Die Pforte zum Auge des Allvaters (The Outbreaks)
Jahr: 1489 TZ, Ort: Schlucht des Orakels

Die Pforte zum Auge des Allvaters (The Outbreaks)Nachdem sich die Helden eine ausgedehnte Rast gegönnt hatten, ging jeder am Morgen seinen Tätigkeiten nach. Die Lagerstätte wurde abgebaut und Spuren so weit wie möglich verwischt. Währenddessen gönnten sich Tira und Totes Pferd einen Trainingskampf. Während die Schwerter aufeinanderprallten und auf Angriff und Parade ein Gegenangriff folgte und sich die Kontrahenten wie im Tanz drehten, tauchte Tira unter einen von Totes Pferds Schlägen durch, griff sich seinen Gürtel und zog ihn mit geschickten Fingern blitzschnell aus. Sie hielt ihn hoch und grinste Totes Pferd mit den Worten an: „Brauchst du den noch?“. Irgendwie war es nicht Totes Pferds Tag. Ohne Gürtel in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, rutschte er sogar auf dem Schnee auf. Doch Tira blieb fair und half ihm hoch, nachdem sie ihm den Gürtel zurückgegeben hatte.

So machte sich die Gemeinschaft schließlich wieder auf den Weg zum Auge des Allvaters, geführt von Harshnag und mit Tira als Späherin abgesichert. Jeder hing seinen Gedanken nach, nur Wild Fire war abgelenkt. Er starrte immer wieder voller Neugier und Interesse auf Blms 3 m langen Feuerstab, den er völlig umständlich mit sich mitschleifte. Von Blm hatte er nicht viel erfahren, nur, dass er aus den Fängen eines Nekromanten stammt. Aber was war sein Nutzen? Was seine Fähigkeiten? Denn er war eindeutig magisch. Das Geheimnis um diesen Stab beschäftigte Wild Fire und ließ ihm keine Ruhe. Als die Gruppe schließlich an einem relativ steilen Pass, der im Zickzack in einer Schlucht führte, ankam, fand Tira die Spuren von Menschen und einem Echsenwesen. Als Harshnag darauf angesprochen wurde, erläuterte dieser, dass es sich um die Spuren des Barbarenstammes des Wurms mit seinem Anführer Wurmblut handeln müsste, die in der Nähre lebten. Seltsam war nur, dass Wurmblut mit seiner Schamanin und seinen besten Kriegern wohl selbst hier unterwegs war und dann auch noch in Richtung zum Auge des Allvaters. Nur ein paar Riesen, Drachen und andere Personen wussten um den Ort und den Weg und Wurmblut und sein Clan gehörten gewiss nicht dazu? Was wollten sie nur hier? Auf seine Frage hin, ob die Barbaren friedlich waren, erhielt Totes Pferd von Harshnag die Antwort, dass sie mit Ärger rechnen müssten, da sich die Barbaren und Riesen feindlich gegenüberstanden, was aber trotzdem kein Problem darstellen sollte. Totes Pferd fing sofort an zu spekulieren: Vielleicht wollten sie dem Orakel ja schaden. Seine Stimmung schlug in Begeisterung um. Vielleicht konnte man die Barbaren ja dem Allvater opfern und so seine Gunst erlangen.

Während Tira immer bis zu einer Biegung vorging und nach Gegnern und anderen Problemen Ausschau hielt, folgte ihr die Gruppe nach einem Handzeichen. Tatsächlich stellte sich ihnen keine Gefahr entgegen, sodass Wild Fire begann sich zu langweilen, als Tira Spuren der Barbaren eine Wand entlang verfolgte. Während sie weiterspähte und der Rest der Gruppe abwartete, tigerte Wild Fire unruhig umher, immer wieder um die Gruppenmitglieder herum und von ihren Blicken verfolgt. Nachdem er sich zwischendurch auf einem Stein niederließ und gelangweilt räkelte, nur um sich kurze Zeit später wieder zu erheben, ganz dicht an Ryan heranzutreten und ihm direkt durch die Augenschlitze seiner Maske in die Augen zu blicken, was diesen ein paar Schritte zurückweichen und seine Maske sich schwärzen ließ, näherte sich Tira von hinten, fing überraschend an Wild Fire zu kraulen und beruhigend auf ihn einzureden. Die Heldengruppe ging weiter die Schlucht hinab und gelangte schließlich zur Pforte zum Auge des Allvaters.

Der Tempeleingang in der Schlucht wurde von mehreren Säulen gesäumt, auf denen je eine Statue einer Riesenart stand: Ein Hügelriese, der einen Stein über den Kopf hob, ein Frostriese, der einen Eiszapfen hinab- oder hinaufkletterte, ein Wolkenriese, der auf einem Vogel ritt, ein Sturmriese, der mit einem Blitz ein Luftschiff angriff, ein Feuerriese, der mehrere Zwerge versklavte und ein Steinriese, der in einem Gebirge herumkletterte. Im Tempel war alles etwa dreimal so groß, wie normal und definitiv auf Riesengröße ausgerichtet. Blm fragte Harshnag noch, ob man Fallen in dem Tempel erwarten müsse, doch Harshnag meinte, dass es diesbezüglich keine Probleme geben sollte. Tira, die wieder vorausging, nachdem sie Blm und Harshnag durch einen Finger an den Lippen zum Schweigen gebracht hatte, konnte in einiger Entfernung vom Eingang den Gang entlang ein Schnaufen hören, als wenn sich jemand an etwas sehr schwerem versuche. In den Wänden links und rechts waren riesige Türme eingearbeitet und man konnte in den Runen der Zwerge verschiedene Geschichte der Riesen lesen: Wie unterschiedliche Drachen getötet oder ganze Zwergenclans versklavt wurden. Wild Fire war so fasziniert von den Inschriften, dass er sofort sein Notizbuch hervorholte und sich Notizen machte. Er bekam kaum noch etwas um sich herum mit. Doch auch Tira bekam nicht alles mit. So wurden alle überrascht, als auf ein „Klick“ ein knirschendes Geräusch von der Decke folgte. Tira hastete nach vorne in den Gang und schaffte es so dem herunterfallenden, 6 m hohen und extrem schweren Eisblock auszuweichen, löste dabei aber einen zweiten Block aus, der ebenfalls herunterfiel. Harshnag konnte vor dem Block noch rechtzeitig zur Seite treten und auch Blm und Ryan weichten dem Eisblock aus. Wild Fire hätte es wohl erwischt, wenn sich das Glück und Schicksal nicht ihm zugunsten geändert hätte. Totes Pferd wurde jedoch so vom heranrasenden Block überrascht, dass es ihn erwischte und der Block ihn mitschleifte, bis die Säulen schließlich seine Fahrt beendeten. Der Aufprall war aber so schwer, dass der nun am Block festgefrorene Barbar im Sterben begriffen war. Der zweite Block sauste ebenfalls heran und riss die arme Dunkelelfe mit sich, die diesem Block diesmal nicht ausweichen konnte. So wurde T’irassshalae Kiltira, die die Gruppe sicher bis hierhin brachte und auch noch weiter für ihre Sicherheit sorgen wollte, zwischen den Eisblöcken zerquetscht.

Sofort eilte die Gruppe zu Totes Pferd, um ihm als erstes zu helfen. Während Blm seine Heilzauber auf ihn anwendete, um ihn zu stabilisieren und vor dem Tod zu bewahren, löste Wild Fire mithilfe seiner Feuerzauber Totes Pferd vom Eisblock. Gerade als er befreit war, zückte Totes Pferd beide Langschwerter und stürmte auf Harshnag zu, der mittlerweile die Eisblöcke auseinanderschob, damit die Gruppe zu Tira gelangen konnte. Er brüllte ihn an, was die Aussage sollte, dass es keine Fallen gäbe, doch dieser verteidigte sich gelassen damit, dass er das letzte Mal vor 10 Jahren dagewesen wäre. Totes Pferd hielt ihn mittlerweile für einen Verräter, doch er konnte sich noch nicht ganz sicher sein. Während der Auseinandersetzung stürmten Ryan und Wild Fire bereits zu Tira, um sie entgegen aller Wahrscheinlichkeit vielleicht doch noch zu retten. Sie arbeiteten sich dank der Vorarbeit von Harshnag bis zu ihr vor, doch sie mussten leider feststellen, dass Tira nicht mehr zu retten war. So gern sie auch getrauert oder ihr gedacht hätten – immerhin verband sie schon einige Auseinandersetzungen – noch war keine Zeit dazu. Wild Fire hörte entferntes Johlen und Rennen, dass sich den Helden näherte und machte sich mit Harshnag zusammen bereit, die Spalte, die durch die Eisblöcke als einziger Durchgang übriggeblieben war, zu verteidigen. Ryan und Totes Pferd wurden derweil dadurch abgelenkt, dass Blm darüber sprach, Tiras Überreste zu nutzen um einen untoten Diener zu erschaffen. Darüber regten sich beide auf und ein kurzer, sehr emotionaler Streit begann. Wild Fire, der dies auch hörte, verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Erinnerungen an seinen Bruder und sein Dorf schwemmten durch seinen Geist. Er würde sich noch mit Blm auseinandersetzen müssen. Kurz bevor die Gegner, bei denen es sich um Wurmblut persönlich, seiner Schamanin, einem weißen Wyrmling und 4 Berserkern handelte, die Spalte erreichten, wirkte Wild Fire noch die mächtige Unsichtbarkeit auf sich, wohl wissend, dass er im Nahkampf keine Chance hätte. Und so geschah es erneut, dass die Unberechenbarkeit der wilden Magie zuschlug. Während er unsichtbar wurde, verlor Wild Fire von den ungesehen sein gesamtes Fell. Die Haare fielen während des Zaubers einfach aus. Mit einem resignierten Seufzer bereitete sich Wild Fire vor, den fehlenden Wärmeschutz im kommenden Konflikt durch seine Feuermagie zu kompensieren.

Wurmblut war indessen herangeeilt, stürmte mit überraschender Geschwindigkeit durch den Spalt und versenkte seine Axt mit einem mächtigen Hieb in Harshnags Schienbein. Wild Fire konterte sofort mit einem Feuerball, den er kurz über den Köpfen der Gegner explodieren ließ und der Wurmblut, seine Schamanin, den Wyrmling und einen Berserker erfasste. Während der Wyrmling auf der Stelle von der Explosion starb, genoss Wild Fire die heiße Druckwelle, die auf seinen von der Winterkleidung bedeckten, felllosen Körper traf. Der Kampf entbrannte und während die Schamanin Wurmblut heilte, teilten dieser und Harshnag Schläge untereinander aus, unterbrochen von Wild Fires Feuerpfeilen, die sich in den Körper des Barbarenhäuptlings bohrten. Blm konkurrierte währenddessen mit der Schamanin und heilte die Wunden, die Wurmblut Harshnag zufügte. Ryan wuchs unterdessen auf Ogergröße und versuchte den Eisblock in Richtung der Gegner zu schieben, um die Feinde an der Wand einzuquetschen. Allein konnte er nichts ausrichten, doch Totes Pferd eilte sofort herbei und half ihm, als er das sah. Gemeinsam gelang es ihnen den riesigen Block zu bewegen, der auf dem Boden langschlitterte und Wurmblut und die Schamanin an der gegenüberliegenden Wand einquetschte. Wurmblut raste mittlerweile vor Wut, stemmte sich dagegen und drang verstärkt auf Harshnag ein. Ryan versuchte sich durch den neu entstandenen, kleinen Spalt zu zwängen, war aber zu groß, um hindurch zu gelangen. Unterdessen rannte Totes Pferd mit gezückten Waffen um den Block herum, holte im Lauf auf und trennte mit einem Sprung den Kopf vom Körper Wurmbluts. In seiner Raserei trat er im Lauf den Körper des Häuptlings gegen die Wand, vollführte eine leichte Drehung und warf sein Balor-Schwert direkt in den Leib der Schamanin, die vom Schwert aufgespießt nach hinten flog. „Mach deinen Frieden mit deinen Göttern, Priesterin, denn du triffst sie heute in der Hölle“ hallte es durch die Halle, als Totes Pferd im Kampfrausch seine Gegner verspottete. Während Wild Fire seine Feuerpfeile nun auf den Berserker richtete, schob sich Harshnag durch die Spalte, wobei der den Eisblock abermals etwas verschieben musste. Dabei quetschte er jedoch Ryan, der von Harshnag unbemerkt versucht hatte, auf der anderen Seite um den Block zu gelangen. Mit einem unterdrückten Schmerzensschrei wich dieser schnell wieder zurück, lies sich mit seiner psionischen Macht Flügel wachsen und flog nun leicht genervt über den Eisblock drüber. Totes Pferd hörte den Schrei und einen Moment lang fühlte er sich in seinem Verdacht bestätigt, dass Harshnag ein Verräter sei und dies mit Absicht getan hätte. Wurde Ryan gerade eben zerquetscht, so wie zuvor Tira? In Totes Pferd kochte der Zorn hoch und beinahe wäre er Harshnag an die Gurgel gesprungen – im metaphorischen Sinn, denn Totes Pferd bevorzugte es seine Gegner im Kampfrausch zu zerhacken – als er die Flügelschläge Ryans hörte und sich wieder etwas beruhigte. Doch Zweifel blieben bestehen.

Die Gruppe ging nun geballt gegen die übrigen 4 Berserker vor, wobei sich Blm schwer tat hinterher zu kommen. Totes Pferd, der mitten im Kampfgetümmel stand und durch den Vorfall mit dem Eisblock schon arg mitgenommen war, erlitt durch die Axt eines Berserkers eine hässliche Wunde. Schwankend und kurz davor umzukippen, drohte ihm nun doch wieder einmal das Ende. Wild Fire und Ryan, die das bemerkten, mobilisierten sofort alle Kräfte und während Wild Fire alles aus sich herausholte und mehrere Zauber gleichzeitig gegen die Berserker warf, kam Ryan im Sturzflug herabgesaust und schlug die Berserker mit psionisch unterstützten Faustschlägen wortwörtlich zu Brei. Nochmal durch einen Heilzauber Blms gestärkt, sammelte Totes Pferd seine letzte Kraft, schlug mehrmals auf den letzten Berserker ein, tauchte ab, wie zuvor Tira im Trainingskampf, griff sich den Gürtel des Berserkers, zog ihn kräftig zu sich heran und spießte ihn auf seinem Schwert auf.

Als sich der Adrenalinrausch des Kampfes langsam legte, machte sich Blm an die Heilung von Totes Pferd, während Ryan und Wild Fire die Gefallenen untersuchte. Wild Fire interessierte sich im Besonderen für Wurmblut. Vielleicht konnte er etwas bei ihm finden, dass eine Geschichte erzählte oder nützliche Informationen lieferte, wieso die Barbaren hier waren. Er fand jedoch nur Edelsteine und ein magisches Amulett, das er beides einsteckte. Vielleicht könnte man diese Sachen noch gebrauchen. Gerade, wenn er nach diesem merkwürdigen Abenteuer, in das er so gerutscht ist, wieder seine Schwester suchen wollte. Einige von Tiras Gegenständen wurden ihr abgenommen, da sie der Gruppe helfen könnten. Alle waren sich einig, dass Tira es so gewollt hätte, immerhin war sie auch dabei gestorben, als sie die Gruppe vor möglichen Gefahren beschützen wollte. Außerdem wollte Totes Pferd einige ihrer Gegenstände als Erinnerung behalten. So ging die Schriftrolle, die für den Klosterbruder bestimmt war, in seinen Besitz über. Ebenso wie einige andere Sachen, darunter auch das Amulett von Gruumsh, das Grumpf gefunden hatte und später Nashazar bei sich trug. Totes Pferd wollte es am liebsten zerstören, also verwahrte er es. Die zwei Dolche, die Tira verwendete, lösten sich bei einer Berührung auf, als sie nach wichtigen Gegenstände aus dem bisherigen Abenteuer durchsucht wurde. Im Anschluss brachten die Helden ihre Überreste an den Rand, legte sie ordentlich mit ihren restlichen Sachen bei und begruben sie leicht im Schnee. Alle hielten kurz inne und gedachten und dankten ihr. Totes Pferd, der so viele Kameraden in der letzten Zeit verloren hatte, ging auf Ryan zu und sprach mit ihm über seine Maske. Auf seine Weise lud er ihn ein, sich in der Gruppe als Freund zu fühlen. Ryans Maske, die im Kampf schwarz geworden war, wurde in der Zeit nach dem Kampf auch immer grauer und schließlich wieder weiß. Alle verabschiedeten sich noch einmal kurz von ihrer Gefährtin. Wild Fire zog die Kleidung um seinen nun nackten Körper noch etwas enger und gemeinsam setzten sie mit grimmigen Mienen ihren Weg in den Tempel weiter fort, bereit sich allen Herausforderungen zu stellen, die in der Anlage noch auf sie warten würden.

3 thoughts on “Die Pforte zum Auge des Allvaters (The Outbreaks)

  • Totes Pferd (Ben)
    3. Dezember 2017 um 11:26
    Permalink

    Eine kehlige, tiefe Stimme erklingt durch die eisigen Hallen des Riesentempels und hallt aus den uralten Pforten hinaus über die zerklüftete Eislandschaft.
    Totes Pferd singt ein Lied. Die Worte entspringen aus einem archäischen Dialekt der Elfen, den selbst die Anwesenden, die der Sprache der Gold- und Mondelfen mächtig sind nur sehr schwierig verstehen können. Das Lied erzählt von Hass und Einsamkeit und finsteren Himmeln, aber es spricht dem Zuhörer auch Mut zu, dass er nun von seiner Last befreit ist und seinen Weg zurück in die Wärme von Heimat und Familie finden möge.

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