Das Ende der Smaragdaugenköningin (The Iron Lions)

I. Die Konversation mit „X“

Tiefwasser, die Stadt Schwertküster Faerûns trug ihren den Beinamen „Stadt der Wunder“ beileibe nicht umsonst. Dinge wie wandelnde Statuen und und Greifenreiter waren dort alltäglich. Darüber hinaus setzte sich die Stadtbevölkerung aus dermaßen vielen, unterschiedlichen Personen und Kreaturen zusammen, dass man meinen sollte, wer Tiefwasser gesehen hat, ist nicht so leicht zu verblüffen.

Gweangwen die Halbelfe hatte ihre Kindheit dort verbracht und war einiges gewöhnt, was extravagantes Äußeres anging. Dennoch stand sie an diesem Nachmittag einige Meilen von der Stadt entfernt mit zusammengekniffenen Augen da und versuchte auszumachen, was genau vor Ihr stand.

„Gwen! Starren ist unhöflich“

Ihr Kamerad, der Ex-Stadtwächter Deeca zog sie zurück auf normale Konversationsdistanz zu dem seltsamen Humanoiden, dem sie und ihre Freunde gegenüberstanden, zurück.

„Was stimmt nicht mit dem? Er sieht aus, als hätte ein Kleinkind versucht einen Menschen zu malen“.

Die Gestalt, deren Äußeres tatsächlich disproportioniert wirkte, schwang in einer Ehrfurcht gebietenden Geste seinen Umhang nach hinten und richtete seine Stimme an die Abenteurer.

„Ich nehme an, ich muss mich nicht vorstellen? Immerhin haben sich unsere Wege schon des Öfteren gekreuzt! Nun, vielmehr eure und die meiner Untergebenen?“

Die außergewöhnlich spitzen Zähne, die beim Sprechen zum Vorschein kamen, erschwerten ihm scheinbar auch das reden. Ein unüberhörbares Lispeln führte dazu, das Gwaengwen sich das Lachen verkneifen musste.

Gordon der Hexenmeister übernahm die Konversation mit einer leichten Verbeugung:

„Natürlich, wir wissen Bescheid.“

Gordon ahmte den erhabenen Gestus seines Gegenübers nach und fügte telepathisch hinzu:

„Xanathar?!“

„Ah, ich seid der, den man Gordon nennt. Sozusagen das Gehirn der Truppe.“

„Zuviel der Ehre, ich gebe hiermit zu Protokoll, dass wir so etwas wie „das Gehirn der Gruppe“ nicht gibt.

„Naja, wenn Ihr das so sagt. Nun, ich komme her – unter nicht zu vernachlässigendem persönlichen Risiko, um euch einer Frage zu stellen…“

„Nur eine? Dann seid Ihr ja fertig!“

Gordon fiel ihm ins Wort, was er nur mit einem kurzen Augenrollen quittierte, sich aber nicht aus der Fassung bringen ließ:

„… und euch – abhängig von eurer Antwort, ein Angebot zu machen:

Nun, ihr seid euch mit Sicherheit im Klaren darüber, dass ihr in den letzten Zehntagen mein Personal etwas dezimiert habt. Zuerst Jimmy Forest und Hagar in den Kanälen von Tiefwasser, dann Johnny Ramone und sein Partner in der Sternenstaubnekropole. Das erweist sich mittlerweile als eher unschön. Speziell Ramone war ein geschätzter Mitarbeiter mit einzigartigen Talenten.“

„Pfft. so’ne große Nummer war der gar nicht . Er’s gestorben wie alle anderen. Und mein Freund hier hat seinen Kumpel problemlos kaputt gemacht!“

Gwaengwen deutete auf Deeca, der mit den Schultern zuckte: „Eigentlich hat unser Mumien-Diener-Hohepriester-Schläger ihn besiegt. Er hatte übermenschliche Kräfte.“

Der Xantahar seufzte: „Ah… genau die Sternenstaubnekropole. Ich will mir gar nicht ausmalen, was ihr damit anzustellen gedenkt. Auch in dieser Beziehung wüsste ich gerne, dass ihr mir nicht in die Quere kommt, also:

II. Arbeitet für mich! … oder wenigstens nicht gegen mich.

„Könntet ihr euch vorstellen, für mich zu arbeiten?

„Ja!“

„Klar“

„wir sind nicht wählerisch, was unsere Verbündeten angeht“

„Ich glaube, ich habe schon mit schlimmeren Leuten ‚rumgehangen.“

der Auffällig gekleidete Mensch wandte sich von den Begeistert zustimmenden Abenteurern ab und griff sich mit pathetischer Geste ans Kinn:

„… Nun, wenn Ihr partout nicht wollt, sollte ich euch vielleicht…Was??! Ihr nehmt einfach so an?“

Gordon erläuterte Seinen Enthusiasmus:

„Klar, wir tragen seit Wochen fünfzehnhundert Goldmünzen mit uns ‚rum, ohne auch nur eine entfernteste Möglichkeit, sie auszugeben.“

„Ich würde es wirklich schätzen, wenn meine Bewaffnung demnächst eher auf dem Niveau meiner Kameraden wäre“ Deeca deutete auf die Kampfaxt in seiner Hand :“Ich denke schon, dass ich die Erde spalten können Sollte. Wenn ihr versteht was ich meine.“

„Aber warum habt ihr meine Mitarbeiter umgebracht? Wollt ihr nicht im Dienste der Gerechtigkeit den bösartigen Umtrieben der Xantahar-Gilde ein Ende setzen?“

Obwohl sie seiner menschlichen Gestalt nur bis zur Brust reichte, baute sich Gweangwen vor dem Xantahar auf und stemmte die Fäuste in die Hüfte:

„Hör‘ mal, Kumpel, die waren unfähig, dämlich und manche von denen total nervig. Solche Leute tendieren dazu, in meiner Gegenwart ins Gras zu beißen. Ein Mädchen kann nicht immer so viel Beherrschung an den Tag legen wie bei dem Vollpfosten da drüben.“ Sie deutete in Richtung des Heilwort-Standes, an dem Yngwie der Möchtegern-Druide sich umsorgen ließ.

„Na, wenn das so ist… ich war halb darauf aus, bis zum Tode mit euch zu kämpfen, oder Tagelang zu verhandeln…“

„Na gut, wenn du unbedingt willst: was kannst du uns denn bieten? Wenn wir uns dazu entschieden, für dich zu arbeiten?“

III. In den Neun Höllen wird über euch geredet!

„Also, wie Ihr vielleicht schon gehört habt, sind die neun Höllen unruhig, weil ein Paar Sterbliche es scheinbar auf die prominente Auftragskiller-Truppe der Teufel abgesehen hat. Im Flüsterton wird in Avernus von der „Dreivonzwölf“ gesprochen.

„Das klingt ja total bescheuert“

„Einige niedere Teufel haben Wetten darauf abgeschlossen, wer von den zwölf Assasinen als nächstes von Sterblichen besiegt wird. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass die Teufel ihre Anstrengungen vervielfacht haben, dem Entgegenzuwirken. Anscheinend haben Sie einen nicht unwesentlichen Gesichtsverlust zu befürchten.“

Ich verfüge über Möglichkeiten, um die Grenzen zwischen den Ebenen zu überwinden, entsprechend kann ich euch dabei helfen, eure Verfolger loszuwerden. Außerdem kann ich euch Zugang zu den Elementarebenen gewähren, wo sich vielleicht ein neuer Bewohner für eure Armbrust finden lässt.“

Gordon schob seine Waffe hinter den Rücken und schaute misstrauisch. Misstrauisch aber durchaus nicht abgeneigt.

IV. Wo ist Warwick?

„Weiterhin weiß ich beschied, dass ihr mit Warwick befreundet seid?

„Wer’s das?“

„Ich schließe mich Gwaen an: Wer zum Gewebe der Wirklichkeit ist Warwick?“ Helge trat zu seiner planlosen Gefährtin.

„Dione Warwick? Ehemalige Hauptaufseherin von Tiefwasser?“

Deeca nahm seinen Helm ab: „Ich werde Sie niemals vergessen. Sie ist eine großartige Frau, die mit Leib und Seele für Ihre Stadt eintritt.“

„Nun, vielleicht wird euch bei dieser Einstellung überraschen, dass sie als Hochverräterin in einem Spezialgefängnis namens Hungerloch einsitzt.“

„Nein! Wie kann das sein.?!“

„Allgemein wird davon geredet, sie sei für die Invasion verantwortlich, aber aus irgendeinem Grund fürchtet die aktuelle Machthaber einen korrekten Prozess und haben sie verschwinden lassen. Ich plane, sie in die Stadt zu bringen und ihr ein ordentliches Verfahren zuteil werden zu lassen.“

„Aus Glaube an den Rechtsstaat und die Justiz?“

„Sagen wir einfach, Leute wie Warwick sind besser für’s Geschäft, als gewisse Personen, die sich im Moment um die Ordnung in der Stadt kümmern.“

„OK, wir sind dabei, ich nehme an, ihr könnt uns auch mit Handelsdienstleistungen anbieten?“

„Natürlich, Ich nehme an, zumindest die Schurkin ist mit Skullport vertraut?“

„Klar Dicker, da schulden mir noch ein paar Leute Geld, wir schau’n vorbei , wenn wir hier fertig sind!“

„Das war ein erstaunlich produktives Gespräch. Seht doch zu, dass ihr mir bis zu eure Ankunft in Skullport nicht in die Quere kommt, und ich bereite eine kleine Shoppingtour für euch vor?“

„Du hast einen Deal!“

„Weise deine Untergebenen doch bitte an, sich erkenntlich zu zeigen, damit sie nicht aus Versehen eine verfrühtes Ableben erleiden.“

„Natürlich. Nun, meine Arbeit hier ist getan.“ Er sprach mitden beiden Riesen, die bei ihm standen. „Ich nehme an, ihr werdet keinem Rabatt auf eure Dienste zustimmen, weil es nicht zu Gewalt gekommen ist?“

V. Shirell hat sich was überlegt – und Pommes gebunkert

Der Betrachter in Menschengestalt machte sich mit seiner Leibgarde auf und verließ das Lager. Eugen wandte sich zusammen mit seinen Gefährten wieder in Richtung von Shirells Zelt, wo sich mittlerweile eine kleine Traube von Menschen versammelt hatte.

„Er hat Recht, wir sollten mal schauen, was die Riesenschlange macht.“

Sie gingen zur Behausung des Erzdruiden. Auf dem stieß ein Elfenkind zur Gruppe, mit dem Gwaengwen scheinbar schon bekannt war.

„Da, für dich, Tante!“

Ein junges Elfenmädchen mit geflochtenen, braunen Zöpfen reichte Gwengwen eine Tüte frittierter Kartoffelspalten.

„Wow, gute Arbeit, wo hast du du die denn her?“

Das Kind lachte verschmitzt.

„Hah, du hast noch einiges vor dir, geh, und übe die Sachen, die ich dir gezeigt habe!“

„Ja, Tante“

„Guckt euch das mal an, anscheinend hat Shirell Freunde gefunden!“

Am Zelt des Druiden hatte sich eine kleine Menge von Personen zusammengefunden. Deutlich zu erkennen war der Erzdruide Shirell mit seinem Geweihelm und den Feder-Schulterpolstern. Im gegenüber stand ein kräftiger Mensch mit braunen Haaren, die in wilden Stacheln von seinem Kopf ab standen. Er war nur mit einem Lendenessschurz und mehreren Gürteln, die seinen Schulterpanzer und seinen Umhang hielten, bekleidet.

Der Fremde schien zum Rest der versammelten Druiden zu sprechen. In dem Moment, in dem die Abenteurer in Hörweite kamen, beendete er seine Rede. Dem Gesicht des Mannes war anzusehen, dass diese nicht den erwünschten Effekt auf seine Zuhörerschaft hatte: Die Druiden, die sich um ihn und Shirell versammelt hatten, blickten zu Boden und scharrten nervös mit den Fußspitzen im Rasen des Lagers.

„Niemand? Es ist wirklich wichtig, dass…“

Shirell legte Ihm die Hand auf die Schulter und deutete in Richtung der Abenteurer, die sich in die kleine Versammlung eingereiht hatten.

„Vielleicht haben wir soeben jemanden gefunden, der unsere Bürde bereit ist zu tragen. Diese tapferen Krieger hier waren es, die dem verdorbenen Geist schon einmal die Stirn geboten haben. So Mutter Erde es will, streben sie vielleicht noch immer die Läuterung unseres Elementargeistes an?“

„Nö, lass mal stecken, Geister sind gruselig“

„Ich glaube er meint die Schlange“

„Oh, die? Ja, die müssen wir irgendwie kleinkriegen, immerhin haben wir die praktisch freigel…“

„Helge und Deeca traten zwischen ihre Kameradin und den Erzdruiden und schnitten Gwaengwen das Wort ab:

„Wir würden euch gerne helfen, nur leider fehlt uns die Mittel, den Geist von seiner Besessenheit zu erlösen“.

Die Abenteurer vernahmen ein kollektives, erleichtertes Ausatmen der gesamten Druidengruppe.

„Dafür haben wir einen Plan entwickelt, Seht euch das an:“ Shirell strich über seinen Bart und deutete auf einen Baumstumpf, der sich in der Nähe befand. Darauf lag ein simpler Ledergurt mit einer etwas ausgefallenen Schließe.

„Der Gurt der einvernehmlichen Trennung“.

„Cool, was tut das?“

Helge ergriff das Wort:“Wenn ich mich recht entsinne, ist es ein starker inhärent-korrelativer antikollagener Zauber. Beim Anlegen wird die Metaphorisch-Metaphysiologische Ladung in Ihre einzelnen polaren Extrema de-inkludiert und geneativ hyperrealisiert.“

„Sprich deutsch, du alter Knacker!“

„ Man kann damit eine Kreatur, die mehrere Seelen beherbergt in einzelne Körper für jede Seele aufteilen.“

„Das wäre genau das, was wir brauchen.“

„Genau, wir hatten nur einige Probleme damit, Freiwillige zu finden, um den Gegenstand zu benutzen.“ Der Druide ließ einen vorwurfsvollen Blick über die Druiden schweifen, bevor er mit dem Kopf in Richtung des Lagers deutete. Die versammelten Personen ließen sich nicht zweimal auffordern und eilten eilig davon.

„Die Welt der Druiden wäre euch auf ewig dankbar, wenn ihr uns diese Bürde abnehmen könntet.“

VI. Die Abenteurer Passen den Gurt auf ihren Gegner an

„Ist ja nicht so, das uns der Wille fehlt, aber es handelt sich bei unserem Gegner um eine Schlange von vielleicht 30 Fuß, wie soll das denn passen?“ Gordon schritt um den Gurt herum und legte die Finger ans Kinn.

Der Druide im Lendenschurz, der einzige der ursprünglichen Kongregation, der nicht die Flucht ergriffen hatte, trat an ihn heran:

„Wir verfügen nickt über das arkane Wissen, um ihn anzupassen. Der Plan war es, einfach ein schmales Stück am Schwanzende zu nehmen?!“

„Hat hier jemand ‚arkanes Wissen‘ gesagt?“

„Genau, Helge, wir schauen uns an, was wir damit tun können.

„Nein wirklich, ich habe ncihts verstanden, hat es jemand gesagt?“

Die beiden Zauberkundigen schafften es tatsächlich mit etwas herumprobieren, der Ledergurt so weit zu dehnen, dass dieser etwa den Umfang einer Tonne hatte.

Dann sind wir wohl mal wieder unterwegs!

Tschau mit V ihr Baumschmuser!“

Die Abenteurer wandten sich mit dem Riemen in der Hand von den Druiden ab und begaben sich einmal mehr in Richtung Monstersumpf.

VII. Die Bewohner der Sumpfruinen

Die Schritte von vier Abenteurern hallten durch die vergessenen Korridore der Ruinen des Monstersumpfes, bis sie den Raum erreicht hatten, in dem zuvor auf die Riesenschlange getroffen waren. Ein riesiges Loch klaffte in der Wand. Nachdem die Abenteurer den Tunnel, den ihre Beute hinterlassen hatte, einige hundert Fuß verfolgt hatten, betraten sie einen Raum, der aus gemauerten Steinen bestand.

Deeca begab sich zur Mauer hin und legte eine Hand auf die Fugen Wand.

„Ohh, seid mal alle ruhig! Unser Zwerg redet mit den Steinen!“

Der ehemalige Wachmann ignorierte die Neckereien seiner Kameradin und begann seinen Gefährten zu berichten:

„Die Steine sind nicht aus dem Gestein gehauen, es sind echte Fugen, in denen sich Abrieb gesammelt hat. Von außen ist davon fast nichts mehr zu erkennen, also ist das Gemäuer eher alt. Da aber wenig Fremdstoffe in den Fugen sind, bezweifle ich, dass die Erbauer in der letzten Zeit hier waren. Die Oberflächen sind leicht abgerieben. Hie wurde wahrscheinlich… geputzt?

„Geputzt? Ist das Abrieb von der Schlange?“

„Nein, das waren Werkzeuge zum Steinpolieren, mineralische Schleifeisen. Der Regelmäßigkeit nach zu urteilen keine Zwerge, aber sorgfältig gearbeitet.“

„Also lebte hier Jemand, als die Schlange durchgerauscht ist?“

„Mit Sicherheit“

„Puh, ich schau mich mal weiter um, wollen wir dann mal die Geheimtür da hinten untersuchen?“

Gwaengwen deutete in eine angrenzenden Gang. Hier drüben ist auch eine.“

„Wow, die findet so was fast besser als du.“

Helge tätschelte Deeca auf den Kopf.

„Das Überleben unserer Gemeinschaft ist kein Wettbewerb. Die Elfe erfüllt ihre Aufgaben genau wie ich so gut sie kann.“

„Voila: Geheimtür… offen!“

Die Abenteurer blickten an den Rand der eben im Felsen verschwundenen Tür in den dahinterliegenden Raum.

Sie erblickten einen kleinen Humanoiden mit grauer Haut. Ein Tiefengnom oder Svirfnelblin. Als er die Fremden erblickte, hielt er sich die Finger an die Schläfen.

Alle zuckten zurück und traten einen flinken Schritt aus der Türöffnung, als die Luft vor Energie flirrte und eine Woge aus schmerzhafter psychischer Energie sie knapp verfehlte.

„Sagt mir wer Ihr seid oder ich werde eure Hirne von innen nach außen drehen!!“

„Haltet ein, edle Kreatur!“ Wir sind nicht hier, um euch zu schaden!“

„Habt ihr eine große Schlange hier durchkommen sehen? Sie müsste etwas weiter vorne durch eure Behausung gekommen sein.“

„Aha…Abenteurer. Ich nehme an, ihr wollt die Monster der Gerechtigkeit zuführen und mit eurer ruhmreichen Gewalt zur Stecke zu bringen?“

„Naja, wir haben hier so’nen Gürtel, aber Gewalt war euch Teil unseres Plans.“

„Dann geht doch bitte weiter. Den Gang herunter ist unser – ehemaliger – Gebetsraum.“

„Was macht ihr eigentlich hier unten?“ Gordon hatte bemerkt, dass sich weiter hinten im Raum weitere Tiefengnome aufhielten. Allem Anschein nach Jüngere und Kinder.

„Wir überleben. – Da sind wir gut drin. Ein Teil davon ist es auch, sich nicht unnötig mit dubiosen Fremden gemein zu machen.“

„Hör mal!“

„Und als die Schlange hier durch ist, habt ihr eich entschieden, hier zu Überleben?“

„Das Unterreich ist kein Spielplatz. Einige unseres Stammes wurden von finsteren Einflüsterungen dieser Kreatur davon überzeugt, sie anzubeten. Ich zog es vor, hier auszuharren, bis die Gefahr vorüber ist. Wenn Ihr so gut wäret, mich meiner Kontemplation zu überlassen?“

„OHH. Der macht mich verrückt, ich brech‘ jetzt da drüben die Tür auf, das macht vielmehr Spaß, als mit dem ollen Langweiler hier weiter Freundlichkeiten auszutauschen.“

Gwaengwen wandte sich ab und begab sich in die steinernen Gänge, die bis vor kurzem die Heimstatt der Svirfnelblin waren.

Deeca fragte den Gnom, der immer noch mit verschränkten Armen grimmig dreinblickte:

„Könnt ihr uns Helfen? Wir müssen zur Schlange durchkommen und ihr diesen Gurt anlegen.“

„Ich würde es Vorziehen, keine weiteren Stammesmitglieder zu verlieren. Wir bleiben hier.“

„Was könnt Ihr uns über dieses Gemäuer sagen? Ihr wart nicht die ersten, die hier gelebt haben, oder?“

„Nein, wir waren auf der Flucht, nachdem unsere Stadt von den Drow dem Erdboden gleich gemacht wurde. Lange Zeit irrten wir durch das Unterreich. Wir kämpften gegen Erdkolosse und Ilithiden. Als wir diesen Ort fanden, war unsere Odysee für einen kleinen Moment zur Ruhe gekommen. Aber nichts Gutes ist von Dauer, daher überrascht es mich nicht, dass auch hier unser Leben eine Ansammlung von Leid und Furcht ist.“

Von außerhalb des Raumes war das Geräusch einer sich öffnenden Steintür und kurz darauf Gwaengwens Stimme im Plauderton zu vernehmen:

„Ich sage, ihr lasst den Langweiler langsam mal stehen und checkt mit mir diesen Raum hier drüben. Da is’n Toter drin.“

Deeca nickte wissend:

„…einer der früheren Bewohner, wahrscheinlich. Es ist durchaus möglich, dass hier mal ein Zauberer gelebt hat.“

Gweangwen hatte einen verborgen Eingang zu einem kleinen Alkoven gefunden, in dem ein menschliches Skelett lag. Der größte Teil der sterblichen Überreste war stark verfallen, doch ein sternenbesetzter Hut auf dem herab baumelnden Schädel war erstaunlich sauber und intakt.

„Ein Zaubererhut, wie schön! Ich bin ein Zauberer, der Hut ist für mich!“

Mit nie zuvor gesehener Agilität riss Helge dem Skelett die Kopfbedeckung herunter und setzte sie sich selbst auf.

„Du weißt schon, dass du magische Gegenstände auch identifizieren kannst? Was wenn es ein ‚Zauberhut des Tatterige-alte-Zausel-Verschlingens‘ gewesen wäre?“

Gordon war kurz einen Schritt zurückgetreten, als Helge den Hut aufgesetzt hatte und hatte einen unmissverständlich erleichterten Gesichtsausdruck aufgesetzt.

„Du bist ja bloß neidisch, weil du kein richtiger Zauberer bist.“

Gordon hob die Augenbrauen, kratzte sich am Kopf und trat zu Gweangwen heran, die sich bereits an einer anderen Wand zu schaffen machte.

„…wieder eine Geheimtür?“

„Naja, ‚geheim‘. Das Schlüsselloch war nur hinter ’nem Felskeil verborgen. Wer so was als Geheimtür bezeichnet, der denkt auch Buntbartschlösser sind keine Einladung zum Einbruch. Ta-Dah: Kinderspiel“

Die Elfe stemmte ihren Stiefel gegen die Felswand und verpasste ihr einen Stoß, so dass ein Teil von etwa der Größe einer Tischplatte sanft nach hinten glitt und den Zugang zum dahinterliegenden Raum freigab.

VIII. Der Gebetsraum in der Smpfruine

Die Abenteurer vernahmen einen leisen, monotonem Gesang , als die den Raum betraten. Einige Säulen trugen die massive Steindecke. Die Wände waren wie die anderen in der unterirdischen Behausung der Svirfnelblin abgeschabt und glatt. An der Stirnseite der Halle befand sich ein steinerner Altar, auf dem sich die Urschlange zusammengerollt hatte.

Es befanden sich zudem sechs weitere Tiefengnome in der Halle. Die drei, die sich um die Schlange versammelt hatten, beachteten die Abenteurer nicht und gaben weiter ihre eintönigen Gesänge von sich. Unter ihnen war auch eine etwas weniger schäbig gekleidete Gnomenfrau.

Sie erwies sich kurz darauf als die Anführerin, als sie drei der anderen Gnome befahl, die Eindringlinge zu attackieren. In dem Moment, in dem die drei Gnome aufhörten zu beten, bäumte sich die riesige Schlange unruhig auf.

Die Gnomen-Anführerin versenkte sich wieder in ihr Gebt, woraufhin das gigantische Reptil an Konzentration gewann und die Neuankömmlinge fixierte.

Gordon, Deeca, Gwaengwen und Helge drängten sich noch immer im Eingang der Halle, als die aufgebrachten Svirfnelblinch sich ihnen zuwandten und Wellen psychischer Energie auf sie abfeuerten. Kurz darauf begann die Riesenschlange, den Boden um sie herum mit aus Ihrem Schlund hervorgebrachter Säureschleim in einen tödlichen Spießrutenlauf zu verwandeln.

Mit einer eleganten Flugrolle überwand Gweangwen den Abstand zur eine naheliegenden Säule und attackierte ihren Widersacher. Ihre Gefährten positionierten sich so gut es ging außerhalb der Sichtweite der Schlange, um den Säureklumpen zu entgehen, die diese weiter in Richtung der Abenteurer spuckte. Die Geschosse hinterließen mehr und mehr ätzendes Sektret auf dem Boden, während die Swirfnebli sie mit von fanatischem Eifer geschärften Zähnen und Klauen angriffen.

„Das wird so nix, bevor wir die Bubis hier alle gemacht haben, stehen wir bis zum Bauchnabel in Säure.“

Gwengwen tänzelte weiter zwischen den Gegnern umher, musste sich aber bremsen, um nicht in ätzenden Schleim zu treten.

„Der Gürtel! Einer von uns muss sich freikämpfen und den Gürtel anlegen. Wo ist der Zauberer?“

Sie blickten sich um und realisierten das Helge sich aus dem Raum teleportiert hatte.

„Der bereitet hoffentlich was Großes vor.“

IX. Das Ende der Smaragdaugen-Königin

„Drauf können wir nicht warten.“ Gordon sprach eine Zauberformel und deutete auf die Sclange.

Das gigantische Reptil wich kurz zurück, als die magische Energie seine Bewegungen lähmte. Schon die nächste Windung gelang der Schlange nicht mehr, sie erstarrte innerhalb weniger Augenblicke verharrte daraufhin reglos auf dem Altar.

Als sich die letzten braunen Schuppen in das matte grau einer Steinstatue verwandelt hatten, begannen die Tiefengnome, die Köpfe zu schütteln und sich aus ihrem Wahn zu erholen.

In diesem Moment schritte Helge in den Raum

„Überraschung!!“

Mit den Händen hatte der Magier eine Kugel aus rotglühender, leuchtender Energie geformt und warf sie in die Mitte des Raumes, wo Sie in einem kugelrunden Inferno explodierte und die Svirfnelblin von den Füßen riss.

Gwengwenn hatte einen Schritt zurück gemacht und war dem dröhnenden Knall und der glühenden Hitze entgangen:

„Wow, das war unnötig.“

„Aber eindrucksvoll!“

„Konzentration, die Gefahr ist noch nicht vorrüber“ Deeca wies auf die Schlange und die Gruppe lief an den benommenen Gnomen vorbei, um der riesigen Statue den Gurt um den Schwanz zu legen.

Als die Schnalle des Gurtes der Trennung geschlossen wurde, begann die Magie des magischen Gegenstandes zu wirken und die weibliche Gestalt, die in der Stirn der Riesenschlange eingelassen war, stürzte aus dieser heraus und nahm auf dem Boden vor den Abenteurern eine eigene Form an.

Die Kreatur glich von Ihrer Silhouette einem Humanoiden, die Haut aber war aus einem ständigen Flux von Schuppen und Sternenstaubnekropolen- Perlmuttgestein durchsetzt. Es war offensichtlich, dass die Königin um ihre Existenz auf dieser Ebene zu kämpfen hatte.

Die Abenteurer warfen sie zu Boden und machten dieser Existenz mit Axthieben und Stichen kurzerhand ein Ende.

„Hm.. einfacher als gedacht“

„Ihre Form war an ihre Anbeter gebunden. Davon waren keine mehr übrig.“

Die Abenteurer vernahmen ein Geräusch hinter sich, als die Riesenschlange sich von der Versteinerung erholte und ihren großen, geschuppten Kopf auf ihre Höhe absenkte.

Der Erdgeist kommunizierte mit ihnen in der Sprache der Natur selbst. Kein sterbliches Wesen kann beschreiben, was die Helden in diesen Momenten hörten und fühlten, aber nachdem es vorbei war und der Körper der Urschlange zu Erde verfallen war, die von einem plötzlichen Windhauch zerstreut wurde, wussten sie, was sie im Austausch gegen die Befreiung des Erdgeistes erhalten hatten: Das Wohlwollen und die Gastfreundschaft der Elementarebene der Erde.

Und wie sie den Weg aus den Katakomben zurück zu Oberfläche machten, dachten sie an Ihre Errungenschaften.

Gwaengwenn dachte darüber nach, wie sie verhindern konnte, dass ihre Gruppe noch einmal mit dem Tiefengnom spricht. Am Ende fragen die den Langweiler noch nach seinem Namen. Bloß weg.

Helge dachte darüber nach, ob er das nächste Mal Bescheid sagen sollte, bevor er Großflächige Zerstörung in direkter Nähe seiner Gefährten entfesselt. Nein, Gwaengwen hatte den Feuerball so einfach überstanden. Das wird schon gut gehen.

Gordon überlegte, ob das Wohlwollen eines Erdgeistes in irgendeiner Weise mit seiner Verbindung zu seinem Patron intervenieren könnte. Er konnte sich aber nicht vorstellen, dass dieser eifersüchtig ist.

Deeca freute sich darauf, Hautaufseherin Warwick wiederzusehen. Wen der ganze Wahnsinn der letzten Zehntage eine Person nicht erreichen kann, dann sie. Hoffentlich. Hungerloch klang irgendwie doch eher unangenehm.

Das Ende der Smaragdaugenköningin (The Iron Lions)

2 thoughts on “Das Ende der Smaragdaugenköningin (The Iron Lions)

  • 13. Februar 2020 um 13:18
    Permalink

    TL;DR:
    1. Ihr Habt beim Xantahar angeheuert und zugesagt in Skullport vorbeizuschauen
    2. Ihr Habt den Gurt der Trennung geschnappt und seid in die Ruinen zur Schlange
    3. Ihr Habt den Svirfneblin getroffen, er war nicht hilfreich
    4. Ihr Habt die Shclange versteinert und die Königin extrahiert/getötet

Schreibe einen Kommentar