Ihr erinnert euch an das Ende meiner letzten Erzählung? Sehr gut, denn da werden wir diese hier direkt ansetzen. Da standen wir nun, vor uns eine riesige Kreatur, wohl kaum dazu aus, uns Blumen zu schenken. Und mittendrin Zehnhammer, der bereits begonnen hatte, auf das Vieh einzudreschen. Während er das Vieh ablenkte, überlegten wir, wie wir am besten vorgehen sollten. Es kam zu einer ellenlangen Diskussion – in Wirklichkeit war sie gar nicht sooo lang aber man will ja die Spannung halten – aus der ich als Siegerin hervor ging und alle willigten ein, dass wir den Kampf einfach vermeiden und drum herum schleichen sollten. Zehnhammer schien ja prima ohne uns klar zu kommen. Tatsächlich schaffte er es, die Monstrosität in die Knie zu zwingen, noch bevor wir überhaupt in die Nähe des Gartens kamen, durch den wir mussten, um zu den Katakomben zu gelangen. So langsam verlor ich ein bisschen den Überblick über dieses Gebäude mit seinen tausenden Räumlichkeiten. Nichtsdestotrotz bildete ich die Nachhut und motivierte Zehnhammer noch für den Rest seines Kampfes mit ein paar empor gereckten Daumen. Im Garten lief ich dann fast in meine Leute hinein, die einfach stehen geblieben waren. Irgendetwas schien bei ihnen für Verwirrung gesorgt zu haben. Aber ich konnte beim besten Willen nicht ausmachen, was genau, bis man mir erzählte, dass sie einen Leprechaun gesehen hätten. Das erklärte zumindest die vielen Goldmünzen auf der Treppe, die ich kurzerhand einsammelte. Allerdings schien nicht nur er für Verwirrung bei uns gesorgt zu haben, sondern wir vor allem für selbige bei ihm, denn so wie man mir erzählt hatte, war er vor uns weggelaufen. Dann hörten wir ein Klirren, ein Fluchen und sahen eine grünliche Gaswolke, die sich mehr und mehr vor uns ausbreitete. Der Duft der Wolke erinnerte definitiv nach Pfefferminz. Wir schritten hinein und ich fühlte ein seltsames Kribbeln in meinem Kopf … Je dichter die Wolke wurde, desto stärker wurde das Gefühl und ich konnte kaum mehr die eigene Hand vor Augen sehen. Geschweige denn einen meiner Freunde. Doch auch auf Rufe meinerseits reagierte niemand. Was auch immer hier los war, sie waren verschwunden. Aber zumindest konnte ich die Ursache für diesen Nebel ausmachen: Der Leprechaun musste eine kleine Flasche fallen gelassen haben, aus der nun dieses grüne Gas strömte. Vielleicht konnte ich es ja stoppen, indem ich Wasser drauf schüttete. Gesagt, getan. Nur leider verstärkte das den Geruch weiter. Ebenso wurde auch das Gefühl in meinem Kopf stärker und plötzlich sah ich nur noch grelles Licht. Dann wieder Grün.

Ich sah mich irritiert um. Hatte ich nicht eben noch auf einer Steintreppe gestanden? Nun umgab mich das grünste Gras, das ich seit meinem Leben bei den Druiden gesehen hatte, Vögel zwitscherten und überall saßen, standen, redeten und lachten Geschöpfe der Natur. Und da waren auch meine Freunde! Irgendwie hatte diese Wolke uns hier her teleportiert. In einen Wald voller Dryaden, Satyre, angenehm schmeckender Liköre und Weine … Es war wunderschön! Während meine Freunde das alles für selbstverständlich hinnahmen und sich Getränke nahmen, bei den Dryaden begnügten oder einfach nur durchs Gras rollten, begutachtete ich alles mit großen Augen und entdeckte so eine Person, die an der Theke saß und mir seltsam vertraut vorkam. Ich musste zweimal hinsehen, um zu erkennen, wer da saß. Sylvanus! Sofort gesellte ich mich zu ihm, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob man sich einfach so zu einer Gottheit an den Tisch setzen durfte … Naja, selbst wenn man es nicht gedurft hätte, hätte ich es wahrscheinlich gemacht. Wir kamen ein wenig ins Gespräch und er war ein echt netter Kerl. Er machte uns sogar Geschenke. Er gab jedem von uns eine Schriftrolle, die uns temporären Schutz vor Elementen geben konnte. Ebenso überreichte er mir einen Beutel mit Kräutern, die besonders gut bei Verletzungen helfen sollten. Das würde mir und meinen Freunden in Zukunft bei weiteren Kämpfen hoffentlich von großem Nutzen sein. Er wünschte uns viel Glück, dann verschwand er. Und mit ihm verschwanden auch der Wald und alles, was sich darin befunden hatte.

Wären wir mal lieber dort geblieben, denn das, was sich nun vor uns erstreckte, war bei Weitem nicht so schön, wie ein Wald. Auch wenn es irgendwo beeindruckend aussah! Wir hatten offensichtlich die Katakomben erreicht, denn vor, neben und über uns waren überall dämonische Kreaturen zu sehen. Über uns flatterten kleine, geflügelte Biester durch die Luft, wir sahen weitere Glabrezu, womit wir ja schon einmal Bekanntschaft gemacht hatten und erblickten weitere Kreaturen, deren Namen ich nicht kannte. Schließlich war ich Druidin, keine Dämonenjägerin. Auch wenn ich den Gedanken daran ganz nett fand. Zurück zum Wesentlichen! Ebenso wie wir all diese Dämonen sahen, sahen wir das Portal, das es zu schließen galt. Kiara gab Rudger den Dolch, sodass er unsichtbar in seinen Mantel gehüllt zum Portal stürmen und es schließen konnte. Gesagt, getan. Während er verschwand kümmerten wir uns noch ein um eine hässliche, fette Kreatur (so langsam beschlich mich das Gefühl, dass die meisten Dämonen echt hässlich waren!), um ihm den Rücken freizuhalten. Dann beobachteten wir, wie das Portal zerbröselte. Wir hatten es geschafft. Hinter uns vernahmen wir einen lauten Jubelruf, der von Zehnhammer stammte. Er hatte offensichtlich überlebt. Ganz ohne unsere Hilfe. Ich war begeistert. Und ebenso begeistert war ich darüber, dass ich ein Dämonenportal gesehen und es überlebt hatte! Ebenso, wie auch alle anderen überlebt hatten.

Schreibe einen Kommentar