15. Flammerule 1488

Selbst eine Furt ist in diesem Land eine Todesfalle

Um zu der Krankheit zurückzukommen, von der ich gesprochen habe: Einer dieser vielen Insektenstiche, unter denen ich Vorgestern noch leiden musste, hatte anscheinend einen wesentlich unangenehmeren Effekt als einen Juckreiz. Anscheinend hatte ich sowohl Probleme mich an die Geschehnisse der letzten Wochen zu erinnern als auch keine Ahnung dass meine Mitreisenden meine Kameraden und keine Feinde waren. Zum Glück ist aber nichts schlimmeres passiert. Bee konnte mir gut zureden und hat meine Loyalität zur Armee genutzt um mich zu beruhigen. Sich als ein Oberoffizier auszugeben endet zwar normaler Weise als ein Fall vor dem Kriegsgericht, aber da sie sich mit besten Intentionen so vorgestellt hat und nicht einmal zu unglaubwürdig war, verzeihe ich ihr das nochmal. Ein wenig Aufziehen kann ich sie dennoch damit.

Nach so einem wunderbaren Start in den Morgen, wollten wir uns nun auch gleich der Überquerung des Flusses widmen. Wir haben die Überquerung, auf die Empfehlung unseres Wildnisführers Musharib, absichtlich auf heute Morgen verschoben. Wie sich herausstellen sollte, war das auch die richtige Entscheidung. Als die ersten von uns schon auf dem halben Weg durch den Fluss waren, rutschten Romero und ich auf klitschigen Steinen am Boden des Flusses aus. Ich war relativ schnell wieder oben, aber Romero tauchte einfach nicht auf und da ich einen Kameraden nicht ertrinken lassen kann, sprang ich wieder in den Fluss. Und das gerade rechtzeitig. Romero schien schon viel Wasser geschluckt zu haben und sich selbst nicht an die Oberfläche bringen zu können. Ich nahm all meine Kraft zusammen, spürte eine Energie durch meinen Körper rauschen und schnappte mir Romero um uns wohlbehalten aus diesem feuchten Grabe zu befreien.

So unschuldig diese Kreaturen auch aussehen, man sollte sich vor ihnen in Acht nehmen… Auch wenn sie relativ gut schmecken.

Man sollte denken, dass so etwas genügend Aufregung für eine kleine Flussüberquerung sein sollte, aber natürlich nicht. Kaum waren wir wieder auf den Beinen, hörten wir Schreie flussabwärts. Schreie wie ich sie nur einmal aus einem Wanderzirkus gehört hatte der gerade durch Darromar zog. Zu unserem Pech kamen dieses ohrenberstende Gebrülle auch noch auf uns zu und brachte kurze Zeit später auch noch seine Quelle mit sich. Ich traute meinen Augen nicht, ein Schwarm fliegender Affen kam direkt auf uns zu. Wir müssen sie durch den Aufruhr angelockt haben und wie wir feststellten kamen sie nicht um uns zu helfen sondern um die wahrscheinlichen Überreste einer verloren Expedition zu klauen. Allerdings waren wir noch nicht so verloren und selbst wenn sie uns einige Gegenstände abnehmen konnten, habe zumindest ich mich gewehrt und einen von ihnen aus dem Himmel geholt. Meinen Schlafsack hatte es zwar erwischt aber Neris war so gut und bat mir ihren an, sie würde eh in ihrer Hängematte schlafen.

-> Alles in Chult ist eine Gefahr. Hüte dich, denn wenn es dich nicht fressen will, möchte es etwas klauen.

Der Rest des Tages verlief zum Glück relativ ruhig. Wir gingen unseren Routinen, die wir uns über die letzten paar Tage angewöhnt hatten, nach und bauten am Abend unser Lager auf. Baum war wieder einmal mit der fleißigste, was ich ihm auch hoch anrechne, da wie ich später erklären werde, er einiges wieder gut zu machen hat. In diesem Moment hatte ich allerdings andere Gedanken. Wenn wir jeder Zeit in solch einer Gefahr schweben, finde ich es nur richtig, dass ich die Leute kenne denen ich mein und die mir ihr Leben in die Hände legen. Da fiel mir Xandala und ihr Drache Sommerklug auf. Viel hatten wir noch nicht besprochen, aber es kann nicht schaden zu hören, wie es anderen Halbelfen in diesem Land ergeht. Anfangs war unser Gespräch noch etwas unpersönlich und sie sprach hauptsächlich von ihrem Vater – wer könnte es ihr übel nehmen? Er ist das einzige, was sie noch hat! – Aber ich konnte sie dann doch etwas beruhigen und so sprachen wir über ihr Leben in Chult, wie sie Sommerklug kennengelernt hat und das sie auch ein wenig Magie beherrscht. Ihre Kräfte scheinen wie meine auch von ihrem Blut zu kommen. Sie erzählte, dass seit Generationen jeder ihrer Vorfahren über die „Magie der Drachen“ verfügte und das wahrscheinlich auf einen Pakt zwischen einem ihrer Vorväter und einem Drachen zurück gehe. Das einzige was ihr daran nicht gefällt, meinte sie, sind die Schuppen, die sie auf Grund ihrer Herkunft für immer an ihrem Körper tragen darf. Wir entspannten uns etwas vom anstrengenden Tag, teilten uns den Rest vom gebratenen Affen und gingen dann auch unserer Wege für den Rest des Abends.

Ich habe bei der Armee einen Kameraden namens Steffen König. Ein Mensch mit einer lebhaften Fantasie. Er erzählte uns Geschichten über Nebel, andere Welten und Monster, die aus jenen stammen.

Während der Nachtwache, betete ich noch einmal zu Helm und fragte nach sicherem Gleit auf dem Rest unserer Reise. Er muss seine Augen allerdings von uns abgewendet haben, da am nächsten Tag das größte Unglück unserer noch jungen Reise eintrat. Auf unserer Reise durch den heute ziemlich ruhigen Dschungel, begegnete uns heute ein sehr eigenartiges Wetterphänomen. Aus dem Dickicht des Waldes kam uns eine bläuliche Nebelwand entgegen. Nebel ist das eine, aber ein blauer, langsam auf uns zukommender Nebel ist etwas anderes. Ich hatte schon Bilder von Giften und Gasen, wie sie Diebesgilden verwenden in meinem Kopf. Natürlich war es dem entsprechend meine erste Reaktion meinen Mund und meine Nase zu schützen. Ich schnappte mir den Lumpen Stoff den ich von der Flagge des Ork-Stammes, den ich und meine Kameraden in Tethyr besiegt hatten, und nutzte ihn als Maske gegen den Nebel. Die meisten wollten einfach weiter und versuchen an dem Nebel vorbei zu laufen. Für einen normalen Menschen in einer normalen Situation mag das zwar auch eine vernünftige Lösung sein, aber bei uns spielte der Nebel da nicht mit. Die Fläche die von diesem gleitenden Ungetüm bedeckt wurde, war einfach zu groß. Und so wurden wir alle einer nach dem anderen eingeholt und von den Klauen aus Kälte und einem unnatürlichen Gefühl gefangen genommen. Aber der Nebel zog weiter. Außer einem kalten Schauer, der uns allen über den Rücken zog ging es uns gut. Keine Vergiftung oder ähnliche Nebeneffekte, auch wenn wir uns sicher waren, dass es hier nicht mit rechten Dingen zu geht.

Wie immer in diesem furchtbaren und gottverlassenem Land sollte sich das aber als ein Irrtum herausstellen. Im Laufe der folgenden Stunden kam es bei fast allen von uns zu eigenartigen Visionen, Taubheit oder gar Blindheit. Am Anfang, so geschockt wie wir auch waren, konnten wir damit noch umgehen. Baums natürliche Heilkräfte konnten die von uns die solche Erscheinungen hatten noch von ihren Leiden heilen, aber irgendwann scheint auch Baum keine Kraft mehr gehabt zu haben. Nach kurzem Überlegen kam ich auf die Idee, dass auch wenn meine Heilkräfte nur sehr begrenzt sind, sie in der Vergangenheit schon so manchen meiner Kameraden von einem unangenehmen Morgen nach einer langen Nacht oder einer verschleimten Nase nach einem Gewaltmarsch durch den ein oder anderen Sturm befreien, aber so sehr ich mich auch anstrengte es half nichts. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, bekam auch Baum dann Halluzinationen, wie sie anscheinend nur in den hintersten Winkeln der dreckigsten Tavernen in Tethyr erhältlich sind. Er sah überall Pilze und versuchte diese selbst von meiner Rüstung, die ich immer auf Hochglanz halte, zu pflücken. Er griff natürlich ins Leere, war aber auch weiterhin nicht bereit auf uns zu hören bis ich ihm den Befehl dazu gab. Ich musste sofort daran denken, dass er dieses militärische Auftreten schon einmal gezeigt hatte als ich meinen Militärgruß zum Besten gab. Romero wollte die Gelegenheit nutzen, verband Baum die Hände und hang ihn dann an den Triceratops. Plötzlich schrie Baum etwas von Untoten, die uns angreifen würden, was natürlich kompletter Quatsch war, und meinte uns verteidigen zu können indem er uns allen mit magischen Pflanzen am Boden festhält. Romero konnte sich zum Glück schnell befreien und dachte, dass es am Besten wäre, wenn wir Baum erstmal ruhig stellen. So stark Romero auch sein mag, Sein Schlag hinterließ bis auf eine kleine Schramme keinen Effekt bei Baum, Natürlich wollte er Baum auch nicht weh tun, sondern ihn nur betäuben, was allerdings darin endete dass Baum dem Triceratops befahl vor den angreifenden Untoten die uns ja anscheinend im Nacken sitzen weg zu rennen. Neris nutzte ihre Fähigkeiten um Baum dann wirklich einschlafen zu lassen, aber der Dinosaurier war leider schon mit all unserem Gepäck zusammen losgerannt. Selbst Romeros Versuch sich auf das massige Tier zu schwingen und es zum Anhalten zu bewegen misslangen leider schon bei dem Draufspringen. Also sieht unsere Situation wie folgt aus: Baum, an den Dino gebunden, Inete, Fitz und Musharib, der sich verzweifelt ab Baums Seil festhält, stürmen von uns weg. Bee und ich, die wahrscheinlich einzig fitten in unserer Gruppe, haben die Verfolgung aufgenommen und Romero, der sich von seinem Fehlversuch den Dino aufzuhalten noch erholen muss, Neris, Rokah und Xandala laufen uns langsam hinterher…

Unsere kleine Kompanie hat sich damit in drei noch kleinere Gruppen aufgeteilt und wir rennen durch einen Wald in dem uns fliegende Affen, Untote, fleischfressende Riesenechsen und uns übel gesonnenes, schlechtes Wetter auf Schritt und Tritt verfolgen.

-> Bleibe immer in bei deiner Gruppe. Laufe vor allem weg was kein Baum oder Busch ist und genieße die Zeit, die du noch hast… mehr fällt mir da auch nicht ein

Wenn ich hier lebend rauskommen sollte Thia, lass uns so schnell wie möglich heiraten und ein ruhiges Leben auf dem Land führen. Das hier… wird mir echt zu viel.

Das Tagebuch eines Soldaten: Chult, dass Land vieler Gefahren (Raven Guard)

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