es ist nicht alles Gold was glänzt (The Legion of the Trusted)

Dunkelheit umfing die Gruppe, als sie endlich den Boden der Leiter erreichte, wo sie sich in einem Wirrwarr von Kisten, Fässern, Stoffen und Gerümpel widerfanden, der offensichtlich von all den Karren in der Schlucht herrührte, die sie vorher gefunden hatten.

Was von oben noch den Eindruck einer imposanten Zwergenstätte machte, wich schnell der ernüchternden Realität einer zu Bruchstücken zerfallenen Thronhalle, deren starke Wände sich trotz des Einsturzes nur zufällig zu einer Höhle formten.

Ein ferner Lichtschein erregte Lyaris Aufmerksamkeit, der sich an dessen Quelle heranpirschte. Und dort sah er sie, aufgereiht wie zur Leichenschau; mehrere dutzend Humanoide über und über beladen und beinahe versunken unter goldenen Münzen, Ketten oder schlicht Klumpen, gebahrt auf willkürlich verlegten Teppichen die Platz noch für viele mehr von ihnen bieten. Und nur schwach konnte er hinter dem magischen Feuer in der Mitte des Raumes verborgen die Urmutter des Goldes erkennen, deren golemartiger Rücken das Licht in den tausend Farben des flüssigen Golderzes brach, aus welchem sie bestand.

Sollte sie feindlich sein würde hier schweres Gerät notig sein, so viel stand fest. Dumm nur, dass Xhorgul, diese wandelnde Festung aus Stahl oben den Thresen hütete.

Noch dümmer, dass dieser sich in der Zwischenzeit mit dem Pater Faustos Wortgefechte lieferte. Dieser ward soeben hereingekommen, um den Tavernenbewohnern die bitter riechende, doch wie Honig anmutende Medizin zu verabreichen, welche diese gierig herabschlangen und sich auf ihre Gesundheit zuprosteten. Als der Pater dann zu seinen „Schäfchen“ gehen wollte und direkt auf die Luke in der Küche zusteuerte wurde es Xhorgul zu viel des schalen Zaubers und er packte den Pater beim letzten Krümel seiner Logik. Einem Pater Azuths könnte ein Schutzkreis vor Bösem unmöglich schaden und Xhorgul bot an, den Weg frei zu machen, nachdem er diesen offensichtlich harmlosen Zauber auf den Pater wirken durfte. Sollte der Pater beeinflusst sein, so war der Plan, musste die Beeinflussung durch Böses durch den Zauber enden. Sich keine Sorgen machend lies der Pater die Prozedur über sich ergehen, doch statt dass der Zauber wie erwartet von ihm abperlte versetze er ihn in einen beinahe katatonischen Zustand, als die gewirkte Magie sich gegen etwas in ihm richtete und langsam aber sicher seine gerade getrunkene Medizin aus seinem Körper drängte. Die anderen Gäste befanden sich weiter in Hochstimmung, vielleicht noch schlimmer als vorher. Auch Lyaris offensichtlich bedrohliche Haltung kümmerte den Barden nicht, sondern inspirierte ihn, aus dem Stegreif ein wirklich schiefes Lied über zwei Zwillingsklingen zu dichten, die nicht ohne einanders sein konnten. Lyari hatte selber die Treppe erneut erklommen, um Xhorgul zu holen, da dieser nicht auf Damils geflüstertes Drängen, herunterzukommen reagiert hatte. Nun sah er Xhorguls Absichten ein und schickte seine Sinne aus, um seine treue Eule die Gemächer des Priesters nach Zeichen Azuths zu durchsuchen, die weder der Pater, noch sein Lehrling bei sich trugen. Die so beschaffene Kette umklammerte der zitternde Pater während seiner Reinigung krampfhaft und da abzusehen war, dass sein innerer Kampf noch eine Weile brauchen würde, verbarrikadierte sich die Truppe in der Küche, wo nun alle außer Fenner wieder zusammengekommen waren.

Verwirrung stiftete Asconion, dessen beringte Hand wie fremdgesteuert verrenkt auf den Pater zeigte und während auch sein linkes Auge sich blind-grau verfärbte fing er mit einer für ihn viel zu hohen, zittrigen Stimme an, in einer lang vergessenen Sprache Beschwörungen oder Flüche zu murmeln, die dem Pater offensichtlich halfen. Damil bot sich an mit seinen wachen Sinnen durch das Schlüsselloch die verwirrten Menschen und Zwerge in der Taverne im Auge zu behalten und im Notfall schnell wie er ist Alarm zu schlagen.

So blieben noch Lyari und Xhorgul die zu Fenner stießen, um sich den Keller anzusehen.

zwergenhöhleTatsächlich fackelte Lyari nicht viel, der behände eine der Säulen heraufschoss, um auf einem Vorsprung – der wohl mal ein Zwergenkopf gewesen war – hockend den ersten Pfeil abzuschießen. Nun konnte er die Goldmutter auch von vorne erblicken und es war wahrhaft kein schöner Anblick, denn in diesem wabernden Anzug aus Gold, der ihre Beine und Rücken bedeckte steckte eine nackte, sehr,sehr alte Frau, die offenkundig mausetot – oder untot war. In ihrem Herz prangte ein Dolch dessen Griff das Zeichen Azuths zierte und sie war zerfressen von bläulich-grünen, feinen Adern. Nur Sekunden später entdeckte die Truppe auch was sie vorher nur als leises Tippeln auf dem harten Steinboden gehört hatten. Dort waren vier kleine Wesen, nicht viel größer, als neugeborene Kinder und völlig gülden schimmernd, doch bewegten sie sich auf dolchspitzen beinen und Armen auf seltsam verdrehte Art und Weise.

Als das erste Lyari auf seiner hohen Position ansprang, wobei es die dreißig Meter zu ihm in nur einem Augenblick überwand, mussten sie feststellen, dass die Wesen nicht nur wie Neugeborene aussahen, es waren Neugeborene. Und sie bluteten, als ihr goldener Panzer zerteilt wurde.

Milo Grünflasch war unterwegs nach Baldur’s Tor gewesen und musste sich in seiner Abenteuerlust natürlich das Tal angucken, welches unter Wanderern scherzhaft „Hammerschlag“ genannt wurde, denn genau so sollte das ganze aussehen. Seine Rast in der einzigen Taverne des Tales war angenehm und noch angenehmer waren die Träume dort, denn sie schienen eine Ewigkeit zu wären und er erlebte unglaubliches. Alle Sinnesfreuden die er sich je erträumt haben konnte warteten dort auf ihn, umfingen ihn wie eine Mutter mit aller liebe und ließen ihn lange nicht mehr gehen. Erst als er die beschwörenden Worte Xhorguls am Rande seines Bewusstseins hörte, wo lange nichts gewesen war konnte er wieder nach der Außenwelt greifen, in der – so wusste er tief in seinem Herzen – noch eine Aufgabe auf ihn wartete, die er sich geschworen hatte zu erfüllen. Es dauerte einige Zeit, seine Kontrolle über den Körper wiederzuerlangen und er musste sich unter einem ganzen Haufen Gold hervorstrampeln, um gleich nach seinem Erwachen aus dem Paradies der Sinne der Urmutter in ihre fahlen, toten Augen mit ihrem liebevollen Lächeln zu schauen.

Fenner und Xhorgul kamen gerade um die Ecke, als sie gleich von drei der Babys angeprungen wurden. Fenner wurde kurz überrumpelt und in den Gang zurückgeworfen, wo er sich gleich um zwei dieser lästigen Blagen kümmern musste, während Xhorgul Blut lassen musste, als er feststellte, dass sie zwar zierlich, aber doch zäh waren und wahrlich fiese, scharfe Arme aufwiesen.

Dann geschah alles sehr schnell, als Lyari dem ersten Baby die Arme abtrennte und sich bereit machte, die Urmutter seine Klingen schmecken zu lassen.

Milo hatte seine Sinne schnell genug beisammen, um den Boden unter der Urmutter mit einem Schmierenfluch zu belegen, der sie kurz aus dem Gleichgewicht brachte. Sein Versuch, sich danach mit magischen Illusionen seiner selbst zu schützen scheiterte jedoch dramatisch wie er feststellen musste, als die Urmutter, welche sich nun – nach einer Umformung des sie umgebenden Goldes – auch auf allen messerscharfen Vieren bewegte, ihn gleich mit beiden Vorderläufen hart erwischte und ein duzend Meter, aufgeschlitzt wie ein Schwein beim Metzger in die Ecke beförderte, wo er zum sterben liegen blieb.

Xhorgul eilte zur Urmutter um ihr gemeinsam mit Lyari, der als nie zu greifender Wirbel aus Klingen mal vor, mal auf und mal unter der Mutter schlug, stach und hackte zu zeigen wo der Hammer hängt. Dieser hing dann nach einigen deftigen Hieben, bei denen beide Seiten ordentlich einstecken mussten in ihrem Rumpf fest, nachdem Lyari Sekundenbruchteile vorher selbigen von seinen Schultern getrennt hatte. Doch statt sie zu töten raubte es ihr nur die Konzentration und sie fing an Berserkergleich um sich zu schlagen. Offensichtlich auch all ihrer Sinne beraubt, sahen die Kämpfer ihre Chance im Rückzug und wendeten sich ihrem unerwarteten magischen Helfer zu, um ihm gegebenenfalls noch das Leben zu retten.

Für Milo war das alles sehr komisch, denn er wusste, dass er sowas von tot hätte sein müssen. Er konnte seinen aufgeschlitzten Bauch mit all den hervorquellenden Gedärmen in Ruhe betrachten und fühlte weder Schmerz noch Angst. Und er bemerkte auch, dass es nicht nur Blut war, welches aus seiner Wunde floss. Dort war sehr viel honigartige Masse in seinem Bauch, leich grün verfärbt, bis manchmal schwärzlich auch in seinen Adern. Doch je weiter er blutete, desto mehr kam auch der Schmerz zurück. Nur einige Illusionen waren ihm geblieben, um den Kriegern, welche seine letzte Chance auf Überleben waren zu helfen. So schuf er noch im Sterben eine Schaar von schwer marschierenden Zwergen, deren Wiederhall die Halle flutete und den Streitern kostbare Sekunden verschaffte.

Xhorguls beeindruckender Heilkunst war es zu verdanken, dass der Tod ihn nicht doch noch holte, als dieser ihm die seltsame Flüssigkeit aus dem Körper brannte und die Wunden mit göttlicher Macht zu heilen Fleisch verschmolz.

Mit göttlicher Macht beschwor er auch einen Hammer aus purer Kraft und setzte der Urmutter aus der Ferne zu. Es schallte durch die Halle wie ein duzend Schmiedehämmer, als göttliche Macht mit aller Gewalt auf den nekromantischen Panzer aus Gold traf, doch sie starb und starb nicht. Erst als er zufällig den Dolch in ihrem Herzen erwischte und dieser aus ihrem trockenen Körper fuhr, brach sie zusammen.

Fenner hatte nicht viel abbekommen, doch Milo hatte zwischendurch gesehen, wie er die Babys mit seiner Keule immer wieder viele Meter durch die Halle gekegelt hatte, bis sie einfach nicht mehr aufstehen konnten oder wollten.

Nun galt es die Wunden zu reinigen und zu lecken. Die Menschen und Halblinge die auf den Teppichen lagen wurden vom Gold befreit, was sie jedoch nicht weckte und der Azuthdolch ward sicher verstaut.

Eine kurze Untersuchung ergab, dass die Halle dereinst verschiedenen Zwecken gedient haben musste, denn einige Inschriften waren verändert, doch da war sich Xhorgul als Zwergengelehrter sicher, seine letzte Verwendung vor der Zerstörung musste die eines Thronsaales eines Priesterkönigs gewesen sein.

Als sie merkten, dass der Singsang von Asconion oben geendet hatte machten sie sich schnell auf den Rückweg nach oben, wo sie den Pater völlig aufgelöst in Gram, doch offensichtlich bei klarem Verstand fanden. Und er begann zu beichten ….

Es ist nicht alles Gold was glänzt (The Legion of the Trusted)
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2 thoughts on “Es ist nicht alles Gold was glänzt (The Legion of the Trusted)

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    7. Januar 2015 um 22:27
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    Also das nenne ich mal eine Wendung, vorher alles schön ruhig und dann BÄM!!! Die Beschreibung der Goldmutter und auch der ganze Kampf, lesen sich echt schön, also das nenne ich mal top überlegt.

  • SebastianS
    8. Januar 2015 um 7:29
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    Es war ein spannender und athmosphärisch dichter Abend! Nochmal VIELEN DANK an den SL! Die Konfrontation mit Faustos und der darauffolgende Exorzismus, gekrönt von einem Gefecht, bei dem nicht nur Würfel, sondern die Chars wirklich gefordert waren… Und es bleibt spannend… Aus Zwergensicht stellten sich die Ereignisse natürlich etwas anders dar, aber mehr dazu später in Xhorguls Erinnerungen….

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