„Nach vorne Sir Dorn! Kämpft Sir Dorn!“ Das Ende der T’rissa Auvryndar (Collectors)

Das Flussufer war nun Weggabelung und Sackgasse zugleich. Um den Fluss zu überqueren, fehlte es an den nötigen Mitteln und auch die Absichten und Ziele der Gruppe schienen ab hier nicht mehr einig. Die verängstigte Halbelfe schien auf dem schnellsten Wege die Ebenen des Undermountain verlassen zu wollen, Naerian drängte es aus persönlichen Gründen in Richtung Schädelhafen. Sir Dorn fühlte sich in seiner ritterlichen Ehre weiterhin verpflichtet Azroks Streitkräften im Kampf gegen die Drow beizustehen und Postels Gier nach unentdeckten Schätzen schien ihn fortlaufend anzutreiben jede Gefahr zumindest einmal ausfindig zu machen. Sir Dorn bot an, Noha zurück an die Oberwelt zu geleiten, sobald der Krieg zwischen Azroks Männern und den Drowinvasoren gewonnen war. Dies schien wohl auch die einzige Möglichkeit zu sein und so entschloss sich Nohalyl den tapferen Helden beizustehen und sie mit all ihren Fähigkeiten zu unterstützen. Da Naerian seine Beweggründe eher verdeckt hielt und keine genauen Angaben über seine Absichten machen wollte, verschaffte er sich im Gespräch mit den anderen eher einen zwielichtigen Ruf. Die Tatsache, dass er immernoch die Robe der Drowmagierin trug beängstigte nicht nur Noha. Sie konfrontierte ihn mit ihren Sorgen, schließlich hatte sie am eigenen Leib erfahren, wie viel dunkle Macht und Bosheit in dem nun verbrannten Zauberbuch steckte. Auch Postel, dessen Geist von der Macht des Dolches überschattet wurde und ihn in eine willenlose Tötungsmaschine verwandelte, richtete nun seine Worte an den Hexer. Es war nicht geheuert, Naerian in der Robe zu sehen, ohne dass er einen sichtlich negativen Effekt auf sein Verhalten zeigte. Postel überzeugte ihn die Robe zumindest auszuziehen, solange er sich in der Begleitung der anderen befand, die Gefahr könnte schlichtweg zu groß sein.

Doch das war Noha nicht genung. Als der Halbelf begann sich seiner neuen Robe zu entledigen, verlangte Noha eine Fackel von Sir Dorn. Dieser schien die Absichten der jungen Frau nicht zu erahnen und händigte ihr gleich zwei aus. Noha wartete geduldig bis Naerian die Robe vor sich legte und ergriff sogleich die Gelegenheit. Mit entschlossener Miene und standhafter Haltung streckte sie die brennende Fackel auf die Robe aus Spinnenseide, die sogleich anfing die lodernden Flammen aufzunehmen. Der Hexer erschrak, löschte in Windeseile die Überreste der Robe und zog sogleich seine Waffe, gerichtet auf Noha. Die Situation schien zu eskalieren. Wäre es nicht an Sir Dorn und seinem edlen Gemüt gewesen die zwei auseinander zu halten, wer weiß wie schnell die Reise für einen der beiden zu Ende gewesen wäre. Die Fronten waren nun klar. Der Ärger, der in Naerian aufstieg, richtete sich ganz gegen Noha, die wiederum diesen für einen weitern Indiz für Naerians dunkle Absichten festmachte. Postel stand nur da und konnte nicht fassen was er gesehen hatte. Ein Artefakt dieser Macht einfach so zerstört zu sehen, schmerzte seine Schatzjägerseele. Doch es war Sir Dorns moralische Führung die die Gruppe über diesen Moment hinweg zusammen hielt und zurück zu Azroks Männern führte.

Zurück in den Verließräumen fand sich der Stoßtrupp, zum letzten Angriff bereit, zusammen. Azrok versammelte seine Männer und brachte auch zwei untote Betrachter an die Front. Die Sonnenelfe Martha Moonshadow schloss sich nun auch an, wobei ihre wahren Beweggründe ihrer Expedition für die Helden weiterhin rätselhaft war. Sie schien viele Informationen über die Drow zu haben, eröffnete der Gruppe ein Buch das sie gefunden hatte und erzählte mehr über den Hintergrund der Drowinvasion. Es schien als sei Azroks alte Heimat nur ein kleiner Außenposten für die Drow. T’rissa aus dem Hause Auvryndar war für den Angriff auf Azrok verantwortlich. Die Drow Priesterin stammt aus einer verborgenen Drowstadt, die sich hinter den Ruinen einer eingestürzten Zwergenklamm befinden soll. T’rissa plant, laut den Informationen die Martha mit der Gruppe teilte, einen Angriff auf Tiefwasser. Dieser Angriff könnte auch mit dem unheilvollen Erfolg der Drow gekrönt werden. Grund zu dieser Befürchtung gab eine Darstellung in dem Buche, welche die Drowpriesterin neben einem Dämon aus dem Abyss zeigte. Eine Yochlol. Dienerin der Spinnengöttin Lolth und direkte Verbindung von dieser zu ihren Anhängerinnen. Eine solche Macht darf nicht unterschätzt werden.

Bevor nun der letzte Angriff auf T’rissa vollzogen werden sollte, begaben sich alle Recken noch einmal zu der letzten Ruhe vor dem Sturm. Mit gemischten Gefühlen ruhten sich alle Beteiligten aus .Und so kam es das nach und nach die Augen zu vielen. War es ein Traum, eine Vision oder ein übler Zauber? Die Welt um die Helden herum begann zu verschwimmen. Amorphe Veränderungen der Wirklichkeit zogen vor die Augen der Ungläubigen. Die Hallen des Verlieses verschwanden und ein jeder fand sich bald in einem Kaminzimmer wieder, ohnmächtig seine eigenen Schritte zu lenken oder seinen Blick selbstständig herumschweifen zu lassen. Eine Gestalt zeigte sich auf einem alten Ohrensessel, die in erwartungsvoller Haltung drein blickte. Halaster! Zweifelsohne hatte der irre Magier die Helden zu sich gerufen und begann nun mehr einen eindringlichen Monolog zu führen.

„…..ich bin diesem Scharmüzel überdrüssig…….diese Dunkelelfen haben sich fortlaufend als niederträchtige und boshafte Brut herausgestellt…….ich dulde dieses Verhalten nicht weiter, nein, nein , ich möchte das einfach nicht mehr sehen……ich mache euch ein nettes Angebot, in meiner großen Güte und meinem Wohlgefallen……schmeißt das Amulett in den Fluss….“

Dies, oder so ähnlich waren seine Worte. Jeder der Helden schien die selbe Begegnung in ihrem Schlaf zu haben, doch waren sie dort alleine gewesen. Zurück in den Verließräumen trugen sie die Worte an die sie sich erinnerten zusammen und kamen zu nur einer sinnigen Entscheidung. T’rissa musste sterben. Nicht nur für Azrok, auch für Tiefwasser und letzten Endes wohl auch für Halaster, für den Zuschauer? Den gelangweilten Zuschauer?

Es war soweit! Alle Vorbereitungen waren getroffen und der Trupp, der nicht unterschiedlicher in seinen Einzelschicksalen sein konnte, machte sich auf. Man versammelte sich vor der Tür, in der man die letzte Konfrontation erwartete. Sir Dorn, Azrok und seine Schergen schlossen sich vor der Tür zusammen, die mit einem einzigen Schuss einer Balista in eintausend Splitter zerbarst. Ein Sog, ein Unterdruck, ein bösartiger Griff packte Sir Dorn sogleich und zog ihn in den tiefschwarzen Raum. Grüner Nebel strömte aus der Dunkelheit und verbreitete sich sogleich unter den Gefährten. Beißender Gestank der in der Lunge brannte. Martha Moonshadow reagierte geistesgegenwärtig und beschwor einen Wall aus Winden, die den giftigen Nebel verdrängte und zurück in den unbekannten Raum schob. Auch Sir Dorn blieb Herr der Lage und griff in einen seiner kleinen Beutel. Mit Hilfe eines magischen Kleinodes erschuf er eine Sphäre strahlenden Tageslichtes und erhellte den Saal. Der Raum der sich vor den Helden erstreckte war riesig, bis an die 60 Fuß höhe sollte er messen. Wie ein Gebück aus klebrigen Fäden und Batzen, durchzogen Spinnweben den gesamten Säulengang. Wabernde Kokons, groß wie ein Menschenkind, hingen wie Kronleuchter von der Decke. Doch außer ein paar Troglodyten und riesigen Spinnen war nichts auszumachen. Keine Drow. Keine Priesterin. Keine T’rissa Auvryndar.

Sir Dorn, Creed, Martha, Naerian, sowie Azrok und seine Männer, gefolgt von den zwei untoten Betrachtern, stürmten in gekonnter Formation den Raum und griffen direkt die Troglodyten und Spinnen an. Noha und Postel hielten sich vorerst im Hintergrund des Geschehens auf. Es schien vorerst keine große Sache zu sein, in dieser Überzahl gegen die widerlichen Kreaturen zu bestehen. Ein gekonnter Hieb hier, ein gezielter Strahl der Betracher dort und die ersten Gegner waren besiegt. Doch ein Drow kämpft anders als ein Haufen Goblins und eine Priesterin, die einen Angriff erwartet hatte sicherlich noch die ein oder andere Überraschung in der Hinterhand. Während Naerian von einer riesigen Spinne überrascht wurde, stürzten Schwärme kleinerer Spinnen von der Decke und vielen über die Betrachter her. Die zu Beginn geordnete Formation schien nun in Angesicht des Kampfchaos zu bröckeln. Postel feuerte eine Salve nach der anderen in die Menge von Spinnen, die nun scheinbar unaufhörlich aus den Kokons brach. Creed entzündete mit Flammen in den eigenen Augen einen Arachnoid nach dem anderen. Sir Dorn hielt mit all seiner Manneskraft gegen die Angriffe die auf ihn niedergingen. Noha versuchte mit dem Immergrün ihres Gassenhauers „Auf Sir Dorn! Nach vorne Sir Dorn! Kämpft für Ruhm und Ehre!“ die Truppe zu motivieren. Naerian sah sich weiterhin im Einzelkampf mit der Riesenspinne. In all dem Chaos geschah das, was nun wirklich niemand hätte erwarten können. Eine der Spinnen schien von Postels Bolzen gänzlich unbeeindruckt. Sie begann zu verschwimmen und die Gestalt des Achtbeiners fing an sich in grotesker Art und Weise in einen wabernden amorphen Dämon zu verwandeln. Die Yochlol war erschienen und stand nun in all ihrer bösartigen Hässlichkeit vor Sir Dorn. Das war der Moment in dem unseren Helden klar wurde, jetzt hat der Kampf erst recht begonnen. Einen Augenblick später erschien der erste Drow inmitten des Raumes aus der Unsichtbarkeit und begann die Angreifer mit grellen und gleißenden Blitzstrahlen einzudecken. Die heiße Energie zog durch die Reihen und richtete enormen Schaden an. Immernoch in Deckung, überlegte Noha wie sie nun helfen könne und blendete den Drowmagier mit ihrer Feenmagie. Das war zwar für den Moment eine große Hilfe, doch die Positionierung der jungen Halbelfe rief nun auch die großen Schrecken dieser Begegnung auf den Plan. Schutzlos stand sie nun da, als sich ein zweiter Magier, sowie die Priesterin des Hauses Auvryndar aus ihrer Unsichtbarkeit zeigten. Einen magischer Hagelsturm nach dem anderen jagten die Drow in Gruppe. Martha antwortete mit Feuerbällen. Ein Chaos aus magischer Energie tobte durch die Räume. Während Sir Dorn und Azroks Männer mit geballter Kraft immer weiter gegen die Yochlol anhielten, lieferten sich Creed, Marthe und Noha ein Zaubergefecht aus Angriffen und Gegenzaubern. Es war beinahe zu Ende mit den Helden, kaum ein Atemzug konnte ohne Schmerzen gemacht, kaum ein ein Schritt ohne Schwindel gemacht werden. Doch das Glück Tymorras war am Ende der Schlacht der Gemeinschaft holt und so konnte der letzte entscheidende Schlag gegen die Priesterin gerichtet werden. T’rissa und ihre Drow waren besiegt.

Nach dem mehr als nur ein paar Wunden geleckt wurden und der einstige Thronsaal Azroks von den stinkenden Leichen der Invasoren gesäubert war, begaben sich die Helden erneut zum Flussufer. Hier sollten sie das Amulett, das sie der Priesterin abgenommen hatten, in den Fluss. So verlangte es zumindest Halaster. Gesagt getan. Als das Amulett in den kalten Tiefen des Flusses versank, erschien aus dem Dunklen ein düsteres Boot. Eine Gondel dessen Front mit einem gehörnten Schädel verziert war. Auf der Gondel stand niemand anderes als Halaster, der verzückt und belustigt applaudierend näher kam.

„Wundervoll! Welch ein Schauspiel! Das habt ihr doch grandios gemeistert Wahre Helden! Hier das habt ihr euch verdient!“

Der irre Magier beschwor einen magischen Würfel der auf die Gruppe am Flussufer zuflog und sich noch in der Luft zu einer Feder verwandelte. Noha griff sich mit einer nekischen Magierhand die Feder, denn sie wusste um deren magische Kraft. Ein Schwanenboot. Diese Feder konnte ein Boot herbeirufen, dass genug Platz für mehr als zwei Dutzend Männer bot. Somit war der fehlende Teil zur Überquerung des dunklen Flusses auch erledigt.

„Nach vorne Sir Dorn! Kämpft Sir Dorn!“ Das Ende der T’rissa Auvryndar (Collectors)

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