Warum? Warum musste das ganze nur so außer Kontrolle geraten? Wenn ich nicht vom Gegenteil überzeugt wäre, würde ich meinen, dass es die Götter, oder zumindest einer unter diesen auf mich und meine Pläne abgesehen hat. Was passiert ist kann ich jetzt leider nicht mehr ändern, aber ich sollte meine Lehren aus dem heutigen Tag ziehen. Aber wo soll ich nur anfangen?

Liara Portyr, Oberbefehlshaberin der Festung Beluarian

Ach ja, bei Rokah. Baum, Romero und ich saßen also im Warteraum der Festung. Das ganze erinnerte mich mehr an eine Jägerhütte mit all den ausgestopften Tierschädeln an den Wänden, aber solange diese sich mir nicht zuwendeten und mich auch noch zum Teufel jagen wollten, war mir das recht. Lange dauerte es nicht, bis dann auch die Befehlshabende Offizierin der Festung uns einen Besuch abstattete. Romero nutzte diese Chance gleich und begann die Verhandlungen. Mit einer Eloquenz, die ich noch nie aus seinem Mund hören durfte, fing er an der Offizierin eine komplett erlogene Geschichte aufzutischen. An mancher Stelle wich ihm seine Brillanz und ich dachte schon, dass die Offizierin, Liara Portyr, seine Lügengeschichte durchschauen würde, aber dies blieb uns zum Glück erspart. Und so machte Romero weiter. Schließlich kamen wir zum Thema der Entdeckerlizenz. Entgegen aller Einschätzungen, scheint die Flammende Faust gar nicht so blutrünstig zu sein. Gauner mögen sie zwar sein, vor allem wenn ich bedenke dass sie einen Anteil von allem was im Dschungel gefunden wird wollen. Aber sie kommen mir nicht wie Erpresser vor. So kam unser Gespräch auch irgendwann zu seinem Ende. Frau Portyr wollte bevor wir die Lizenz nun endgültig erwerben würden uns anbieten, dass wir auch einfach für die Flammende Faust arbeiten könnten, was in diesem Moment und später beim Erwerb der Lizenz allerdings abgelehnt wurde. Auch wenn das Kopfgeld für jeden Untoten nicht schlecht klang…

Inzwischen meinten wir auch ihm genug Zeit verschafft zu haben, dass er die Kammer der Offizierin untersuchen konnte, mussten ihm aber mitteilen, dass Sie auf dem Rückweg war. Wir brauchten etwas Lautes. Und so kam ich spontan auf eine Idee und riss Romero um. Seine Ausrüstung hörte man sicher durch die gesamte Festung schallen. Er verstand meine Intentionen, im Gegensatz zu Baum, anscheinend auch und spielte mit. Er schlug einmal an mir vorbei, ich schrie ihn an, sogar die Wachen kamen schon. Also wenn das nicht genug Ablenkung sein sollte, wusste ich auch nicht weiter. Und als wir aus der Festung austraten warte auch schon Rokah auf uns. Wir fragten ihn, was er den gefunden habe und meinte nur ob wir den uns den inzwischen eine Ablenkung ausgedacht hätten…
→ Ein Plan, der noch so gut durchdacht ist, versagt beim ersten Kontakt mit Verbündeten

Wir brauchten also einen neuen Plan. Inzwischen scheinen alle anderen auch zusammengefunden zu haben und leider hatte sich die unhöfliche Frau von vorhin auch zu unseren Kameraden gesellt und wollte an unserer Unternehmung teilhaben. Normalerweise hätte ich sie gemustert, dass wir keine so taktlosen Individuen, oder zumindest noch mehr davon, in unserer Gruppe benötigen. Zu meinem Erstaunen aber schien sie wesentlich umgänglicher als zu der Zeit als ich sie kennenlernen durfte. Ich machte ihr klar, dass sie trotzdem neue Leute nicht erst anmachen und sich später, wenn es ernst wird, entschuldigen sollte. Ich wollte ihr dann aber nicht zu nachtragend sein und da die anderen sie anscheinend schon in unserer eh schon viel zu großen Gruppe willkommen hießen, hatte ich nicht wirklich eine Wahl.

Erschwerend kam hinzu, dass Baum uns allen mitteilte, dass er uns verlassen möchte. Der Abschied von Neris scheint ihm schwer gefallen zu sein und deshalb möchte er ihr hinterher und sie bis in ihre Heimat begleiten. Ich bin zwar froh dass er uns überhaupt Bescheid gibt, aber ich weiß nicht ob wir es uns leisten können ihn zu verlieren. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die anderen seinen Wunsch verstehen und ihm diesen nur zu gerne erfüllen werden. Meine Bedenken würden wahrscheinlich nicht viel ändern. Und da das Alles noch nicht genug war, fiel mir Bee auf. Ich weiß nicht, was sie geritten hat sich am helligsten Tag und in dieser Hitze zu betrinken, aber in dem Zustand, in welchem sie sich befand, konnte ich sie zu garnichts gebrauchen. Ich meinte nur zu ihr, dass sie sich nicht weh tun solle und hoffte, dass sie sich einfach etwas zurückhalten würde. Bei dem Plan, der nebenbei ausgearbeitet wurde, war das wahrscheinlich auch das Beste. Aber das gab unserer neuen Begleiterin die Chance sich zu beweisen. Sie scheint eine Magierin zu sein und sich, nach ihren Worten, mit Methoden auszukennen, die eine Ablenkung relativ einfach machen sollten.
Auch wenn eine Magierin eine unangenehme Zeitgenossin ist, ist eine Magierin immer nützlich

Nach einiger Grübelei kamen wir auf die Idee, die Riesenechsen, welche wir in den Stallungen der Festung sahen, freizulassen. Cathari, unsere neue sehr hellhäutige Begleiterin, erklärte sich bereit diese Aufgabe mit ihrer Magie zu übernehmen und dann sogar noch etwas mehr Chaos zu stiften indem sie die große Glocke auf einem der Wachtürme schlagen würde. Baum sollte in der Zwischenzeit die Dinos darauf hinweisen, dass sie nicht komplett wild drehen sollen und einfach nur aus dem Fort hinauslaufen sollen. Alle erklärten sich bereit und schon ging es los. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Baum kam von den Echsen wieder, Cathari befreite diese und lies kurz darauf auch die Glocke erschallen. Und trotzdem lief wieder etwas schief. Die Dinosaurier rannten nicht an uns vorbei und durch das Haupttor, sondern direkt nach oben und damit gegen die Wand der Festung. Als wir ihnen nachrannten, blickten wir auf ein Massaker. Die kleineren fleischfressenden Echsen stürzten sich auf die Wachen der Festung. Zum Glück waren diese aber in der Überzahl und konnten die Bestien überwältigen bevor es zu zu vielen Verlusten kam… auch wenn die zwei, die es erwischt hat, schon zu viele sind.

Zumindest scheint sich das ganze gelohnt zu haben, da nach kurzer Zeit auch Rokah wieder an unserer Seite war. Ich wollte in dem Moment zwar nichts von seiner Aktion hören, habe aber inzwischen mitbekommen, dass er die benötigten Informationen bekommen hat.

Ich weiß ich sollte froh darüber sein, dass wir Fortschritte gemacht haben. Schließlich bin ich meiner Geliebten und einem sorgenfreien Leben ein Schritt näher gekommen. Aber irgendwie schüren sich bei mir weitere Bedenken. Unsere Gruppe macht in letzter Zeit einige Veränderungen mit. Baum jetzt zu verlieren könnte drastische Folgen haben. Und bezüglich Cathari bin ich immer noch zu keinem klaren Entschluss gekommen. Sie hat etwas an sich, was mir Unbehagen bereitet. Und Besuche hatte ich die letzten paar Tage auch keine mehr…

Das Tagebuch eines Soldaten: Eine Festung im Chaos (Raven Guard)

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