Der frostige Coup

Nachdem wir auf Svardborg angekommen waren, suchten wir nach der Hütte des Jarl. Wir wollten größere Konflikte vermeiden, deswegen hatten wir uns extra die Frostriesen als Ziel ausgesucht. Laut des Orakels sollte das Muschelhorn, das uns zum König der Riesen bringen konnte, auf dem Thron des Jarl liegen. Wir hofften, dass es dort allein sein würde. Und so gingen wir zur ersten riesigen Hütte, die ganz in der Nähe unseres Landeplatzes war.

Die Tür des Gebäudes war wirklich riesig, aber sie ließ einen kleinen Spalt offen, durch den man schauen konnte. Im Inneren befanden sich anscheinend viele Frostriesen, die ausgelassen feierten. Was hätte ich nur darum gegeben, an dieser Feier teilzunehmen und mit den Riesen Geschichten teilen zu können. Doch nach den jüngsten Ereignissen in Bryn Shander, wäre das wohl keine so gute Idee gewesen. Ob sie sich an eine feuerballschleudernden Tabaxi auf der Nordmauer erinnern würden? Wenn einer der Riesen dabei war, dann wohl mit Sicherheit. In diesen Landen übersah so gut wie niemand meine Anwesenheit. Während wir überlegten, wie wir das Muschelhorn am schnellsten finden konnten, wobei Aeckert seine Magie nutzte und die Zeichen deutete, zog Blm die Kapuze seines Umhangs über, verschwand und verabschiedete sich mit den Worte „Ich bin gleich wieder zurück.“

Von wegen. Keine Ahnung, wohin der Gnom verschwunden ist, aber er ließ und ziemlich lange warten, viel zu lange. Vermutlich war er in das Gebäude geschlüpft, erkundete es und suchte nach wertvollen Sachen oder ähnliches. Der kleine Kerl ist mir ja ziemlich suspekt. Ich vertraue ihm nicht. Das würde ich bei niemanden tun, der sich der Nekromantie verschrieben hatte, wie Blm es anscheinend machte. Ich mache mir ja Sorgen um seine Schüler, die er übrigens auch einfach so ohne Anweisungen zurückgelassen hatte. Aber sie werden schon noch erkennen, wer sie da unterrichtet. Zumindest hoffe ich das. Daher haben wir, nachdem wir beschlossen hatten selbst auf Kundschaft zu gehen, sie auch nicht eingeweiht. Sie sollten sich ein paar Gedanken machen, allein im feindlichen Gebiet (wobei Myra ja bei ihnen blieb), ohne nähere Unterstützung durch Blm. Jedenfalls machten sich Kisa’ana und ich los zu der längsten Hütte, die es in diesem Gebiet gab. Ich muss hier auch noch betonen: Sie macht das echt gut. Kisa’ana ist eine super Späherin. Sie war völlig lautlos und nahezu nicht zu sehen, obwohl sie kein Tabaxi war.

An der langen Hütte angekommen, lugten wir wieder durch den Spalt der riesigen Tür und es sah tatsächlich nach der Hütte des Jarl aus, mit mehreren Tischen für Gäste und Dracheneiern. Ja, Dracheneier. Keine Ahnung, was die Riesen mit ihnen vorhatten. Sobald ich weiß, standen Drachen und Riesen in einem Konflikt zueinander. Vielleicht hatten sie die Eier, um einen Drachen in der Nähe an Angriffen zu hindern oder zu erpressen. Oder sahen sie Dracheier vielleicht als Delikatesse an? Ich muss das unbedingt in Erfahrung bringen. Wie dem auch sei, die Halle wurde von Eismephits bewacht. Kisa’ana und ich beschlossen, dass es zu gefährlich war, in die Halle zu gehen. Wahrscheinlich würden die Mephits Alarm schlagen und dann wäre hier was los gewesen. Also suchten wir einen anderen Weg, den wir im 1. Stock durch eine Öffnung auch fanden. Über magische Kommunikation holten wir auch Aeckert dazu und als dunkler Riesenadler trug ich die beiden hinauf. Oben angekommen konnten wir den Thron des Jarl sehen und auf ihm lag tatsächlich das Muschelhorn. Dummerweise waren auch mehrere Frostriesen und Frostwölfe zur Wache abgestellt. Daneben bewegte sich auch noch ein Mensch durch den Raum, ein Zentarim, wie mir Aeckert sagte. Sein Name war wohl Nilraun Dhaerlost und er war anscheinend ein Magier. Nicht, dass ich von ihm gehört hätte, aber Aeckert sagte er etwas. Was auch immer er bei den Frostriesen machte, es konnte nichts Gutes bedeuten.

Wir blieben aber bei unserem ursprünglichen Plan und überlegten, wie wir das Muschelhorn ohne entdeckt zu werden klauen konnten. Währenddessen rief Aeckert Blm und die anderen auf magischem Wege. Obwohl Kisa’ana ein Seil hinabließ, um den anderen zu helfen, zu uns zu gelangen, brauchten sie eine Ewgikeit, bis sie es geschafft hatten, hauptsächlich wegen Mi. Ich sollte ihr noch einmal den Tipp geben, dass auch Magieanwender ein gewisses körperliches Training benötigen. Mindestens, um im Notfall schneller rennen zu können, als ein Verfolger. Mal ehrlich, wer braucht eine halbe Stunde, um so ein kleines Seil hinaufzuklettern? Ich war schon kurz davor, mich zu erbarmen und sie über Telekinese zu uns zu heben. Aber das hätte auch nicht geändert. So hat das Klettern hoffentlich eine Wirkung erzielt. Vielleicht hat sie morgen ja einen dicken, fetten Muskelkater. Ich sollte Blm raten, bei der nächsten Mahlzeit auf viel Fleisch für Mi zu achten. Wo war ich? Ach ja, wir teilten dem Rest den Plan mit: Ich wollte mich unsichtbar zum Thron schleichen und dabei magisch meinen Geruch vor den Wölfen verschleiern, das Horn klauen und zurückkehren, damit wir hineinblasen und sofort verschwinden konnten. Sollte ich bemerkt werden, so würde ich so schnell es geht zum Muschelhorn rennen, es schnappen und mich mit einem Donnerschritt zu ihnen teleportieren, um dann zu verschwinden. Hmm, mir fällt gerade ein, was das mit dem Thron des Jarl gemacht hätte. Man, wär der vermutlich wütend gewesen. Aber zurück zum Plan. Meine Begleiter hätten mir in dem Fall natürlich Rückendeckung geben und die Wachen behindern sollen. Aber so sinnvoll diese Überlegungen waren, wir brauchten sie nicht. Tatsächlich gelang mir der Coup. Ich schnappte mir das Muschelhorn, kehrte zurück zu meinen Gefährten und blies hinein, was uns direkt zum Mahlstrom beförderte…

Der frostige Coup (The Outbreaks)

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