Detektiv Cipher und der Hain des Brauens

Detektiv Cipher und der Hain des Brauens

Es ist soweit. Ich stelle fest, wie der Wahnsinn um sich greift. Da lässt man einmal seine „leicht verrückten“ Gefährten aus den Augen und schon beschwören Sie die Hölle auf Erden. Oder kleine komische Gnome, die Grüne Pupswolken produzieren, welche die Inhalierenden sonstwohin teleportieren, was aber im Grunde fast dasselbe ist. Nur weniger höllisch.

Also, da sind dieser Halbork und diese Drow, Gerlac und Camilla, die dieses kauzige Männchen angelockt haben, das mit Geld um sich schmeißt und total zusammenhangloses Zeugs ruft.

Ich hab ja versucht, zumindest meinen mönchigen Freunden, deren Namen ich mir nicht merken kann, weil der eine versucht hat, mich zu vergiften und der andere sich permanent vor uns versteckt, also ich habe versucht, denen etwas Kultur beizubringen. Mit meinem Kartenspiel. Bis es da draußen so laut wurde, dass ich die beiden sich selbst überließ, da sie sich darüber stritten, ob der Bube höherwertig ist, als die Dame, wenn die beiden als Paar ausgespielt werden. Wegen dem Korpulieren. Manche Männer sind wirklich sexistisch.

Wie dem auch sei, also da komme ich raus aus der Höhle und alles ist eingehüllt in grünem Pupsnebel. Und dieser komische Gnom – zumindest sagte irgendwer, da sei eine Art Gnom, so ein Leprekoon am zetern.

Da habe ich einfach meinen tollen Sprachzauber gewirkt, um zu verstehen, was so abgeht und mir eröffnete sich eines der verrücktesten Schmierentheater. Gerlac hatte das Wesen offenkundig beklaut und Anakis zählte Geld und die Mönche schrien sich nun gegenseitig über die Auslegung der Kartenregeln an. Ich übersetzte das verrückte geschehen für die anderen und sorgte mit einem kleinen Zaubertrick dafür, dass zumindest der Tischler, die Druidin und meine Wenigkeit den Nebel nicht einatmen müssen. Die anderen waren wohl zu weit weg, sehen konnte ich nichts.

Anakis meinte, wir müssten den Leprekoon aus seinem Versteck locken – am besten mit dem, was Sie vorhin bereits einmal vorgeführt hatte. Schlau wie ich war, kombinierte ich mit meinem Meistergehirn natürlich, dass Sie das Geld zählen meinte und teilte ihr meine kombinatorische Meisterleistung selbstbewusst mit.

Wortlos verschwand die Druidin im Nebel – vermutlich, um nach einer guten Stelle zu suchen, an der Sie optimal Geld zählen konnte. Gute Frau! Nen bisschen verrückt – aber irgendwie gut.

Ander hatte hierbei jedoch andere Pläne. Mit all dem Tumult und dem „Verschwinden“ der anderen Gruppenmitglieder nutzte dieser diebische Schurke die plötzliche Gelegenheit, um Tiamats Maskenteil an sich zu reißen und damit fortzureisen. Aber dank meiner blitzschnellen Reflexe habe ich ihn natürlich sofort durchschaut und bin ihm hinterher. Ich hatte zwar Hemmungen, in den Stinkenebel abzutauchen aber für das größere Wohl folgte ich dem umtriebigen Hexer um ihm sein heimliches Handwerk zu legen. Also nicht das Tischlern, sondern das klauen natürlich. Ich kann von meinen Lesern ja keine Kombinatorischen Glanzleistungen erwarten, wie sie mir regelmäßig passieren.

Jedenfalls atmete ich diesen giftgrünen Nebel da und halluzinierte wohl etwas, denn plötzlich sah ich Camilla, Anakis, einen bewusstlosen Gerlac, Maevina und den diebischen Ander alle in einer Art Hain stehen oder in Gerlacs Fall im grünen Moos des Waldes liegen und unverständliche Laute vor sich herbrabbeln und jede Menge anderer Leute, die ich noch nie im Leben gesehen hatte.

Jedenfalls musste ich Ander stoppen und mit genug Leuten, wovon die Hälfte vermutlich Illusionen waren, die durch diesen komischen Nebel erzeugt wurden, rief ich einmal kräftig zu, dass man doch bitte diesen Schwerverbrecher festhalten soll, da er die Maske Tiamats geklaut hat. Es ist zwar nur ein Bruchstück, aber meine Mutter sagte immer zu mir „Junge, du musst das große Ganze sehen, um zu verstehen, wie die Welt funktioniert.“ – ich bin sicher, das meinte Sie damit.

Gottseidank hörte dann so ein älterer Mann meinen Hilferuf und stoppte den Ander und nahm ihm die Maske ab. Erleichtert atmete ich auf und dankte dem alten Mann freundlich für seine Hilfe.

Irgendwer erklärte mir, der alte Mann sei ein Avatar von Silvanus und besagter Herr meinte, er wüsste alles über mich. Mir stieg – wie es sich für Adlige meines Standes gehörte – selbstverständlich die Verlegenheitsröte zu Kopf und ich bedankte mich herzlich für sein Engagement als freischaffender Biografiker. Es passiert ja nicht alle Tage, dass der Avatar eines Gottes ein Buch über die eigenen Heldentaten schreiben möchte.

Um alle beteiligten aus der Verlegenheit zu befreien, bestellte ich mir Elfenwein. Gratis, frei Haus. Als ich feststellte, dass es Getränke frei Haus gab, nahm ich direkt eine ganze Flasche mit – wer weiß schon, wann ich wieder die Gelegenheit habe, eine derartige Delikatesse zu verköstigen?

Während die anderen sich also weitestgehend betranken, genoss ich meinen sprudligen Elfenwein,  den Ausführungen des silvanischen Avatars lauschend.

Es gab also gar keine Maske in besagtem Lager, sondern nur Gefangene, die es zu retten galt. Ganz unbefangen wandte sich der gute Mann uns allen nochmal einzeln zu und gab uns jeweils ein Geschenk mit auf dem Weg. Ich erhielt von ihm ein magisches Kartenspiel, das irgendwie defekt war, da man damit ganz unbeabsichtigt schummeln konnte. Er meinte, er hätte kein anderes und könnte mit einer göttlichen Intervention nicht intervenieren, um das Kartenspiel zu reparieren aber ich hätte inzwischen kein anderes mehr dank den beiden Mönchen – danke sehr. Zumindest, tröstete er mich, sei das Kartenspiel unzerstörbar. Na immerhin etwas. Und vielleicht könnte ich kleinen Kindern mit ein paar Kartentricks ja ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Zumindest, wenn es keine dreckigen Dorfkinder aus den Slums sind – die haben schließlich Krankheiten.

Als wir zurück in der Höhle waren, fing ich direkt mit dem Pläne schmieden an, wohlwissend, dass sich der Maskensplitter in meinem Besitz befand. Ein Danke an die weise Entscheidung des Silvanischen Onkels. Anakis könnte doch sicher einen Erdrutsch auslösen, um das Lager des Kultes mehr oder minder zu begraben – die Unschuldigen gefangenen dabei natürlich ausgenommen.

Da fingen sich die beiden Streitmönche wieder und erklärten, dass es durchaus leichtere Wege zur Infiltration des Lagers gab, beispielsweise indem man sich einfach als Kultist verkleidet ins Lager schleicht.

Als ich erklärte, dass ich keinesfalls einen dreckigen Kultisten schauspielern würde, bot man mir eine Statistenrolle als Sklave an, den man bei Bedarf treten und schlagen könne. Ich lehnte dankend ab, wohlwissend, dass eine derartige Position unter meiner Würde war. Wenn, dann wollte ich irgendwas cooles sein, wie ein Drache. Ich stellte mir vor, wie Ander mit seinen Feuerzaubern magische Effekte schuf, um die Effekte glaubwürdiger zu gestalten.

Apropos Ander. Sein Verhalten sorgte bei mir für einen enormen Glaubwürdigkeitsverlust und so debattierte ich mit dem Rest der Gruppe, ob er nicht ein doppelagentiger Spion der Kultisten war, der versuchte, uns das Leben schwer zu machen. Indizien gab es ja genug: Seine katastrophale Performance beim Überfall auf das Lager, der versuchte Raub der Maske und seine komische Art, die mich misstrauisch machte. Wir kamen zu dem Schluss, dass Ander sich ja nun beweisen könne, wenn Sie das Kultistenlager infiltrierten.

Da mir das alles zu suspekt war, schlug ich vor, mit Anakis einen Backup-Plan zur Rettung der restlichen Gruppe zu erarbeiten, falls sie es vermasseln sollten – in Form eines Tunnels und eines Erdrutsches. Der Ander erhielt dann noch einen tollen Zauber von mir, um viel glaubwürdiger zu wirken. Er ist zwar ein Charismabolzen aber ihm fehlte einfach der Umgang und die Erfahrung mit militanten Rängen und autoritären Strukturen, was der Kult in gewisser Form zu sein schien.

So kam es, dass alle ihre entsprechenden Positionen einnahmen. Ich konnte zwar nicht wirklich was sehen aber nach einigen Minuten gab es im Lager wohl eine riesige Explosion und im Himmel stiegen plötzlich zig Drachen auf. Ich dachte mir nur: fuck. Fuck. FUCK FUCK FUCK! Und machte Anakis ein Zeichen, sich für den „Notfallplan“ vorzubereiten. Ich sah aus der Ferne nur, wie der Atem eines oder zweier Drachen den Wagen traf und dieser plötzlich führerlos geradeaus weiterraste.

Also warf ich mein magisches Schwert, um somit die Pferde in meine Richtung zu lenken, sie quasi fernzusteuern. Der Wagen rollte zu unserer Grube und Anakis bereitete den Erdrutsch vor. Körper flogen in den provisorisch gebauten Tunnel und ich warf und rettete, was lebte oder auch nicht.

Die arme Camilla traf es leider tödlich, der Atem der Drachen hatte ihr Lebenslicht ausgelöscht. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, als ein böses Omen ihr bereits am Hang des Berges fast das Leben kostete, als Sie den Abhang hinunter fiel und auf den Boden klatschte, wie eine überreife Tomate. Damals war es eine Lache von Heiltränken, die sie zumindest hätte auflecken können doch diesmal war es nur noch Blut. Und Ruß. Und Frost. Von den Drachenatems. Sie starb sozusagen an Gefrierbrand. Die arme tapfere Halbelfe. Dabei hatte ich mir eine so schöne Zukunft vorgestellt, wie wir glücklich verheiratet mit ein paar Kindern in Candle Keep wohnten und sie nicht mehr eine unbedeutende Commonerin war. Dieser Traum wird nun nie mehr Wirklichkeit werden.

Zurück in der Realität musste ich eine Entscheidung treffen. Ich versorgte die Verletzten mit magischer Heilung und kroch dann zum unverschütteten Ausgang, den Anakis und ich vorausschauend angelegt hatten. In nicht allzu großer Ferne konnte ich eine Kutsche mit meinen Mönchbrüdern und Maevina entdecken und rief meinen Tunnelgefährten zu, ich würde sie bald holen kommen, sie sollen auf mich warten, ich hole Hilfe.

Und so trank ich den mir anvertrauten Unsichtbarkeitstrank und rannte zur Kutsche, um diese einzuholen, berichtete den dreien als auch den Gefangenen, die Sie anscheindend gerettet hatten, wo sich unsere Freunde versteckten und von Camillas Ableben, um einige Zeit später zurück zu kehren und die anderen aus Ihrem Versteck zu befreien.

In all meinen Jahren habe ich noch nie etwas derartig Verrücktes erlebt. Oder so viele chromatische Dreivierteldrachen gesehen. (Ich kann ja nicht erkennen, ob das richtige Drachen sind oder ob die sich einfach verwandeln…) Das schreit nach einen Bericht für die Legion der Schwertküste. Das stellt ja quasi eine schwere Gefahr der inneren Sicherheit dar.

Zurück in Greenest fing ich also direkt an, meinen Bericht zu schreiben und all den Schmerz, den mir Camillas Tod bereitete, in Kreativität zu verwandeln und ließ die Feder schwingen, wie es sonst nur mein tanzendes Schwert konnte.

One thought on “Detektiv Cipher und der Hain des Brauens (The Legacy of the Grey Guardians)

Schreibe einen Kommentar