Alexander West

Aufzeichnung des Hochmagus Riyas Merin aus dem Archiv des Grünentals.

Es ist nun 3 Jahre her, als ein junger Initiant zu uns kam. Er hatte augenscheinlich keine magischen Fähigkeiten. Er wirkte damals unkonzentriert, ohne magisches Talent, tollpatschig und seine Augen wanderten oft hektisch und scheinbar zielos durch den Raum.

Mit der Zeit verschwand seine Unkonzentriertheit und er öffnete sich, wurde selbstbewusster und…kritischer. Er fing an unsere Lehrmethoden und Ideale zu hinterfragen. Das führte damals immer wieder dazu, dass er von uns zurechtgewiesen wurde und ihm mehrfach der rauswurf drohte. Ich weiß noch wie er damals eine komplexe Gleichung lösen sollte aber keine mir bekannte Lösungsweise dafür nutzte…ich rügte ihn und sagte das es so nicht funktionieren kann. Doch das tat es…und ich weiß bis heute nicht warum.

Die Zeit verflog und ehe man sich versah, kam der Tag des Aufstiegs zum angehenden Scholary. Der Tag, an dem sich jeder Initiant für seine mögliche magische Zukunft entscheiden soll. Er hatte eine Auswahl die nur wenigen gegeben ist. Trotz seiner Ungehorsamkeit hatte er sich als sehr geschickt herausgestellt. Selbst der Großmagus war bereit ihn zu lehren. Als er zur mir sah überkam mich ein Hochgefühl, denn ich fragte mich für welche Richtung er sich entscheidet. Ich erinnere mich, wie mich dieser Tag damals viele schlaflose Stunden gekostet hatte. Würde er sich für einen der vielen Wege der Drachenmagie interessieren oder wäre er bereit für die Ausbildung im magischen Nahkampf?
Doch es kam alles anders…und ich hätte es damals besser wissen müssen.

Er erklärte vor dem versammelten Rat, dass er sich unserem “kontrollierten Magiezwang” nicht unterwerfen wolle. Er umschrieb Ereignisse, in denen er nicht einmal anwesend war und mir wurde klar, dass seine Unkonzentriertheit daher kam, dass er unser magisches wirken anders fühlte als wir es taten. Das diese eine unnatürlich starke Unruhe in ihm auslöse und dass er deshalb seinen eigenen Weg suchen wolle.
Das Problem war nicht, dass wir geschockt waren, sondern wir wussten nicht wie wir damit umgehen sollten. Während ich auf vergangene Ereignisse verwies in dem Wilde Magier oder Chaos Magier ganze Landstriche verwüstet hatten, gab es andere die seine Weltsicht durchaus verstehen konnten.

Da wir keine gemeinsame Linie fanden, einigten wir uns darauf abzuwarten.
Die wilde Magie gab ihm nun Antrieb. In den folgenden Wochen zeigte sich wie gefährlich dieser Weg war. An einem Tag konnte er mit seinen magischen Fähigkeiten die Trainingspuppen nicht einmal ankratzen und am nächsten riss er sie in tausend Stücke. Ich beobachtete ihn nun jeden Tag und… ich war nicht die Einzige. Wann immer ein Zauber nicht das gewünschte Ergebnis brachte lächelte er nur, machte sich Notizen und achtete penibel darauf, Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Ich ertappte mich manchmal selber dabei, wie mir ein Lächeln über die Lippen glitt. Wir gewöhnten uns irgendwann daran und fingen sogar an es zu mögen. Wie oft sieht man schon einen Hochmagus als Hühnchen umherlaufen? …Ich weiß es klingt seltsam aber er war wie ein Ausgleich für uns. Das Chaos inmitten der kontrollierten Magie. Ich kann es nicht anders umschreiben.

Dann, vor 2 Wochen kam ein Drachengeborener zu uns. Ich wusste nicht wer es war doch der Großmagus schien ihn zu fürchten. Die beiden sprachen unter 4 Augen im neuen Labor. Als er herauskam war sein Blick völlig verfinstert. Er sah mich an und sagte “chaotische Magie darf nicht geduldet werden”. Ich wusste was das für ihn bedeutete. Ich ging in den Schlafsaal der Scholary, weckte ihn und übergab ihm einen Stab, einen arkanen Fokus und meinen alten Hut. Dazu eine Ausrüstung, die sein Leben in der Wildnis sichern sollte und ein paar Münzen. Dann entlies ich ihn am hinteren Tor. Er…umarmte mich… bedankte sich für alles…und sagte mir, dass dies die beste Zeit in seinem Leben war.
Dann ging er.

Auch wenn ich anfangs dagegen war…so sehe ich mein Handeln heute nicht als falsch an. Ich wünsche ihm alles Gute auf das er einen Weg finden möge, den wir ihm nicht geben konnten.

Alexander West