Die Schlangenwächter des Sumpfes

„Ich werde echt zu alt dafür!“ Helge der Zauberer schwang sich auf die Ruine eines Steintores, das aus dem Sumpf aufragte. „Ich denke von hier habe ich freie Schussbahn.“

Er blickte an der Kugel aus Finsternis vorbei, die zwischen ihm und seinen Gefährten Gordon und Gwaengwen entstanden war. Verursacher war eine Kreatur, deren riesiger Körper aus lebenden Schlangen bestand.

„Mir fällt gerade ein, diese dunklen Kugeln kann man auch abdecken. Wartet mal.“

Der hochbetagte Mann begann in seinem Gepäck zu wühlen und kramte seinen Eimer hervor.

„Das sollte reichen“.

Er deckte die Quelle der Dunkelheit mit dem Eimer ab, woraufhin seine Gefährtin, die Halbelfe Gwaengwen vorstürmte und die Schlangenkreatur begann mit ihren Saigabeln anzugreifen.In der Anwesenheit des großen Schlangenwesens begannen die Schlangen, die von einem Baum in der Nähe hangen, sich ebenfalls zu vereinen. Innerhalb weniger Augenblicke war der Haufen zu Mannshöhe angewachsen und bewegte sich auf die Abenteurer zu. Gordon zog eine Seifenblase aus seiner Rüstung und platzierte sie neben sich.

„Mals sehen wie ihr als Trockenfleisch ausseht!“

Der Hexenmeister führte eine magische Geste aus und auf seinen Befehl verlor die Schlangenkreatur alle Flüssigkeit. Das zurückweichen nutzte Gwaengwen, um sich von ihrem Gegner zu lösen und die neu entstandene, kleinere Kreatur zu attackieren.

Als Helge von seiner leicht erhöhten Position auf dem halb versunkenen Torbogen eine Salve magischer Geschosse auf den belebten Schlangenhaufen abgeben hatte, beschwor der Widersacher erneut eine magische Kugel aus Dunkelheit. Das Monstrum versuchte sich den Angriffen der Abenteurer durch die selbstgemachte Finsternis zu erziehen, um einen nahegelegenen Schlangenhaufen zu einem neuen Verbündeten zu erheben. Soweit sollte es jedoch nicht kommen:

Der weitere Austrocknungszauber, den Gordons Seifenblase als Kopie seines Spruches wirkte, verhinderte dies. Die Kreatur zerfiel in die Reptilien, aus denen sie sich gebildet hatte und hörte auf zu existieren.

Yngwies Druidenzirkel

Die Abenteurer bewegten sich zügig in die Ruine in der der Kampf stattgefunden hatte. Aus dem verfallenen Gemäuer waren  Gesänge in gebrochenem Druidisch zu vernehme.

„Halt, da vorne bewegt sich was! Ich werde mich hereinschleichen!“

Helge streckte seinen Arm aus, um seine Gefährten im Durchgang anzuhalten.

„Du hast den Säuregraben schon gesehen, oder?“

„Was?“

Gwaengwen  packte den Magier am Kragen und zog ihn wieder in den Durchgang, bevor er in den Graben stürzte, der mit einer blubbernden, grün leuchtenden Flüssigkeit gefüllt war.

„Hm… vier Personen. Einer steht auf einem Podest. Die sehen aus, als wären die sehr empfindlich gegen durchbohrt werden.“ Sie legte einen Pfeil an. „Zu einfach…“

„Du willst einfach?“

„Was meinst du?“

Gwaengwen hielt den Bogen gespannt und richtete lediglich ihren Blick auf Gordon, der grinste und seine blau lackierte Armbrust deutete.

„Was’n das?“

„Ach, nur meine blitzeschießende Waffe, die ich vor vier Zehntagen eingesammelt habe und seitdem regelmäßig benutze, um unsere Widersacher mit der Macht eines tosenden Sturmes in Häufchen Asche zu verwanden.“

„Echt? Hab das Ding noch nie gesehen!“

„Probier’s mal!“

„Hier ist der Schalter, mit dem startet man den Aufladevorgang.“

„Ja, und nun?“

„Warten wir.“

„Worauf?“

„Kannst du dich echt nicht an meine Signaturwaffe erinnern? Ich hab damit erst vor einer halben Stunde einen Druiden vom Himmel geschossen?“

„Hm das Ding wackelt mittlerweile ganz schön…“

„Das heißt du solltest sie Richtung Gegner halten und abdrücken.“

„OK… HOLLADIEVERSCHISSENE WALDFEE!“

Ein Blitzschlag von der Größe eines Scheunentores durchzog den Raum und traf einen der Personen, die eben noch in einen Beschwörungsgesang vertieft waren. Die Wucht des Aufpralls Riss den jungen Mann von den Sohlen und ließ ihn an der Wand, an die er geschleudert wurde, zu einem Rußfleck verglühen.

„Ich hab auf den Hals gezielt, habt ihr gesehen, ob ich ihn am Hals getroffen habe?“

„Grundgütiger! Die Ungläubigen dringen in unseren heiligen Zirkel ein!“

Der Möchtegern-Druide, der der Zeremonie scheinbar geleitet hat, wandte sich von den Abenteurern ab und begann, die Treppe, die hinter seinem Podium tiefer in die Ruinen führte, herab zu rennen.

„Ich befürchte, das kann ich dich nicht tun lassen.“

Gordon traf den fliehenden mit scheußlichen Strahlen am Rücken, so dass dieser das Gleichgewicht verlor und die Treppe herabstürzte. Mit einem kurzen Knurren nahm Gweangwen die Verfolgung auf. Mühelos überwand sie den Säuregraben, der sich durch die Kammer zog und stand innerhalb eines Wimpernschlages am Treppenabsatz. Sie blickte herab. Währenddessen hatte sich Helge mittels Eiszaubern um die restlichen Druiden gekümmert und war dabei sie zurechtzuweisen. Gwaengwen rief ihren Mitstreitern zu:

„Leute, ich bin mir nicht o recht sicher, was ich hieraus machen soll.“

„Was siehst du denn?“

Hier is‘ ne Riesenschlange mit ner Tussi aufm Kopf und der Typ, den du grade abgeschossen hast versucht sie anzutatschen.“

„Hmm…“ Gordon rieb sich am Kinn. „Kannst du denn da mal eben rausholen? Ich befürchte das endet nicht gut, wenn der Erfolg hat.“

In diesem Moment trat der Säurefluss über die Ufer, nachdem ein würgendes Geräusch aus der hinteren Kammer gedrungen war.

„Jup, hol‘ den mal hier hoch, wir treten den Rückzug an.“

„OK, ich hab hier meinen treuen Enterhaken!“

„Was willst du denn mit einem Enter….“

Der Hexenmeister wurde vom Geräusch eines Enterhakens unterbrochen, der sich in die Seite des am Boden liegenden Druiden bohrte. Mit einem kraftvollen Zug an ihrem Seil zerrte Gwaengwen den nahezu leblosen Körper die Treppen hoch.

„Rückzug, ja?“

Helge schleifte einen der Druiden über die von ihm erschaffene Eisfläche.

„Helft mir mal, ich meine Leute-herumwuchten-Tage sollten eigentlich hinter mir liegen.“

Zusammen trugen sie die vier schwer verletzten Jungen Männer hastig aus der Höhle und legten Sie im Sumpf ab. Aus der eben verlassenen Ruine drang noch kurz ein Grollen und Zischen, bevor es still wurde.

„Auf der Stirn der Schlange war scheinbar eine Frau eingebettet.“

„Ja, so etwas hatte ich mir gedacht. Aber vielleicht sollten wir denen mal erste Hilfe zukommen lassen? Der hier blutet echt heftig.“

„Ich schätze die Druiden hätten sowas, oder? Von der Ruine scheint erstmal eine Gefahr mehr auszugehen, lasst mal kurz zu den Druiden gehen.“

„Habt ihr eigentlich vorhin gehört, dass hier was gedonnert hat?“

„Haben die Druiden Pauken geschlagen?“

Und nun die echten Druiden

Als sie die letzten Trauerweiden des Monstersumpfes hinter sich ließen, kamen sie unmittelbar im Druidenlager an. Verschiedenste Tierarten mischten sich unter Humanoiden aus allen Ecken der Welt. An einigen Stellen waren sogar laufende Gewächse und Bäume zu sehen. Es waren Zelte und Stände aufgebaut und vielerorts erklang Musik und Gesang. Insgesamt war die Atmosphäre ausgelassen und viele der Druiden, denen die Abenteurer auf ihren ersten Schritten auf dem Gelände begegneten, grüßten sie enthusiastisch. Zumindest diejenigen, die die Verletzten Personen ignorierten und nach schnell und betont uninteressiert weiterliefen.

Einige wiesen sie in Richtung des Heilwort-Standes, als sie um Hilfe für die Angeschlagenen Männer baten.

Der Heilwort-Stand war von zwei jungen Zwergenfrauen besetzt, die Lederrüstungen mit Blätterverzierungen und Stirnbänder mit jeweils zwei einzelnen Federn trugen.

„Ich bin Berti“ Und ich bin Berta!“ „Wie können wir euch helfen?“

„Ahhh… ich seh‘ schon, wir gehen dann mal an die Arbeit“

Während Berta begann den verletzten Druiden in die Ohren zu flüstern, wandte Berti sich Helge zu:

„Meine Güte, du bist ja schnuckelig? Und erst dieses Eau de Toilette. Irgendwas magisches, oder? Bist du Zaubrer?“

„Ahem… ja? Versuchst du mich gerade anzugraben? Ich bin zu alt für sowas.“

„Ach was wie alt bist du? 120 Jahre? Ein bisschen Erfahrung brauche ich auch, wenn du verstehst was ich meine.“

Die Zwergenfrau zwinkerte Helge vielsagend zu, dessen Gesicht daraufhin erstarrte.

„Fußbad, ich rieche nach Fußbad“

Während der betagte Zauberer sich der Avancen der Druidin erwehrte, versucht Gordon per Telepathie Informationen aus dem jugendlichen Möchtegern-Kultisten zu extrahieren, die sie mit sich hierhergebracht hatte.

Er gab sich als Gottheit aus und konnte dem Anführer des inoffiziellen Zirkels tatsächlich entlocken, was dieser vorhatte: Eine Kreatur hatte mental mit ihm Kontakt aufgenommen und ihm versprochen, er würde einen hohen Posten bekleiden, wenn sie erst ihr Königreich wiedererrichten konnte. Zu diesem Zwecke seinen lediglich devote Gläubige nötig, davon war der Kultistenführer überzeugt. Auch seinen Namen konnte Gordon erfahren: Yngwie Malmsteen. Nachdem die Informationsbeschaffung erfolgreich war, entschied der Hexenmeister sich, noch etwas Spaß mit dem bemitleidenswerten jungen Mann zu haben. Er übermittelte ihm telepathisch:

„Hey siehst du die Halbelfe da drüben? Grab sie mal an.“

„Was ? Na gut, was auch immer ihr verlangt.“

Yngwie bewegte sich langsam und verschüchtert auf Gwaengwen zu:

„Verzeiht, aber waren eure Eltern Diebe?“

Die Halbelfe blickte von dem soeben von Berta geheilten, bewusstlosen Druiden auf, denn sie an ihren Stand gelehnt hatte, um seine Taschen zu durchsuchen.

„Und wenn das so wäre? Bist von der Polizei? Verzieh dich, sonst sorge ich dafür dass du ‚ne bessere Durchlüftung in der Körpermitte hast!“

„Weil sie den schönsten Stern vom Himmel geholt haben?“

„Pass auf, du siehst gleich Sterne!“

Gwengwen verpasste Yngwie eine Ohrfeige. Der junge Mann hatte mit seinem hageren Körper und seinen frischen Verletzungen nicht viel entgegenzusetzen und ging zu Boden.

„Puh… Haben wir vielleicht noch was hier zu tun?“

Gordon schloss zu Ihr auf, als sie auf dem Absatz kehrt machte und den Druiden im Staub zurückließ.

„Ich hab eine Menge neues erfahren, lass mal dem Erzdruiden einen Besuch abstatten. Helge, kommst du?“

Der Zauberer wandte sich aus Bertas Umarmung und passte seine Geschwindigkeit seinen Gefährten an.

Nach einem kurzen Fußmarsch waren die Abenteurer am Zelt von Shirell, dem Erzdruiden angelangt. Der alte Mann saß davor im Schneidersitz und meditierte. Eine buschige Augenbraue mit grauen Sprenkeln hob sich, als sie zu ihm traten und er begrüßte die Neuankömmlinge:

„Ihr hab sie gesehen.“

„Die große Schlange mit der Frau in der Stirn, ja was genau ist das?“

„Eine Urschlange. Ein Schutzgeist, der die Natur im Gleichgewicht hielt. Sie kam aus dem Loch, dass vor ein paar Tagen etwas östlich von hier entstanden ist. Wir versuchen schon seit geraumer Zeit mit ihr Kontakt aufzunehmen. Aber der Geist antwortet nicht. Als wäre eine andere Wesenheit in Ihn gefahren und habe unsere Verbindung mit ihm getrennt. Wir wissen nicht genau was zu tun ist. Wir können die Kreatur nicht töten, aber sie scheint ein Risiko für das Gleichgewicht darzustellen.“

„Hm… schwierige Lage. Weißt du was über die da hinten?“

Gwangwen deutete auf die beiden Riesen, die unübersehbar etwas entfernt von Shirells Zelt auf dem Lagerboden saßen.

„Der Neuankömmling mit seinen beiden Kameraden hat nach euch gefragt. Wir haben gesagt, dass ihr beschäftigt seid, aber er meinte, er würde warten.“

„Was soll‘n das heißen?“

„Er sagte, er habe jetzt so viel investiert, er wäre nicht bereit zu gehen.“

„Fein, ich schau mir den mal an.“

Mit einer eleganten Flugrolle verschwand Gwaengwen hinter den Zelten und schlich sich schnell und ungesehen an den Fremden und seine zwei Wolkenriesen-Begleiter heran.

Aus der Nähe sah sie einen glatzköpfigen Mann von hohem Wuchs, aber seltsamen Proportionen. Seine Beine und seine Arme waren etwas zu kurz für seinen Körper. Seine Augen etwas zu nah beieinander. Wann man dieser Person gegenüberstand, waren seine etwas falschen Proportionen allerdings das letzte, was ins Auge sprang, denn der Fremde war in außerordentliche Kleidung gehüllt:

Seine goldglänzenden Schuhe mit Purpursaum liefen in nach oben gebogenen Spitzen zu, sein Mantel war aus Pelz mit schwarzen Punkten und mit einem Augenmuster verziert. Gekrönt wurde die durch und durch merkwürdige Erscheinung von einem Schnurrbart, der den Gesetzen der Schwerkraft zu strotzen schien. Er ragte mehrere Zoll über beide Seiten des Kopfes. Es wäre mit Sicherheit über alle Maßen schwer einen zweiten Bart von solcher Form und Fülle in ganz Tiefwasser zu finden. Das der Fremde von zwei Sturmriesen begleitet wurde, unterstrich seinen unmissverständlichen Anspruch, massiv aufzufallen, noch.

Gwaengwen konnte von ihrer Position nix weiter ausmachen, außer dass die Riesen gelegentlich nach der Zeit fragten, also kehrte sie zu ihren Gefährten zurück.

„Der‘s komisch, aber scheint tatsächlich nur zu warten.“

„Na dann Schauen wir uns den doch mal an.“

Und wie sie auf den merkwürdigen Mann zuschritten, gedachten sie Ihrer Reise bisher.

Helge ging im Geiste die ihm bekannten Herrendüfte durch und fragte sich, welchen davon er versehentlich in sein Fußbad gegeben haben könnte.

Gordon schmunzelte ob der furchtbaren Verführungskünste Ingwies und nahm sich vor ihn bei Gelegenheit erneut in Bedrängnis zu bringen. Vielleicht mit einem der Riesen?

Gwaengwen war stolz ihren Enterhacken für die Rettung einer Person benutzt zu haben. Man konnte auch Einbruchswerkzeug für diesen ganzen Wohltätigkeitskram einsetzten.

Es gibt halt solche Druiden und solche Druiden (The Iron Lions)

2 thoughts on “Es gibt halt solche Druiden und solche Druiden (The Iron Lions)

  • 2. Oktober 2019 um 21:27
    Permalink

    tl:dr:
    1. Ihr habt die Schlangenkreaturen besiegt.
    2. Ihr habt die Urschlange mit Person in der Stirn in den Ruinen gesehen und Yngwie den Möchtegern-Druiden bekämpft.
    3. Ihr seid ins Lager und habt dort erfahren, dass ihm das blaue vom Himmel versprochen wurde.
    4. Ihr habt von Shirell erfahren, dass die Druiden nichts unternehmen können, aber die Urschlange scheinbar besessen ist.
    5. Ihr habt euch entschieden, mit dem seltsam gekleideten Mann im Druidenlager zu sprechen.

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