sanaFür Sana wäre der Job eine goldene Gelegenheit gewesen, dabei war sie ganz zufällig darüber gestolpert.
Sie war auf der Suche nach Wissen gewesen, wie es ihrer neugierigen Natur entsprach, Schriften über die Grundlagen der arkanen Magie, technische Handbücher über den Bau von Schlössern, irgendetwas, womit sie, ihrer Meinung nach, ihren Intellekt ein wenig fördern und gleichzeitig einem nützlichen Zweck zuführen konnte. Nur leider hatte die etwas weltfremde junge Frau nicht wirklich begriffen, wie teuer es wirklich war, handgeschriebene Bücher zu erstehen, noch dazu auf Mintarn, so weit entfernt von einem echten Zentrum des Wissens und der Gelehrsamkeit, wie man auf den Mondseeinseln nur sein konnte. Das einzige, was wirklich in ihrer Preisklasse war, war ein Buch über Geschäftsführung und Rechenwesen, zu erstehen um einen kleinen Gefallen.
Der Buchhändler bot ihr Arbeit an, ein paar offene Stellen in einem geplanten Sklaventransport von Mintarn nach Calimhafen an – nicht für ihn persönlich natürlich, er war nur Mittelsmann im Geschäft. Sana sagte ohne zu zögern zu, bekam die Adresse des eigentlichen Auftraggebers und war schon auf zum Moradintempel, um ihre Verbündeten darüber zu informieren.

Anskaviat hatte derweil eine Unterhaltung mit dem Vorsteher der örtlichen Diebesgilde. Der Dieb hatte korrekt erkannt, dass sie Vorräte brauchen würden, wenn sie den kommenden Sturm heil überleben wollten und seiner Meinung nach war die beste Möglichkeit, an welche zu kommen bei einem örtlichen Apotheker einzubrechen. Sein Vorgesetzter hatte glücklicherweise etwas mehr Voraussicht, als Anskaviat und schaffte es, ihm den tollkühnen Plan auszureden. Er bot ihm sogar einige Heiltränke umsonst an, zur Unterstützung für Anskaviats Mission auf Mintarn. Es war nicht gerade die reiche Ausbeute, die in der Apotheke gemacht hätte, aber zumindest hatte er sie risikofrei bekommen.

Auch Tamrosekincaiwellyn, inzwischen besser bekannt unter dem Namen Totes Pferd hatte ebenfalls Arbeit gefunden, obwohl er garnicht danach gesucht hatte. Die zwei Druiden, der er im Einbeinigen Basilisken kennengelernt hatte, boten ihm an, seine inzwischen doch ziemlich üblen Verletzungen mit ihrer Magie zu versorgen, was er dankend annahm. Im Gegenzug dafür baten sie jedoch um einen Dienst. Nicht als Handwerker oder gar als Mietschwert, nein, er sollte die Stadtverwaltung überreden, den beiden mehr Grund in der Stadt zur Verfügung zu stellen, sodass sie die kläglichen kleinen Grünflächen zu einem richtigen Garten ausweiten konnten. Totes Pferd, der gerade selbst die heilende Wirkung der Druidenpflanzen erlebt hatte, versprach zu tun was er konnte.

Alle wieder beim Tempel versammelt versuchte Sana nun zu erklären, wohin sie sich da reingeritten hatte. Sobald das Wort Sklavenhandel fiel, spaltete sich die Gruppe ziemlich deutlich, Sana stand alleine gegen Thoringal, Anskaviat und vor allem Totes Pferd und Sandrose, die beide aus eigener Erfahrung wussten, was es hieß in die Sklaverei verkauft zu werden. Thoringal und Anskaviat sprachen sich dafür aus, den Auftraggeber hochzunehmen und den Sklavenhandel auf Mintarn auf diese Weise direkt zu unterbinden und diskutierten mit Sana über die Logistik eines solchen Unternehmens. Totes Pferd warf den Vorschlag in die Runde, sich als Söldner in die Operation einzuschleichen und so eine Möglichkeit zu finden, sie von innen heraus zu zerschlagen, was bei Grumpf den Anstoß zu einer gefährlichen Idee gab. Der Ork stürmte davon, was die meisten in der Gruppe glauben ließ, er wäre einfach mit der Moral der Situation nicht einverstanden, Sandrose lief ihm sogar sofort hinterher, um ihn noch zu beruhigen, doch in Wahrheit hatte der Ork gerade einen Plan gefasst.

ivan-perez-ayala-orc-faceGrumpf war ein simpler Mann, aber bei weitem kein dummer. Fragen der Moral kümmerten ihn wenig, seine oberste Priorität galt immer dem eigenen Überleben und mit der Liste von Namen und Adressen, die er und der Wildelf in Blinkers Versteck in der Kanalisation gefunden hatten, hatte er ein ziemlich eindeutiges Bild der Situation. Namen auf der Liste waren in schwarz für Verbündete oder rot für Ziele eingetragen und solange er auf der Liste der Ziele stand, würde diese Geschichte kein glückliches Ende für ihn nehmen. Also machte er sich mit Sandrose auf, diesen Herrn Steinbrück aufzusuchen und schlug mit ihm einen einfachen Handel ein: Grumpf würde ihm liefern, was er wollte – Hug Sturmbrecher der sich derzeit im Gewahrsam der Stadtwache befand, lebend – und dafür würde sein Name sowie ein weiterer, den Grumpf ihm später nennen würde von der roten Liste gestrichen und in die Sparte der Verbündeten übertragen werden. Grumpf unabhängig von den anderen zum selben Schluss gekommen, jemand sorgte dafür, dass die Namen auf der roten Liste einen „Fluchtweg“ nach Mintarn hatten, nur führte dieser Weg unvermeidlich auf einen calimshaner Sklavenmarkt.

Inzwischen hatten sich die andere vier Mitglieder der kleinen Gruppe, Thorignal, Totes Pferd, Anskaviat und Sana samt ihres Wolfes bei der Adresse eingefunden, die Sana während des Tages schon besucht hatte und einen Plan gefasst. Sie würden in das Haus des Händlers einbrechen, ihn mit Hilfe des lähmenden Giftes, dass sie den toten Assassinen vom Vortag abgenommen hatten entführen und ihn an einem sicheren Ort verhören, um alles über die Sklavenschlepper und ihre Operation zu erfahren und sie beenden. Anfangs lief noch alles ganz gut, Anskaviat und ausgerechnet Totes Pferd schafften es, die vier Wachen die um den äußeren Zaun des Anwesens patroullierten leise und effizient auszuschalten, nahmen sich jedoch nicht die Zeit, ihre Leichen zu entsorgen, was sie nur wenige Minuten später bitter bereuen würden. So kämpften sich bis zum Tor des Hauses vor, wo sie allerdings gegen festen Widerstand trafen. Ein Quartett von trainierten und gut ausgerüsteten Wachen, keine Stadtwachen sondern private Mietschwerter des Händlers, bewaffnet mit Hellebarden und Armbrüsten stellte sich ihnen in den Weg. Trotz eines harten Gefechts hielten die Wachen unnachgiebig die Stellung und unsere Helden mussten sich mit blutigen Nasen und eingezogenen Schwänzen zurückziehen. Mehr schlecht als recht schafften sie es vom Grundstück des Händlers zu fliehen, ihr heldenhaftes Unterfangen war nicht nur gehörig schiefgegangen, jetzt hatten sie sich auch noch einen weiteren mächtigen Feind auf Mintarn gemacht. Hätten die einfachen, moralisch fragwürdigeren Weg gewählt und einfach zusammen mit Sana den Auftrag angenommen, wäre das alles nicht passiert, aber sie hatten ihre Prinzipien und denen waren sie gefolgt.

Und Sandrose… arme, arme Sandrose. Sie hätte es wirklich kommen sehen sollen. Sie war dabei gestanden und hatte zugehört, wie Grumpf sich seinen Deal ausgehandelt hatte, ohne mit der Wimper zu zucken hatte er zugestimmt alles, wofür er und seine neuen Verbündeten in den letzten Nächten gekämpft hatten für seine eigene Sicherheit zu opfern. Er hatte sie einen Eid schwören lassen, dass sie niemanden davon erzählen würde, aber ihr Wort alleine hatte dem paranoiden Ork einfach nicht genügt. Am Rückweg zum Einbeinigen Basilisken hatte er spontan entschieden, ihr Schweigen auf genau die selbe Weise zu sichern, wie er alle seine Probleme zu lösen Pflegte. In einer engen Gasse, so schmal dass die beiden hintereinander gehen mussten, um überhaupt durchzupassen überfiel er die Halbriesin. Sie versuchte sich zu wehren, aber der Angriff passierte so schnell und sie hatte so wenig Platz, dass sie es nicht einmal schaffte ihr Schwert zu ziehen und so groß und stark sie auch war, mit den Fäusten alleine hatte sie keine Chance sich auch nur gegen Grumpf zu wehren. Grumpf setzte einen Würgegriff an, presste ihr das Leben aus dem Leib und ließ den leblosen Körper der Sandrose in einem Hinterhof zurück, halb vergraben unter einem Haufen Vorratsfässern und Kisten.

Drei Männer folgen entgegen jeder Vernunft ihren Prinzipien und versagen dabei kläglich. Ein Mann agiert aus reinem Eigennutz und eine Frau, die ihn für einen Freund gehalten hatte stirbt dafür.
Egal auf welcher Seite von Gut und Böse man sich selbst wiederfindet, oder ob man überhaupt an die Bedeutung von solchen Worten glaubt, es gibt absolut keinen Zweifel daran welche Philosophie in dieser Nacht gewonnen hatte.

Erfahrungspunkte:

IvI4 – 1800
IvI5 – 1500
IvI6 – 1350
IvI7 – 1050

One thought on “Fragen der Moral (The Outbreaks)

  • Grumpf/Gomorra (Hemi)
    24. September 2015 um 6:24
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    Er war immer ein Einzelgänger gewesen! Und jetzt wusste er auch wieder warum. Es war der Egoismus der Menschen der die Galle in ihm hochsteigen lies. Jeder dachte nur noch an sich… Würde ohne mit der Wimper zu zucken, nur für den eigenen Vorteil seine Freunde verraten. Das Leben eines anderen war ihnen nichts mehr wert. Was zählte waren alleine Sie. Sie selbst und ihre wünsche. Menschen wurden für ein Buch in die Sklaverei verkauft, aus reinem Geiz Verbündete bestohlen…. Obwohl was bedeutete Verbündete denn überhaupt für diejenigen die ihre Großmutter für nen Kecks opfern würden?
    Aber wenn es dieses Spiel war, das sie spielen wollten, dann sollte es so sein. Es war ein Spiel auf das er sich nur zu gut verstand. Jeder für sich! So soll es sein!
    Er wusste was er zu tun hatte und er würde vor nicht zurück schrecken. Es war wieder Zeit über Leichen zu gehen…

    Soviel zur Motivation, die hinter Grumpf letzten Taten steckt.
    Grumpf wird ab nun auch wieder ausschließlich seine eigenen Interessen verfolgen und die sind im Moment (wiedereinmal) die Befreiung von h ug Sturmbrechen, was diesmal wohl eher seine Tod als seine Rettung bedeutet…
    Darum wird sein Hauptaugenmerk am nächsten Tag darauf liegen herauszufinden wo und wie genau Hug in gewahrsam gehalten wird. Kontakte zur Wache und zu Madame. Flay sollten dafür ja ausreichen. Vielleicht schafft er es ja sogar unter einem Vorwand Hug zu sehen. Weiters wird er nochmals mit den Burschen sprechen, die das Turnier veranstalltet haben und nachfragen ob die Kaiserliche Wache immernoch interesse an ihm hat, sollte das so sein, wird er nun das Angebot annehmen und dort vorstellig werden. Wer weiß welche neuen Freunde er dort findet …. Muahahaha

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