Ariella Amastacia Mein Name ist Ariella Amastacia, aber alle nennen mich Lia.

Die ersten Lebensjahre habe ich bei meinem Menschenvater, Gunther Zurzill verbracht.
Wir wohnten in einem kärglichen Dorf auf einer kleinen Insel. Diese liegt im See der gefallenen Sterne. In dem Dorf gab es nicht viel, aber alles was wir zum leben brauchten.
Was wir nicht hatten tauschten wir mit anderen.

Ich weiß noch, dass mein Vater mit anderen Männern ab und an zum Festland segelte. Meist dauerte es 20 Tage bis er wieder zu Hause war, wenn nichts schlimmes passierte.

Auch wenn er mir schon früh beigebracht hat, meine elfische Seite zu verbergen wurde ich trotzdem immer wieder wegen meiner kupferroten Haare oder meiner smaragdgrünen

Augen geärgert. „Langohr“ oder „Rotschopf“ sind noch nette Ausdrücke gewesen, die man mir nachrief. Ja, es tat manchmal weh, aber ich lies es einfach über mich ergehen und beachtete es weiter gar nicht.Ich hatte nur eine Handvoll Leute, die ich „Freunde“ nennen würde. Da gab es ein Mädchen, Natascha, und einen Jungen, Verdinand, mit denen ich ein wenig Zeit verbrachte. Dann waren da nur noch unser Dorfkoch, Elias und unsere Nachbarin Vaneara mit denen ich mich gut verstand.

Mein Vater war ein angesehener und respektierter Alchemist, aber trotzdem haben manche im Dorf hinter seinem Rücken über ihn geredet.Er lehrte mich alles, was er über die Alchemie wusste. Und gemeinsam stellten wir nicht nur wohlriechende Seifen, Öle oder Wässerchen her, sondern er zeigte mir auch Mischungen, die heilen, vergiften oder lähmen konnten.Wir hatten viel Spaß dabei neue Mixturen zu mischen und auszuprobieren.Außerdem zeigte er mir, wie ich Kräuter und Wurzeln dazu benutzen kann, um Fisch oder Fleisch schmackhafter und länger haltbar zu machen.

Warum ich anfangs bei meinem Vater aufwuchs, ist schnell erklärt. Meine elfische Mutter Jelenia starb bei meiner Geburt. Warum weiß  keiner so genau und ich habe auch nie danach gefragt, denn Vater wurde bei dem Thema immer traurig.
Als er starb brach eine Welt für mich zusammen.
Schlimmer war aber noch, dass ich zu meiner elfischen Oma, Katalena, reisen musste. Ein paar Wochen war ich unterwegs und total aufgeregt und nervös. Erst mit dem Boot und dann mit einer Kutsche. Wo genau ich landete, weiß ich gar nicht, denn eine „Dorfbezeichnung“ gibt es nicht.
Eigentlich war es mitten im Wald. Man braucht etwa vier Tage, bis man etwas anderes um sich hat, als Bäume, Sträucher oder Gehölz.
Auch wenn mir meine Oma nicht total fremd war, konnte ich mich anfangs kaum mit ihr verständigen. Sie sprach nur elfisch und druidisch und ich konnte weder das eine, noch das andere.
Erst nach ein paar Tagen verstand ich sie problemlos und wir verstanden uns prima und hatten auch jede menge Spaß.
Sie lehrte mich alles, was sie konnte.
Sie brachte mir nicht nur alles was sie wusste über das druidensein bei, sondern auch wie ich im Einklang mit der Natur leben kann. Außerdem  zeigte sie mir auch, auf meine innere Stimme zu hören und wie ich mit meinen Fähig- und Fertigkeiten umgehen kann. Zunächst viel es mir schwer zu meditieren. Minuten- oder stundenlanges Stillsitzen war einfach nicht meine Stärke. Erst nach und nach gelang es mir mich zu entspannen und auf die Atmung zu achten. Oma meinte, das könne mir helfen, wenn ich mal nicht weiter weiß und ich auf eine Inspiration warte oder wenn ich mich mit dem Geist des Waldes unterhalten wolle, was allerdings schwierig ist, denn er ist bis jetzt nur wenigen Druiden erschienen. Sie meint er kann ich jeder Art und Form auftreten und wenn man darauf achtet, zeigt er einem welches Tier man erlegen kann, ohne dass es dem Wald oder der Tierart schadet, oder wo man Beeren findet oder einen guten und geschützten Platz zum schlafen. Er kann sich als alles äußern; als Windhauch, als wehendes Blatt, als eine Tierspur oder sogar als Tier von ganz klein bis riesig groß.

Zum Glück gab es einen Alchemisten in dem Dorf meiner Oma. Er unterrichtete mich weiter in der Kunst Gebräue, Gemische und Tränke herzustellen.

Die Jahre vergingen und ich wurde älter.
Eines Tages nahm mich meine Oma mit in den Wald. An einer kleinen Lichtung gab sie mir einen Fellumhang mit einer Kapuze, die ich mir bei Wind und Schnee tief ins Gesicht ziehen konnte, außerdem gab sie mir einen Rucksack, in dem sich etwas zu Essen und zu trinken befand. Ferner fand ich ihm ein paar Kräuter, Wurzeln und ein paar Phiolen mit meinen gemischten Mixturen.

„Auf dich wartet eine Aufgabe, du wirst wissen, wenn du sie erfüllt hast.“ Das waren die letzten Worte meiner Oma, bevor sie sich umdrehte und im Hain verschwand.
Zunächst wusste ich gar nicht, wie ich reagieren sollte, machte mich dann aber nach ein paar Schrecksekunden in die andere Richtung davon.
Zwei Jahre ist das nun her und ich bin immer noch auf der Suche nach „der Aufgabe“. Vielleicht hab ich ja Glück und es hat was mit dieser Truppe, die ich getroffen habe, zu tun.

Es sind schon ein paar merkwürdige und komische Gestalten, aber scheinbar wissen sie, was sie tun, das hoffe ich zumindest…

Lia’s Trance

Ariella Amastacia