Am Abend des 27. Eleasis suchte ich mir eine ruhige Ecke ein wenig außerhalb von Jurax Lager und betete dort zu Eldath.
Dazu tröpfelte ich ein wenig Wasser aus meinem Wasserschlauch auf die Erde und danke dafür, dass das Wasser leben bringt, die Pflanzen wachsen und die Saat gedeihen lässt. Mein Gebet wurde erhört und zugleich gewährte mir Eldath meinen Wunsch, so das ich meine Zauber auffrischen konnte.

Zurück im Lager angekommen schnitze Bran wieder an seinem Wanderstab, Jurax und Calzifer warfen sich wieder einmal ein paar Wortfetzen an den Kopf und Amara kümmerte sich um Terax. Da die Sonne mittlerweile untergegangen war, kümmerte ich mich darum dass das Lagerfeuer nicht erlosch.

Das Licht der Sterne und des Mondes wurde immer wieder von herüberziehenden Wolken unterbrochen. Allerdings war die Sicht dennoch ausreichend, so das ich stehend die Bogenbrücke und das dahinter liegende erhellte Dorf sehen konnte. Nach nicht all zu langer Zeit begannen wir uns alle auf die Nacht vorzubereiten. Amara, Jurax und Bran wollten jeweils eine Wacht übernehmen, Calzifer und ich meinten nur, wenn irgendwas ist, wir müssten geweckt werden wenn etwas passieren sollte.

28. Eleasis

Die Nacht verlief anscheint ruhig. Zumindest konnte ich durchschlafen und am nächsten Morgen beim Frühstück wurde nichts erzählt, was auf eine Störung der Nacht hindeuten lies. Nachdem wir uns alle gestärkt hatten, sammelten wir unsere sieben Sachen zusammen und gingen in Richtung der Brücke.

Der Fluss war breit und dementsprechend die Brücke lang. Anfangs hielt ich es für ein Trugbild, aber die Brücke bestand tatsächlich aus vielen Bögen. Wobei der Bogen in der Mitte der größte und höchste war. Wahrscheinlich für die Schiffe, die hier den Fluss auf und ab fuhren. Es kam mir fast so vor, als ob ich über eine sehr hüglige Straße gehen würde. Hoch, runter, hoch, runter und dann kam schon wieder der nächste Bogen. Nach guten
300 – 350 Metern hatten wir den Fluss überquert und standen auf der anderen Seite.

Das Dorf war zwar noch ein wenig von uns entfernt, aber wie zu erkennen war, hatte es keine wirkliche Befestigung. Ein paar einfache Türme und ein kleiner Graben reichten anscheint aus. Jurax drehte sich zu Miyu um, hielt sein Generalsabzeichen hoch und fragte ob er es abnehmen dürfe. Die junge Königin wirkte ein wenig verwirrt, nickte nur und stimmte somit zu. Als auch Amara ihr Amulett abgenommen hatte, blickten wir alle Calzifer erwartungsvoll an. Es bedurfte ein wenig Überredungskunst damit auch Calzifer einsah, das es nicht sinnvoll ist, nun als General gekennzeichnet durch das Dorf zu marschieren, während wir auf der Suche von den Dieben sind, die die Händler in der Königsstadt erwähnten.

Ich stieg von Nym ab und sagte der Gruppe, wenn wir uns verlieren, wir treffen uns am Marktplatz wieder. Verwandelte mich in einen Schreckenswolf und verließ die Gruppe zur linken Hand und steuerte, nachdem ich ein wenig über das Feld lief, auf den Graben zu. Nachdem ich den Wachturm zur linken und den anderen zu meiner Rechten beobachtet hatte und mir sicher war, das mich keiner entdeckt hatte, schlich ich mich durch den Graben. Angekommen im Dorf suchte ich mir einen Weg durch die Gassen zum Marktplatz und kam an einer Taverne an. Die Taverne lag direkt an einem großen Platz.

Da von dem Rest der Gruppe niemand zu sehen war, legte ich mich vor die Terrasse der Taverne und seufzte ein klein wenig vor mich hin. Niemand kam mir zu nahe oder entfernte sich groß von mir.

Die Sonne brannte regelrecht und ich ärgerte mich, das ich mir keinen schattigen Platz ausgesucht hatte. Einen kleinen Augenblick später hörte ich aus der Taverne ein klirren und mehrere männliche Stimmen die lachten und irgendwas von sich gaben. Allerdings konnte ich immer noch nicht diese komische Sprache verstehen, die hier alle sprechen. Genau in dem Moment erblickte ich am anderen Ende des Dorfplatzes den Rest der Gruppe.

Als ich wieder zu der Taverne hinter mir schaute, sah ich wie eine junge Schankmaid gerade die Tische abräumte. Sie wollte wieder in die Taverne gehen, wurde jedoch von einem Haufen von schlecht aussehenden, riechenden und sich benehmenden Saufbolden aufgehalten. Es waren insgesamt 9 an der Zahl, die sich in einem Halbkreis um das Mädel stellten und ihr so den Weg in die Taverne versperrten. Alle trugen ein Kurz- bzw. teilweise ein Langschwert bei sich. Aber auch die sahen mehr als nur dürftig aus.

Von der Stimmlage her waren es genau die gleichen, die auch vor wenigen Augenblicken in der Taverne gelacht haben. Irgendwas sagten oder fragten sie und das Mädchen wusste nicht genau, wohin sie treten sollte um den größtmöglichen Abstand zu halten. Plötzlich stolperte sie über ihren langen Rock und fiel einem der Männer in die Arme. Der lachte nur, sagte etwas und warf sie regelrecht in die Arme von einem anderen Mann. Das einzige was ihn von den anderen Männern unterschied, er war muskulöser. Er hielt das Mädchen und betatsche sie an den Beinen, Hintern, Bauch und überall da, wo seine Hände hinkamen.

Auch wenn ich die Sprache nicht konnte, so verstand ich, dass das Mädchen das nicht wollte. Also drängte ich mich durch die Männer hindurch und Biss minimal dem muskulösen Mann in den rechten Arm, so das er das Mädchen los lies und knurrte ihn wütend an.

Der Mann knurrte und brüllte irgendetwas, was ich nicht verstand. Die anderen Männer die mich nun umringt haben, griffen an ihre Schwerter und sahen ein wenig grimmig aus. Nochmals biss ich leicht zu, jedoch wollte der muskulöse Mann nicht loslassen. Ich brüllte den Mann an und das einzige was es bewirkte, er erschreckte sich kurz, fasste sich dann aber wieder. Nun erschallte ein tiefes und lautes brüllen hinter mir. Ein Schreckensbär stand direkt vor der Terrasse und bäumte sich auf. Bran und der Rest war also angekommen.

Dazu kam nun auch ein alter Mann mit einem Gehstock und langem weißen Bart. Er ging auf das junge Mädchen zu, fuchtelte mit dem Stock in der Gegend rum und mal wieder, ich verstand nichts. Können die ihr alle nicht ordentlich sprechen?, fragte ich mich. Plötzlich ging die elfische Späherin, die von allen nur Amara genannt wurde, an mir vorbei und redete ebenfalls die komische Sprache. Es ging anscheint hin und her. Mittlerweile war auch die Wirtin mit auf der Terrasse und schien ebenfalls mit in dem Gespräch verwickelt zu sein.

Da ich nicht wirklich verstand was hier vor sich ging und mir das alles zu bunt wurde, ebenfalls zogen die ganzen Männer nun ihre Schwerter und verengten den Kreis um mich ein wenig, verzauberte ich den muskulösen Mann in ein Eichhörnchen. Soll er sehen wo er bleibt, wenn er nicht hört und nicht mal ordentlich sprechen kann. Das Mädchen und alle um mich herum wirkten überrascht. Der alte Mann schloss das Mädchen in die Arme und schien sie beschützen zu wollen.

Wieder wurden ein paar Sätze gewechselt, die anscheint nur Amara verstand. Danach drehte Amara sich zu Calzifer um und fragte, ob er den Zauber aufheben könne. Calzifer zögerte ein wenig, gestand dann jedoch ein, das er den Zauber bannen kann. Nachdem das Eichhörnchen wieder ein Mann war, sagte Amara nur, Mianissa und Bran, kommt von der Terrasse runter. Wir wollen keinen Ärger machen. Missmutig legte ich mich vor das Mädchen und den alten Mann und als es den Anschein hatte, dass die zwei nicht mehr in Gefahr waren, verschwand ich in einer Seitengasse und verwandelte mich wieder in meine Hybridgestalt. Dann suchte ich mir einen Weg zurück zu der Taverne und gesellte mich als „schaulustige“ dazu.

Nach ein paar Minuten lösten sie sich die unfreiwillige Gesellschaft auf und Amara ging in die Taverne. Jurax, Calzifer und ich folgten ihr. Kurz nach uns kam Bran ebenfalls mit. Wir orderten etwas zu essen und trinken bzw. Jurax und Amra übersetzten. Das Mädchen, der alte Kauz und ein Junge gesellten sich zu uns und wir bekamen heraus, dass der alte Kauz der Onkel des Mädchens war und der Junge unter seiner Obhut stand. Ling hieß das Mädchen, der Junge Wang und beide arbeiteten in der Taverne. Schung, so der Name des alten Mannes, meinte am Ende des Gespräches noch, das wir bei ihm unterkommen könnten. Er muss sich immerhin revanchieren.
Als wir mit dem Essen und Trinken fertig waren, Ling und Wang wieder an die Arbeit gegangen sind und auch Schung die Taverne verlassen hatte, gesellten sich noch ein paar Männer zu uns an den Tisch. Sie fragten, ob wir die Männer des Generals verscheucht hätten und wenn ja, sollten wir es richtig machen. Sonst würden sie immer wieder kommen.

Während des Gesprächs mit den Männern, bei welchem Jurax und Amara wieder übersetzten, bekamen wir folgendes mit:

  • es gibt einen General der das Dorf vor übergriffen beschützt
  • für den Schutz verlangt er Schutzgeld
  • das Schutzgeld wird an jeden Monatsende eingetrieben
  • vor ca. 10 Jahren wurde der General von einer Standarte des Königs verscheucht und die Übergriffe der Räuber starteten kurz danach
  • als der Bürgermeister den General wieder engagierte, ließen die Überfälle nach
  • viele Bürger schienen zwar stramme Abgaben leisten zu müssen, kämen aber über den Winter
  • manche Bürger müssten deutlich höhere Abgaben leisten und können nur durch die Hilfe des Dorfes den Winter überstehen

Kurz nachdem das Gespräch mit den wenigen Dorfbewohnern begonnen hatte, sagte Bran nur Ich verfolge die Raufbolde und damit verschwand er auch. Nym, seinen Bären lies er zurück.

Als wir fertig waren, lud uns Schung direkt zu sich ein. Es war kein langer Weg zu Schungs Haus, nur schräg über den Dorfplatz.
Dort angekommen erfuhren wir, das Schung einmal so etwas wie ein Bildhauer gewesen war, Ling seine Nichte ist und Wang las er eines Tages auf der Straße auf. Wang möchte einmal ein großer Kampfkunstmeister werden und daraufhin überlegte ich laut, ob nicht in der Königsstadt ein Meister war. Jurax bestätigte dies und sah ein wenig nachdenklich dabei aus. Gleiches falls wurde uns erklärt, das seit ungefähr 3 Jahren jedes Frühjahr und jeden Herbst ein Bote nach Taitung gesandt worden ist, damit die dortige Garnison Wachpersonal schicken solle. Allerdings kam mehrere Wochen, nachdem der Bote losgeschickt worden ist, nur ein Händler mit einer Absage zurück. Zu gleich wurde mitgeteilt, dass die Boten alle in der Garnison bleiben wollten und ebenfalls nicht zurück kamen.

Das Gespräch zog sich hin und gegen späten Nachmittag meinte ich nur, ich werde mich um die Tiere des Dorfes kümmern. Ich ging zu der Taverne, bot der Wirtin 15 Goldstücke an und gab ihr zu verstehen, das ich Gulasch haben möchte. Sie brachte mir einen Topf mit Gulasch, der ungefähr 15 – 20 Liter beinhaltete.
Als ich mich auf den Weg zu der Terrasse machte, schnellte sie mir hinterher und wieder einmal keifte sie irgendwas, was ich nicht verstand. Können die hier nicht mal verständlich reden? brummte ich vor mich hin und ich ging weiter. An der Terrasse angekommen gab ich meinem Tigon, einer schon ausgestorbenen Rasse der Leoparden, den Auftrag niemanden an das Gulasch zu lassen.

Währenddessen ging ich in die Gassen, suchte mir mehrere Steine zusammen und formte sie per Magie zu Schüsseln. Die Schüsseln befüllte ich mit Gulasch und verteilte sie dann in dem ganzen Dorf, damit die Tiere etwas zu fressen haben.

Irgendwann stoß Bran zu mir, half mir bei der Essensausgabe und erklärte auch, was er im Wald gefunden habe. Er habe die Raufbolde verfolgt und kam zu einer verlassenen Ruinenstadt, weit draußen im Wald. Die Häuser waren nur behelfsmäßige Bauten, auch die Palisade war mehr als nur dürftig und die Wachtürme sollten schon fast von alleine einstürzen. Er schätze die Anzahl an Menschen auf 90. Eine große Höhle bzw. Fels grenzte direkt an die Ruinen an. Der vordere Teil war fast komplett mit Gestrüpp zu gewuchert, nur ein ca. 3 x 3 Meter großer Eingang war zu erkennen. Der hintere Teil war vom Wald selbst beansprucht worden. Ebenfalls war ein großer Teil der Bäume in der Stadt niedergeholzt worden und er konnte mehrere Tierkadaver sehen, ohne das zu erkennen war, dass die Tode hätten wirklich sein müssen.

Nachdem wir mit der Essensausgabe fertig waren, gingen wir zurück zu Schung und beratschlagten was wir machen werden. Griffen wir die Ruinen an, begutachteten wir die Ruinen oder warten wir auf den sogenannten General? Letzteres war unsere Entscheidung. Jurax fertigte mit Miyu noch zwei Briefe an. Einer gab er Wang mit den Worten Ein Händler bringt dich in die Königsstadt. Dort gibst du der Palastwache den Brief und diese wird dich zum Kampfmeister bringen. Er wird dich unter seine Fittiche nehmen. Der Zweite Brief ging an Ling und Jurax erklärte, das sie mit Miyu nach Taitung reiten würden um Soldaten aus der Garnison zu holen. Der Brief selbst war ein Befehl an die Garnison, dass das Dorf hier im Wechsel von jeweils 10 Soldaten beschützt werden sollte und das ein kleiner Außenposten errichtet wird.

29. Eleasis

Jurax flog mit Wang auf seiner Stahlschwinge davon und kehrte nach ca. 3 – 4 Stunden ohne den Jungen zurück. Amara half Ling und Miyu bei der Reisevorbereitung und verabschiede die Beiden dann auch. Bran und ich erkundeten das Dorf noch einmal, damit wir etwaige Schwachstellen oder Schutzgebiete für die Bürger finden konnten, sofern es zu einem Kampf kommen sollte.

Als wir alle wieder beisammen waren, holte Jurax ein Tisch mit mehreren Stühlen aus der Taverne und stellte sie auf den Dorfplatz. Die Wirtin kam fauchend auf ihn zu und ein kleines Wortgefecht entbrannte. Allerdings sah Jurax gelangweilt aus. Anscheint war die Wirtin nicht so wortgewandt wie Calzifer.

Gegen frühen Nachmittag kam der selbsternannte Generale mit ca. 50 Mann in das Dorf geritten. Nun kam auch der Bürgermeister und brachte eine Kiste mit dem Schutzgeld, die er sofort vor den General stellte. Amara und Jurax stellten jeweils einen Fuß auf die Kiste und forderten den General auf, sich als General auszuweisen. Immerhin muss jeder General des Kaisers, solange er sich im Kaiserreich Shu-Lung befindet, sich auch als General öffentlich ausweisen. Als dies auf mehrfacher Anfrage nicht geschah, machten sich die 50 Mann kampfbereit. Jurax teilte Bran zwar mit, er solle noch nichts machen, allerdings habe ich vorher von keiner Abmachung etwas mitbekommen.

Ich zauberte eine Dornenhecke, die gute 48m x 48m x 1,5m maß und der Truppe den Fluchtweg abschnitt. Die Truppe sah verwirrt und geschockt zu gleich aus, vor allem da Bran nun doch mehrere Männer in ein Steingefängnis einsperrte. Während ich langsam mit der Einstellung Ihr entkommt mir eh nicht, auf die Männer zu ging, verstärkte ich noch meine natürliche dicke Haut und stellte mich dann vor einen der jungen Raufbolde. Mit dem Kurzspeer und Schild auf dem Rücken, legte ich eine Hand auf die Brust des Burschen und sagte nur zu Amara, wenn die Burschen nicht ihre Waffen niederlegen, so stirbt ihr Freund hier.

Amara sprach irgendwas was in der Sprache, die ich nicht verstand und ich konnte sehen, wie ein zweites Steingefängnis wieder mehrere Männer umschloss. Der Raufbold, den ich gestern zu einem Eichhörnchen verwandelte, lief auf Amara zu und der General auf Jurax. Der Zwerg entwaffnete den General sogleich und warf ihn zu Boden, setzte sich dann so auf ihn, dass der General nur noch in den Sand prusten konnte. Die Elfe stellte sich dem „Eichhörnchen“ in den Weg und drohte ihm sogleich, wenn er nicht gehorche, so werde er wieder ein Eichhörnchen.

Da die Burschen vor mir nicht die Waffen niederlegten, entzog ich per Magie dem Jungen vor mir jegliches Wasser im Körper. Im wahrsten Sinne des Wortes mumifizierte ich ihn und lies nur die Bandagen weg. Seine Freunde sahen geschockt aus, als ein komplett ausgedörrter Mann zu Boden fiel und dann ging ich auf den Nächsten zu. Bran schleuderte einen Blitz in die Masse von Männern und grillte damit gleich 10 – 20 Personen.

Die paar letzten überlebenden versuchten zu fliehen, ebenfalls das Eichhörnchen. Ich schleuderte ihnen eine Salve an Energiezähnen hinterher. Bran zauberte eine Flammenwand, die er so formte, das sie einen Kreis um die noch fliehenden Männer bildete. Als die Flammen verschwanden, konnten wir sehen, alle von ihnen fanden den Flammentod.

Nun lebte nur noch der falsche General, den Jurax noch im Schwitzkasten hielt.

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