Die zentrale Kammer (The Iron Lions)  

Niewinter, Ja?

Deeca der Zwerg, ehemaliger Wachmann von Tiefwasser, war in den letzten Zehntagen mit seinen Gefährten durch die Kanäle und die Höhlen unter der Stadt der Wunder gereist. Tiefwasser war Opfer einer verheerenden Krankheit geworden und eine kleine Gruppe von Abenteurern war verschiedenen Spuren nachgegangen, um der Lage Herr zu werden. Deeca hatte Tiefwasser einst gedient und war entschlossen, erneut zu tun, was in seiner Macht stand, um der Stadt zu helfen.

Genau, mein Junge, Wir gehören zur Miliz der Stadt. 

Er hatte in einer Höhle unter der Stadt ein riesiges Gebäude gefunden, von dem verschiedene Parteien überzeugt waren, dass es eine Macht beinhaltete, die die Stadt, die weiter oben unter der Krankheit und schlimmeren, bösen Kräften ächzte, zu befreien vermochte. In diesem Gebäude, bekannt als Sternenstaubnekropole, hatte er mit seiner Gruppe andere Personen getroffen, die ebenso versuchten, die Geheimnisse und Schätze der Nekropole an sich zu reißen. Er stand einer von ihnen gegenüber: Einem Zwerg, der sich als Zak Starkey vorgestellt hatte.

Ihr tragt keine Abzeichen.

Deeca hob eine Augenbraue. Er war froh, hier nach den Ereignissen der letzten Zehntage auf andere Zwerge zu treffen. Das diese mit ihm eine Profession teilten, war ihm dann aber doch etwas zu viel des Zufalls. Zak war schmal und drahtig – für einen Zwerg – Seine Bewegungen waren nicht die eines Soldaten, der in Formation marschiert, sondern hatten Finesse und Schwung. Er trug seinen pechschwarzen Bart vergleichsweise kurz und war nur leicht bewaffnet

Genau, wir sind inkognito unterwegs. Offiziell handeln wir in keinster Weise mehr im Auftrage Niewinters.

Wir sind hier, um Tiefwasser zu unterstützen, und zwar in einer Weise, die weder den Lords noch Dagult im Nachhinein politisch schaden könnte.

Politik.

Deeca verdrehte die Augen.

Sein gegenüber hob beschwichtigend die Hände. Er trug keine Handschuhe und keine Ringe. Deeca schien es, als wollte er möglichst wenig auffallen. Er bemühte sich, etwas bemerkenswertes an Zak zu finden. Er trug seine tiefschwarzen Haare kurz geschoren und seine Stirn lag in Furchen, aber er hatte keine Narben.

Warte… Dagults Leute haben in alten Bibliotheken und mit Erkenntnis-zaubern herausgefunden, dass sich mittels der Sternenstaubnekropole und ihres Inhaltes möglicherweise die Pest in Tiefwasser zurückdrängen ließe.

Und Wahrscheinlich ist ein von Tiefwasser kontrolliertes Gemäuer voller Kristallsoldaten etwas, was unter normalen Umständen seinem Zugriff verwehrt bleiben sollte, oder?

Ich habe nie behauptet, dass wir Tiefwasser uneigennützig helfen würden. Es kommt doch darauf an, dass ihr unsere Hilfe bekommt, oder?

Natürlich. Seid Ihr bereit, eure Informationen mit uns zu teilen? Es scheint als hätte Ramone am meisten Ahnung, welche Gefahren hier lauern…

..und was es konkret ist, das alle hier suchen.

Nun…

Wir haben ein ausführliches Dossier zum Aufbau, den Sicherheitsmaßnahmen und der Geschichte der Sternenstaubnekropole mitbekommen, als wir aufgebrochen sind.

Deeca bedeutete Zak mit einer Handbewegung fortzufahren, als der Zwerg stockte und den Blick senkte.

Unser Barde hatte die Papiere bei sich. Da diese Mission streng geheim ist, hatten strickte Anweisungen, die magischen Siegel erst vor Ort zu öffnen.

Keiner von euch sieht aus wie ein Barde.

Nein, er ist nicht mehr bei uns. Wir haben die Sternenstaubnekropole aus den tieferen Höhlen erreicht und haben sie durch den unteren Eingang betreten. Obwohl wir extrem vorsichtig waren und unterwegs nur das Nötigste von einem Händler in den Höhlen gekauft hatten, schien uns jemand gefolgt zu sein. Während im ersten Raum der Nekropole rasteten, muss uns etwas angegriffen haben, jedenfalls waren sehr schnell die Hälfte unserer Truppe mit seltsamen Kristallen überseht und griffen uns wie wild an. Wie haben den Fahrstuhlschacht benutzt, um hierher zur Spitze zu kommen und haben den Schacht hinter uns verschlossen.

Aber eure Gefährten sind aus dem Raum entkommen.

Du hast Sie gesehen?

Ja.

… Sie reagieren auf Geräusche. Wenn irgendwo zu viel Krach ist, kommen Sie durch irgendwelche Schächte gekrochen.

Kurz gesagt, Eure Dokumente werden von untoten Zwergen mit gewaltigem Kater bewacht.

Die Bemerkung reichte aus, um Zak daran zu erinnern, wie Zwerge die gefallen ehren. Einem Außenstehenden wäre keine Gemütsregung aufgefallen, aber Deeca nahm sehr wohl war, dass für einen Moment ein Lächeln über die Lippen des Zwerges huschte.

Wir sind nicht hier, um uns mit Ihnen Anzulegen.

Das verstehe ich.

Ich werde kurz mit meinen Freunden die Strategie überdenken.

Mach das.

Zak zog sich in den Raum zurück, in d m die Zwerge Ihr Lager aufgeschlagen hatten. Sie bewohnten ein Viertel der Pyramidenspitze. Deeca war zu den Zwergen in ihr Nachtlager getreten, nachdem er und seine Gefährten von einem Menschen namens Johnny Ramone den Schließmechanismus der zentralen Kammer der Sternenstaubnekropole erläutert bekommen hatten. Seinen Angaben zufolge mussten vier Schalter kurz nacheinander betätigt werden. Diese befanden sich jeweils am Ende der gesicherten Viertel der Nekropole.

Der Zwerg wandte sich von Zak und seinen Leuten ab und trat in den benachbarten Raum. Seine Gefährten waren damit beschäftigt, ihrem Barden Percy zu lauschen. Er spielte den bekannten Froschsong. Deeca bemerkte, wie die Zwerge etwas die Gesichter verzogen, sich aber dann doch wieder abwandten.

Sein Blick fiel auf die Halbelfe Gwaengwen, die in einer Ecke des Raumes auf dem Bauch lag und Spielkarten in der Hand hielt. Ihr gegenüber saß eine weißhaarige, zierliche Elfe in einem grünen Umhang mit Kapuze, die auch gerade dabei war, ihr Blatt zu sortieren. Der Wächter war verblüfft, über welche Trivialitäten die beiden Jungen Frauen plauderten. Deeca, der öfters mit Kleinkriminellen zu schaffen hatte, war immer wieder verwundert, welche Seelenruhe diese immer wieder an den Tag legten, obwohl die Situation um sie herum eher ernst war. Er nahm sich vor, Gwaengwen bei Gelegenheit danach zu fragen.

Die Halbelfe plauderte derweil heiter mit ihrer Spielpartnerin, Shirley. Die beiden bedienten Sich der Diebessprache, um ihre tatsächliche Konversation wie lapidares Geplauder über den Unterschied zwischen Melonen-pink und Lachs-rosé erscheinen zu lassen. In Wirklichkeit diskutierten die beiden Schurken, ob Sie Johnny Ramone , töten sollten.

Während der Unterhaltung hielt Gwaengwen den gesamten Raum im Blick, so entging ihr auch der weiß gekleidete Junge Mann nicht, der etwas abseits vor einer kleine Kerze saß und deren Flamme immer wieder leicht anhauchte. Geoff von der Kerzenmachergilde hatte den Auftrag, die Gefährten zu begleiten. Er war allerdings sehr ruhig gewesen, seit Gwaengwen mit ihm über das Geschäftsmodell der Kerzenmacher geredet hatte.

Nachdem auch Gordon, der Halbelfen – Hexenmeister und Percy der Barde in die Strategiediskussion einbezogen wurde, entschieden die Abenteurer, die Gruppen, in denen die zentrale Kammer erreicht werden soll, neu aufzuteilen.

Zak stimmt diesem Plan von ganzem Herzen zu, denn auch dem Zwerg war etwas unwohl dabei, sich auf Johnny Ramone und seinen seltsamen Begleiter verlassen zu müssen.

Die Abenteurer und Ihre Verbündeten riefen den Schurken Ramone herbei und erläuterten Ihren Plan. Er stimmte zu.

Gordon der Hexenmeister fand die Einsichtigkeit des Menschen eher verdächtig. Ramone war erstaunlich gut über die Funktionen der Sternenstaubnekropole informiert und hatte mehrmals durchblicken lassen, das er einen Auftraggeber hat, der ein Interesse daran hat, in Tiefwasser wieder Ordnung zu schaffen. Da er sich aber bisher geweigert hatte, Preis zu geben, um wen es sich handelt, beschloss Gordon, ihn zu belauschen. Der Hexenmeister benutzte seine Fähigkeiten um Johnny zu belauschen, als dieser sich mit seinem Freund für eine Beratung zurückzog.

Es ist einfach. Warte, bis möglichst viele von ihnen da sind.

„Verstanden“

Obwohl Gordon nicht ganz verstand, was damit gemeint sein Könnte, teilte er Deeca mit, was er gehört hatte. Der Zwerg war eingeteilt, Frank und einen Zwerg zu begleiten. Seine Gruppe betrat die Nekropole von außen. Die Wächter denen sie sich auf Ihrem Weg zur zentralen Kammer konfrontiert sahen, bekämpfte Deeca mit großem Geschick. Während sein zwergischer Begleiter sich alle Mühe gab, ihn zu unterstützen, schien Frank keine große Hilfe. Der Elf stand uninteressiert herum und machte wenig Anstalten, die Golems, die – wie zuvor – immer wieder neu entstanden zu bekämpfen. Nachdem Deeca und ihr Zwergen-Begleiter einen der Räume hinter sich ließen und die Treppe betraten, die in Richtung der zentralen Plattform führte, stellten Sie fest, das Frank zurückgeblieben war. Der kleine Elf befand sich noch im eben durchquerten Raum, in dem sich immer mehr Kristallgolems aus den Wänden schälten.

Mann, beweg‘ dich, Baumschmuser, das werden immer mehr!

Frank trat an das obere Treppenende.

Sein Schatten selbst begann zu flackern und hinter ihn trat eine Schattenpuppe, wie die Abenteurer sie zuletzt in Garibaldis Zirkuszelt gesehen hatten, hervor.

Die Metallplakette auf der Stirn der Schattenpuppe veränderte ihr Symbol und das Kostrukt stürzte sich auf Deeca und den Zwerg.

Das ist nicht so gut, renn!

Deeca stürzte die Treppe herab und drehte sich noch einmal um, nur um mit anzusehen, wie sein Begleiter von etwa einem Dutzend mit Messerhänden versehenen Konstrukten zerfetzt wurde. Der Wächter schluckte, fluchte etwas unter seinem Bart und sprintete in Richtung der zentralen Plattform. Als er sich dieser näherte, erschienen die größeren Kristallgolems wie zuvor und griffen nach ihren Waffen.

Er wich einem Schwertschwung der riesigen, belebten Statue aus und kippte dabei vornüber.

Denkste! Heute gehe ich nicht vor die Hunde!

Die zentrale Kammer (The Iron Lions)
Kristall Golem

Eine Rolle zur Seite ließ die Klinge des zweiten Golems seinem Arm um Haaresbreite verfehlen.

Ihr dämlichen, wandelnden Perlenketten!

Der Zwerg spannte die Körpermitte an und zog seine Knie zur Brust, um einem weiten Hieb des Großschwertes seines zweiten perlmuttfarbenen Gegners zu entgehen.

**** dich du *** ich * dein* in dein ***!!

Er presste seine Stiefel gegen die am Boden kurz unter der Wucht des Schlages verharrenden Klinge und stieß sich davon ab.

Das Schwert wurde davon gestoßen und Deeca begann, in Richtung der Tür in der Mitte der Plattform zu gleiten.

Kurz vor dem Eingang richtete er sich auf und hämmerte auf den Knopf, der die Schleuse zur mittleren Kammer rotieren ließ.

Er fasste sich kurz. und betätigte den Schalter.

Percys Weg durch die Nekropole war weniger ereignisreich. Der Barde war mit Geoff und einem von Zaks Männern durch den Weg zur Mitte der Pyramide gegangen, der den geringsten Widerstand stellte. Das Trio konnte nahezu problemlos die zentrale Plattform erreichen und sich in die Schleuse begeben.

Gordon war mit Zak und Shirley aufgebrochen. Während der Zwerg die Kristallgolems in Schach hielt, sprang Shirley von einem Gegner zum nächsten und attackierte Gelenke und Kniekehlen der Konstrukte. Es war dieser Gruppe problemlos möglich, die Wächter schneller zu zerstören als sie neu in den Räumen erschienen. Gordon hielt per Telepathie Kontakt zwischen den Kämpfenden und führte immer dann präzise Angriffe mittels einfacher Magie oder seinem Arsenal magischer Waffen aus, wenn Zak oder Shirley sich auf Grund eines seiner – mental übertragenen – Wortspiele genötigt fühlten, mit den Augen zu rollen. Als die Schleuse zur zentralen Kammer sich schloss, ließ es sich der Hexenmeister nicht nehmen, die die gerade wieder entstehenden Golems mit einem kleinen Spotttanz zu bedenken.

Gwaengwen war mit Johnny Ramone aufgebrochen. Der Zwerg, der die beiden begeitete, tat sein bestes, die Wächter der Nekropole zurückzudrängen. Währenddessen unterhielten sich die Schurken scheinbar über die verschiedensten Themen, von Häkeln bis zur Zucht von Kampfhähnen. Da die beiden Gaunersprache benutzten, konnte der Soldat nicht verstehen, dass Johnny Gwaengwen in seinen Plan einweihte, in der zentralen Kammer als Herrscher der Sternenstaubnekropole verkleidet die letzten Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen.

Entsetzt sieht der Zwerg, wie die Halbelfe den Menschen mit einem Stakkato an Messerstichen niederstreckt, bevor dieser sich mental von seiner diesseitigen Existenz verabschieden kann. Für den zutiefst schockierten Zwerg war eine Diskussion über die Notwendigkeit eines Fingerhutes für Stickereien gerade in einen Spontan-Mord übergegangen.

Gwaengwen verstaute die Habseligkeiten ihres Opfers in Ihren Taschen: Eine exotische – wenn auch billig gemachte – Verkleidung, ein Plüsch-Betrachter, ein Taschenspiegel ohne Spiegelbild, zwei verbundene Zauberstäbe und eine obszöne Menge Goldmünzen, sowie eine Brille mit Smaragden als Gläser.

Komm schon, der hatte so was von Dreck am Stecken, das wusstet Ihr doch auch. Komm, wir haben ’nen Termin.

Die Halbelfe schob den Zwerg in die Schleuse und betätigte den Schalter.

Als sich die zentrale Kammer öffnete, erblickten die Abenteurer Ihren Inhalt, sowie die anderen Gruppen, die aus den anderen Nekropolen-vierteln zur Mitte gekommen waren.

Die zentrale Kammer (The Iron Lions)

2 thoughts on “Die zentrale Kammer (The Iron Lions)

  • 12. Januar 2019 um 16:32
    Permalink

    tl:dr:
    1. Ihr habt die Gruppen neu aufgeteilt und seid durch die vier Viertel in die zentrale Kammer vorgedrungen.
    2. Deeca hat Franks Dämonenkraft gesehen und seinen Begleiter durch sie verloren.
    3. Gwaengwen hat von Ramone Einzelheiten zur Nekropole erfahren, ihn umgebracht und seinen Kram geklaut.
    4. Alle außer Ramone, Frank und einem der Zwerge haben die zentrale Kammer erreicht.

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